„Ein gutes Gedächtnis ist erlernbar!“ Interview mit Deutschlands Superhirn Boris Nikolai Konrad

Auf einen Espresso mit dem Gedächtnisweltmeister

Boris Nikolai KonradAls Redner und Trainer ist es für mich extrem wichtig, mich jederzeit auf mein Gedächtnis verlassen zu können. Natürlich besonders im Umgang mitKunden und Seminarteilnehmern – wie oberpeinlich, einen wichtigen  Namen nicht parat zu haben. Aber auch in meinen Vorträgen steht und fällt meine Performance damit, wie gut ich in der Lage bin, mir den Ablauf, die Geschichten und Botschaften merken zu können. Lange Zeit dachte ich, dass ein gutes Gedächtnis ausschließlich auf Talent beruhen würde und hatte mich damit abgefunden, dass mein eigenes Gehirn eher wie das sprichwörtliche Sieb war. Bis ich meinen Rednerkollegen Boris Nikolai Konrad kennenlernte, der es schaffte, in mir eine gewisse Faszination für das Thema Gedächtnistraining hervorzurufen und mir die entsprechenden Techniken näher brachte. Vor kurzem ist nun sein aktuelles Buch mit dem Titel „Superhirn – Gedächtnistraining mit einem Weltmeister“ erschienen. Was lag da näher, als mit Boris ein persönliches Interview zu führen und ihm ein paar spannende Insiderinformationen aus der Welt des Gedächtnissports zu entlocken…

Ilja: Boris, eben haben wir uns noch in Spanien zum Redner-Brainstorming getroffen. Da lag die Gedächtnis-WM noch vor Dir. Nun bist Du gerade zurück aus London, wo Du wieder Weltmeister im Namen merken geworden bist. Meinen herzlichen Glückwunsch dazu! Wie viel hast Du selber im Vorfeld trainiert, um dieses Niveau zu erreichen?

Boris: Ich betreibe ja jetzt seit 10 Jahren Gedächtnissport. Das hat den Vorteil, dass ich bei meiner Vorbereitung jeweils von einem hohen Level starten kann. Trotzdem habe ich in den Wochen vor der WM natürlich jeden Tag trainiert. Mal nur eine Viertelstunde, mal zwei Stunden, wenn es die Zeit erlaubt hat. Dabei habe ich mich auf meine Spezialdisziplin, das Namen merken, konzentriert. Und bin natürlich überglücklich, dass sich das ausgezahlt hat!

Ilja: Als Redner interessiert mich natürlich: Wie bist Du selber zu Deinem Redner-Thema Gedächtnis gekommen?

Boris das SuperhirnBoris: Es fing ganz banal damit an, dass ich selber nach guten Büchern zu dem Thema für mein Studium suchte. Ich fand einige Trainingsbücher, die die verschiedenen Techniken zwar vermittelten, denen es aber an wissenschaftlichem Hintergrund mangelte. Andere Bücher hingegen waren rein wissenschaftlich, dafür ohne jeden praktischen Nutzen oder Unterhaltungswert für den Leser. Daher habe ich zusätzlich wissenschaftliche Arbeiten gelesen. Zeitgleich bin ich im Gedächtnissport in den Ranglisten immer weiter geklettert und habe alle Techniken selbst ausprobiert Ich habe mich dann mit dem Thema Gedächtnis immer intensiver beschäftigt und dann auch meine Doktorarbeit dazu geschrieben. Es wurde zu einer Faszination und Leidenschaft. Heute spreche ich darüber in meinen Vorträgen und bringe meine Erfahrungen aus Gedächtnissport, Gedächtnistraining und Gedächtnisforschung auf nützliche und unterhaltsame Weise zusammen

Ilja: Auch in Deinem neuen Buch “Superhirn“ ist es Dir ein Anliegen, die Lücke am Buchmarkt zu schließen, die Du selber bemerkt hast?

Boris: Ja, genau. Ich wollte ein für alle Mal klar darlegen, dass jeder, wirklich jeder, sein Gedächtnis optimieren kann, der bereit ist, dafür etwas zu tun. Ein gutes Gedächtnis ist nicht bloß den Genies vorbehalten! Jedes Mal, wenn die Teilnehmer meiner Seminare in kurzer Zeit riesige Verbesserungen erzielen bin, ich aufs Neue begeistert, dass unser Gehirn derart vielfältig und anpassungsfähig ist. Die Gehirnforschung zeigt dazu, dass tatsächlich andere Gehirnbereiche beim Lernen „mitarbeiten“. Durch das Anwenden einer Methode kann sich jeder plötzlich mehr merken. Das ist extrem spannend und motivierend.

Ilja: Du weißt ja, dass ich in meinen Vorträgen auf sämtliche Krücken wie Power Point, Folien oder Karten verzichte. Wie können wir Redner unsere Performance nachhaltig durch ein optimales Gedächtnis verbessern, so dass Notizen, Kärtchen oder Teleprompter endgültig der Vergangenheit angehören und wir uns voll und ganz auf unsere Zuhörer konzentrieren können?

Das Superhirn Boris KonradBoris: Durch Gedächtnismethoden wie die Loci-Methode, bei denen wir unser Gehirn so füllen, wie es sinnvoll ist. Tatsächlich wurden viele der Ansätze schon von den griechischen Rhetorikern entwickelt, hatten also von Beginn an Redner als Zielgruppe (lacht). Bei der Loci-Methode etwa merkt man sich Stichworte seines Vortrags über Bilder im Raum, die man dann beim Vortragen ganz einfach abrufen kann. So wird man auch durch Zwischenfragen nicht mehr aus dem Konzept gebracht und hat auch ohne Notizen den roten Faden immer parat.

Ilja: Wer sollte Dein Buch lesen?

Boris: (lacht) Alle natürlich! Ich weiß, die Zielgruppe „alle“ ist verpönt. Es ist in diesem Fall aber tatsächlich so, dass ich eine sehr breite Zielgruppe ansprechen möchte. Wer sich im Beruf- oder Alltag mehr merken können möchte, wer sich im Detail dafür interessiert, wie das Gedächtnis funktioniert und warum es überhaupt möglich ist, es zu verbessern, sollte „Superhirn“ lesen. Auf jeden Fall auch, wer sich fragt, wie Gedächtnis- und Denksportler im TV zu solch „unglaublichen“ Leistungen fähig sind oder wer gerne selbst oder für seine Kinder Tipps für noch bessere Leistungen in Schule oder Studium hätte.

Ilja: Boris, was ist Dein ultimativer Gedächtnis-Tipp für alle, die regelmäßig öffentlich sprechen?

Boris: Nicht nur den Text vorbereiten, sondern auch Bilder für die Schlagworte! Am besten die Bilder auch im Text unterbringen, denn nicht nur wir selbst merken uns über Bilder Inhalte viel besser, unsere Zuhörer natürlich auch. Wer regelmäßig spricht, sollte zudem die Loci-Methode kennen.

Ilja: Ich danke Dir ganz herzlich für das Interview und wünsche Dir natürlich ganz viel Erfolg mit Deinem Buch. Ich habe es ja bereits gelesen und fand nicht nur die von Dir vorgestellten Techniken sehr spannend, sondern vor allem die vielen Geschichten, in denen man viel über Dich als Person und Deine eigene Geschichte erfährt. Für mich ist es also mehr als nur ein reines Gedächtnisbuch und eine absolute Empfehlung!

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Bonus

Als kleines Bonbon gibt es nun noch ein kleines Video, in dem man die phänomenalen Leistungen von Boris einmal „live“ erleben kann. Der Film entstand spontan während unseres Treffens auf Mallorca im November. Dort sehen Sie, wie man sich ein komplettes Kartenspiel in nicht mal 1 Minute merken kann.

Über den Autor

Das Superhirn Boris KonradBoris Nikolai Konrad ist ein wahrer Tausendsassa. Er ist mehrfacher Gedächtnisweltmeister, 5 Sterne Redner und mehrfacher Weltrekordhalter im Namenmerken. Er trat bereits zwei mal bei Wetten Dass? auf und gewann beide Wetten. Im Dezember 2012 wurde er in der gleichnamigen ZDF Sendung mit Jörg Pilawa zu „Deutschlands Superhirn“ gewählt. Kein Wunder, denn sein eigenes Gedächtnis ist phänomenal. So stellte er im Jahr 2010 einen neuen Weltrekord im Namen merken auf und merkte sich 201 Namen und Gesichter in nur 15 Minuten. 2011 erhielt er einen der begehrten Einträge ins Guinness-Buch der Rekorde.  Sein Hörbuch „Das perfekte Namensgedächtnis“ (GABAL) befindet sich seit Jahren in den Bestsellerlisten. In seinem neuen Buch „Superhirn – Gedächtnistraining mit einem Weltmeister“ gibt er sein Insiderwissen aus Wissenschaft und Wettkämpfen an seine Leser weiter.

Weitere Infos zu Boris unter: www.boriskonrad.de