Love it. Change it. Or Leave it.

Oder: 3 Wege, wie wir unserem Job (wieder) einen Sinn geben können

Wie sehr mögen Sie Ihren Job? Lieben Sie ihn geradezu abgöttisch, ist es eher ein notwendiges Übel oder bekommen Sie bereits ein Magengeschwür, wenn Sie nur daran denken? Wenn Sie Ihre Arbeit mögen, dann gehören Sie zu einer kleinen und exklusiven Minderheit, denn der Großteil der Menschen ist im besten Fall mit der eigenen beruflichen Tätigkeit unzufrieden. Ich kenne sogar eine Menge, die ihn regelrecht hassen. Würden Sie mir da zustimmen? Aber wenn dies nun so ist, warum handeln dann so wenige Menschen entsprechend und verändern etwas? Die Antwort ist so einfach wie kompliziert: Es ist die Angst vor der Veränderung. Die Angst vor dem Unbekannten.

Die Angst vor der Veränderung

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, in kaum einem Lebensbereich dominiert die Angst unser Handeln so sehr wie im Job. Das hat einen einfachen Grund, denn nirgendwo prallen zwei der für uns Menschen wichtigsten Werte auf eine derart heftige Art und Weise aufeinander. Ich spreche von Sicherheit auf der einen und dem Drang nach Freiheit auf der anderen Seite. Vor einiger Zeit habe ich von einer Studie gelesen, dass neue Mitarbeiter spätestens nach zwei Wochen wissen, ob sie langfristig im Unternehmen bleiben werden. Trotzdem gehen die meisten dieser Menschen, die unzufrieden sind, erst nach zwei Jahren. Umgekehrt ist es ähnlich: Die Firmen wissen in der Regel bereits nach drei bis sechs Monaten, ob sie einen neuen Mitarbeiter langfristig behalten wollen. Sollte dies nicht der Fall sein, kündigen sie ihm allerdings durchschnittlich erst nach drei Jahren. Der Grund für diese Art von scheinbar wiedersinnigem Verhalten? Schlicht und einfach Angst. Angst, keinen neuen Job zu bekommen. Angst, keinen besseren Mitarbeiter zu finden. Angst vor dem möglichen Konflikt. Und so nimmt man lieber die Alternative in Kauf, die unter dem Strich auf einen einzigen Zustand hinausläuft: Unzufriedenheit.

Das Leben ist zu kurz für Unzufriedenheit

Sowohl auf Seiten der Angestellten als auch auf Seiten der Unternehmen werden viel zu viele Kompromisse geschlossen. Wahrscheinlich haben Sie auch schon von der berühmten Gallup-Studie gehört. Diese wird mittlerweile fast schon inflationär von Speakern, Buchautoren und Vortragenden jeglicher Couleur verwendet und besagt: In deutschen Unternehmen hatten im Jahr 2014 nur 14 Prozent aller Angestellten eine hohe Bindung zu ihrem Unternehmen. 61 Prozent verspürten dagegen nur eine geringe Verbundenheit und ganze 23 Prozent hatten innerlich längst gekündigt und waren nur noch körperlich anwesend (und auch das nicht immer, der gelbe Schein lässt grüßen).  Diese Zustände brechen mir immer wieder das Herz, denn eine solche, von Angst getriebene Unzufriedenheit müsste überhaupt nicht sein. Und da wir den Großteil unseres Wachbewusstseins nun mal im Job verbringen, sollte nichts eine so hohe Priorität genießen, wie einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, die uns fordert, erfüllt und dankbar macht. Und auch die Unternehmen jeglicher Größenordnung sollten eine Menge Aufwand betreiben, damit ihre Mitarbeiter sich bei ihnen wohl fühlen und ihr volles Potenzial entfalten können.

Verantwortung als Grundlage für Veränderung

Visionäre Unternehmer haben eine Tatsache schon lange begriffen: Wenn Menschen in einer passenden Arbeitsumgebung ihre Fähigkeiten, Talente und Stärken einbringen können, dann sind sie zu außergewöhnlichen Leistungen fähig. Richard Branson – Multimillionär, Inhaber von über 260 Firmen und Gründer der Virgin Group – hat das auf seinem Blog mit folgendem Satz sehr passend zusammengefasst: „Geben Sie Ihren Angestellten eine Mission, die zu ihren Ansprüchen passt. Wenn Sie Menschen herausfordern, werden Sie überrascht sein, zu was sie fähig sind.“ Und natürlich weiß ich, dass nicht alle Unternehmer so eine tolle Einstellung haben, wie Richard Branson. Es gibt eine hohe Anzahl an Firmen, die nicht so viel Wert darauf legen, der Mitarbeiterbindung eine hohe Priorität einzuräumen. Möglicherweise arbeiten Sie sogar in einem solchen Unternehmen. Natürlich wäre es jetzt das Leichteste auf der Welt, in den Chor der Jammerer einzustimmen und sich darüber zu beschweren, wie furchtbar der eigene Job doch ist. Allerdings möchte ich Sie an dieser Stelle gerne daran erinnern, wie viel Kraft die Eigenverantwortung haben kann. Sollten Sie auch nur den geringsten Anflug von beruflicher Unzufriedenheit verspüren, dann möchte ich Sie gerne einladen, sich hier und jetzt das Versprechen zu geben, aktiv etwas daran zu ändern. Was ich damit meine? Ich spreche von der Verpflichtung Ihnen selbst gegenüber, aus einem langweiligen und frustrierenden Beruf eine sinnvolle Tätigkeit zu machen, der Sie täglich mit einer hohen Motivation nachgehen. Nicht nur einmal, sondern jeden einzelnen Tag. Denken Sie immer dran: Ein Job ist nur dann ein gewöhnlicher Job, wenn Sie sich dafür entscheiden, ihn genau so zu bewerten.

Drei Wege, dem eigenen Job Sinn zu verleihen

Stattdessen gibt Ihnen wirklich jede nur denkbare Tätigkeit die Gelegenheit, Ihre einzigartigen Talente und Fähigkeiten zu entfalten. Möglich ist das allerdings nur, wenn das, was Sie acht (und in vielen Fällen wesentlich mehr) Stunden am Tag tun, einen tieferen Sinn hat, und Sie morgens mit Zufriedenheit und abends mit Dankbarkeit erfüllt. Lassen Sie uns also drei Möglichkeiten anschauen, wie Sie die Kraft einer sinnvollen Tätigkeit dazu nutzen können, den Grad an Eigenverantwortung, Erfolg und Erfüllung in Ihrem Leben deutlich zu erhöhen. Denn nichts verhindert das Gefühl der Angst so elementar wie ein von Sinn getriebenes Denken und Handeln. Weil Sie auf einmal aus einem Zustand der Gewissheit agieren, der Sie mit einer enormen Portion Mut und Entschiedenheit ausstatten wird.

Sinn-Faktor #1: Nehmen Sie den vorhandenen Sinn wahr

Immer wieder stelle ich fest, wie reflexartig sich Menschen auf all die Dinge in ihrem Job konzentrieren, die sie sowieso nicht ändern können. Sie stören sich an den ungerechten Vorgesetzten, den faulen Kollegen und den viel zu anspruchsvollen Kunden. Sie schimpfen über die Rahmenbedingungen, die Unternehmenspolitik und beschwören die gute alte Zeit herbei. Und vergessen dabei häufig, den Blick auf die schönen Dinge zu richten, auf all das, was gut funktioniert und was den eigenen Arbeitsplatz zu etwas Besonderem macht. Ich bin der Überzeugung, dass wirklich jeder Job seine guten Seiten und einen tieferen Sinn haben kann. Ja, wirklich jeder. Aber nur, wenn wir bereit sind, ihn auch wahrzunehmen. Schauen Sie also genau hin. Achten Sie auf die Werte in Ihrem Unternehmen, die Dinge, die Sie an Ihrem Job lieben und all die vielen Kleinigkeiten, die Ihr Herz mit Freude erfüllen, sobald Sie daran denken. Schnell wird auf diese Weise aus einem einfachen Arbeitsplatz eine von Sinn und Zufriedenheit geprägte Tätigkeit, die Ihnen die Chance gibt, Ihre eigene Großartigkeit auszudrücken.

Sinn-Faktor #2: Erschaffen Sie einen Sinn

Sollte Ihnen trotz intensiver Suche partout nichts Sinnvolles an Ihrem aktuellen Job auffallen, dann widerstehen Sie bitte dem Impuls, sich in die Opferhaltung zu flüchten. Werden Sie stattdessen selbst aktiv. Vor Kurzem habe ich auf Instagram einen schönen Spruch gelesen: „Die Welt ist voller wunderbarer Menschen. Solltest du keinen finden, dann sei selber einer.“ Da ist eine Menge dran, oder? Und das Gleiche gilt für die Frage nach dem Sinn unserer Jobs. Auch Ihr Arbeitsplatz ist voller sinnvoller Aspekte. Und wenn Sie keine finden können, dann kreieren Sie eben selbst welche. Es gibt unzählige Möglichkeiten, auch den scheinbar unwichtigen Dingen einen Sinn zu geben. Der Buchhaltung, den Routinetätigkeiten, den Kundentelefonaten, den Mitarbeitergesprächen oder dem Weg zum Arbeitsplatz. „Aber Ilja, welchen Sinn könnten denn all diese Dinge schon haben?“ Mir fallen da einige Möglichkeiten ein. Beispielsweise weil es für einen bestimmten Kunden wichtig ist, weil Sie einen Beitrag für Ihr Team leisten, weil Ihre Branche einen wichtigen gesellschaftlichen Zweck erfüllt oder weil Sie ein gutes Beispiel für Ihre Kollegen sein wollen. Und manchmal liegt der größte Sinn schlicht und einfach darin, dass es das Richtige ist, etwas Bestimmtes zu tun. Weil Sie einen Vertrag unterschrieben haben, weil Sie es zugesagt haben oder weil man sich auf Sie verlässt.

Sinn-Faktor #3: Machen Sie nichts Sinnloses mehr

Ich garantiere Ihnen, dass Sie mit den ersten der beiden Möglichkeiten in über 95 Prozent aller Fälle aus einem gewöhnlichen Job eine sinnvolle Tätigkeit machen können. Was aber, wenn es Ihnen trotz aller Bemühungen nicht gelingt, auch nur ein kleines Fünkchen Sinn in Ihrem Job zu finden oder zu kreieren? Dann sollten Sie sich so schnell es geht nach einer sinnvollen Alternative umsehen und der altbekannten Veränderungsweisheit „Love it, change it or leave it“ nachkommen. Ihnen macht alleine der Gedanke Angst? Aber was wäre die Alternative? Dass Sie acht Stunden am Tag Dinge tun, die Sie frustrieren, einengen und unglücklich machen? Das sind in einer Woche schon 40, in einem Monat 160 und in einem Jahr 1.920 Stunden, die Sie in einem Job verbringen, den Sie nicht mögen, verabscheuen oder sogar hassen. Sollte Ihnen diese Tatsache nicht viel mehr Angst machen? Stellen Sie sich dieser Angst, reißen Sie die gedanklichen Mauern ein und kreieren Sie sich Lebens- und Arbeitsumstände, die einen Sinn haben. Sie werden es nicht bereuen.