Vor 17 Jahren habe ich die beste Entscheidung meines Lebens getroffen. Damals hätte ich das aber noch nicht so gesagt.
Am 1. März 2009 kündigte ich meinen vermeintlich sicheren, gut bezahlten Job als leitender Angestellter im Handel. Keine große Vision, kein Masterplan. Nur diesen unstillbaren Drang, eine Delle ins Universum hauen zu wollen. Den Wunsch, etwas zu hinterlassen, das zählt. Etwas, das mehr ist als ein Gehaltsscheck und ein Titel auf einer Visitenkarte.
Was danach kam, war keine Erfolgsstory in gerader Linie. Es war eine Achterbahn aus Höhen, Tiefen, Zweifeln, Rückschlägen und Momenten, die ich gegen nichts auf der Welt tauschen würde. 17 Jahre, in denen ich gelernt habe, was es wirklich bedeutet, ein Business aufzubauen, eine Marke zu sein und jeden Tag mit Überzeugung aufzustehen.
In diesen 17 Jahren durfte ich auf der ganzen Welt sprechen, habe 14 Bücher geschrieben, die in 7 Sprachen übersetzt wurden, Awards gewonnen und mit den besten Marken der Welt gearbeitet. Kunden, die mich seit Jahren immer wieder buchen und auf deren Vertrauen ich jeden Tag stolz bin.
Und doch: Niemand gewinnt alleine. Das ist vielleicht die wichtigste Lektion von allen.
Aber fangen wir von vorne an. Hier sind meine 17 größten Learnings aus 17 Jahren Selbstständigkeit.
1. One Sale a Day. Jeden Tag. Nicht wenn es passt.
Das Mindset des „One Sale a Day“ war einer meiner größten Hebel. Wer selbstständig ist, muss verkaufen. Punkt. Nicht irgendwann, nicht wenn die Rahmenbedingungen perfekt sind, sondern täglich. Eine aktive Vertriebshandlung pro Tag, konsequent und ohne Ausrede. Dieses eine Prinzip hat mein Business mehr verändert als jedes Tool und jeder Hack, den ich je ausprobiert habe.
2. Das Fundament schlägt alle Hacks. Immer.
Werte, Purpose, Identität. Das klingt nach weichem Kram, ist aber das härteste Fundament, das Du haben kannst. Wer weiß, wofür er steht, trifft bessere Entscheidungen, zieht die richtigen Kunden an und übersteht Krisen mit einer Klarheit, die kein Tool der Welt ersetzen kann. Alle Hacks, alle Methoden, alle Strategien bauen auf diesem Fundament auf. Ohne es baut man auf Sand.
3. Struktur zuerst, dann delegieren und automatisieren.
Viele Selbstständige delegieren das Falsche zur falschen Zeit. Definiere zuerst Deine Struktur, Deine Prozesse, Deine Standards. Erst dann übergib. Was Du nicht selbst verstehst, kannst Du nicht delegieren. Und was Du nicht delegierst, frisst Deine Zeit, Deine Energie und letztendlich Dein Wachstum.
4. Vertrieb und Marketing muss jede(r) beherrschen.
Es gibt keine Ausrede. Kein „das liegt mir nicht“, kein „dafür habe ich jemanden“. Vertrieb und Marketing sind die Lebensadern jedes Business. Wer sie nicht versteht, ist von anderen abhängig. Wer sie beherrscht, ist frei. Und Freiheit war immer mein Ziel.
5. Personal Branding ist überlebenswichtig.
Nicht „nice to have“. Nicht ein nettes Extra. Überlebenswichtig. In einer Welt, in der jeder alles anbietet und alle gleich klingen, ist Deine Persönlichkeit Dein schärfstes Differenzierungsmerkmal. Wer Du bist, wie Du denkst, was Du vertrittst. Das kann Dir niemand kopieren.
6. Wer sein Business nicht nach Zahlen führt, fährt blind.
Kenne Deine wichtigsten KPIs. Umsatz, Marge, Conversion, Wiederbuchungsrate, was auch immer für Dein Business zählt. Zahlen lügen nicht. Bauchgefühl ist gut, Bauchgefühl plus Zahlen ist besser. Wer die Zahlen kennt, kann steuern. Wer sie nicht kennt, reagiert nur.
7. Das Imposter Syndrom verschwindet nie.
Egal, wie erfolgreich Du wirst, egal wie viele Bühnen, Bücher und Auszeichnungen Du hast. Das Imposter Syndrom klopft regelmäßig an Deine Tür. Der Unterschied zwischen denen, die scheitern, und denen, die weitermachen, ist nicht das Fehlen von Zweifeln. Es ist die Entscheidung, trotzdem weiterzumachen.
8. Mach DEIN Ding. Allen recht machen funktioniert sowieso nicht.
Je erfolgreicher Du wirst, desto mehr Nörgler kriechen aus ihren Löchern. Das ist eine Naturgesetz der Selbstständigkeit. Die Lösung ist nicht, es allen recht zu machen. Die Lösung ist, so klar in Deiner Identität zu sein, dass Kritik Dich informiert statt erschüttert. Mach DEIN Ding. Die Richtigen werden es lieben.
9. Lebenslanges Lernen ist Pflicht.
Nicht Option. Nicht Hobby. Pflicht. Die Welt verändert sich schneller als je zuvor, und wer aufhört zu lernen, hört auf relevant zu sein. Das gilt für Fachkenntnisse genauso wie für persönliches Wachstum. Investiere in Deine Weiterentwicklung, jedes Jahr, ohne Kompromisse.
10. Produziere Content, statt Dein Hirn mit Doomscrolling zu frittieren.
Content ist der Beweis Deiner Expertise. Er arbeitet, wenn Du schläfst. Er baut Vertrauen auf, bevor jemand auch nur ein Wort mit Dir gewechselt hat. Und er positioniert Dich als Stimme in Deinem Markt. Die Zeit, die Du in Doomscrolling versenkst, ist Zeit, die Du in Sichtbarkeit investieren könntest.
11. DU bist das Business.
Jede Entscheidung, die Du triffst, jede Aussage, die Du machst, jede Energie, die Du ausstrahlst. Alles davon ist Dein Business. Das ist eine riesige Verantwortung und gleichzeitig die größte Freiheit, die es gibt. Denke, entscheide und handle immer danach.
12. Steuern sofort beiseitelegen. Immer.
Leg Dir von jeder Einnahme sofort genug für die unterschiedlichen Steuern beiseite, am besten mit automatisierten Unterkonten. Die Einnahme, die auf Deinem Konto landet, gehört nicht komplett Dir. Wer das früh verinnerlicht, spart sich böse Überraschungen und schläft besser.
13. Such Dir Coaches und Mentoren, die Dir die Wahrheit sagen.
Nicht die, die Dir sagen, was Du hören willst. Die, die Dir sagen, was Du hören musst. Ein guter Coach ist kein Cheerleader, er ist ein Spiegel. Wer sich solche Menschen ins Leben holt, wächst schneller, macht weniger vermeidbare Fehler und kommt klarer aus schwierigen Phasen heraus.
14. Disziplin schlägt Inspiration jeden Tag.
Gute Prozesse, klare Standards und konsequente Disziplin sind wichtiger als der nächste kreative Geistesblitz. Inspiration kommt und geht. Disziplin bleibt. Wer auf Inspiration wartet, um produktiv zu sein, wartet meistens zu lange. Wer Systeme baut, produziert auch dann, wenn die Motivation auf Urlaub ist.
15. Halte immer 6 bis 12 Monate Reserve. Nicht verhandelbar.
Selbstständigkeit bedeutet Freiheit, aber diese Freiheit braucht ein Fundament. Wer keine Reserve hat, trifft Entscheidungen aus Angst statt aus Stärke. Nimmt Aufträge an, die er ablehnen sollte. Senkt Preise, die er halten müsste. 6 bis 12 Monate Jahreseinkommen als Reserve sind kein Luxus. Sie sind die Voraussetzung für echte unternehmerische Freiheit.
16. Deine Gesundheit ist Dein wertvollstes Gut.
Du bist das Business. Und wenn Du ausfällst, fällt das Business aus. Schlaf, Bewegung, Ernährung, mentale Gesundheit. Das sind keine Wellness-Trends, das ist Betriebsstrategie. Wer seine Gesundheit schützt wie sein wertvollstes Kapital, weil sie genau das ist, hat langfristig den entscheidenden Vorteil.
17. Genieße den Weg. Denn Leben ist ein Verb.
Der nächste Meilenstein ist nicht das Ziel. Das nächste Buch, die nächste Bühne, die nächste Zahl. Das Leben passiert nicht irgendwann, wenn alles perfekt ist. Es passiert genau hier, genau jetzt, in diesem Moment. Genieße den Weg. Nicht trotz der Achterbahn, sondern wegen ihr.
Niemand gewinnt alleine.
So stolz ich auf all das auch bin, was diese 17 Jahre gebracht haben, so sehr weiß ich auch: Keine einzige dieser Zahlen, keine Bühne, kein Buch, kein Award hätte je eine Rolle gespielt, wenn ich diesen Weg alleine gegangen wäre.
Dieser Text ist daher ein riesiges Dankeschön an alle, die diesen Weg mit mir geteilt haben. Kunden, Partner, Leser, Kollegen, Wegbegleiter, Kritiker, Freunde und ja, auch die Hater, ohne die ich niemals da wäre, wo ich heute bin.
Der größte Dank aber geht an DICH.
Von Herzen, Dein Ilja

