Intrinsic motivation - doing makes the difference

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Erfolgsmensch im Sonnenuntergang, symbolisiert Inspiration und Transformation.

Es war irgendwann im Herbst 2013, und ich stand vor einer Gruppe von etwa dreißig Mitarbeitern in einem mittelständischen Unternehmen irgendwo im Ruhrgebiet, die mich mit einer Mischung aus Misstrauen und müder Resignation anschauten, wie man sie nur bei Menschen sieht, die schon zu viele Motivationsvorträge erlebt haben.

Der Abteilungsleiter hatte mich für ein Veränderungs-Coaching gebucht und mir im Vorhinein erklärt, dass seine Leute einfach keine Motivation mehr hätten, Dinge anzupacken, obwohl das Unternehmen objektiv gut dastand.

Als ich die Runde fragte, wer von ihnen einen veränderungsresistenten Kollegen kannte, der zum Nörgeln und Jammern neigte, gingen fast alle Hände hoch. Dann fragte ich, wer von ihnen selbst zu dieser Kategorie gehörte. Keine einzige Hand. Die mathematische Schlussfolgerung überlasse ich dir, aber das Experiment hat mich in diesem Moment an etwas erinnert, das ich seitdem nicht mehr vergessen habe: Das eigentliche Problem mit Motivation ist nicht das Fehlen davon. Es ist das Missverständnis darüber, was intrinsische Motivation wirklich ist und wie sie entsteht.“


Das Software-Update, das wir alle brauchen

Professor John P. Kotter hat im Jahr 1995 eine Studie durchgeführt, in der er Hunderte von Unternehmen jeglicher Größenordnung untersuchte, die aktiv Veränderungsprozesse betrieben. Das Ergebnis war so eindeutig wie ernüchternd: 70 Prozent aller Veränderungsvorhaben sind gescheitert, haben die gewünschten Ergebnisse nicht gebracht oder sich spätestens nach kurzer Zeit wieder in Luft aufgelöst. Zwei von drei Changeprojekten. Gescheitert.

Warum? Weil die meisten Menschen und Organisationen an einer veralteten Idee von Motivation festhalten, die weder intrinsische Motivation erzeugt noch nachhaltige Veränderung ermöglicht.

Daniel Pink vergleicht in seinem Buch „Drive – Was Sie wirklich motiviert“ die Evolution der Motivation mit den regelmäßigen Software-Updates, die wir von unseren Smartphones kennen. Das Betriebssystem wird erneuert, die Apps werden geupdatet. Nur unser mentales Verständnis von Motivation bleibt häufig auf dem Stand von vor dreißig Jahren. Und wer heute noch mit Motivation 1.0 durch eine Welt der Motivation 4.0 navigiert, der hat im besten Fall Glück, im schlechtesten Fall scheitert er an den falschen Annahmen über sich selbst.

Lass mich daher erklären, was ich damit meine.


Motivation 1.0: Der Säbelzahntiger in deinem Kopf

Stell dir vor: Menschen vor zehntausend Jahren, irgendwo in den Weiten der Steppe. Die Männer der Sippe ziehen los, um Essen zu besorgen, sammeln Beeren, jagen Mammuts und kehren oft erst nach mehreren Tagen zurück. Was sich für unsere modernen Ohren romantisch anhört, war in Wirklichkeit ein täglicher Kampf ums Überleben, weil zwei instinktive Triebkräfte das Verhalten steuerten: die Belohnung durch das Erleben von Freude und die Vermeidung von Schmerz. Der Hunger trieb sie an, die Gefahr durch den Säbelzahntiger trieb sie in die Flucht.

Das ist Motivation 1.0. Und erstaunlicherweise hat sie sich bis heute nicht wirklich verändert, weil sie tief in unseren Instinkten verwurzelt ist. In die Gegenwart übersetzt geht es zwar nicht mehr um Leben oder Tod, aber immer noch um dieselben Grundprinzipien: Schmerz vermeiden, Freude erlangen. Das funktioniert in extremen Situationen, ist aber keine Basis für nachhaltige Veränderung.


Motivation 2.0: Zuckerbrot und Peitsche

Die nächste Entwicklungsstufe nimmt diese instinktiven Mechanismen und kombiniert sie mit kognitiven Elementen: der gezielten Belohnung von wünschenswertem und der Bestrafung von unerwünschtem Verhalten. Du kennst das aus dem Job, denn das ist seit Generationen das Standardmodell der Mitarbeitermotivation: Boni, Gehaltserhöhungen und Lob auf der einen Seite, Verwarnungen, Einkommensverlust und sozialer Druck auf der anderen.

Das Problem? Motivation 2.0 nutzt sich ab. Je häufiger dieselben Zuckerstücke kommen, desto weniger bewegen sie. Und in einer Welt, in der kreative Arbeit, Eigenverantwortung und individuelle Entfaltung wichtiger sind als standardisierte Fließbandtätigkeiten, greift dieses Modell ins Leere. Du kannst einen Menschen mit Bonuszahlungen motivieren, seine Zahlen zu verbessern. Du kannst ihn damit nicht motivieren, wirklich Herzblut in seine Arbeit zu stecken.


Motivation 3.0: Tschakka und seine sieben Lügen

Dann kam Emile Ratelband, und mit ihm eine ganze Generation von Motivationsgurus, die uns versprachen, dass wir alles schaffen können, wenn wir nur fest genug daran glauben. Der Schlachtruf „Tschakka, du schaffst es!“ wurde zum Symbol einer ganzen Epoche, in der das Mindset als Allheilmittel galt und die Motivationsindustrie zu einem Milliardenmarkt wurde.

Ich respektiere die Energie hinter dieser Bewegung. Aber ich muss ehrlich mit dir sein, weil die Wirklichkeit eine andere Sprache spricht: Die Motivationslügen der Tschakka-Gurus haben Tausende von Luftschlössern entstehen und wieder verschwinden lassen.

Motivationslüge Nummer eins: Du kannst alles schaffen. Diese berühmte Botschaft hat wie keine andere dafür gesorgt, dass sich Menschen selbst im Stich gelassen haben, als die Realität eine andere war als das Versprechen. Die Wahrheit: Es gibt Bereiche, in denen du trotz positiver Attitude, hartem Training und echtem Glauben an dich selbst einfach nicht das Potenzial hast, Weltklasse zu werden. Und das ist überhaupt nicht schlimm, denn die entscheidende Frage lautet nicht, was du alles schaffen könntest, sondern was dir wirklich am Herzen liegt.

Motivationslüge Nummer zwei: Sei einfach authentisch, so wie du bist. Das ist mein persönlicher Favorit unter den substanzlosen Motivationsphrasen, denn es klingt im ersten Moment sogar weise. Aber was es im Kern bedeutet: Ich muss mich nicht weiterentwickeln, weil ich ja schon gut genug bin, wie ich bin. Authentizität als Freifahrtschein für Stillstand. Wir alle haben eine Menge Schwächen und innere Konflikte, und an denen gilt es zu arbeiten, statt sie mit dem Mantel der Authentizität zu verkleiden.

Motivationslüge Nummer drei: Du musst es nur positiv sehen. Kennst du diese Menschen, die permanent mit einer rosaroten Brille durchs Leben gehen und jede Schwierigkeit weglächeln? Ich begegne täglich einer Menge solcher Zeitgenossen, und sie sind meist mäßig erfolgreich und selten wirklich erfüllt. Natürlich ist ein positives Mindset wichtig und ich habe selbst mehrere Morgenrituale, die mir dabei helfen, gut in den Tag zu starten. Aber wer reale Probleme mit positiven Gedanken wegzaubern will, der baut auf Sand.

Das Gemeinsame all dieser Lügen: Sie erzeugen einen kurzen, steilen Höhenflug, auf den mit der Sicherheit des Amens in der Kirche der Absturz in die alte Antriebslosigkeit folgt. Echte intrinsische Motivation entsteht so nicht. Es wird Zeit für ein Upgrade.


Motivation 4.0: Intrinsische Motivation und das Warum, das alles verändert

Ich werde diesen Moment nie vergessen. Es war Herbst 2005, und nach einer langen und anstrengenden Geburt durfte ich als Erste der im Kreißsaal anwesenden Personen meine Tochter Emma in den Armen halten. In ein kuscheliges Handtuch gewickelt ruhte sie auf meiner Brust und schaute mich mit strahlenden Augen an. Und in diesem Moment hatte ich das Gefühl, von einem ausschließlich aus Liebe bestehenden Baseballschläger mit voller Wucht getroffen zu werden.

Mit wackeligen Knien und feuchten Augen spürte ich eine bedingungslose Zuneigung, von der mir klar war, dass sich von diesem Moment an alles in meinem Leben verändern würde. Und gleichzeitig breitete sich in mir eine Erkenntnis aus, die sich anfühlte wie das Auflösen eines jahrelangen inneren Knotens: Ich wollte für Emma kein mittelmäßiges, sondern ein außergewöhnliches Leben auf sämtlichen Ebenen. Und dafür musste ich aufhören, auf Titel, Positionen und die Erlaubnis meiner Vorgesetzten zu warten. Ich musste die Handbremse lösen und meinen eigenen Weg gehen.

Und was mir in diesem Moment noch klarwurde: Ich musste erst dreißig Jahre alt werden, um wirklich zu verstehen, wie stark die eigene Motivation wächst, wenn man erst einmal ins Machen kommt.

Genau das ist Motivation 4.0. Nicht die lauteste Stimme von außen, nicht der schönste Bonus und auch nicht der überzeugendste Motivationsredner. Die Motivation 4.0 entsteht, wenn du weißt, warum du tust, was du tust, wenn dein Handeln einen Sinn hat, der größer ist als du selbst, und wenn du die Erfahrung machst, dass das Tun selbst der stärkste Antrieb ist, den du dir vorstellen kannst.

Das bringt mich zu einem der wichtigsten Brain-Tattoos, die ich dir mitgeben kann:

Intrinsische Motivation ist keine Voraussetzung für Handeln. Sie entsteht durch Handeln.

Und daran anschließend: Wenn das Warum groß genug ist, folgen das Wie und das Was von ganz alleine.


Dein starkes Warum – und wie du es findest

Bei mir war es die Geburt meines ersten Kindes. Bei anderen ist es ein mutiger Schritt auf der Karriereleiter, die Anerkennung für ein Ehrenamt, die Gründung des eigenen Unternehmens oder eine besondere Beziehung zu einem Menschen, der alles auf den Kopf stellt. Manchmal ist es auch eine Krise, ein Wendepunkt oder ein Moment, in dem dir auf einmal mit erschreckender Klarheit bewusst wird, was dir wirklich wichtig ist.

Ich werde häufig gefragt, ob ich Menschen im Coaching dabei helfen kann, ihr starkes Warum, und damit ihre intrinsische Motivation zu finden. Und meine ehrliche Antwort ist: Ich kann den Raum dafür schaffen, aber das Warum selbst kommt ausschließlich von innen. Du kannst es dir nicht erzwingen, nicht backen, nicht kaufen. Stattdessen wirst du es spüren, wenn es etwas in deinem Leben gibt, das deine Augen wie von selbst leuchten und dein Herz schneller schlagen lässt.

Falls du in diesem Moment keine sofortige Antwort hast, ist das kein Problem. Es könnte einfach daran liegen, dass du im Laufe der Jahre gelernt hast, deinen Fokus auf das zu richten, was dir vermeintlich fehlt, statt auf das, was du schon hast. Und das sind viel mehr Dinge, als du in diesem Moment vielleicht glaubst.

Horche tief in dich hinein und lausche deiner inneren Stimme. Früher oder später wirst du verstehen, spüren und wissen, was dich wirklich antreibt. Und dann geht die Post richtig ab, weil eine intrinsische Motivation, die weitgehend unabhängig von äußeren Faktoren ist, das stabilste Fundament ist, das du für nachhaltige Shift aufbauen kannst.

Der Dalai Lama hat das auf eine Weise zusammengefasst, die mir nach wie vor Gänsehaut bereitet: „Ist unsere Motivation stark und heilsam, so können wir alles vollbringen.“


Was das für deinen Alltag bedeutet

Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen Menschen, die ihre Vorsätze umsetzen, und solchen, die immer wieder an denselben Stellen scheitern: Die Einen haben ein starkes Warum, das sie auch dann weitermachen lässt, wenn die Motivation mal nicht auf Hochtouren läuft. Die Anderen suchen die Motivation vor dem Handeln und wundern sich, warum sie nicht kommt.

Statt dich zu fragen „Wie bekomme ich mehr intrinsiche Motivation?“, lohnt es sich also, eine andere Frage zu stellen: Wofür genau will ich motiviert sein? Was ist das Ergebnis, das mir so wichtig ist, dass ich auch dann weitermache, wenn es mal schwer wird? Welche Version von mir will ich in einem Jahr, in drei Jahren sein?

Du wirst feststellen, dass diese Fragen eine ganz andere Energie erzeugen als die Jagd nach der nächsten Motivationsspritze. Und je klarer du auf diese Fragen antworten kannst, desto mehr wirst du erleben, dass du weniger Motivation brauchst, um anzufangen, weil das Starten selbst die Motivation erzeugt.

Mach es einfach. Und zwar jetzt.


Intrinsische Motivation Zusammenfassung: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Motivation ist kein Zustand, in den du dich hineinversetzst. Sie entsteht durch Handeln.
  • 70 Prozent aller Veränderungsvorhaben scheitern, weil die meisten auf veraltete Motivationsmodelle setzen. (Kotter, 1995)
  • Daniel Pink: Die Motivation braucht ein Software-Update, von 1.0 (Überleben) über 2.0 (Zuckerbrot und Peitsche) und 3.0 (Tschakka) hin zu 4.0 (Sinn und innerer Antrieb).
  • Die drei größten Motivationslügen: „Du kannst alles schaffen“, „Sei einfach authentisch“ und „Du musst es nur positiv sehen.“
  • Motivation 4.0 entsteht, wenn dein Handeln einem Sinn dient, der größer ist als du selbst.
  • Wenn das Warum groß genug ist, folgen das Wie und das Was von ganz alleine.
  • Intrinsische Motivation braucht keine Erlaubnis von außen. Sie ist der Antrieb, der dich nach dem Hinfallen wieder aufstehen lässt.

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