Selbstwertgefühl stärken: Warum es bei deinen mentalen Etiketten beginnt

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Der Mensch hält eine weiße Maske vor sein Gesicht, nur ein Auge ist sichtbar.

Wenn du dein Selbstwertgefühl stärken willst, dann wirst du früher oder später auf eine Wahrheit stoßen, die auf den ersten Blick verblüffend simpel klingt, in ihrer Wirkung aber absolut revolutionär ist. Doch dazu komme ich gleich.

Ich sitze in der Lufthansa Lounge am Flughafen München. Weil die Geräuschkulisse enorm ist, habe ich mir meine AirPods eingestöpselt, damit ich mich auf das Schreiben dieses so wichtigen Artikels konzentrieren kann. Es läuft Man in the Mirror von Michael Jackson. Wie passend. Sofort muss ich an eines meiner Lieblingszitate denken, von dem bis heute nicht genau geklärt ist, von wem es nun tatsächlich stammt: „Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Wir sehen sie, so wie wir sind.“ (Übrigens: Kennst Du schon die 50 besten Zitate für Veränderung im Leben?) Wie viel Wahrheit doch darin steckt, und zwar mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Denn nicht nur dein Fokus wird zu einem großen Maße von deiner Identität bestimmt, sondern auch deine Gedanken, dein Verhalten und dein Selbstwert.

Und genau hier liegt der Schlüssel. Nicht in Affirmationen, die du morgens vor dem Spiegel aufsagst, nicht in teuren Statussymbolen, die dir ein gutes Gefühl geben sollen, und auch nicht in der Anzahl deiner Instagram-Follower. Die Quelle deines Selbstwertgefühls liegt tiefer. Viel tiefer.


Die Dymo-Maschine in deinem Kopf

Ich hatte einen echten Aha-Moment in dieser Sache, als ich während meines Studiums von einem meiner Freunde ein Dymo-Etikettiergerät zum Geburtstag geschenkt bekam. Nachdem ich mich in die Bedienung eingearbeitet hatte, war ich geradezu besessen davon, auf sämtliche Haushaltsgegenstände ein Etikett zu kleben. Auf Gewürzgläser, Videokassetten, Werkzeuge, Mixtapes, Notizbücher, Fotoalben, Schubladen, Ordner und alles andere, was sich einer bestimmten Kategorie zuordnen ließ. Erst viele Jahre später ist mir bewusst geworden, wie sehr auch unser Alltag von solchen Labels geprägt ist.

Ist dir schon mal aufgefallen, wie häufig und vor allem wie sorglos du deinen Mitmenschen und dir selbst gedanklich ein Etikett auf die Stirn klebst? Die meisten davon sind relativ harmlos: Juristin, BWLer, Apple User, Vegetarierin, HSV-Fan, Netflix-Junkie, Vielflieger oder Briefmarkensammlerin. Dabei spielt es keine Rolle, ob du dir dieses Label bewusst oder unbewusst gegeben hast, denn wann immer du dich über ein imaginäres Etikett auf deiner Stirn definierst, erschaffst du dir eine Identity. Und diese wird dann durch den Wahrnehmungsfilter namens Confirmation Bias immer gefestigter, da du ausschließlich Informationen aufnimmst, interpretierst und verarbeitest, die deine vorhandenen Beliefs, Values und deine Identität bestätigen.

Das führt dann natürlich dazu, dass du deine selbst gewählten Etiketten in Konfliktsituationen unbewusst und impulsiv verteidigst, wobei in diesen Momenten so gut wie alle logischen und rationalen Aspekte einer Diskussion über Bord geworfen werden. Kommt dir das bekannt vor, oder?


Die Spirale der Selbstwertprobleme

Noch tückischer wird es, wenn du aus bestimmten Tätigkeiten identitätsstiftende Etiketten entwickelst. Hast du schon mal jemanden als schusselig, untalentiert, trottelig, unsportlich, vergesslich, unkreativ oder technisch unbegabt definiert? Ja? Möglicherweise sogar dich selbst? In diesen Momenten sollten bei dir sämtliche Alarmglocken in voller Lautstärke schrillen, denn was unbewusst geschieht, hat ziemlich fiese und vor allem dauerhafte Auswirkungen.

Eine veränderbare Tätigkeit, also „ich verliere mich öfter in Tagträumen“ oder „ich vergesse manchmal meinen Schlüssel“, wird mit zunehmender Wiederholung irgendwann zu einem unverrückbaren Etikett verallgemeinert: „ich bin ein Träumer“, „ich bin vergesslich“, „ich bin XYZ“, und schließt damit jede mögliche Shift aus. Noch gefährlicher ist dies, wenn diese limitierenden Generalisierungen auf bereits wirkende Mindviren treffen, denn dieser negative Selbstsabotage-Cocktail führt zwangsläufig zu destruktiven Selbstbildern, die immer mit denselben zwei Wörtern beginnen:

Ich bin.

Ich bin ein Verlierer. Ich bin nicht gut genug. Ich bin ein Versager. Ich bin ein schlechter Vater, Verkäufer, Lehrer, Chef, Zuhörer. Ich bin es nicht wert.

Weil diese Art von limitierenden Ich-bin-Selbstbildern so unfassbar leicht entsteht, lohnt es sich, ganz bewusst darauf zu achten, welche Etiketten du dir und den Menschen um dich herum verpasst. Denn je gefestigter eine auf negativen Labels aufbauende Identität wird, desto schneller beginnt sich die Spirale der Selbstwertprobleme zu drehen.

Was glaubst du, was passiert, wenn du tief und unbewusst davon überzeugt bist, dass du es nicht wert bist, Erfolg zu haben, Liebe zu empfangen oder respektvoll behandelt zu werden? Permanente Selbstzweifel, geringes Selbstvertrauen, Schwierigkeiten klare Grenzen zu setzen, ein negativer innerer Dialog, der Versuch den geringen internen Selbstwert mit externen Faktoren zu kompensieren, das sind nur einige der Auswirkungen, die dir sicher nicht vollständig fremd sind. Habe ich recht?

Ich weiß, dass es schwer ist, dir einzugestehen, dass auch du davon in irgendeiner Form betroffen bist. Aber je eher du es akzeptierst, desto besser, denn erstens sind wir alle in den unterschiedlichsten Ausprägungen davon betroffen, und zweitens ist der ehrliche Blick in den Spiegel immer die notwendige Voraussetzung, wenn du dein Self-image positiv transformieren willst.


Ein Satz wie Dynamit

Lass mich dir daher einen Gedanken mitgeben, den ich dir am liebsten in leuchtender Schrift als Poster an die Wand hängen würde, weil deine Zufriedenheit im Leben entscheidend davon abhängt, wie tief du ihn durchdringst:

Wann immer eine Idee deine Identität angreift, wirst du alles dafür tun, sie zu ignorieren, zu verdrängen oder mit aller Macht zu bekämpfen.

Ein Satz wie Dynamit. Denn wenn du ihn zu Ende denkst, dann bedeutet es, dass Changes, die sich rein auf der Ebene des Verhaltens abspielen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Deswegen wirst du dein Selbstwertgefühl auch niemals dadurch stärken können, indem du dir teure Statussymbole kaufst, tausende Instagram-Follower anhäufst, immer mehr Geld ansammelst oder einen bestimmten Körper antrainierst, solange deine Identität auf dem Selbstbild „Ich bin es nicht wert“ basiert, wirst du dieses unbewusst mit aller Macht verteidigen und Wege finden, eventuelle Erfolge zuverlässig zu sabotieren.

Ein Beispiel: Millionen von Rauchern probieren alles Erdenkliche, um von ihrem Laster loszukommen. Nikotinpflaster, Willenskraft, teure Ersatzprodukte, versteckte Schachteln. Das mag kurzfristig funktionieren, aber solange das Etikett „Ich bin Raucher“ in Kombination mit entsprechenden Mindviren bestehen bleibt, kommt es schnell zum Rückfall. Erst wenn sich das Selbstbild von „Ich bin Raucher“ zu „Ich bin Nichtraucher“ verändert, passen sich auch die entsprechenden Verhaltensweisen dauerhaft an. Du merkst, worauf ich hinauswill, oder?


Selbstwertgefühl stärken: So geht es wirklich

Und genau an dieser Stelle liegt die gute Nachricht, denn was in die eine Richtung wirkt, wirkt natürlich auch in die andere. Hier kommt daher eine weitere große Idee:

Nachhaltige Veränderung beginnt immer mit einer bewussten Definition deiner Identität.

Bevor du also auch nur in Betracht ziehst, über eine Veränderung deiner Verhaltensweisen nachzudenken, ist es notwendig, mit dem Fundament deiner Persönlichkeit zu beginnen. Schau dir deine großen Träume an, und stell dir dann folgende Frage:

Welche Person muss ich werden, um meine Ziele zu erreichen?

Viel wichtiger als das, was du tun wirst, ist nämlich die bewusste Definition, wer du sein möchtest.

Schmeiß also deine mentale Dymo-Maschine an, und gib dir Etiketten, die förderlich für dich sind und dein Selbstwertgefühl auf ein neues Level bringen. Wenn nämlich deine Identität erst einmal steht, dann folgen im nächsten Schritt die förderlichen Beliefs von allein, was langfristig dazu führt, dass dein gesamtes Verhalten unbewusst darauf ausgerichtet wird, dein Selbstbild aufrechtzuerhalten.

  • Du träumst von einem eigenen Unternehmen? Dann lautet dein Etikett: „Ich bin ein erfolgreicher Entrepreneur.“
  • Du willst endlich in Form kommen? Dann ist „Ich bin ein Athlet“ oder „Ich bin ein Marathonläufer“ dein neues Selbstbild.
  • Du suchst den Partner fürs Leben? Wie wäre es mit „Ich bin ein liebenswerter Mensch“ oder „Ich bin ein Traumpartner“
  • Und wenn du schlicht ein glücklicheres und selbstbestimmteres Leben führen willst, beginne hier: „Ich bin gut genug.“ „Ich bin ein wertvoller Mensch.“ „Ich bin ein Glückskind, das den Erfolg magisch anzieht.“

Sobald sich diese Etiketten zu einer festen Identität in deinem unbewussten Mind verankert haben, wird sich dein Verhalten ganz automatisch dem Bild anpassen, das du von dir selbst hast, und der Confirmation Bias wird dir dabei helfen, dass sich das neue Etikett immer mehr verfestigt und schlussendlich zu einer eindeutigen Identität wird, an der sich all dein Denken und Handeln ausrichtet.


Die kraftvollste Frage für dein Selbstwertgefühl

Und damit du dein neues Selbstbild bereits heute aktiv nutzen kannst, möchte ich dir noch eine Frage mitgeben, die alles verändert, wenn du sie konsequent anwendest:

Wie würde die Person, die ich einmal werden möchte, sich in dieser Situation verhalten?

Stell dir diese Frage so oft es geht, und lass dich von den entsprechenden Antworten leiten. Selbst wenn dir noch bestimmte Fähigkeiten oder das notwendige Wissen fehlen sollten, alleine die Tatsache, dass du die Ansprüche und Standards deines Zukunfts-Ichs übernommen hast, wird zu einem Quantensprung in deinen Ergebnissen führen. Denn du musst nicht warten, bis du eine bestimmte Person geworden bist, um dich wie diese Person zu verhalten. Du kannst heute damit beginnen. In dieser Sekunde.

Das ist der Kern von allem, was es bedeutet, das eigene Selbstwertgefühl wirklich und nachhaltig zu stärken, nicht von außen nach innen, sondern von innen nach außen.


Die Person im Spiegel

Die Kurzform dieser Idee verbirgt sich übrigens in dem Song, mit dem ich diesen Artikel begonnen habe. Der Text von Man in the Mirror von Michael Jackson erinnert uns auf eine emotionale Weise daran, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen: indem du mit der Person im Spiegel beginnst, dir selbst in die Augen blickst und dann den Prozess startest, dich ab sofort als die Persönlichkeit zu betrachten, die du einmal werden möchtest.

Dein Bild von der Welt wird sich deinem Bild von dir selbst wie von selbst anpassen.

Und damit wäre eigentlich alles gesagt.


Selbstwertgefühl stärken: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Deine Identität wird durch die vielen Etiketten gebildet, die du dir bewusst und unbewusst gibst.
  • Der Confirmation Bias sorgt dafür, dass deine Identität im Laufe der Zeit immer gefestigter wird.
  • Ein negatives Selbstbild in Kombination mit destruktiven Mindviren führt zu einer Spirale der Selbstwertprobleme.
  • Wann immer eine Idee deine Identität angreift, wirst du alles dafür tun, sie zu ignorieren, zu verdrängen oder mit aller Macht zu bekämpfen.
  • Nachhaltige Veränderung beginnt immer mit einer bewussten Definition deiner Identität.
  • Die kraftvollste Frage: Wie würde die Person, die ich einmal werden möchte, sich in dieser Situation verhalten?

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