Mindset ändern: Warum die falsche Frage dich aufhält

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Wenn du dein Mindset ändern willst, dann bist du damit in sehr guter Gesellschaft. Doch bevor wir dazu kommen, warum die meisten dabei scheitern, lass mich dir kurz von einem Tag im Sommer 2015 erzählen.

Es war ein wunderschöner Tag in Washington D.C. Die Sonne brannte mir ins Gesicht, und nachdem ich mir gerade die verschiedensten Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen hatte, befand ich mich auf dem Rückweg zu meinem Hotel in Georgetown. Während ich die Atmosphäre dieses beeindruckenden Stadtteils auf mich wirken ließ, drehten sich meine Gedanken nur um ein einziges Thema.

Wenige Stunden zuvor hatte ich auf einer Konferenz den Worten meines Kollegen Scott Stratten gelauscht und war dabei über einen Begriff gestolpert, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte: UnMarketing. Die dahinterstehende Philosophie war so genial, dass ich sie immer wieder vor mir hin murmelte: Marketing betreiben, ohne Marketing zu betreiben.

Und als ich gerade die berühmte Georgetown University passierte, hatte ich einen ganz persönlichen Heureka-Moment, aus dem ein Gedanke entsprang, der mich seitdem nicht mehr loslassen sollte: Wenn dieses Prinzip beim Marketing nachweislich funktioniert, muss es sich doch auch auf das Thema Veränderung übertragen lassen. Was würde es bedeuten, sein Mindset zu entwickeln, ohne es krampfhaft zu „fixen“?


Was Mindset wirklich bedeutet

Bevor ich dir diese Frage beantworte, lass uns kurz klären, womit wir es überhaupt zu tun haben, denn der Begriff Mindset wird inflationär verwendet und dabei regelmäßig missverstanden. Die wohl bekannteste Forschungsarbeit geht auf die amerikanische Verhaltensforscherin Dr. Carol Dweck zurück, die in ihrem Buch „Mindset – Changing the Way You Think to Fulfil Your Potential“ zwischen einem Fixed Mindset und einem Growth Mindset unterscheidet.

Beim Fixed Mindset gehen Menschen davon aus, dass ihre Talente und Fähigkeiten unveränderliche Eigenschaften sind, während beim Growth Mindset die Überzeugung herrscht, dass man durch Lernen und Üben in allem besser werden kann.

Diese Unterscheidung ist wichtig und wertvoll, aber sie greift mir noch nicht weit genug. Meine eigene Definition lautet daher:

Das Mindset basiert auf deiner Identität und ist die Summe deiner Werte, Überzeugungen, Erfahrungen, Fähigkeiten, Persönlichkeitseigenschaften, Gewohnheiten, Entscheidungsstrategien und deiner generellen Einstellung dem Leben gegenüber. Es ist weniger das, was du tagtäglich tust, sondern vor allem die Art und Weise, wie du es tust, und der emotionale Grund – also das Warum und Wofür.

Klingt dir das zu abstrakt? Dann hilft vielleicht folgende Metapher: Dein Mindset ist für dich, was die künstliche Intelligenz Jarvis für Iron Man ist. Kannst du dich noch erinnern? In den Marvel-Filmen hatte der von Robert Downey Jr. gespielte Milliardär Tony Stark eine von ihm programmierte KI als Assistenten, die ihn rund um die Uhr beriet, informierte und in kritischen Momenten die entscheidenden Daten lieferte.

Mit deinem Mindset verhält es sich sehr ähnlich, nur dass du deine mentale Software nicht bewusst programmiert hast, sondern dass sich deine innere Datenbank im Laufe der Jahre durch die Anhäufung von Wissen, Erfahrungen, Überzeugungen und Gewohnheiten von ganz alleine immer weiter vergrößert hat.

Vor jeder Entscheidung, vor jeder Handlung und auch vor jedem einzelnen Gedanken kommt es zu einem automatischen Abgleich mit den Daten der Vergangenheit, bevor das Programm dann zuverlässig und meistens völlig unbewusst abgespult wird.

Und genau hier liegt das entscheidende Problem, denn wenn das Programm fehlerhaft ist, läuft es trotzdem. Immer und immer wieder.


Warum „Mindset ändern“ der falsche Ansatz ist

Wenn Menschen davon sprechen, dass sie ihr Mindset ändern wollen, dann meinen sie im Grunde immer dasselbe: Die aktuellen Ergebnisse stimmen nicht, also muss irgendetwas an der inneren Software kaputt sein, das repariert werden muss. Diese Grundannahme ist verständlich, aber sie ist falsch, und sie ist der Hauptgrund, warum so viele Versuche, das eigene Mindset zu verändern, schon nach wenigen Wochen im Sand verlaufen.

Denn dein aktuelles Mindset ist zu diesem Zeitpunkt in deinem Leben genau richtig. Es ist das Ergebnis aller Erfahrungen, die du gemacht hast, aller Überzeugungen, die du über die Jahre aufgebaut hast, und aller Entscheidungen, die dich bis hierher geführt haben. Es gibt also nichts zu reparieren. Das Einzige, was es zu tun gibt, ist die nächste Entwicklungsstufe einzuläuten.

Und das tust du, indem du die Vorsilbe „Un“ zu deiner inneren Haltung hinzufügst.

Das klingt seltsam, ich weiß. Aber lass mich erklären, was ich damit meine. Denn wäre es nicht wundervoll, wenn Veränderung nicht automatisch mit Druck, Überforderung und dem Gefühl einhergehen würde, permanent an sich arbeiten zu müssen? Wäre es nicht viel schöner, wenn du persönliches Wachstum, eine erfolgreiche Karriere und ein erfülltes Leben erreichen könntest, ohne dich dabei selbst permanent in den Selbstoptimierungswahn zu treiben?

Das ist die Idee hinter dem, was ich das UnChange Mindset nenne: eine innere Haltung, bei der du nicht gegen den Status quo ankämpfst, sondern dich voller Leichtigkeit in die Richtung deiner Ziele bewegst. Du bist okay, so wie du bist. Du wächst einfach in die nächste Version deiner selbst hinein.

Das bedeutet übrigens nicht, dass du es dir auf der Couch bequem machen kannst. Erfolg in sämtlichen Lebensbereichen erfordert immer auch harte Arbeit. Was ich mit Leichtigkeit meine, ist das Gegenteil von verkrampft sein, dieser besondere Zustand, wenn du geistig und körperlich vollkommen im Flow bist und dein Tun sich nicht wie Pflicht, sondern wie Herzblut anfühlt. Habe ich recht?


Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen

Jetzt möchte ich dir eine Idee vorstellen, die ich vor vielen Jahren in einem Buch entdeckte und die ich seitdem nicht mehr loslassen konnte. Sie stammt von dem Psychologen Robert Anton Wilson, der die Verbindung zwischen unseren Überzeugungen und unseren Ergebnissen in seinem Buch „Der neue Prometheus“ in einem einzigen Satz zusammenfasste:

Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen.

Wilson argumentiert, dass unser Gehirn aus zwei Teilen besteht: einem Denker, der für das Denken zuständig ist, und einem Beweisführer, dessen einzige Aufgabe darin besteht, die Gedanken des Denkers zu beweisen. Der Kontext spielt dabei keine Rolle. Ob du davon überzeugt bist, dass Veränderung grundsätzlich schwer ist, dass du ein erfolgreicher Mensch bist oder dass du auch in zehn Jahren noch zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sein wirst, der Beweisführer wird alles dafür tun, überall im Alltag Referenzen und Bestätigungen für genau diese Überzeugung zu finden.

Klingt das zu abstrakt? Dann lass mich dir die Geschichte eines Mannes erzählen, der einen Psychiater aufsuchte, weil er dem Wahn unterlag, dass er eine Leiche sei. Der Arzt überlegte kurz und versuchte seinen neuen Patienten mit Logik zu überlisten: „Mein Herr, würden Sie mir zustimmen, dass eine Leiche bereits tot ist?“ „Ja, natürlich“, antwortete der Mann. Der Psychiater hakte nach: „Wenn ich einer toten Leiche mit einem Skalpell in die Haut ritzen würde, dann kann kein Blut mehr herauslaufen, nicht wahr?“

Wieder stimmte der Patient zu. „Dann schlage ich folgendes vor“, erwiderte der Psychiater, „wären Sie einverstanden, wenn ich Sie ganz vorsichtig am Arm einritzen würde, damit wir gemeinsam beobachten können, was passieren wird?“ Der Mann stimmte skeptisch zu. Der Arzt ritzte in den Arm, der natürlich sofort zu bluten begann, und fragte triumphierend: „Und, was schlussfolgern Sie daraus?“ Während der Patient noch immer erstaunt auf seinen Arm blickte, antwortete er mit stockender Stimme: „Das ist ja faszinierend. Leichen bluten ja doch.“

Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen. Wovon auch immer du tief und fest überzeugt bist, du wirst unbewusst alles dafür tun, um es zur Wirklichkeit werden zu lassen. Das ist der Kern des Mindviren-Prinzips: Destruktive Glaubenssätze laufen still und leise im Hintergrund und sabotieren deine Ergebnisse, lange bevor du überhaupt merkst, dass sie da sind. Und förderliche Überzeugungen tun dasselbe, allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Deine äußeren Ergebnisse im Leben sind immer ein direkter Spiegel deines Mindsets. Vergiss das nie.


Gestalter oder Opfer – die einzige Entscheidung, die zählt

Das bringt mich zu der Frage, die ich dir stellen möchte: Glaubst du an Zufälle? Ich höre auf meiner abendlichen Joggingrunde gerne Hörbücher, und vor einiger Zeit lauschte ich dabei „Born to Run„, in dem die faszinierende Geschichte der Tarahumara erzählt wird, eines von vielen Mythen umgebenen Volkes im Norden Mexikos, das für seine außergewöhnliche Fähigkeit bekannt ist, Langstreckenläufe durch Wüsten, Schluchten und Gebirge zu unternehmen.

Unter ihnen gibt es einen 95-jährigen Mann, der selbst in diesem Alter noch regelmäßig bis zu zwanzig Meilen über die höchsten Gipfel läuft. Als ich dieser Geschichte lauschte, schossen mir unweigerlich Fragen in den Kopf: Wie schafft er das? Die Antwort des Mannes faszinierte mich: „Ich kann es, weil mir niemals jemand gesagt hat, dass ich es nicht könnte. Weil man mir verschwiegen hatte, dass ich mich stattdessen darauf vorbereiten sollte, demnächst zu sterben.“

Und so war das Überqueren der Berge für ihn das Natürlichste auf der Welt. Der Denker in ihm hatte niemals die Überzeugung „zu alt“ entwickelt, also hatte der Beweisführer auch keinen Anlass, diese Überzeugung zu bestätigen.

Das sind die zwei Möglichkeiten, mit denen wir alle durchs Leben gehen. Wir können uns als Opfer fühlen, uns beklagen, wie schwer die Umstände sind, und die verschiedensten Herausforderungen passiv über uns ergehen lassen. Oder wir legen den inneren Schalter um und wechseln in die aktive Gestaltermentalität. Viktor Frankl, jüdischer Arzt und Holocaust-Überlebender, hat es so formuliert: „Man kann einem Menschen alles nehmen. Alles, außer der letzten menschlichen Freiheit: der Freiheit, die eigene Einstellung und den eigenen Weg zu wählen, egal wie hart die äußeren Umstände auch sein mögen.“

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bekomme bei diesen Zeilen jedes Mal aufs Neue Gänsehaut. Weil sie auf unnachahmliche Weise verdeutlichen, dass wir uns vielleicht nicht aussuchen können, welche Karten wir im Spiel namens Leben zugeteilt bekommen, wir aber jederzeit und zu hundert Prozent die Kontrolle darüber haben, wie wir damit umgehen. Das ist das Fundament jeder echten Mindset-Entwicklung, denn keine Technik, kein Framework und kein Drei-Schritte-Plan der Welt kann das ersetzen.


So gelingt echter Mindset-Shift

Hier kommt daher meine wichtigste Empfehlung: Höre auf, dein Mindset zu „fixen“, und fange stattdessen an, als Persönlichkeit zu wachsen. Das klingt simpel, und das ist es auch, aber simpel und leicht sind nicht dasselbe.

Dein neues Mindset entwickelt sich nicht über Nacht, und es entsteht nicht durch den einmaligen Besuch eines Motivationsseminars oder das Lesen eines einzelnen Buchs, sondern durch die konsequente Integration dreier Prinzipien in deinen Alltag.

Das erste Prinzip ist Intention statt Aktionismus. Viele Veränderungen werden nur um der Veränderung selbst willen durchgeführt, damit man einen Haken in einer Checkliste setzen kann oder das eigene Gewissen beruhigt. Dieser Change-Aktionismus hat noch niemals zu nachhaltigem Wachstum geführt, weil das Warum fehlt. Erst wenn du weißt, warum du eine bestimmte Version deiner selbst werden willst, folgen das Wie und das Was von ganz alleine.

Das zweite Prinzip ist Veränderungslust statt externer Anreize. Wir Menschen verändern uns immer nur aus Gründen, die uns wirklich wichtig sind, und niemals aufgrund von Bonuszahlungen, Belohnungen oder dem Besuch von „Tschakka-Tschakka“-Veranstaltungen, wo hunderte von Leuten sich gegenseitig zu lauter Musik mit Luftballons bewerfen. Kurzfristig mögen solche externen Reize sogar eine gewisse Wirkung haben, aber langfristig bedarf es eines starken inneren Feuers. Und dieses innere Feuer wächst mit jeder Entscheidung, die du als Gestalter statt als Opfer triffst.

Das dritte Prinzip ist Haltung statt Modeerscheinung. Das UnChange Mindset ist eine langfristig ausgerichtete Einstellung dem Leben gegenüber, die vollkommen unabhängig von externen Trends ist und stattdessen auf kraftvollen Werten und Überzeugungen basiert. Es ist das Gegenteil des „Schneller-Höher-Weiter“-Zwangs, der dazu geführt hat, dass sich so viele Menschen in ihrem ganz persönlichen Hamsterrad abstrampeln und dabei mit jeder neuen Umdrehung noch unglücklicher werden. Kommt dir das bekannt vor?


Handle wie die Person, die Du einmal werden willst

Ich habe Tausende Menschen dabei begleitet, ihr Mindset nachhaltig zu entwickeln, und eines hat mich dabei immer wieder fasziniert: Die erfolgreichste Veränderung passiert nicht dann, wenn jemand versucht, seine Schwächen zu eliminieren, sondern dann, wenn jemand beginnt, die Person zu verkörpern, die er einmal werden möchte.

Stell dir also diese eine Frage: Wer muss ich werden, damit meine Ziele ganz von selbst in meinem Leben auftauchen? Und fange dann heute damit an, dich so zu verhalten, als wärst du diese Person bereits. Nicht irgendwann, nicht wenn die Umstände perfekt sind, nicht wenn du dich bereit fühlst. Heute. In dieser Sekunde.

Das ist es, was Mindset-Entwicklung wirklich bedeutet. Nicht das verzweifelte Reparieren einer vermeintlich defekten Software, sondern das bewusste Hineinwachsen in die nächste Version deiner selbst. Mit Leichtigkeit, mit Herzblut und mit der tiefen Überzeugung, dass du nicht das Opfer des Universums bist, sondern das Universum selbst.


Mindset ändern Zusammenfassung: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Dein Mindset ist wie die KI Jarvis in Iron Man: eine im Hintergrund laufende Software, die du nicht bewusst programmiert hast, die aber jede deiner Entscheidungen beeinflusst.
  • „Mindset ändern“ ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wer möchte ich als nächstes werden?
  • Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen; Destruktive Mindviren laufen still im Hintergrund und sabotieren deine Ergebnisse, solange du sie nicht an die Oberfläche holst.
  • Das UnChange Mindset bedeutet nicht, nichts zu tun. Es bedeutet, als Persönlichkeit zu wachsen, ohne dich selbst dabei kaputtzumachen.
  • Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt deine Freiheit, und dein Mindset bestimmt, wie groß dieser Raum ist.
  • Die wichtigste Entscheidung: Gestalter oder Opfer. Du kannst dir nicht aussuchen, welche Karten du bekommst. Aber du wählst immer, wie du sie spielst.

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