Selbstsabotage: Warum du unbewusst deine eigenen Ziele zerstörst

Inhaltsverzeichnis

Ilja Grzeskowitz spricht bei einer Veranstaltung zum Thema Veränderung.

Kennst Du das Phänomen der Selbstsabotage? Es ist wirklich omnipräsent, und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auch DU davon betroffen bist. Um Dir zu erklären, was genau ich damit meine, möchte ich Dich gerne mit auf eine Reise nach Paris einladen.

Ich sitze in meinem Hotelzimmer nahe dem Jardin des Tuileries in Paris, Elton John läuft aus der Bluetooth-Box, und ich denke an die Keynote, die ich vor wenigen Stunden für einen der größten europäischen Käsehersteller gehalten habe. Und weil mein unbewusstes Mind mir immer im richtigen Moment die perfekte Verknüpfung schenkt, lande ich bei einer Frage, die mich in meiner Arbeit täglich begleitet: Warum sabotieren sich so viele Menschen selbst, obwohl sie wirklich alles dafür tun, ihre Ziele zu erreichen?

Selbstsabotage ist nämlich nicht das, was die meisten darunter verstehen. Es geht nicht um bewusstes Scheitern oder fehlende Disziplin, sondern um etwas wesentlich Tückischeres: um unbewusste Programme, die tief in deinem Unterbewusstsein verankert sind und dort zuverlässig dafür sorgen, dass genau das verhindert wird, was du dir auf bewusster Ebene so sehnlichst wünschst. Und um zu erklären, wie das funktioniert, greife ich zu meinem Laptop und schreibe diesen Artikel, in dem sich alles um Käse, Zombieameisen und deine innere Jukebox drehen soll. Wenn du jetzt etwas verwirrt bist, dann bleib bitte bei mir, denn es wird gleich alles einen Sinn ergeben.

Falls du mich jemals zu deinem Geburtstag einladen solltest, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass du von mir ein Buch in die Hand gedrückt bekommst, das ich so häufig an andere Menschen verschenkt habe wie kein Zweites. Es trägt den wundervollen Namen Who moved my Cheese?, und irgendein schlauer Verleger ist auf die mir bis heute unbegreifliche Idee gekommen, diesen Titel mit Die Mäusestrategie für Manager zu übersetzen. WTF. Mit drei Ausrufezeichen. Denn der Inhalt hat mit Managern so gar nichts zu tun, sondern vielmehr mit der Frage, ob du dich im Leben aktiv auf die Suche nach neuem Käse machst, oder dich darauf verlässt, dass deine Käselager schon wieder aufgefüllt werden.


Wie gehst du mit Veränderungen in deinem Leben um?

In dem Buch erzählt der Autor Spencer Johnson die Fabel von zwei Mäusen, die gemeinsam mit zwei menschenähnlichen Zwergenwesen in einem labyrinthartigen Höhlensystem leben und deren Alltag nicht entspannter sein könnte, denn ihre Zeit verbringen sie damit, sich den lieben langen Tag ihre Bäuche vollzuschlagen, nämlich womit? Exakt, mit Käse natürlich. An vielen Ecken des Labyrinths befinden sich riesige Käselager, in denen sich die unterschiedlichsten Käsearten befinden, und wann immer die Mäuse und Zwergenwesen Hunger haben, müssen sie sich nur kurz auf den Weg in eine der Höhlen machen.

Doch da auch in Fabeln gilt, dass man nicht ewig konsumieren kann, ohne etwas zu produzieren, kommt es, wie es kommen muss: Die Käsevorräte neigen sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. Die Reaktionen auf diese Veränderung könnten nicht unterschiedlicher sein, denn während sich die Mäuse umgehend auf die Suche nach Alternativen machen, reden sich die beiden Zwergenwesen ein, dass schon alles gut gehen wird und ignorieren das Problem komplett.

Du ahnst sicher schon, welche Frage ich dir nun stellen werde, oder? Hier kommt sie: Wofür steht die Metapher des Käses in deinem Leben? Was ist dein erster Instinkt, wenn dein gewohntes Leben von einer Veränderung betroffen ist? Machst du dich wie die Mäuse rechtzeitig und selbstbestimmt auf die Suche nach Chancen und alternativen Wegen? Oder neigst du eher dazu, auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, weil es auf irgendeine wundersame Art und Weise doch nicht so schlimm kommen wird?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass du voller Überzeugung geantwortet hast, dass du selbstverständlich zu der Kategorie der positiven, lösungsorientierten und chancensuchenden Menschen gehörst, die ihre Zukunft grundsätzlich aktiv gestalten. Aber selbst wenn du dir bewusst Ziele setzt, offen für Neues bist und wirklich erfolgreich werden möchtest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du unbewusst alles dafür tust, genau diese Vorhaben zu verhindern. Du glaubst mir nicht?


Zombie-Ameisen und die Mechanismen der Selbstsabotage

Dann möchte ich dich einladen, mich gedanklich dabei zu begleiten, wie ich im letzten Sommer die Bohlen meiner Holzterrasse eingeölt und wetterfest gemacht habe. Als ich nämlich auf den Knien sitzend und nach mehreren Stunden schweißtreibender Arbeit in der prallen Julisonne kurz durchatme, beobachte ich, wie eine Karawane von Ameisen über die gerade frisch eingeölten Holzbretter wandert. Und an dieser Stelle kommen abermals die assoziativen Verknüpfungen des unbewussten Minds ins Spiel, denn ich muss plötzlich über ein Dilemma nachdenken, das mich schon länger fasziniert.

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt so schnell, intensiv und unberechenbar wandelt wie noch nie zuvor in der Geschichte. Und gleichzeitig haben immer mehr Menschen große Schwierigkeiten, aktiv mit all den kleinen und großen Veränderungsprozessen umzugehen, wobei ich damit nicht nur den Umgang mit externen Krisen und Problemen meine, sondern genauso das Initiieren von selbstgewählten Veränderungen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich kenne so viele Menschen, die sich nichts Sehnlicheres wünschen, als in einem bestimmten Bereich besser und erfolgreicher zu werden, und deren Vorhaben trotzdem regelmäßig mit Pauken und Trompeten scheitern, obwohl sie wirklich alles nur Denkbare versucht, ausprobiert und unternommen haben.

Doch woran liegt es, dass sich Menschen so schwer mit Wandel tun? Es mag dich erstaunen, aber es ist weder fehlende Willenskraft noch ein Mangel an den benötigten Fähigkeiten oder gar die Abwesenheit von Intelligenz. Nein, der Grund ist wesentlich tückischer. Veränderungen scheitern nämlich hauptsächlich daran, dass wir uns selbst nach allen Regeln der Kunst sabotieren, und es ist ein wenig wie bei den Zombie-Ameisen, an die ich an jenem Morgen auf meiner Terrasse denken musste. Ja, die gibt es wirklich.

Es handelt sich hierbei um Insekten, die von einem Pilz der Gattung Ophiocordyceps befallen werden, der ab diesem Moment das Verhalten der bedauernswerten Ameisen steuert und dafür sorgt, dass diese freiwillig ihr Leben beenden. Hierzu zapft der Parasit die Schaltzentrale seines Wirts an und bringt diesen dazu, auf eine Pflanze zu klettern und sich an einem Ast, einem Halm oder einer Blüte festzubeißen, woraufhin der Pilz alle Zeit der Welt hat, um sich im kompletten Körper der Ameise auszubreiten, bis diese stirbt und die Sporen nach unten regnen, um sich am Waldboden einen neuen Wirt zu suchen.

Jetzt wirst du dich möglicherweise fragen, was dies eigentlich mit dir zu tun hat. Und natürlich würde ich es niemals wagen, dich mit einer fremdgesteuerten Zombie-Ameise zu vergleichen, nur weil du regelmäßig schlechte Gewohnheiten entwickelst, völlig irrationale Entscheidungen triffst oder immer wieder an den einfachsten Veränderungen scheiterst. Obwohl, eigentlich schon. Denn aufgrund evolutionär bedingter Prägungen verfügen die meisten Menschen über einen Negativitätsbias, also eine systematische Wahrnehmungsverzerrung, die dazu führt, dass die unbewussten Mechanismen tendenziell eher auf Probleme und Gefahren für den Status quo ausgerichtet sind. Vor 10.000 Jahren war dies überlebenswichtig, weil an jeder Ecke ein Säbelzahntiger lauern konnte. Leider funktioniert unser Gehirn auch im modernen Leben immer noch so wie in der Steinzeit, allerdings gibt es hier keine Bedrohungen für Leib und Leben mehr, denn die einzige Gefahr für den Status quo geht heute von neuen Ideen, Methoden und Wegen aus. Und um dich davor zu schützen, entwickelt dein unbewusstes Mind Programme, die zuverlässig dafür sorgen, dass du deinen eigenen Erfolg sabotierst.


Die Jukebox in deiner inneren Schaltzentrale

Du kannst dir das wie bei einer alten Jukebox vorstellen, die früher in fast jeder Kneipe einen prominenten Platz hatte. Die Bedienung war super einfach: Du musstest 50 Pfennig einwerfen, hast dann die Taste F6 gedrückt, es ging automatisch ein Greifarm nach hinten, um die gewünschte Platte auszuwählen, und wenige Sekunden später erklang dann Verdammt ich lieb dich von Matthias Reim aus den Boxen. Weil die Jukebox nach einem einfachen Prinzip programmiert wurde: Wenn die Taste X gedrückt wird, dann spiele die Platte Y ab. Und genauso funktionieren auch die Mechanismen in deinem unbewussten Mind.

Einen wichtigen Zusammenhang möchte ich dabei noch besonders hervorheben: Die unbewussten Mechanismen beginnen nämlich bereits zu wirken, bevor es überhaupt zu einer Verarbeitung von externen Informationen kommt. Aus deinen wichtigsten Glaubenssätzen und Werten entwickelt Jarvis einen Wahrnehmungsfilter, der steuert, worauf du deinen Fokus richtest, welche Dinge du in deiner Umgebung wahrnimmst und welche anderen du wie selbstverständlich ignorierst. Stell dir vor, du gehst nur mit einer Taschenlampe in der Hand durch eine dunkle Höhle, und je nachdem, wie dein Wahrnehmungsfilter aussieht, richtest du den Lichtstrahl wie von selbst entweder auf die verborgenen Schätze oder aber auf Spinnenweben, unheimliche Ecken und furchterregende Fledermäuse.

Was du also als deine Wirklichkeit bezeichnest, ist bereits das Ergebnis eines kraftvollen unbewussten Filters. Und diese gefilterten Reize lösen dann im nächsten Schritt die tief im unbewussten Mind verborgenen Programme aus, die nach dem bekannten Schema „Wenn X passiert, dann reagiere mit Y“ ablaufen, und zwar automatisch, zuverlässig und ohne jede Ausnahme. Je impulsiver, emotionaler und unbewusster du auf externe Trigger reagierst, desto geringer ist deine Fähigkeit zum rationalen und analytischen Denken ausgeprägt, denn in diesen Momenten scheint es, als wäre dein Intellekt in einem mentalen Tresor eingesperrt, während deine unbewussten Programme die komplette Kontrolle über dein Verhalten übernommen haben.

Und so spielt bei ganz vielen Menschen die innere Jukebox den kompletten Tag immer wieder Verdammt ich lieb dich hoch und runter, auch wenn man eigentlich viel lieber Lieder von Elton John, Iron Maiden oder Udo Jürgens hören würde.


Selbstsabotage überwinden

Es ist also an der Zeit, dem roboterhaften Abspielen des immer gleichen Programms einen Riegel vorzuschieben und dich wie die beiden Mäuse aus Who moved my Cheese? ganz bewusst auf die Suche nach neuen Chancen und Möglichkeiten zu machen. Stelle dir deshalb ab und zu diese Fragen, am besten genau dann, wenn du merkst, dass dein inneres Kopfkino wieder auf Hochtouren läuft: Worauf fokussiere ich mich gerade in dieser Situation? Wie genau denke ich gerade? Mache ich mich aktiv auf die Suche nach dem Käse in meinem Leben, oder erdulde ich passiv, dass die äußeren Umstände nun mal so sind, wie sie sind? Und vor allem: Entscheide ich mich bewusst für ein bestimmtes Verhalten, oder funktioniere ich gerade wie eine fremdgesteuerte Zombie-Ameise auf Autopilotmodus?

Carl Jung hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Bis zu dem Zeitpunkt, an dem du das Unbewusste bewusst machst, wird es dein Leben lenken und du wirst es Schicksal nennen.“ Wenn du mich fragst, ist es Zeit, deine Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Nicht wahr?

Den Artikel teilen

Trag Dich für die Change Monday Impulse ein.

Als Willkommensgeschenk bekommst du mein Buch „Mach es einfach“ als Hörbuch-Download. Gratis, direkt in Dein E-Mail Postfach.

Ilja Grzeskowitz Buch "Mach es einfach" vor weißer Wand.