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Der Zeigarnik-Effekt im Change

Der Zeigarnik-Effekt Im Change

Warum behalten wir nicht erledigte Aufgaben besser im Gedächtnis?

In der heutigen Folge der “Change Show” soll es um den Zeigarnik-Effekt gehen. Er besagt, dass man sich an unterbrochene oder unerledigte Aufgaben besser erinnert als an erledigte Aufgaben.

Vor ein paar Tagen habe ich mich auf einer großen Veranstaltung mit einem Manager eines großen Unternehmes unterhalten, der mir erzählte, dass er vor kurzem bei einem Mental-Coach war. Dieser Coach gab ihm den Tipp, sich vor dem Schlafengehen die wichtigsten Aufgaben ins Gedächtnis zu rufen, damit das Gehirn diese über Nacht lösen kann. Der Manager hat jedoch festgestellt, dass dies überhaupt nicht funktioniert. Er fand keine Lösungen für seine Aufgaben über Nacht, dafür wurde sein Schlaf jedoch unruhiger und schlechter. Er fragte mich also, was ich von diesem Tipp halten würde: Nicht viel und genau in diesem Fall kommt der Zeigarnik-Effekt ins Spiel.

Ich habe den Effekt in der letzten Woche selber sehr, sehr intenvsiv spüren dürfen, als ich mich auf meine aktuelle Arbeitswoche vorbereitet habe. In den nächsten 6 Tagen halte ich insgesamt 8 Speeches für unterschiedliche Kunden, in unterschiedlichen Sprachen u.s.w. Das bedeutet für mich, dass ich mich auf ganz unterschiedliche Gegebenheiten vorbereiten und einstellen muss.

Der Zeigarnik-Effekt im Change

Der Zeigarnik-Effekt stammt von der Namengeberin, einer russischen Psychologin. Es gibt hierzu eine Legende, die ich im Internet ganz oft gefunden habe. Ob es wirklich so war, das weiß ich nicht genau (Höre dir hierzu gerne meine letzte Podcastfolge „Denken ist das neue Sexy“ an).

Diese Quelle besagt, dass die Psychologin im Jahr 1927 von Russland für eine Forschung nach Berlin reiste. Sie wollte zu einer Situation forschen, die sie in einem Café beobachtete: ein Kellner nahm in völliger Hektik eine Bestellung nach der anderen auf und trotz dieser Vielzahl von Bestellungen konnte er sich die Bestellungen 1:1 merken und abarbeiten. Nachdem er alle Bestellungen erledigt hatte, konnte er sich aber nicht mehr daran erinnern, welchem Gast er was serviert hatte. Die Frage, die die Psychologin nun umtrieb war, woran liegt es, dass ihm die unerledigten Aufgaben so wahnsinnig gut im Gedächtnis blieben, während sich danach alles so schnell verflüchtigt hatte. In Berlin hat sie ein Erforschungsexperiment mit 164 Probanden gemacht. Das Ergebnis war: Unerledigte Aufgaben wurden bis zu 90% besser behalten als diejenigen, die beendet wurden. Und zwar vollkommen unabhängig von Alter, Bildungsgrad, Geschlecht oder Herkunft. Daraus entstand dieser berühmt berüchtigte Zeigarnik-Effekt, der eben besagt, dass wir nicht erledigte Aufgaben besser im Gedächtnis behalten als erledigte Aufgaben.

Was hat nun der Zeigarnik-Effekt mit dem Change zu tun?

Stell dir eine riesengroße Kommode vor, die wir in unserem Kopf haben. Immer wenn wir eine Aufgabe nicht erledigt haben, ist diese Aufgabe in eine Schublade gelegt und diese Schublade steht offen. Im Laufe der Zeit gibt es dann dutzende geöffnete Schubladen. Erst wenn eine Aufgabe wirklich erledigt ist, wird die Schublade wieder geschlossen und wir können uns wieder auf die anderen Aufgaben konzentrieren.

Weil wir in diesen intensiven Zeiten im Change-Prozess sind, kommt der Zeigarnik-Effekt heftig und häufig ins Spiel. 8 Speeches in 6 Tagen heißt für mich, ich hatte wahnsinnig viele von diesen Schubladen offen. Ich wusste gar nicht so genau, wie ich dies angehen sollte, weil nämlich alle Schubladen zeitgleich geöffnet wurden, was zu einem gewissen Stresslevel führte.

Der Manager, mit dem ich mich unterhielt, öffnete kurz vor dem Schlafengehen diverse Schubladen, da er an nicht erledigte Aufgaben dachte. So kommt das Gehirn nicht zur Ruhe, denn die Aufgaben müssen gelöst werden, weil sie im Gedächtnis bleiben.

Meine Tipps für einen guten Umgang mit dem Zeigarnik-Effekt (Zumindest ist dies die Strategie, die für mich sehr gut funktioniert):

  1. Prioritäten setzen und abarbeiten
    Je mehr offene Projekte wir haben, desto überwältigter fühlen wir uns. Frage dich also: Was sind die wirklich wichtigen Dinge? Was hat den größten Effekt, wenn ich mich darum kümmere?
  2. Hundertprozentige Aufmerksamkeit
    Wenn du eine Aufgabe angehst, dann sei mit deiner Aufmerksamkeit zu 100% nur bei dieser Aufgabe.
  3. Rücken freihalten und die geöffneten Schubladen minimieren
    Lasse möglichst viele offene Aufgaben los: Entweder über Delegieren, dann ist die Aufgabe bei dir im Kopf psychologisch gesehen abgearbeitet, oder stelle Aufgaben zeitlich zurück, somit ist die Aufgabe temporär als erledigt betrachtet.

Prioritäten setzen ist das A und O

Die große Kunst ist es in diesem ganzen Wirrwarr von To-Do’s, Aufgaben und Projekten möglichst zu sortieren, zu entwirren und zu minimalisieren. Je mehr offene und unerledigte du im Kopf hast, desto unruhiger und rastloser wirst du. Deswegen ist es wichtig deine Schubladen zu schließen. Prioritäten setzen ist das A und O. Ich hoffe, das war für dich eine wertvolle Podcastfolge mit dem Zeigarnik-Effekt im Change bzw. im Zeitmanagement. Vielleicht konntest du damit ja heute die ein oder andere Schublade in deinem Kopf schließen und das Ganze in den nächsten Tagen und Wochen in die praktische Anwendung bringen. Lass mich wie immer sehr gerne wissen, wie dir diese Folge gefallen hat. Jetzt erstmal viel Spaß beim Anhören!  🙂

In die Podcast-Episode #113: „Der Zeigarnik-Effekt im Change“ kannst du hier reinhören:

Die Podcastfolge unterwegs auf dem Smartphone anhören

 

 

 

Mein Tipp: Am besten abonnierst du den Podcast gleich mit der App deiner Wahl. Dann erhälst du jede neue Folge ganz bequem und vor allen anderen auf dein Smartphone gesendet. Auf iTunes, Spotify oder Android.

Und nun freue ich mich auf deinen Kommentar und eine spannende Diskussion. Vor allem interessiert mich, wie du mit dem Zeigarnik-Effekt in deinem Alltag umgehst 🙂

Herzlichst, Dein

Signature Ilja Grzeskowitz

 

 

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