Sympathie als Erfolgsfaktor

Ist es wirklich wichtig, sympathisch zu sein? Und kann ich das lernen?

Jagersbacher Sympathie CodeSchon meine Großmutter pflegte zu sagen: „Junge, sei immer schön freundlich zu anderen Menschen. Wer sympathisch ist, der kommt im Leben einfach weiter!“ Aber ist das wirklich so? Ist Sympathie tatsächlich ein Erfolgsfaktor, oder kann es auch zu viel des Guten sein? Birgt ein zu hoher Sympathiefaktor die Gefahr, von anderen ausgenutzt zu werden? Über diese und andere Fragen habe ich mich mit Michael Jagersbacherunterhalten. Michael ist Autor des Buches Sympathie-Code: Wie Sie andere für sich gewinnen, für das ich das Geleitwort schreiben durfte. Im folgenden Interview habe ich ihm ein wenig auf den Zahn gefühlt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

 

Michael, was bedeutet für Dich Sympathie?

Sympathie ist ein spannendes Phänomen, welches gar nicht so leicht in Worte fassbar ist. Mir gefällt die Definition von Meyers Lexikon sehr gut, in welchem Sympathie als innere Verwandtschaft mit dem Gegenüber definiert wird. Man fühlt sich wohl, im intimeren Fall sogar geborgen im Gespräch. Oftmals wird Sympathie als etwas spontan Entstehendes gesehen, worauf wir keinerlei Einfluss haben – entweder man kommt sympathisch an, oder eben nicht. Etwas in die Wiege gelegtes, sozusagen. Dem kann ich nicht zustimmen: Wir haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand, ob wir emotionale Nähe herstellen oder nicht.

Ist Sympathie angeboren oder kann man das auch lernen/trainieren?

Ich denke, dass beides der Fall ist. Jeder ist sympathisch. Jeder kann emotionale Nähe zum Gesprächspartner herstellen. Leider sind diese Fähigkeiten bei vielen Menschen verschüttet. Bei manchen muss man tiefer graben, bei manchen befindet sich die Fähigkeit nahe an der Oberfläche. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass alle Menschen zu Sympathieträgern werden können. Bei manchen ist der Weg länger als bei anderen und – dies darf man nicht vergessen – es muss Kraft und Zeit investiert werden, wenn man sein Kommunikationsverhalten ändern will. Sie müssen bedenken, je nachdem wie alt Sie sind, Sie waren ja schon mit Ihren Kommunikationsstrategien erfolgreich. Sie können jedoch durchaus erfolgreicher werden, wenn Sie lernen, wie Sympathiegewinnung funktioniert und dass man sich dabei gar nicht „verbiegen“ muss – sogar das Gegenteil ist der Fall.

Was macht Menschen sympathisch bzw. unsympathisch?

Uns muss klar sein, dass wir dauernd Urteile fällen über unser Gegenüber. Dieser Prozess läuft in Millisekunden ab, ohne dass wir einen Einfluss darauf haben. Worauf wir einen Einfluss haben, ist die Art und Weise, wie wir uns zeigen oder präsentieren. Unser Gegenüber soll emotionale Nähe zu uns aufbauen können, deshalb ist es unser Ziel, kommunikative Barrieren sukzessive abzubauen. Da können Kleinigkeiten von enormer Bedeutung sei: Wie ein Händedruck, der Blickkontakt und die persönliche Einnahme des Raumes. In meinen Coachings wird in einem ersten Schritt genau an diesen Mustern gearbeitet. Das geht nicht von heute auf morgen, jedoch sind erste Ergebnisse relativ schnell sichtbar. In einem zweiten Schritt, kommt es auf den Inhalt der gesprochenen Worte an. Der Körper und die Stimme bilden die Rahmung und die Bedeutung der Worte das Bild. Diese drei Elemente haben aufeinander Einfluss.

Wie wichtig ist Sympathie im Job?

Man muss diese Frage in einem größeren Kontext beachten. Was macht uns im Job erfolgreich? Es ist die Mischung aus emotionaler Nähe und Distanz, die uns erfolgreich macht. Nicht die Fokussierung auf Sympathie, also Nähe allein. Gleiches gilt für die Distanz. Nur über emotionale Distanz wird man keine Menschen an sich binden können und nur mit Sympathie wird man sich schwer abgrenzen können. Die Antwort ist somit: Sehr wichtig, reicht aber allein nicht aus für nachhaltigen Erfolg. Dein Buch heißt „Der Sympathie-Code“.

Was verbirgt sich hinter diesem Code?

Ich habe gewisse Muster bei Sympathieträgern in der Öffentlichkeit festgestellt. Ich weigerte mich zu glauben, dass Sympathiegewinnung etwas Gottgegebenes oder etwas durch und durch Geheimnisvolles sei. Es gibt sehr wohl Geheimnisse, doch die Schlüssel zu Ihren Geheimnissen haben nur Sie. Die Begleitung bei der Schmiede dieses Schlüssels ist in Wahrheit meine Aufgabe. Das Schloss besitzen Sie selbst. Insofern ist dieser Sympathie-Code in jedem von uns angelegt und auch bei jedem grundverschieden. Das ist das Faszinierende und Spannende am Sympathietraining.

Kann zu viel Sympathie manchmal auch hinderlich sein?

Wenn man sich dauernd nur von seiner sympathischen Seite zeigt, kann man sehr schnell zur Zielscheibe von anderen Menschen werden. Ironischerweise werden in der Tendenz durchwegs sympathische und nach Harmonie strebende Menschen gemobbt. Will man jedem sympathisch erscheinen, zu jeder Zeit, kann dies genau das Gegenteil auslösen. Deshalb wird in meinen Trainings sehr auf den Faktor Selbstvertrauen und Identität Wert gelegt, weil nur dadurch sichergestellt werden kann, dass sympathische Menschen ihre eigenen Grenzen auch verteidigen können, wenn es nötig ist.

Welchen Tipp kannst Du meinen Lesern geben, die gerne an ihrem Sympathie-Faktor arbeiten möchten?

Der wichtigste Hinweis ist das Akzeptieren der eigenen Persönlichkeit mit all ihren Facetten. Die Grenzen zwischen Gut und Schlecht verschwimmen. Es gibt immer etwas Gutes am Schlechten und etwas Schlechtes am Guten. Akzeptieren Sie sich als Mensch und versuchen Sie nicht Nähe zu erzeugen durch eine perfekte Selbstdarstellung. Das funktioniert in den seltensten Fällen. Ganz wichtig ist auch das Einschätzen des Gegenübers: Wieviel an sympathischen Vorgehen hat er/sie überhaupt verdient?

Welche 3 Bücher empfiehlst Du, um in das Thema tiefer einzusteigen?

Stéphane Etrillard: Mit Diplomatie zum Ziel: Wie gute Beziehungen Ihr Leben leichter machen

Stefan Verra – Hey, dein Körper spricht!: Worum es bei Körpersprache wirklich geht

Tom Schmitt/Michael Esser – Status-Spiele: Wie ich in jeder Situation die Oberhand behalte

Michael, ich danke Dir für das wertvolle Interview! Und an Sie, liebe Leser habe ich eine Frage: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Sympathie gemacht? Schreiben Sie mir Ihre Gedanken ins Kommentarfeld…ich freue mich 🙂

Über Michael Jagersbacher

Michael JagersbacherMag. Michael Jagersbacher ist studierter Philosoph, Pädagoge und Unternehmer. Als Erwachsenenbildner hat er sich in den letzten Jahren auf die Bereiche Kommunikation, Verkauf und Motivation spezialisiert und trainierte über 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In diesem Zusammenhang setzte er sich mit den Konstanten der Sympathiegewinnung, auch unter erschwerten Bedingungen, auseinander. Die Faszination, Menschen zu begeistern, ließ ihn seitdem nicht mehr los. Die Ergebnisse seiner intensiven Beschäftigung wandte er seitdem in der Praxis erfolgreich an und übertrug sie höchst erfolgreich in weitere Bereiche wie zB. in den Verkauf.

www.michael-jagersbacher.at