Aus Fehlern lernen: Warum die Anzahl deiner Fehler ein Spiegel deines Erfolgs ist

Inhaltsverzeichnis

Glühbirne neben zerknülltem Papier auf Holzoberfläche.

Wenn du aus Fehlern lernen willst, dann fang am besten damit an, eine Frage endlich loszulassen, die du wahrscheinlich schon tausendmal gehört hast:

„Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?“

Diese Frage hat einen festen Platz in sämtlichen Erfolgsbüchern und wird auch von Keynote Speakern rund um die Welt gerne bemüht, wenn es darum geht, den Mut für das Verfolgen der eigenen Ziele und Träume aufzubringen. Die Idee dahinter klingt auf den ersten Blick logisch: Weil die meisten Menschen aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anfangen, eliminiert man diese Möglichkeit ganz einfach gedanklich und hilft sich damit selber, den so wichtigen ersten Schritt zu gehen. Aber Vorsicht! Ich halte diese Frage nämlich für extrem gefährlich.

Aus Fehlern lernen: Warum es keine Garantien gibt

Denn egal, ob es sich um die Politik, das Treffen von schwierigen Entscheidungen in Unternehmen oder das Umsetzen von genialen Ideen im persönlichen Alltag handelt, immer mehr Menschen agieren nach dem Motto: „Ich würde es ja probieren, wenn man mir garantieren würde, dass es auf jeden Fall klappen wird.“ Schon mal gehört? Vielleicht schon selber einmal gedacht? Diese Denkweise basiert allerdings auf einem großen Irrtum. Das Leben funktioniert so leider nicht. Für absolut nichts gibt es eine Garantie. Ganz im Gegenteil: Jede Chance birgt immer auch Risiken, perfekte Pläne können schiefgehen, und insbesondere die erfolgreichen Persönlichkeiten sind auf dem Weg zu ihren Errungenschaften häufig mehrfach krachend gescheitert.

Obwohl dies allgemein bekannt ist, schlummert tief im Unterbewusstsein der großen Masse immer noch die Erwartung, dass man selber von dieser Dualität nicht betroffen sei, und dass man die kleinen und großen Vorhaben des Alltags direkt im ersten Anlauf erreichen müsste. Und ehe man sich versieht, hat man sich selber einen immensen Druck aufgebaut und fängt vor lauter Angst vor einem möglichen Scheitern gar nicht erst mit der Umsetzung an. Das Buch wird nicht geschrieben, das Unternehmen nicht gegründet und der Traum nicht gelebt. Die Konsequenz? Viele Menschen haben ihr Leben an folgender Regel ausgerichtet: Wenn es keinen leichten Weg gibt, dann gehe ich gar nicht erst los.

Mißerfolge gehören einfach dazu

Was für eine tragische Haltung. Bevor du nämlich deine ganz persönlichen Ziele erreichen kannst, fordert das Universum eine Menge Rückschläge, Fehler und Misserfolge ein. Scheitern gehört zum Leben dazu wie Asterix zu Obelix, wie Marzipan zu Lübeck und wie der Song Last Christmas zur Weihnachtszeit. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Je häufiger du auf deinem Weg scheiterst, desto erfolgreicher wirst du sein. Ja, du hast richtig gelesen.

Die Anzahl deiner Fehler ist ein direkter Spiegel deines Erfolgs in sämtlichen Lebensbereichen.

Nur wer handelt, der verändert sich aktiv. Nur wer mutige Entscheidungen trifft, der wird besser. Und nur wer sich traut, neue Ideen auszuprobieren, der findet irgendwann die richtige. Dabei passieren nun mal zwangsläufig Fehler. Mit jeder einzelnen Erfahrung wirst du wachsen, dich weiterentwickeln und erfolgreicher werden.

Die Geschichte ist voller Beispiele von Menschen, die sich konsequent Richtung Erfolg gescheitert haben. Die Buchidee von Arianna Huffington wurde von 36 Verlagen abgelehnt, bevor sie mit der Huffington Post die Medienlandschaft nachhaltig veränderte. Harland Sanders, der Gründer von Kentucky Fried Chicken, bekam von 1.009 Banken ein Nein, als er ihnen seine Geschäftsidee präsentierte. Und Regie-Ikone Steven Spielberg wurde von drei Filmschulen abgewiesen, bevor ihm mit Filmen wie E.T., Indiana Jones oder Jurassic Park der große Durchbruch gelang.

Was würdest Du tun, wenn Du wüsstest, dass Du scheitern würdest?

Und weil ich wetten könnte, dass es auch in deinem Leben Beispiele gibt, wo du erst durch einen großen Fehler zum entscheidenden Durchbruch gekommen bist, möchte ich dir gerne eine alternative Formulierung für die Frage vom Anfang vorschlagen:

„Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern wirst?“

Ja, du hast tatsächlich richtig gelesen. Dieser Ansatz mag auf den ersten Blick vollkommen verrückt erscheinen, denn wer startet schon gerne mit etwas, von dem man weiß, dass es auf keinen Fall klappen wird? Wenn du die Frage aber sacken lässt und etwas länger über mögliche Antworten nachdenkst, dann könnte ein echter Durchbruch auf dich warten.

Du wirst nämlich über kurz oder lang auf die Ziele, Vorhaben und Träume stoßen, für die du so sehr brennst, dass du bereit wärst, sie auch ohne ein erfolgreiches Ergebnis in Angriff zu nehmen. Einfach, weil du Freude am Prozess selber hast und in der eigentlichen Tätigkeit so richtig aufgehst.

Ich musste an diese Frage denken, als ich meine Schwester im September beim Berlin Marathon angefeuert habe, an dem jedes Jahr über 50.000 Menschen teilnehmen. 99,9 Prozent dieser Menschen wissen, dass sie das Rennen auf keinen Fall gewinnen werden. Trotzdem machen sie mit und bereiten sich monatelang auf diesen einen Tag vor. Weil es überhaupt nicht um das Gewinnen an sich geht, sondern einzig und alleine darum, dabei zu sein. Die einzigartige Atmosphäre aufzusaugen. Und natürlich um das unbezahlbare Gefühl, wenn man nach 42 mühevollen Kilometern endlich die Ziellinie überschreitet.

Also Hand auf’s Herz: Was wäre es für dich wert, getan zu werden, auch wenn es nicht erfolgreich sein würde? Habe ich recht?


Mein schlechtester Vortrag aller Zeiten

Du kannst dir nicht vorstellen, wie hart ich für meinen ersten bezahlten Vortrag kämpfen musste. Über ein Jahr lang Anschreiben, Anrufe, Nein nach Nein nach Nein, bis mir eines Tages die Personalleiterin eines großen Unternehmens anrief, die ich bestimmt siebenmal kontaktiert hatte: »Herr Grzeskowitz, es hat mich viel Überzeugungskraft gekostet, aber ich habe Sie intern durchgeboxt. Wir würden Sie gern für unsere jährliche Mitarbeiterveranstaltung buchen.« Als Austragungsort hatte man die größte Halle der Stadt gewählt, ich wurde auf zwei Hochglanzseiten in der Firmenzeitung angekündigt, und der CEO holte mich höchstpersönlich mit seinem Wagen vom Bahnhof ab.

Und dann trat ich auf die Bühne, atmete einmal tief durch — und hielt danach eine Rede, die von der Qualität her nicht einmal für die Elternversammlung im Kindergarten meiner Tochter gut genug gewesen wäre.

Der Applaus war mehr als dürftig, die Atmosphäre schlagartig im Keller. Die Personalleiterin, die monatelang intern für mich gekämpft hatte, kam hinterher zu mir: „Wissen Sie, Herr Grzeskowitz, wir machen die Veranstaltung jetzt seit elf Jahren. Aber so schlecht war die Stimmung noch nie. Unser Chef ist sehr zeitig gegangen.“

Ich sah mich am Ende meiner Karriere als professioneller Redner, obwohl sie noch gar nicht richtig angefangen hatte. Ich hatte Gedanken wie „Bestimmt hängen die ein großes Foto von mir in der Firmenzentrale auf, beschriftet mit ›Schlechtester Redner aller Zeiten‹“ und „Niemand wird mich jemals wieder buchen“. Ich badete im Selbstmitleid und war kurz davor, darin zu ertrinken.

Wenige Tage später führte ich ein Seminar in der Schweiz durch, als mir meine Assistentin sagte: „Du, Ilja, an der Rezeption wartet eine ältere Dame, die dich gern sprechen möchte.“ Eine Minute später schaute mich eine Frau um die 75 an und sagte: „Draußen wartet mein Vater. Er ist 96 Jahre alt und möchte an Ihrem Seminar teilnehmen.“ Und da fuhr ein eleganter Herr im Rollstuhl um die Ecke, im perfekt sitzenden Anzug, eine uralte Aktentasche unterm Arm, streckte die Hand aus und sagte laut: »Da bin ich.« Und etwas leiser: »Ich wollte schon zum letzten Termin kommen. Doch meine Tochter ist immer so um mich besorgt und hat meine Teilnahme wieder storniert. Also habe ich mich gestern einfach noch mal angemeldet. Und zwar heimlich.«

Mit fast hundert Jahren wollte dieser Mann noch dazulernen. Ich stand da und badete in meiner Niederlage von ein paar Tagen zuvor, bis er mich mit wachen Augen anschaute und sagte: „Es ist niemals zu spät, einen Unterschied zu machen.“

Und wenn es danach einen Rückschlag gab (und davon gab es in den folgenden Jahren eine ganze Menge, denn wer viel handelt, der macht auch viele Fehler), dann habe ich mir dieselben drei Fragen gestellt, nämlich was ich daraus lernen kann, wie ich es besser machen kann und wie ich mich verändern muss. Ich habe seitdem eine Menge Fehler gemacht. Aber ich habe aufgehört, mich vor ihnen zu fürchten.


Wie John Wick Dir helfen kann, aus Fehlern zu lernen

Während meines letzten Langstreckenflugs habe ich wieder einmal einen der John Wick-Filme geschaut, in dem Keanu Reeves die Hauptrolle spielt. Und dabei ist mir ein Detail aufgefallen, das ich bis dahin immer übersehen hatte. Auf dem Rücken trägt John Wick nämlich ein riesiges Tattoo. In großen Buchstaben steht dort geschrieben: Fortis Fortuna Adiuvat. Übersetzt bedeutet es so viel wie „Das Glück begünstigt den Tüchtigen„. Schon die alten Römer wussten anscheinend, dass die Götter des Glücks vor allem den Menschen zur Seite stehen, die fleißig sind und sich gut vorbereiten.

In meiner norddeutschen Heimat würde man wohl eher „Wer wagt, der gewinnt“ sagen, aber die Grundaussage bleibt die gleiche. Wenn du mutig bist, dich gewissenhaft vorbereitest und keine Angst vor dem Scheitern hast, dann kann dich nichts mehr stressen, weil du eine tiefe innere Gelassenheit aufbaust.

Je mehr du mit einer großen Portion Gelassenheit der Philosophie des Schöner Scheiterns folgst, desto häufiger wirst du in Situationen geraten und Dinge erreichen, die andere Menschen von außen mit dem Label Glück versehen werden. Dabei sind es insbesondere die schlaflosen Nächte, die vielen Selbstzweifel und die zahlreichen Misserfolge, die der Grund dafür sind, dass die daraus resultierenden Erfolge lapidar mit Glück tituliert werden. Weil man nur das Endergebnis sieht, aber den Prozess komplett ausblendet, der dorthin geführt hat.

Ich möchte die Frage vom Anfang des Artikels daher noch einmal wiederholen:

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern wirst?

Fang am besten mit einer Liste an, und dann beginne mit der Umsetzung. Und zwar heute und nicht irgendwann. Tu die Dinge, die dich nachts nicht schlafen lassen. Erfülle dir die Träume, die schon so lange in der Schublade liegen. Und pack die Projekte an, die du bisher aus Angst vor dem Scheitern immer wieder aufgeschoben hast. Ja, Misserfolge können hart sein. Aber viel schlimmer ist das Gefühl, wenn du irgendwann zurückblickst und es bereust, es nicht zumindest einmal versucht zu haben. Habe ich recht?

Je eher du akzeptierst, dass Scheitern und Fehler zum Leben dazugehören, desto besser. Franz Beckenbauer wurde für seine Motivationsrede vor dem WM-Finale 1990 berühmt, als er der Nationalmannschaft um Lothar Matthäus, Rudi Völler und Andreas Brehme eine einzige Botschaft mit auf den Weg gab: „Geht’s raus und spuilts Fußball.“

Ich möchte diesen Satz gerne adaptieren und dir zurufen: Geh raus und scheitere dich erfolgreich. Das Leben ist einfach zu kurz, um es mit Ausreden und Angst vor der eigenen Courage zu verschwenden.


Aus Fehlern Lernen: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Aus Fehlern lernen beginnt damit, eine Frage loszulassen: „Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?“ Diese Frage gibt es nicht. Für absolut nichts im Leben gibt es eine Garantie.
  • Die bessere Frage lautet: „Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern wirst?“ Sie führt dich zu den Zielen, Träumen und Projekten, für die du wirklich brennst.
  • Die Anzahl deiner Fehler ist ein direkter Spiegel deines Erfolgs in sämtlichen Lebensbereichen.
  • Stell dir nach jedem Rückschlag drei Fragen: Was kann ich daraus lernen? Wie kann ich es besser machen? Wie muss ich mich verändern?
  • Fortis Fortuna Adiuvat: Das Glück begünstigt den Tüchtigen. Mut, Gelassenheit und eine Menge Fehler sind der direkte Weg zu dem, was andere Menschen dann Glück nennen werden.
  • Es ist niemals zu spät, einen Unterschied zu machen.

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