,

Was ist Leadership? Eine Definition von moderner Führung

was ist leadership

Was ist Leadership? Diese Frage ist eine der am häufigsten gestellten in Zeiten immer intensiver, komplexer und unberechenbar werdender Veränderung. Sie ist brandaktuell und gleichsam nicht neu. Nicht umsonst ist einer der erfolgreichsten Artikel dieses Blogs mein Artikel aus dem Jahr 2012, in dem ich mich zum ersten Mal mit den Unterschieden zwischen Leadership und Management befasst habe. Doch seitdem sind fast zehn Jahre vergangen und die Welt ist nicht mehr die gleiche, die sie damals war. Nicht nur hat sich der Technologiesektor rasant weiterentwickelt, sondern insbesondere die Art und Weise, wie Menschen leben und arbeiten wollen, hat sich radikal verändert. Wir befinden uns in der wahrscheinlich größten Kulturrevolution der letzten hundert Jahre. Das Industriezeitalter befindet sich in seinen letzten Zügen, und wir bewegen uns immer mehr hin zur global vernetzten Wissensgesellschaft.

Leadership und Führung in Zeiten der Veränderung

Dies hat natürlich auch entsprechende Auswirkungen auf die Unternehmen und Organisationen, welche die sich wandelnden Bedürfnisse und Erwartungen von sechs verschiedenen Generationen als Kunden und Mitarbeitenden nachhaltig befriedigen müssen. Die Themen Purpose, Employer Branding und die Entwicklung einer radikal neuen – und auf die Zukunft ausgerichteten – Unternehmenskultur sind schon längst nicht mehr „nice to have“, sondern haben sich zu einem kompetitiven Wettbewerbsvorteil entwickelt. Und wie bei allen wichtigen Veränderungen spielen Leadership und Führung die entscheidende Rolle, ob das Vorhaben nachhaltig erfolgreich ist oder krachend scheitert.

Was ist Leadership? Eine Definition von Führung

Leadership ist die Kunst des Führens. Die Gabe, Rahmenbedingungen zu erschaffen, in der sich einzelne Individuen entfalten, ihr volles Potenzial abrufen und gemeinsam als Team wachsen können. Nicht jede Führungskraft ist jedoch auch ein Leader. Ganz im Gegenteil, denn sehr häufig werden die Begriffe, Leadership, Führung und Management miteinander vermischt und im falschen Kontext verwendet. Für den weiteren Verlauf des Artikel möchte ich Ihnen daher gerne meine Definition von Leadership vorstellen:

Leadership ist die Fähigkeit, einer Gruppe von Menschen eine (neue) Vision und Richtung zu geben, so dass diese sich mit dem Ziel und der Haltung aktivierend identifizieren können. Ein guter Leader ist in der Lage, diese Vision, nicht nur sprachlich attraktiv zu formulieren, sondern sie auch mit Werten und Überzeugungen zu füllen und – die wichtigste Voraussetzung von allen – sie durch das eigene Handeln vorzuleben. Auf diese Weise gibt Leadership Orientierung und erschafft einen Kontext, in dem einzelne Individuen ihr volles Potenzial abrufen, um gemeinsam als Team nachhaltig erfolgreich sein zu können.

Im Gegensatz hierzu definiere ich Management wie folgt:

Management ist die Fähigkeit, innerhalb eines Teams die beteiligten Personen, Prozesse und Ressourcen anhand von bereits etablierten Werten, Überzeugungen und Regeln zu steuern, zu kontrollieren und optimal einzusetzen.

Leadership versus Management – Die Unterschiede

Aus diesen beiden Definitionen wird ersichtlich, dass Leadership und Management zwei Seiten ein und derselben Medaille sind. Leadership fokussiert sich dabei auf die Menschen und kreiert einen Rahmen, der von geteilten Werten, einer gemeinsamen Vision und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist, und dem man gerne folgt, weil man sich mit der Haltung identifiziert und gleichsam seine individuelle Persönlichkeit und die eigenen Werte einbringen kann. Leadership führt daher im Endergebnis zu einer Kultur bzw. einem System, dessen Teil Menschen gerne sein möchten.

Management kommt ins Spiel, wenn es darum geht, dieses System möglichst effizient und effektiv zu verwalten und anhand von definierten KPI’s zu optimieren.

Für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens sind beide Fähigkeiten enorm wichtig und ohne die eine ist die andere meist wirkungslos. Besitzt eine Unternehmerin, ein Manager oder eine Führungskraft jedoch sowohl Leadership- als auch Managementqualitäten, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das zu führende Team überdurchschnittliche Erfolge erzielt.

Warum Leadership über den Erfolg von Veränderungen bestimmt

Insbesondere in Veränderungsprozessen ist Leadership der entscheidende Faktor, der darüber bestimmt, ob eine Transformation nachhaltig erfolgreich ist, oder im Laufe der geplanten Umsetzung scheitert. Dies liegt an zwei Gründen:

1) Die Veränderung selber hat sich verändert. Während Changeprozesse noch vor wenigen Jahren klassische Top-Down-Projekte waren, sind diese heute von einem Co-Creation Ansatz geprägt. Jede(r) Einzelne(r) muss – unabhängig der hierarchischen Position – im individuellen Wirkungskreis Verantwortung übernehmen, so dass man als Team erfolgreich sein kann. Es kommt auf jede(n) Einzelne(n) an. Es geht nur gemeinsam.

2) Die bedeutet, dass der Mensch der wichtigste Erfolgsfaktor für die nachhaltige Umsetzung von Change und Veränderung ist. Der beste Prozess, die ausgetüfteltste Strategie und die neueste Technologie nützt überhaupt nichts, wenn die Menschen nicht mitmachen.

Schauen wir uns hierzu die folgende Grafik an, welche die verschiedenen emotionalen Phasen beschreibt, die Menschen bei Veränderungen durchlaufen:

Die emotionalen Phasen von Veränderungsprozessen

 

Change brücke modell

Die emotionalen Phasen von Veränderungen

 

Leading Change: Warum Veränderung ohne Leadership nicht funktioniert

Wichtig ist dabei das Verständnis, dass Menschen die emotionalen Phase in unterschiedlicher Intensität, in unterschiedlichem Tempo und mit unterschiedlicher Bereitschaft durchlaufen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle gehört dazu. Mehr noch. Je intensiver sie sind, desto näher ist man oft dem entscheidenden Durchbruch. Unabhängig des individuellen Umgangs mit den Veränderungen gibt es jedoch eine große Gemeinsamkeit: Durch die Komplexität von Transformationen herrscht bei allen Beteiligten stets eine große Unsicherheit. Unsicherheit über die Sinnhaftigkeit. Über die Durchführbarkeit. Und insbesondere über die Auswirkungen auf die eigene Situation. Der Punkt, an dem über Erfolg oder Mißerfolg entschieden wird, ist in diesem Bild die Brücke, die über das Tal der Verzweiflung führt.

Und hier kommt das Thema Leadership ins Spiel. Die Aufgabe eines modernen Leaders ist es nämlich, Orientierung zu geben, das eigene Team über die wackelige Brücke zu führen und in Zeiten der Unsicherheit eine Form von Sicherheit auszustrahlen, an der man sich festhalten und aufrichten kann.

Die wichtigsten Eigenschaften von modernem Leadership

Aus diesem Grund benötigt es für modernes und auf die Herausforderungen der Zukunft ausgerichtetes Leadership auch vollkommen andere Eigenschaften als noch vor wenigen Jahren. Hier sind die vier wichtigsten:

Klarheit

Nachhaltige Führung bedeutet immer zuallererst Klarheit. Über die eigenen und gemeinsamen Ziele, Werte, Strategien und Maßnahmen. Aber auch über die Art, wie man miteinander kommuniziert, wie mit Fehlern umgegangen wird und wie der eigene Führungsstil aussieht. Klarheit führt zu Orientierung. Orientierung führt zu Vertrauen. Und Vertrauen ist die Basis für außergewöhnliche Ergebnisse, Teamspirit und die Möglichkeit, das Potenzial von Individuen entfalten zu können.

Transparenz

Radikale Transparenz ist der Schlüssel für modernes Leadership. Es darf keine geheimen Informationen geben. Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein. Und jeder sollte das Gefühl haben, Teil des Ganzen zu sein. Besonders wichtig wird Transparenz allerdings wenn es um die Kommunikation von Erwartungen geht. Denn nach wie vor sprechen viele Führungskräfte diese niemals aus. Und wundern sich dann, wenn sie nicht erfüllt werden.

Sinn

Veränderungen sollten niemals nur um der Veränderung selber geschehen. Sie sollten mit Intention passieren. Um besser zu werden, sich weiterzuentwickeln, auf Marktveränderungen zu reagieren oder um heute die Weichen für die Zukunft zu stellen. Die Aufgabe von Leadership ist es, diesen Sinn zu nachvollziehbar zu kommunizieren. Sowohl auf der rationalen, insbesondere aber auf der emotionalen Ebene.

Empathie

Der wohl wichtigste Faktor ist Empathie. Menschen so zu nehmen wie sie sind, und individuell zu führen. Was früher von Chefs der patriarchischen Schule lapidar als Schwäche abgestempelt wurde, ist heute das wohl wichtigste Führungsinstrument moderner Leader.

Boss vs. Leader

Abschließen möchte ich den Artikel mit einer – zugegebenermaßen etwas überzeichneten – Gegenüberstellung des alten, traditionellen „Boss Modus“ versus einen modernen Leader, der/die sämtliche der o.a. Eigenschaften nicht nur verinnerlicht hat, sondern auch täglich lebt.

boss versus leader

Natürlich ist die Realität nicht immer so schwarz oder weiß, sondern es gibt auch eine Menge Grautöne. Doch ich denke, das Prinzip sollte klar geworden sein. Stellt sich also die Frage: Wann brauche ich den Boss Modus? Meine klare Einschätzung dazu: Niemals. Und ich bin mir bewusst, dass es auch Menschen gibt, die mit (zu viel) Freiraum überfordert sind, und stattdessen lieber Leitplanken und Vorgaben bevorzugen. Aber ersten können Sie all das auch mit modernem Leadership erreichen und zweitens werden Sie überrascht sein, wie schnell Ihr Team in die neue Führungskultur hineinwachsen und es Ihnen mit Einsatz, Leidenschaft und Teamspirit zurückzahlen wird.

Führung im Wandel der Zeit: Die Zukunft erfolgreich gestalten

Ich hoffe sehr, dass Sie auf die Frage „Was ist Leadership?“ in diesem Artikel eine umfassende Antwort gefunden haben. Die nächsten Jahre werden von massiver Disruption und intensiven Veränderungen sowohl in der Gesellschaft als auch im unternehmerischen Kontext geprägt sein. Führung und Leadership dabei in den Mittelpunkt sämtlicher Anstrengungen zu stellen, ist daher unabdingbar. Gleich ob in der Politik, in großen Konzernen oder in mittelständischen Unternehmen, Leadership von Vorgestern wird zum Scheitern verurteilt sein. Wer hingegen den Weg der modernen Führung einschlägt, dem werden sich sämtliche Chancen der Zukunft auf dem Silbertablett präsentieren. Sie müssen dann nur noch zugreifen.

  • […] Faktor Empathie wurde im Oldschool Leadership oftmals mit Schwäche gleichgesetzt, die man sich als Führungskraft auf keinen Fall leisten […]