Aus Fehlern lernen: Warum die Anzahl deiner Fehler ein Spiegel deines Erfolgs ist

Wenn du aus Fehlern lernen willst, dann fang am besten damit an, eine Frage endlich loszulassen, die du wahrscheinlich schon tausendmal gehört hast:

„Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?“

Diese Frage hat einen festen Platz in sämtlichen Erfolgsbüchern und wird auch von Keynote Speakern rund um die Welt gerne bemüht, wenn es darum geht, den Mut für das Verfolgen der eigenen Goals und Träume aufzubringen. Die Idee dahinter klingt auf den ersten Blick logisch: Weil die meisten Menschen aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anfangen, eliminiert man diese Möglichkeit ganz einfach gedanklich und hilft sich damit selber, den so wichtigen ersten Schritt zu gehen. Aber Vorsicht! Ich halte diese Frage nämlich für extrem gefährlich.

Aus Fehlern lernen: Warum es keine Garantien gibt

Denn egal, ob es sich um die Politik, das Treffen von schwierigen Entscheidungen in Unternehmen oder das Umsetzen von genialen Ideen im persönlichen Alltag handelt, immer mehr Menschen agieren nach dem Motto: „Ich würde es ja probieren, wenn man mir garantieren würde, dass es auf jeden Fall klappen wird.“ Schon mal gehört? Vielleicht schon selber einmal gedacht? Diese Denkweise basiert allerdings auf einem großen Irrtum. Das Leben funktioniert so leider nicht. Für absolut nichts gibt es eine Garantie. Ganz im Gegenteil: Jede Chance birgt immer auch Risiken, perfekte Pläne können schiefgehen, und insbesondere die erfolgreichen Persönlichkeiten sind auf dem Weg zu ihren Errungenschaften häufig mehrfach krachend gescheitert.

Obwohl dies allgemein bekannt ist, schlummert tief im Unterbewusstsein der großen Masse immer noch die Erwartung, dass man selber von dieser Dualität nicht betroffen sei, und dass man die kleinen und großen Vorhaben des Alltags direkt im ersten Anlauf erreichen müsste. Und ehe man sich versieht, hat man sich selber einen immensen Druck aufgebaut und fängt vor lauter Angst vor einem möglichen Scheitern gar nicht erst mit der Umsetzung an. Das Buch wird nicht geschrieben, das Unternehmen nicht gegründet und der Traum nicht gelebt. Die Konsequenz? Viele Menschen haben ihr Leben an folgender Regel ausgerichtet: Wenn es keinen leichten Weg gibt, dann gehe ich gar nicht erst los.

Mißerfolge gehören einfach dazu

Was für eine tragische Haltung. Bevor du nämlich deine ganz persönlichen Ziele erreichen kannst, fordert das Universum eine Menge Rückschläge, Fehler und Misserfolge ein. Scheitern gehört zum Leben dazu wie Asterix zu Obelix, wie Marzipan zu Lübeck und wie der Song Last Christmas zur Weihnachtszeit. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Je häufiger du auf deinem Weg scheiterst, desto erfolgreicher wirst du sein. Ja, du hast richtig gelesen.

The number of mistakes you make is a direct reflection of your success in all areas of life.

Nur wer handelt, der verändert sich aktiv. Nur wer mutige Entscheidungen trifft, der wird besser. Und nur wer sich traut, neue Ideen auszuprobieren, der findet irgendwann die richtige. Dabei passieren nun mal zwangsläufig Fehler. Mit jeder einzelnen Erfahrung wirst du wachsen, dich weiterentwickeln und erfolgreicher werden.

Die Geschichte ist voller Beispiele von Menschen, die sich konsequent Richtung Erfolg gescheitert haben. Die Buchidee von Arianna Huffington wurde von 36 Verlagen abgelehnt, bevor sie mit der Huffington Post die Medienlandschaft nachhaltig veränderte. Harland Sanders, der Gründer von Kentucky Fried Chicken, bekam von 1.009 Banken ein Nein, als er ihnen seine Geschäftsidee präsentierte. Und Regie-Ikone Steven Spielberg wurde von drei Filmschulen abgewiesen, bevor ihm mit Filmen wie E.T., Indiana Jones oder Jurassic Park der große Durchbruch gelang.

Was würdest Du tun, wenn Du wüsstest, dass Du scheitern würdest?

Und weil ich wetten könnte, dass es auch in deinem Leben Beispiele gibt, wo du erst durch einen großen Fehler zum entscheidenden Durchbruch gekommen bist, möchte ich dir gerne eine alternative Formulierung für die Frage vom Anfang vorschlagen:

„Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern wirst?“

Ja, du hast tatsächlich richtig gelesen. Dieser Ansatz mag auf den ersten Blick vollkommen verrückt erscheinen, denn wer startet schon gerne mit etwas, von dem man weiß, dass es auf keinen Fall klappen wird? Wenn du die Frage aber sacken lässt und etwas länger über mögliche Antworten nachdenkst, dann könnte ein echter Durchbruch auf dich warten.

Du wirst nämlich über kurz oder lang auf die Ziele, Vorhaben und Träume stoßen, für die du so sehr brennst, dass du bereit wärst, sie auch ohne ein erfolgreiches Ergebnis in Angriff zu nehmen. Einfach, weil du Freude am Prozess selber hast und in der eigentlichen Tätigkeit so richtig aufgehst.

Ich musste an diese Frage denken, als ich meine Schwester im September beim Berlin Marathon angefeuert habe, an dem jedes Jahr über 50.000 Menschen teilnehmen. 99,9 Prozent dieser Menschen wissen, dass sie das Rennen auf keinen Fall gewinnen werden. Trotzdem machen sie mit und bereiten sich monatelang auf diesen einen Tag vor. Weil es überhaupt nicht um das Gewinnen an sich geht, sondern einzig und alleine darum, dabei zu sein. Die einzigartige Atmosphäre aufzusaugen. Und natürlich um das unbezahlbare Gefühl, wenn man nach 42 mühevollen Kilometern endlich die Ziellinie überschreitet.

Also Hand auf’s Herz: Was wäre es für dich wert, getan zu werden, auch wenn es nicht erfolgreich sein würde? Habe ich recht?


Mein schlechtester Vortrag aller Zeiten

Du kannst dir nicht vorstellen, wie hart ich für meinen ersten bezahlten Vortrag kämpfen musste. Über ein Jahr lang Anschreiben, Anrufe, Nein nach Nein nach Nein, bis mir eines Tages die Personalleiterin eines großen Unternehmens anrief, die ich bestimmt siebenmal kontaktiert hatte: »Herr Grzeskowitz, es hat mich viel Überzeugungskraft gekostet, aber ich habe Sie intern durchgeboxt. Wir würden Sie gern für unsere jährliche Mitarbeiterveranstaltung buchen.« Als Austragungsort hatte man die größte Halle der Stadt gewählt, ich wurde auf zwei Hochglanzseiten in der Firmenzeitung angekündigt, und der CEO holte mich höchstpersönlich mit seinem Wagen vom Bahnhof ab.

Und dann trat ich auf die Bühne, atmete einmal tief durch — und hielt danach eine Rede, die von der Qualität her nicht einmal für die Elternversammlung im Kindergarten meiner Tochter gut genug gewesen wäre.

Der Applaus war mehr als dürftig, die Atmosphäre schlagartig im Keller. Die Personalleiterin, die monatelang intern für mich gekämpft hatte, kam hinterher zu mir: „Wissen Sie, Herr Grzeskowitz, wir machen die Veranstaltung jetzt seit elf Jahren. Aber so schlecht war die Stimmung noch nie. Unser Chef ist sehr zeitig gegangen.“

Ich sah mich am Ende meiner Karriere als professioneller Redner, obwohl sie noch gar nicht richtig angefangen hatte. Ich hatte Gedanken wie „Bestimmt hängen die ein großes Foto von mir in der Firmenzentrale auf, beschriftet mit ›Schlechtester Redner aller Zeiten‹“ und „Niemand wird mich jemals wieder buchen“. Ich badete im Selbstmitleid und war kurz davor, darin zu ertrinken.

Wenige Tage später führte ich ein Seminar in der Schweiz durch, als mir meine Assistentin sagte: „Du, Ilja, an der Rezeption wartet eine ältere Dame, die dich gern sprechen möchte.“ Eine Minute später schaute mich eine Frau um die 75 an und sagte: „Draußen wartet mein Vater. Er ist 96 Jahre alt und möchte an Ihrem Seminar teilnehmen.“ Und da fuhr ein eleganter Herr im Rollstuhl um die Ecke, im perfekt sitzenden Anzug, eine uralte Aktentasche unterm Arm, streckte die Hand aus und sagte laut: »Da bin ich.« Und etwas leiser: »Ich wollte schon zum letzten Termin kommen. Doch meine Tochter ist immer so um mich besorgt und hat meine Teilnahme wieder storniert. Also habe ich mich gestern einfach noch mal angemeldet. Und zwar heimlich.«

Mit fast hundert Jahren wollte dieser Mann noch dazulernen. Ich stand da und badete in meiner Niederlage von ein paar Tagen zuvor, bis er mich mit wachen Augen anschaute und sagte: „Es ist niemals zu spät, einen Unterschied zu machen.“

Und wenn es danach einen Rückschlag gab (und davon gab es in den folgenden Jahren eine ganze Menge, denn wer viel handelt, der macht auch viele Fehler), dann habe ich mir dieselben drei Fragen gestellt, nämlich was ich daraus lernen kann, wie ich es besser machen kann und wie ich mich verändern muss. Ich habe seitdem eine Menge Fehler gemacht. Aber ich habe aufgehört, mich vor ihnen zu fürchten.


Wie John Wick Dir helfen kann, aus Fehlern zu lernen

Während meines letzten Langstreckenflugs habe ich wieder einmal einen der John Wick-Filme geschaut, in dem Keanu Reeves die Hauptrolle spielt. Und dabei ist mir ein Detail aufgefallen, das ich bis dahin immer übersehen hatte. Auf dem Rücken trägt John Wick nämlich ein riesiges Tattoo. In großen Buchstaben steht dort geschrieben: Fortis Fortuna Adiuvat. Übersetzt bedeutet es so viel wie „Das Glück begünstigt den Tüchtigen„. Schon die alten Römer wussten anscheinend, dass die Götter des Glücks vor allem den Menschen zur Seite stehen, die fleißig sind und sich gut vorbereiten.

In meiner norddeutschen Heimat würde man wohl eher „Wer wagt, der gewinnt“ sagen, aber die Grundaussage bleibt die gleiche. Wenn du mutig bist, dich gewissenhaft vorbereitest und keine Angst vor dem Scheitern hast, dann kann dich nichts mehr stressen, weil du eine tiefe innere Gelassenheit aufbaust.

Je mehr du mit einer großen Portion Gelassenheit der Philosophie des Schöner Scheiterns folgst, desto häufiger wirst du in Situationen geraten und Dinge erreichen, die andere Menschen von außen mit dem Label Glück versehen werden. Dabei sind es insbesondere die schlaflosen Nächte, die vielen Selbstzweifel und die zahlreichen Misserfolge, die der Grund dafür sind, dass die daraus resultierenden Achievements lapidar mit Glück tituliert werden. Weil man nur das Endergebnis sieht, aber den Prozess komplett ausblendet, der dorthin geführt hat.

Ich möchte die Frage vom Anfang des Artikels daher noch einmal wiederholen:

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern wirst?

Fang am besten mit einer Liste an, und dann beginne mit der Umsetzung. Und zwar heute und nicht irgendwann. Tu die Dinge, die dich nachts nicht schlafen lassen. Erfülle dir die Träume, die schon so lange in der Schublade liegen. Und pack die Projekte an, die du bisher aus Angst vor dem Scheitern immer wieder aufgeschoben hast. Ja, Misserfolge können hart sein. Aber viel schlimmer ist das Gefühl, wenn du irgendwann zurückblickst und es bereust, es nicht zumindest einmal versucht zu haben. Habe ich recht?

Je eher du akzeptierst, dass Scheitern und Fehler zum Leben dazugehören, desto besser. Franz Beckenbauer wurde für seine Motivationsrede vor dem WM-Finale 1990 berühmt, als er der Nationalmannschaft um Lothar Matthäus, Rudi Völler und Andreas Brehme eine einzige Botschaft mit auf den Weg gab: „Geht’s raus und spuilts Fußball.“

Ich möchte diesen Satz gerne adaptieren und dir zurufen: Geh raus und scheitere dich erfolgreich. Das Leben ist einfach zu kurz, um es mit Ausreden und Angst vor der eigenen Courage zu verschwenden.


Aus Fehlern Lernen: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Aus Fehlern lernen beginnt damit, eine Frage loszulassen: „Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?“ Diese Frage gibt es nicht. Für absolut nichts im Leben gibt es eine Garantie.
  • Die bessere Frage lautet: „Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern wirst?“ Sie führt dich zu den Zielen, Träumen und Projekten, für die du wirklich brennst.
  • The number of mistakes you make is a direct reflection of your success in all areas of life.
  • Stell dir nach jedem Rückschlag drei Fragen: Was kann ich daraus lernen? Wie kann ich es besser machen? Wie muss ich mich verändern?
  • Fortis Fortuna Adiuvat: Das Glück begünstigt den Tüchtigen. Mut, Gelassenheit und eine Menge Fehler sind der direkte Weg zu dem, was andere Menschen dann Glück nennen werden.
  • Es ist niemals zu spät, einen Unterschied zu machen.

Prokrastination überwinden: Warum der richtige Moment niemals kommen wird

Prokrastination überwinden. Dies ist ein Thema, das erstaunlich viele Menschen betrifft. Und ich möchte Dir in diesem Artikel gerne ein paar konkrete Tipps geben, wie Du ab sofort eine ausgeprägte Umsetzungskompetenz aufbauen kannst. Doch zuvor möchte ich gerne einen besonderen Moment mit Dir teilen.

Es ist ein wunderschöner Sommertag im Juni. Auf meinen Kopfhörern läuft Rocket Man von Elton John, ich sitze an der Panke, einem kleinen Fluss im Norden von Berlin, und genieße den Tag. Nicht eine Wolke steht am Himmel, und das Thermometer ist bereits um elf Uhr morgens auf 25 Grad geklettert. Nachdem ich die letzte Zeit fast durchgehend für Vorträge auf Reisen war, nutze ich den ersten freien Tag seit Wochen, um meine Seele ein wenig baumeln zu lassen.

Und während ich die vergangenen Erlebnisse an meinem geistigen Auge vorüberziehen lasse, bleibt mein Blick auf einem Stück Holz kleben, das mit der Strömung auf dem Wasser treibt. Die Beobachtung fasziniert mich. Jede Bewegung ist mehr oder weniger zufällig und der Kurs wird von den äußeren Gegebenheiten bestimmt. So manches Mal bleibt das Holzstück an einem Stein oder einer Pflanze hängen, bis es dann irgendwann mit einer schnelleren Stromschnelle aus meinem Blickfeld verschwindet.

Und ich weiß nicht mehr genau, woran es lag, aber in diesem Moment musste ich daran denken, wie viele Menschen ein Leben nach genau diesem Muster führen, weil man mehr oder weniger zufällig dahintreibt, ohne dass man ein klares Goal oder eine konkrete Aufgabe hätte, weil man lieber abwartet und sich anpasst, anstatt die eigene The future aktiv zu gestalten, und weil man sich irgendwann mit der Unzufriedenheit arrangiert, die zwangsläufig entsteht, wenn man den Stillstand lieber verwaltet, als das Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Und wenn du mich fragst, was Prokrastination überwinden wirklich bedeutet, dann fängt die Antwort genau hier an, an der Panke, mit einem Stück Holz, das keine Wahl trifft.


Keiner. Es war ja niemand da.

Ich möchte dir ein typisches Beispiel geben. Vor einigen Jahren leitete ich einen Workshop mit Managern der mittleren Führungsebene, die für die Niederlassung eines großen Konzerns mit Umsätzen in zweistelliger Millionenhöhe verantwortlich waren.

Der Leiter dieser Abteilung war ein paar Jahre zuvor gestorben, und seitdem herrschte dort ein Zustand, den ich nur als organisierten Stillstand beschreiben kann, denn Projekte blieben liegen, wichtige Kunden gingen verloren und es herrschte insgesamt eine Atmosphäre der Unsicherheit, die sich wie eine dicke Schicht Mehltau über alles gelegt hatte. Als ich die Gruppe fragte, wer denn in den vergangenen Monaten für die notwendigen Entscheidungen zuständig gewesen sei, bekam ich von einem der anwesenden Manager eine Antwort, die mich noch Wochen später beschäftigt hat: „Na, keiner. Es war ja niemand da, der es hätte entscheiden können.“

Keiner. In einem Unternehmen mit zweistelligen Millionenumsätzen, besetzt mit erfahrenen Führungskräften, die alle genau wussten, was zu tun war, und trotzdem hielten alle die Luft an und warteten darauf, dass irgendwann jemand kommen würde, der die Erlaubnis zum Handeln austeilt. Kommt dir das bekannt vor, oder?

Wie ist das bei dir, habe ich recht? Wie häufig warst du schon in Situationen, in denen du gedacht hast: „Da müsste jetzt dringend jemand etwas machen“? Ich kenne dieses Verhalten aus meiner eigenen Vergangenheit nur zu gut, denn auch ich war ein echter Experte darin, die Responsibility abzugeben und darauf zu hoffen, dass andere schon die richtigen Decisions für mich treffen werden.


Die Nacht mit der Alarmanlage

Auch wenn ich gerne darauf verzichtet hätte, kenne ich dieses Gefühl nur allzu gut. In unserer Berliner Siedlung wurde vor einigen Jahren bei zwei Familien eingebrochen, woraufhin meine Frau sagte: „Wir brauchen unbedingt eine Alarmanlage.“ Ich antwortete: „Nein, wenn jemand einbrechen will, dann lässt er sich auch nicht von einer Alarmanlage aufhalten.“ Sie sagte: „Doch, wir brauchen eine.“ Ich: „Nein, wir brauchen keine.“ Sie: „Doch.“ Ich: „Nein.“ Du kennst dieses partnerschaftliche Pingpong-Spiel, oder? Und es wäre wahrscheinlich noch ewig so weitergegangen, wenn ich nicht das große Geheimnis einer guten Beziehung kennen würde. Der Mann muss immer die letzten beiden Worte einer Diskussion haben: „Ja, Schatz.“ Also wurde zwei Wochen später die Alarmanlage installiert.

Der Techniker fragte nach der Installation, ob er mir erklären solle, wie die Bedienung funktioniert. Nun gibt es ja die vier klassischen Veränderungsphasen: Verdrängung, Widerstand, Akzeptanz, Commitment. Und ich befand mich gerade mitten in Phase zwei. Heftiger Widerstand. Deshalb sagte ich: „Nein, nicht nötig.“ Denn erstens wollte ich die Anlage ja gar nicht haben, und zweitens kann das ja so schwer nicht sein, oder?

Ein paar Tage später löste ich mit meinem neuen Chip gleich mehrfach Fehlalarm aus, und jedes Mal musste meine Frau die Anlage entschärfen. Sichtlich genervt sagte sie schließlich: „Hör zu, Ilja, langsam werde ich sauer. Dabei ist es ganz einfach. Bei Rot ist die Anlage scharf. Bei Grün ist sie aus. Und wenn der Alarm angehen sollte, musst du zum Deaktivieren nur deine PIN-Nummer eingeben. Hast du sie dir gemerkt?“ Natürlich hatte ich das nicht. Trotzdem sagte ich: „Ja, Schatz.“

Ich weiß nicht, ob es Zufall oder Schicksal war, aber ein paar Tage später fuhr meine Frau mit den Kindern übers Wochenende zum Geburtstag ihres Vaters. Nachts um vier Uhr weckte mich ein verdächtiges Piepen. Weil es im ganzen Haus stockduster war, drückte ich den Lichtschalter im Treppenhaus. Nichts. Im ganzen Haus funktionierte nicht ein einziger Lichtschalter, weil der Strom ausgefallen war. Langsam wurde mir richtig mulmig zumute. Mit der Taschenlampen-App meines iPhones tastete ich mich zur Steuereinheit vor, drückte hektisch irgendwelche Knöpfe, und drei Sekunden später löste ich über den Bewegungsmelder den vollen Alarm aus. Ohrenbetäubend laut. Auf dem Display stand in großen leuchtenden Buchstaben: „Bitte geben Sie Ihre PIN-Nummer ein.“

Ich wusste die PIN-Nummer nicht. Ich probierte sämtliche Varianten durch. Nichts. Der Alarm hörte einfach nicht auf. Obwohl es mir oberpeinlich war, rief ich nachts um halb fünf auf dem Festnetz meiner Schwiegereltern an. Und eine Minute und eine ordentliche Gardinenpredigt später wusste ich die vier Zahlen wieder. Ich gab sie ein, und plötzlich war alles still. Heute kann ich über die Geschichte lachen, aber in dem Moment habe ich etwas sehr Wichtiges begriffen: Wenn du dich nicht aktiv veränderst, wirst du irgendwann verändert. Ob du willst oder nicht.


Du kannst die Welle nicht verhindern

Ich habe einen Sommer meines Lebens in Huntington Beach südlich von Los Angeles verbracht, einer Stadt, die vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Jürgen Klinsmann wohnt dort, und der Strand gilt als das Surf-Mekka der gesamten Westküste. Und die Surfer dort haben einen Wahlspruch, den ich seitdem nicht mehr vergessen habe: Du kannst die Welle nicht verhindern. Aber du kannst lernen, sie zu reiten.

Genau das ist das Mindset, von der ich spreche. Denn es gibt Dinge in deinem Leben, die du wirklich nicht beeinflussen kannst: wie sich die Wirtschaft entwickelt, was die Konkurrenz entscheidet, ob der Markt gerade bereit ist für das, was du vorhast, wie sich dein Chef verhält oder welche externen Umstände gerade dazwischenkommen. Das alles existiert unabhängig von dir, und keine noch so intensive Vorbereitung ändert das.

Doch es gibt eine Menge Dinge, die du jederzeit beeinflussen kannst, ganz unabhängig davon, welchen Titel du trägst, wie viel Geld auf deinem Konto liegt oder ob dein Vorgesetzter gerade zustimmt, nämlich mit welcher Einstellung du in den Tag gehst, ob du heute den ersten Schritt in Richtung des Projekts machst, auf das du schon monatelang „noch“ wartest, und ob du deine Energie ins Analysieren von Risiken steckst oder ins Anfangen. Und je mehr du dich auf diese Dinge konzentrierst, desto weniger Raum bleibt für das Treiben.


Prokrastination überwinden: Das Muster, das sich selbst verstärkt

Das Tückische an der Prokrastination (und ich spreche da aus langer eigener Erfahrung) ist, dass sie sich mit der Zeit normalisiert. Je länger man wartet, desto natürlicher fühlt sich das Warten an. Man gewöhnt sich daran. Man baut Rechtfertigungen darum herum, die mit jedem Monat überzeugender klingen, weil der Geist sehr gut darin ist, die eigene Passivität mit intelligenten Argumenten auszustatten.

Noch ist der Markt nicht reif, noch fehlt das richtige Netzwerk, noch fehlt eine solidere Grundlage, und ich muss erst noch mehr lesen, mehr lernen, mehr nachdenken, bevor ich wirklich bereit bin. Das klingt alles nach Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein, und es ist das Heimtückischste an dieser ganzen Sache, denn es ist in Wirklichkeit Prokrastination, die sich als Strategie verkleidet hat.

Ich habe in meiner eigenen Karriere zu lange auf die Erlaubnis meiner Vorgesetzten gewartet, auf die Genehmigung meiner Umgebung, auf den Moment, in dem sich alles richtig und stimmig anfühlen würde. Und je länger ich gewartet habe, desto lauter wurde das nagende Gefühl, dass da draußen ein Leben auf mich wartet, das ich mir nicht erlaube zu leben, weil der Zeitpunkt noch nicht stimmt.

Der einzige Moment, der jemals wirklich zur Verfügung steht, ist immer genau dieser hier, weil es den perfekten Zeitpunkt schlicht nicht gibt.


Wer sich nicht verändert, der wird verändert

Wenn ich in meinen Vorträgen auf die Führungskräfte blicke, die mir in echten Krisen begegnet sind, fällt mir immer wieder dasselbe Muster auf: Sie haben zu lange gewartet, bis der Druck von außen so groß war, dass keine Wahl mehr blieb, während die, die mutig vorangegangen und dabei auch mal gescheitert sind, schon längst an einem ganz anderen Punkt angekommen waren. Und wer zu lange wartet, der erlebt irgendwann, dass er Prokrastination überwinden muss, während der Alarm längst läuft, wie ich aus eigener nächtlicher Erfahrung weiß.

Du hast gerade noch die Wahl. Und das ist das eigentliche Geschenk des heutigen Tages, weil es den idealen Zeitpunkt zum Handeln nicht gibt, weil es immer eine Ausrede geben wird, weil das Gehirn immer einen plausiblen Grund liefern wird, warum jetzt gerade nicht der richtige Moment ist. Die Frage ist nur, ob du dir das auch weiterhin glauben willst.


Woran erkennst du, worauf du eigentlich wartest?

Daher Hand aufs Herz: Worauf wartest du eigentlich genau?

Schreib es auf. Wirklich. Und schreib dabei die konkrete Bedingung auf, also wirklich präzise: was genau eingetreten sein muss, bevor du anfangen „kannst“. In sehr vielen Fällen wirst du beim Aufschreiben merken, dass die Bedingung entweder nie eintreten wird oder gar nicht so entscheidend ist, wie sie sich angefühlt hat, solange sie als vager Gedanke in deinem Kopf herumschwebte.

Und dann stell dir vor, du würdest heute mit zehn Prozent des Aufwands anfangen, den du für „später“ geplant hast, weil das Gehirn sich von dem großen Schritt erschlagen fühlt, während das erste Kapitel, die erste E-Mail, das erste Gespräch das Momentum in Gang setzen, das sich dann seinen eigenen Antrieb schafft.

Das Holzstück auf der Panke wartet darauf, dass die Strömung es weitertreibt. Du musst das nicht.


Prokrastination überwinden: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Prokrastination ist das Treiben auf der Strömung, das Warten auf äußere Kräfte, während das eigene Leben an einem vorbeiläuft.
  • Der richtige Moment kommt nie. Der einzige Moment, der wirklich zur Verfügung steht, ist immer dieser hier.
  • Je länger man wartet, desto natürlicher fühlt sich das Warten an, weil das Gehirn sehr gut darin ist, die eigene Passivität mit intelligenten Argumenten auszustatten.
  • Du kannst die Welle nicht verhindern. Aber du kannst lernen, sie zu reiten.
  • Wenn du dich nicht aktiv veränderst, wirst du irgendwann verändert. Wer dann handelt, handelt unter Druck.
  • Die wichtigste Frage: Worauf wartest du eigentlich genau? Schreib die konkrete Bedingung auf, und du wirst sehen, wie viel Kraft sie verliert.

Angst vor Veränderung: Du hast nicht Angst vor dem Unbekannten

Wenn du Angst vor Shift hast, dann bist du damit in bester Gesellschaft. Aber ich möchte dir gleich zu Beginn etwas sagen, das deine Sicht auf diese Angst für immer verändern wird. Doch dazu komme ich gleich.

Ich wollte schon immer ein Vater sein. Und nichts erfüllt mich so sehr mit Stolz, Glück und tiefer Erfüllung, wie meine beiden Töchter Emma und Elisabeth dabei zu beobachten, ihren Platz im Leben zu finden. Auch wenn ich mein Bestes gebe, ihnen Values zu vermitteln und mit meinem täglichen Verhalten ein Vorbild zu sein, so sind sie doch beide viel größere Lehrmeisterinnen für mich als andersherum. Weil sie mich jeden einzelnen Tag aufs Neue daran erinnern, mit wie viel Leichtigkeit Veränderungen gelingen können, wenn man sie nur lässt.

Mit ansteckender Neugier probieren sie die unterschiedlichsten Dinge aus, testen ihre eigenen Grenzen und wenn sie dabei mit Misserfolgen konfrontiert werden, lamentieren sie nicht etwa, sondern probieren es direkt auf eine andere Art und Weise. Faszinierend, oder? Von Kindern würdest du niemals Sätze hören wie „Das haben wir ja noch nie so gemacht“ oder „Ich versuche es lieber nicht, es könnte ja schiefgehen.“

Stattdessen passen sie sich wie menschliche Chamäleons an jede neue Situation an, lassen sich von Fantasie und Kreativität leiten und lernen neue Sportarten, Instrumente oder sogar Sprachen innerhalb weniger Wochen.

Leider werden die meisten Kinder spätestens im Teenageralter bombardiert mit immer denselben Botschaften: „Pass dich an“, „Du musst endlich vernünftig werden“, „Schluss mit der ewigen Träumerei.“ Und ehe man sich versieht, geht die einst im Überfluss vorhandene Leichtigkeit verloren und wird von vermeintlicher Vernunft und dem krampfhaften Festhalten am Status quo ersetzt. Ich finde das tragisch. Und ich glaube, du auch.


Die vermeintliche Sicherheit, die eigentlich ein Elend ist

Warum fällt Shift den meisten Menschen so schwer? Die Fachliteratur ist sich weitgehend einig, dass der Grund eine Kombination aus Zweifeln, Sorgen und lähmender Angst vor dem Unbekannten ist. Superstar David Bowie hat das in einem Interview für das Forbes Magazine einmal so beschrieben: „Von der Psychotherapeutin Virginia Satir stammt das Zitat, dass die meisten Menschen die Sicherheit des Elends dem Elend der Unsicherheit vorziehen. Lassen Sie das für einen Moment sacken. Die Mehrheit der Menschheit würde lieber leiden, anstatt die Zukunft aktiv zu gestalten – eine Zukunft, die so viel schöner sein könnte als die Gegenwart.“

Ich würde wetten, dass du mindestens eine Person in deinem Umfeld kennst, die mit ihrer aktuellen Situation total unglücklich ist, aber trotzdem nichts verändert. Habe ich recht? Das Krokodilhirn hat die Kontrolle übernommen und boykottiert jeden Versuch, etwas anderes auszuprobieren. Denn wer weiß, vielleicht kommt es ja noch schlimmer. Und so arrangiert man sich mit dem Unglück in der Gegenwart, weil die Angst vor der unsicheren Zukunft einen wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren lässt.

So weit, so bekannt. Aber hier kommt der entscheidende Punkt, der alles verändert: Ist das wirklich so? Auf den zweiten Blick ergibt sich nämlich ein vollkommen anderes Bild.


Du hast nicht Angst vor dem Unbekannten

Die eigentliche Ursache für die Angst vor Veränderung ist gar nicht das Unbekannte. Vielmehr ist es das mögliche Ende des Bekannten. Der Großteil geplanter Changes scheitert selten daran, dass Menschen nicht bereit wären, neue Ideen auszuprobieren. Es liegt viel eher an der Angst davor, die alten, die bewährten und die gewohnten Wege loszulassen. Daraus folgt eine große Idee, die ich dir am liebsten in leuchtender Schrift an die Wand hängen würde:

Du hast niemals Angst vor dem Unbekannten. Du hast Angst davor, dass etwas Bekanntes zu Ende geht.

Nicht das Unbekannte ist der Feind der Veränderung, sondern das Bekannte.

Das klingt auf den ersten Blick verwirrend, aber denk es einmal zu Ende. Genau aus diesem Grund haben ältere Menschen tendenziell auch größere Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen als ihre jüngeren Zeitgenossen, weil sie im Laufe der Zeit eine Unmenge an Wissen, Fähigkeiten, Erfolgen, Status und physischem Besitz angehäuft haben, zu dem sie eine so starke emotionale Verbindung aufgebaut haben, dass schon der bloße Gedanke an ein Ende eine tiefsitzende Angst auslöst.

Bei jungen Menschen ist das komplett anders. Mit Anfang 20 ein Unternehmen gründen, um die Welt reisen oder regelmäßig den Job wechseln? Da man noch nichts zu verlieren hat, stürzt man sich voller Herzblut in die verschiedensten Abenteuer. Aber wie sieht es mit 40, 50 oder vielleicht sogar 60 Jahren aus? Ab einem gewissen Punkt sieht man auf einmal nicht mehr die vielen Möglichkeiten, sondern malt sich in den buntesten Farben aus, was alles schief gehen könnte, weil man den Lebensstandard halten will, das Eigenheim noch nicht abbezahlt ist und man in vielen Bereichen von Vorne beginnen müsste.

Kommen dir diese Gedanken bekannt vor, oder?

Beachte dabei bitte: All diese Schreckensszenarien spielen sich ausschließlich mental im Kopf ab. Sie sind Konjunktiv, kein Imperativ. Trotzdem führen sie dazu, dass ein Großteil der Menschen aus Angst vor einem möglichen Ende des Bekannten so fest und krampfhaft am Status quo festhält, dass die Hände bereits anfangen zu schmerzen.


Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Wie entkommen wir also diesem Dilemma? Der erste Schritt klingt einfacher, als er tatsächlich ist: die Akzeptanz, dass Dinge nun mal zu Ende gehen. Ob wir es wollen oder nicht, alles was einen Anfang hat, endet irgendwann auch. Das nennt sich Leben und gehört einfach dazu. Viel wichtiger ist, wie wir damit umgehen. Die wohl schönste Anleitung diesbezüglich stammt von Hermann Hesse, der es in seinem Gedicht Stufen so wunderschön auf den Punkt gebracht hat:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Finde ich nicht auch, dass in diesem Satz eine wunderbare Kombination aus mutmachender Hoffnung und beruhigender Kraft steckt? Dieser Mindset-Shift alleine kann schon wundersame Dinge auslösen, denn er wirkt wie ein Mutterboden für die zarte Pflanze namens Veränderung. Und diese wächst am besten, wenn wir aufhören, auf der bequemen Couch sitzend darauf zu hoffen, dass sich unsere Situation schon irgendwie verbessern wird, und stattdessen beginnen, uns aktiv in das Unbekannte zu verlieben.

Stell dir vor, was passiert wäre, wenn Menschen wie Marco Polo, Roald Amundsen oder Christoph Kolumbus nicht ihrem Entdeckergeist gefolgt wären, sondern im sicheren Hafen gewartet hätten, bis jemand ihnen eine Garantie gegeben hätte, dass sie ihre Ziele auf jeden Fall erreichen würden. Sie wären niemals in China, am Südpol oder in Amerika angekommen. Das gleiche gilt für die Erfindung der Glühbirne, des Buchdrucks oder des iPhones, die allesamt die Welt verändert haben, weil Thomas Edison, Johannes Gutenberg und Steve Jobs die Sehnsucht nach Innovation und dem permanenten Hinterfragen bestehender Konventionen teilten, und sich nicht damit zufriedengaben, was schon da war.


Die Höhle und die Hacke

Jetzt kommt meine Lieblingstechnik, um konkret mit der Angst vor Veränderung umzugehen, und sie stammt von einer der faszinierendsten Sportlerinnen der Welt. Courtney Dauwalter ist Ultramarathonläuferin und Rekordhalterin des Moab 240 in Utah, einem Rennen, das über 386 Kilometer durch die steilen Trails der Rocky Mountains führt, bei dem die Temperaturen zwischen 36 Grad am Tag und minus 10 Grad in der Nacht schwanken können.

Als Dauwalter das Rennen im Jahr 2017 gewann, sah es von außen aus wie ein lockerer Dauerlauf, den sie fast mühelos absolvierte. Nicht nur gewann sie mit zehn Stunden Vorsprung, sondern brach auch noch den Streckenrekord. Ihr Geheimnis? Eine kleine, aber entscheidende Mentaltechnik.

Wann immer es während eines Rennens richtig hart wird, wenn ihr ganzer Körper ihr im Sekundentakt zuruft „Wenn du jetzt aufgibst, ist alles sofort vorbei!“, visualisiert sie sich in einer Höhle, in der sie mit Helm und Spitzhacke versucht, die steinigen Wände zu durchbrechen. Diese symbolisieren in ihrer Vorstellung die Schmerzen, die Zweifel und den unbändigen Drang aufzugeben. Zentimeter für Zentimeter attackiert sie diese negativen Gedanken mit der imaginären Hacke und erschafft sich auf diese Weise Platz für Wachstum. Durch eine einfache mentale Übung wird etwas, was die meisten Menschen mit aller Macht zu verhindern versuchen, zu einer einmaligen Gelegenheit, die eigenen Grenzen zu überwinden.

Dass hinter dieser Technik mehr als nur Sportpsychologie steckt, belegt eine Studie von Woolley und Fishbach am renommierten Chicagoer Comedy Club Second City. Eine Gruppe von Improvisationsschülerinnen wurde instruiert, jegliche Form von Unsicherheit, Zweifel oder Unbehagen als Zeichen von Fortschritt zu interpretieren, wodurch sie 44 Prozent länger durchhielten als die Kontrollgruppe, und von externen Beobachtern als mutigere und risikofreudigere Entscheiderinnen wahrgenommen wurden. Das bewusste Re-Framing von Unsicherheit in persönliches Wachstum ist eine der kraftvollsten mentalen Techniken, die wir haben, weil man sich auf diese Weise des Glaubenssatzes entledigt, dass Unsicherheit ein Signal zum Aufgeben sei, und gleichzeitig die Überzeugung aufbaut, dass es das perfekte Signal ist, um weiterzumachen.


Verlieb dich in das Unbekannte

Jeden einzelnen Tag betrittst du unzählige Male deine ganz persönlichen Mini-Höhlen. In einem schwierigen Konflikt, während eines wichtigen Projekts, bei einer anstehenden Decision. Und genau an diesen vermeintlich dunklen Orten schlummern deine entscheidendsten Fähigkeiten und kraftvollsten Ressourcen, also all das, was du benötigst, um als Mensch zu wachsen. Sobald du es schaffst, diese Alltagshöhlen nicht länger als etwas Negatives zu betrachten, sondern als großartige Möglichkeit deine Grenzen zu sprengen, dann geschehen die wundervollsten Dinge: Die Angst zu besiegen führt zu Mut, sich harten Konflikten zu stellen führt zu Vertrauen, und der Schmerz von Niederlagen führt zu Weisheit, weil die Veränderungen, vor denen du am meisten Angst hast, immer diejenigen sind, die die größten Durchbrüche für dich bringen.

Ich weiß, dass es sich dabei um eine einfache, aber nicht leichte Idee handelt. Und ich möchte dich zu nichts überreden, wofür du nicht bereit bist. Aber wenn du so ehrlich mit dir sein kannst wie Emma und Elisabeth es mit mir sind, dann weißt du tief im Inneren, dass es diese Sehnsucht nach Neuem in dir gibt. Diese leise, aber hartnäckige Stimme, die dir sagt, dass da draußen mehr auf dich wartet, wenn du nur den ersten Schritt wagst.

Du musst nicht garantiert wissen, was am Ende herauskommt. Du musst nur bereit sein, loszugehen.

Deine Lebensqualität hängt nämlich von dem Ausmaß an Wachstum ab, mit dem du dauerhaft komfortabel leben kannst. Und das Schöne daran ist: Wenn du aufhörst, das Ende des Bekannten zu fürchten, und anfängst, dich in die Möglichkeiten des Unbekannten zu verlieben, dann beginnt sich fast wie von selbst alles zu verändern. Deine Comfort zone wächst, deine Angstzone schrumpft, und die Dinge, die dich früher mit zitternden Knien erfüllt hätten, werden zu perfekten Gelegenheiten, als Mensch zu wachsen.


Keine Angst vor Veränderung: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Kinder haben keine Angst vor Veränderung, weil sie noch nichts zu verlieren haben. Mit zunehmendem Alter wächst nicht die Angst vor dem Unbekannten, sondern die Angst vor dem Ende des Bekannten.
  • Du hast niemals Angst vor dem Unbekannten. Du hast Angst davor, dass etwas Bekanntes zu Ende geht.
  • Nicht das Unbekannte ist der Feind der Veränderung, sondern das Bekannte.
  • David Bowie nach Virginia Satir: Die meisten Menschen ziehen die Sicherheit des Elends dem Elend der Unsicherheit vor.
  • Hermann Hesse: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
  • Re-Framing als Superkraft: Wer Unsicherheit als Zeichen von Fortschritt begreift, hält 44 Prozent länger durch.
  • Die Veränderungen, vor denen du am meisten Angst hast, sind diejenigen, die die größten Durchbrüche für dich bringen.

Selbstwertgefühl stärken: Warum es bei deinen mentalen Etiketten beginnt

Wenn du dein Selbstwertgefühl stärken willst, dann wirst du früher oder später auf eine Wahrheit stoßen, die auf den ersten Blick verblüffend simpel klingt, in ihrer Wirkung aber absolut revolutionär ist. Doch dazu komme ich gleich.

Ich sitze in der Lufthansa Lounge am Flughafen München. Weil die Geräuschkulisse enorm ist, habe ich mir meine AirPods eingestöpselt, damit ich mich auf das Schreiben dieses so wichtigen Artikels konzentrieren kann. Es läuft Man in the Mirror von Michael Jackson. Wie passend. Sofort muss ich an eines meiner Lieblingszitate denken, von dem bis heute nicht genau geklärt ist, von wem es nun tatsächlich stammt: „Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Wir sehen sie, so wie wir sind.“ (Übrigens: Kennst Du schon die 50 besten Zitate für Veränderung im Leben?) Wie viel Wahrheit doch darin steckt, und zwar mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Denn nicht nur dein Fokus wird zu einem großen Maße von deiner Identität bestimmt, sondern auch deine Gedanken, dein Verhalten und dein Selbstwert.

Und genau hier liegt der Schlüssel. Nicht in Affirmationen, die du morgens vor dem Spiegel aufsagst, nicht in teuren Statussymbolen, die dir ein gutes Gefühl geben sollen, und auch nicht in der Anzahl deiner Instagram-Follower. Die Quelle deines Selbstwertgefühls liegt tiefer. Viel tiefer.


Die Dymo-Maschine in deinem Kopf

Ich hatte einen echten Aha-Moment in dieser Sache, als ich während meines Studiums von einem meiner Freunde ein Dymo-Etikettiergerät zum Geburtstag geschenkt bekam. Nachdem ich mich in die Bedienung eingearbeitet hatte, war ich geradezu besessen davon, auf sämtliche Haushaltsgegenstände ein Etikett zu kleben. Auf Gewürzgläser, Videokassetten, Werkzeuge, Mixtapes, Notizbücher, Fotoalben, Schubladen, Ordner und alles andere, was sich einer bestimmten Kategorie zuordnen ließ. Erst viele Jahre später ist mir bewusst geworden, wie sehr auch unser Alltag von solchen Labels geprägt ist.

Ist dir schon mal aufgefallen, wie häufig und vor allem wie sorglos du deinen Mitmenschen und dir selbst gedanklich ein Etikett auf die Stirn klebst? Die meisten davon sind relativ harmlos: Juristin, BWLer, Apple User, Vegetarierin, HSV-Fan, Netflix-Junkie, Vielflieger oder Briefmarkensammlerin. Dabei spielt es keine Rolle, ob du dir dieses Label bewusst oder unbewusst gegeben hast, denn wann immer du dich über ein imaginäres Etikett auf deiner Stirn definierst, erschaffst du dir eine Identity. Und diese wird dann durch den Wahrnehmungsfilter namens Confirmation Bias immer gefestigter, da du ausschließlich Informationen aufnimmst, interpretierst und verarbeitest, die deine vorhandenen Beliefs, Values und deine Identität bestätigen.

Das führt dann natürlich dazu, dass du deine selbst gewählten Etiketten in Konfliktsituationen unbewusst und impulsiv verteidigst, wobei in diesen Momenten so gut wie alle logischen und rationalen Aspekte einer Diskussion über Bord geworfen werden. Kommt dir das bekannt vor, oder?


Die Spirale der Selbstwertprobleme

Noch tückischer wird es, wenn du aus bestimmten Tätigkeiten identitätsstiftende Etiketten entwickelst. Hast du schon mal jemanden als schusselig, untalentiert, trottelig, unsportlich, vergesslich, unkreativ oder technisch unbegabt definiert? Ja? Möglicherweise sogar dich selbst? In diesen Momenten sollten bei dir sämtliche Alarmglocken in voller Lautstärke schrillen, denn was unbewusst geschieht, hat ziemlich fiese und vor allem dauerhafte Auswirkungen.

Eine veränderbare Tätigkeit, also „ich verliere mich öfter in Tagträumen“ oder „ich vergesse manchmal meinen Schlüssel“, wird mit zunehmender Wiederholung irgendwann zu einem unverrückbaren Etikett verallgemeinert: „ich bin ein Träumer“, „ich bin vergesslich“, „ich bin XYZ“, und schließt damit jede mögliche Shift aus. Noch gefährlicher ist dies, wenn diese limitierenden Generalisierungen auf bereits wirkende Mindviren treffen, denn dieser negative Selbstsabotage-Cocktail führt zwangsläufig zu destruktiven Selbstbildern, die immer mit denselben zwei Wörtern beginnen:

Ich bin.

Ich bin ein Verlierer. Ich bin nicht gut genug. Ich bin ein Versager. Ich bin ein schlechter Vater, Verkäufer, Lehrer, Chef, Zuhörer. Ich bin es nicht wert.

Weil diese Art von limitierenden Ich-bin-Selbstbildern so unfassbar leicht entsteht, lohnt es sich, ganz bewusst darauf zu achten, welche Etiketten du dir und den Menschen um dich herum verpasst. Denn je gefestigter eine auf negativen Labels aufbauende Identität wird, desto schneller beginnt sich die Spirale der Selbstwertprobleme zu drehen.

Was glaubst du, was passiert, wenn du tief und unbewusst davon überzeugt bist, dass du es nicht wert bist, Erfolg zu haben, Liebe zu empfangen oder respektvoll behandelt zu werden? Permanente Selbstzweifel, geringes Selbstvertrauen, Schwierigkeiten klare Grenzen zu setzen, ein negativer innerer Dialog, der Versuch den geringen internen Selbstwert mit externen Faktoren zu kompensieren, das sind nur einige der Auswirkungen, die dir sicher nicht vollständig fremd sind. Habe ich recht?

Ich weiß, dass es schwer ist, dir einzugestehen, dass auch du davon in irgendeiner Form betroffen bist. Aber je eher du es akzeptierst, desto besser, denn erstens sind wir alle in den unterschiedlichsten Ausprägungen davon betroffen, und zweitens ist der ehrliche Blick in den Spiegel immer die notwendige Voraussetzung, wenn du dein Self-image positiv transformieren willst.


Ein Satz wie Dynamit

Lass mich dir daher einen Gedanken mitgeben, den ich dir am liebsten in leuchtender Schrift als Poster an die Wand hängen würde, weil deine Zufriedenheit im Leben entscheidend davon abhängt, wie tief du ihn durchdringst:

Wann immer eine Idee deine Identität angreift, wirst du alles dafür tun, sie zu ignorieren, zu verdrängen oder mit aller Macht zu bekämpfen.

Ein Satz wie Dynamit. Denn wenn du ihn zu Ende denkst, dann bedeutet es, dass Changes, die sich rein auf der Ebene des Verhaltens abspielen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Deswegen wirst du dein Selbstwertgefühl auch niemals dadurch stärken können, indem du dir teure Statussymbole kaufst, tausende Instagram-Follower anhäufst, immer mehr Geld ansammelst oder einen bestimmten Körper antrainierst, solange deine Identität auf dem Selbstbild „Ich bin es nicht wert“ basiert, wirst du dieses unbewusst mit aller Macht verteidigen und Wege finden, eventuelle Erfolge zuverlässig zu sabotieren.

Ein Beispiel: Millionen von Rauchern probieren alles Erdenkliche, um von ihrem Laster loszukommen. Nikotinpflaster, Willenskraft, teure Ersatzprodukte, versteckte Schachteln. Das mag kurzfristig funktionieren, aber solange das Etikett „Ich bin Raucher“ in Kombination mit entsprechenden Mindviren bestehen bleibt, kommt es schnell zum Rückfall. Erst wenn sich das Selbstbild von „Ich bin Raucher“ zu „Ich bin Nichtraucher“ verändert, passen sich auch die entsprechenden Verhaltensweisen dauerhaft an. Du merkst, worauf ich hinauswill, oder?


Selbstwertgefühl stärken: So geht es wirklich

Und genau an dieser Stelle liegt die gute Nachricht, denn was in die eine Richtung wirkt, wirkt natürlich auch in die andere. Hier kommt daher eine weitere große Idee:

Nachhaltige Veränderung beginnt immer mit einer bewussten Definition deiner Identität.

Bevor du also auch nur in Betracht ziehst, über eine Veränderung deiner Verhaltensweisen nachzudenken, ist es notwendig, mit dem Fundament deiner Persönlichkeit zu beginnen. Schau dir deine großen Träume an, und stell dir dann folgende Frage:

Welche Person muss ich werden, um meine Ziele zu erreichen?

Viel wichtiger als das, was du tun wirst, ist nämlich die bewusste Definition, wer du sein möchtest.

Schmeiß also deine mentale Dymo-Maschine an, und gib dir Etiketten, die förderlich für dich sind und dein Selbstwertgefühl auf ein neues Level bringen. Wenn nämlich deine Identität erst einmal steht, dann folgen im nächsten Schritt die förderlichen Beliefs von allein, was langfristig dazu führt, dass dein gesamtes Verhalten unbewusst darauf ausgerichtet wird, dein Selbstbild aufrechtzuerhalten.

  • Du träumst von einem eigenen Unternehmen? Dann lautet dein Etikett: „Ich bin ein erfolgreicher Entrepreneur.“
  • Du willst endlich in Form kommen? Dann ist „Ich bin ein Athlet“ oder „Ich bin ein Marathonläufer“ dein neues Selbstbild.
  • Du suchst den Partner fürs Leben? Wie wäre es mit „Ich bin ein liebenswerter Mensch“ oder „Ich bin ein Traumpartner“
  • Und wenn du schlicht ein glücklicheres und selbstbestimmteres Leben führen willst, beginne hier: „Ich bin gut genug.“ „Ich bin ein wertvoller Mensch.“ „Ich bin ein Glückskind, das den Erfolg magisch anzieht.“

Sobald sich diese Etiketten zu einer festen Identität in deinem unbewussten Mind verankert haben, wird sich dein Verhalten ganz automatisch dem Bild anpassen, das du von dir selbst hast, und der Confirmation Bias wird dir dabei helfen, dass sich das neue Etikett immer mehr verfestigt und schlussendlich zu einer eindeutigen Identität wird, an der sich all dein Denken und Handeln ausrichtet.


Die kraftvollste Frage für dein Selbstwertgefühl

Und damit du dein neues Selbstbild bereits heute aktiv nutzen kannst, möchte ich dir noch eine Frage mitgeben, die alles verändert, wenn du sie konsequent anwendest:

Wie würde die Person, die ich einmal werden möchte, sich in dieser Situation verhalten?

Stell dir diese Frage so oft es geht, und lass dich von den entsprechenden Antworten leiten. Selbst wenn dir noch bestimmte Fähigkeiten oder das notwendige Wissen fehlen sollten, alleine die Tatsache, dass du die Ansprüche und Standards deines Zukunfts-Ichs übernommen hast, wird zu einem Quantensprung in deinen Ergebnissen führen. Denn du musst nicht warten, bis du eine bestimmte Person geworden bist, um dich wie diese Person zu verhalten. Du kannst heute damit beginnen. In dieser Sekunde.

Das ist der Kern von allem, was es bedeutet, das eigene Selbstwertgefühl wirklich und nachhaltig zu stärken, nicht von außen nach innen, sondern von innen nach außen.


Die Person im Spiegel

Die Kurzform dieser Idee verbirgt sich übrigens in dem Song, mit dem ich diesen Artikel begonnen habe. Der Text von Man in the Mirror von Michael Jackson erinnert uns auf eine emotionale Weise daran, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen: indem du mit der Person im Spiegel beginnst, dir selbst in die Augen blickst und dann den Prozess startest, dich ab sofort als die Persönlichkeit zu betrachten, die du einmal werden möchtest.

Dein Bild von der Welt wird sich deinem Bild von dir selbst wie von selbst anpassen.

Und damit wäre eigentlich alles gesagt.


Selbstwertgefühl stärken: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Deine Identität wird durch die vielen Etiketten gebildet, die du dir bewusst und unbewusst gibst.
  • Der Confirmation Bias sorgt dafür, dass deine Identität im Laufe der Zeit immer gefestigter wird.
  • Ein negatives Selbstbild in Kombination mit destruktiven Mindviren führt zu einer Spirale der Selbstwertprobleme.
  • Wann immer eine Idee deine Identität angreift, wirst du alles dafür tun, sie zu ignorieren, zu verdrängen oder mit aller Macht zu bekämpfen.
  • Nachhaltige Veränderung beginnt immer mit einer bewussten Definition deiner Identität.
  • Die kraftvollste Frage: Wie würde die Person, die ich einmal werden möchte, sich in dieser Situation verhalten?

Komfortzone verlassen – Warum du dir manchmal die Finger verbrennen musst

Komfortzone verlassen. Leichter gesagt als getan, oder? Und je länger ich darüber nachdenke und je mehr Menschen ich in meinen Keynotes und Coaching-Programmen begleite, desto klarer wird mir, dass das Problem selten das fehlende Wissen ist. Das Problem ist die Lücke zwischen Wissen und Handeln. Doch dazu gleich mehr.

Als meine Tochter Elisabeth klein war, habe ich gebetsmühlenartig auf sie eingeredet, dass sie extrem vorsichtig sein müsse, wenn unser Kamin brannte. Die Glastür sah zwar harmlos aus, durch die starke Hitze hatte ich aber große Angst, dass sie sich verbrennen könnte. Da sie ein sehr vernünftiges Kind war, beruhigte mich ihr „Keine Sorge, Papa, ich passe auf“ sofort. Bis ich eines Abends in meinem Büro saß und einen gleichsam lauten wie herzzerreißenden Schrei vernahm. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und einer verbrannten Hand kam mir Elisabeth heulend entgegen, denn entgegen aller Beteuerungen hatte sie natürlich doch den heißen Kamin berührt. Nachdem wir ihre Hand gekühlt hatten, fragte ich neugierig nach: „Aber du hattest doch hoch und heilig versprochen, aufzupassen?“ Worauf sie mir schluchzend antwortete: „Aber ich musste doch überprüfen, ob der Kamin wirklich so heiß ist, wie du gesagt hast.“

Was für ein wunderbar schlaues Kind, auch wenn sie mit Aktionen wie diesen für meine ersten grauen Haare gesorgt hat. Love you, meine Flitzpiepe.

Natürlich habe ich dir diese Geschichte aus einem bestimmten Grund erzählt. Denn Elisabeth hat in diesem Moment etwas intuitiv begriffen, wofür die meisten Erwachsenen ein Leben brauchen. Nämlich das hier:

Veränderung kann man nicht denken. Man muss sie machen.


Komfortzone verlassen: Das große Dilemma

Wenn ich in meinen Keynotes frage, wer von den Anwesenden seine Comfort zone regelmäßig verlässt, dann gehen fast alle Hände hoch, und wenn ich dann nachfrage, was sich in den letzten zwölf Monaten wirklich Grundlegendes in ihrem Leben verändert hat, dann wird es auf einmal sehr, sehr still im Raum. Habe ich recht?

Dabei ist das Konzept eigentlich keine Geheimwissenschaft. Du weißt, dass wahres Leben und außergewöhnliche Erfolge immer außerhalb der Komfortzone passieren, und du weißt, dass Wachstum ein menschliches Grundbedürfnis ist, das die Grundlage für ein von Sense, Zufriedenheit und Erfüllung geprägtes Leben bildet. Und trotzdem fällt es den meisten so schwer, ihre Komfortzone tatsächlich zu verlassen. Stattdessen richten sie sich im Laufe der Zeit ihren eigenen goldenen Käfig ein und statten diesen mit immer mehr gemütlichen Accessoires aus, bis die Sicherheit des Bekannten so verlockend ist, dass der Gedanke an Shift sich anfühlt wie der erste Schritt ins Eiswasser.

Man sitzt dann da und träumt von einem aufregenden Leben, von Visionen aus der Kindheit und in einem besonders mutigen Moment auch davon, einmal wirklich etwas zu wagen. Doch da die Unsicherheit zu groß ist, wird dieser Gedanke meist schnell wieder verdrängt und die eigene Komfortzone noch bequemer eingerichtet. Kommt dir das bekannt vor, oder?

Und nur, damit wir uns richtig verstehen: Das liegt nicht an mangelndem Willen und schon gar nicht daran, dass du die falsche Person für große Dinge wärst. Vielmehr liegt es an unbewussten Programmierungen, also tief verankerten Mindviren wie „Das ist zu riskant“, „Ich bin noch nicht bereit“ oder „Wer weiß, ob das überhaupt klappt“, die still und leise im Hintergrund laufen und dich immer dann zurückhalten, wenn du kurz davor bist, etwas wirklich Neues auszuprobieren.

Doch so wie Elisabeth an jenem Abend begriffen hat, dass sie die Wahrheit über den Kamin nur durch direkte Erfahrung entdecken konnte, so wirst auch du die Kraft der Freedom niemals entfesseln, wenn du sie nur aus der sicheren Distanz deiner Komfortzone heraus bewunderst.


The 4-zone model of change

Sobald du es wagst, deine Komfortzone zu verlassen, bewegst du dich durch einen Prozess, der dich durch vier verschiedene Bereiche führt und dich am Ende mit persönlichem Wachstum reich beschenkt, und je besser du verstehst, was in jeder dieser Zonen passiert, desto eher wirst du in der Lage sein, die kritischen Momente zu erkennen und vor allem: nicht umzukehren.

Komfortzone Verlassen - Das 4 Zonen Modell

Die Komfortzone kennst du: hier ist alles bekannt, gewohnt und vor allem sehr bequem, du tust das, was du immer tust, vermeidest jegliche Risiken und hast zu jeder Zeit alles im Griff, während Routinen und Standardabläufe deinen Alltag prägen und die meisten Verhaltensweisen auf Autopilot laufen. Das große Problem dabei ist allerdings, dass in der Komfortzone kein Wachstum stattfindet, weil du ausschließlich auf bewährte Methoden zurückgreifst und das Außergewöhnliche damit buchstäblich außerhalb deiner Reichweite bleibt.

Jenseits davon lauert die Angstzone auf dich, und das ist der Ort, an dem die meisten Menschen reflexartig umkehren, weil das Unbekannte dein inneres Alarmsystem aktiviert und dich mit aller Macht zur Rückkehr bewegt. Zweifel setzen ein, Ausreden tauchen auf, eine hartnäckige innere Stimme erinnert dich permanent daran, wie unsicher das alles doch ist, und das Bedürfnis nach vermeintlicher Sicherheit wird so laut, dass es alles andere übertönt. Deine wichtigste Aufgabe ist es daher, den Versuchungen dieses Widerstands zu widerstehen und stattdessen bewusst den Weg der kleinen Schritte zu gehen, die Unsicherheit zu umarmen und in persönliches Wachstum zu transformieren.

Sobald die ersten Erfolgserlebnisse einsetzen, befindest du dich in der Lernzone, wo zwar noch vieles neu und ungewohnt ist, aber deine Neugier mittlerweile die Angst zu überwiegen beginnt, sodass du dir sukzessive neues Wissen, neue Fähigkeiten und neue Überzeugungen aneignest, während dein Selbstvertrauen fast schon automatisch wächst. Und dann, irgendwann, erreichst du die Wachstumszone, den Ort, wo Veränderung dann am meisten Spaß macht, wenn sie mit Purpose, tiefer Erfüllung und echtem Herzblut einhergeht, und wo du dir Dinge zutraust, von denen du früher noch nicht einmal zu träumen gewagt hättest.

Aber noch etwas Wichtiges geschieht, sobald du einen Großteil deiner Zeit in der Wachstumszone verbringst: Fast wie von selbst verschieben sich die Grenzen aller vier Zonen, sodass das, was vor einiger Zeit noch vollkommen undenkbar erschien, mittlerweile zur gelebten Realität geworden ist, und viele Situationen, die dich früher noch mit zitternden Knien erfüllt hätten, sind für dich mittlerweile zu einer perfekten Gelegenheit geworden, als Mensch zu wachsen. Und je mehr du wächst, desto größer wird das Ausmaß an Freiheit, Sinn und Zufriedenheit in sämtlichen Lebensbereichen.

Deine Lebensqualität hängt von dem Ausmaß an Wachstum ab, mit dem du dauerhaft komfortabel leben kannst. Vergiss das nie. 

Denn das ist die Grundlage dafür, dass du deine Komfortzone nicht nur einmalig verlässt, sondern es zu einer echten Lebenshaltung machst


Das letzte eine Prozent

Doch damit kommen wir zur eigentlich entscheidenden Frage, nämlich der, was all die Change Leader dieser Welt von der großen Masse unterscheidet, die trotz aller guten Vorsätze immer wieder in die Bequemlichkeit des Status quo zurückfällt.

Neben einer klaren Vision und dem Willen zur Shift nutzen sie eine geheime Zutat, die selbst die schwersten Dinge von außen spielerisch leicht aussehen lässt und am Ende immer den Unterschied macht, zwischen gut und sehr gut, zwischen sehr gut und herausragend und in ihrer vollen Ausprägung zwischen herausragend und absoluter Weltspitze. Es ist der Grund, warum Michael Jordan der wahrscheinlich größte Basketballer aller Zeiten war, warum Brandon Sanderson mehr epische Bücher in einem einzigen Jahr schreibt als manche Autoren in ihrem ganzen Leben, und warum die Rolling Stones auch im jugendlichen Alter von über 80 Jahren noch voller Herzblut die Bühnen dieser Welt rocken. Diese geheime Zutat lautet:

Das letzte eine Prozent.

Du kannst die volle Kraft deines Potenzials nämlich nur dann entfesseln, wenn du bereit bist, Rückschläge in Kauf zu nehmen, Hindernisse zu überwinden und den Preis der Veränderung zu zahlen. Denn immer dann, wenn du kurz vor dem Aufgeben bist, tritt diese nette innere Stimme in den Vordergrund und säuselt dir ins Ohr: „Ach komm schon, lass es lieber bleiben. Siehst du nicht, wie schwer die Bedingungen sind? Auf eine Ausnahme kommt es doch wirklich nicht an. Morgen ist auch noch ein Tag.“

Und weil das so verdammt logisch klingt, machst du tatsächlich eine Ausnahme. Und öffnest damit die Büchse der Pandora, denn aus einer Ausnahme werden schnell zwei, aus zwei werden drei, bis der Schlendrian komplett Einzug gehalten hat und du dich fragst, wie du vom Ort, an dem du sein wolltest, so weit entfernt gekommen bist. Lass es mich daher so deutlich formulieren, wie ich kann: Wer seine Komfortzone verlassen will, muss aufhören, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, und anfangen, konsequent zu handeln. Auch wenn es niemand sieht. Auch wenn es nicht sofort klappt. Auch wenn du die einzige Person bist, die noch an die Sache glaubt.


Die 1-66-18-Anti-Prokrastinations-Formel

„Okay Ilja, das alles leuchtet mir ein. Aber wie übersetze ich das jetzt konkret in meinen Alltag?“ Gut, dass du fragst. Denn genau dafür möchte ich dir eine Formel mitgeben, die so simpel ist, dass du dich möglicherweise ein bisschen ärgerst, warum du nicht früher auf sie gestoßen bist. Ich nenne sie die 1-66-18-Anti-Prokrastinations-Formel, und die Zahlen stehen dabei für:

Eine Sache. Für 66 Tage. 18 Minuten am Tag.

Eine einzige Sache deshalb, weil du dadurch nicht nur ein eventuelles Verzetteln verhinderst, sondern gleichzeitig sämtliche Ressourcen wie Zeit, Energie und Fokus auf genau dieses eine Vorhaben bündelst, anstatt dich mit zu vielen gleichzeitigen Baustellen zu erschöpfen und am Ende nirgendwo zu einem echten Ergebnis zu kommen.

66 Tage deshalb, weil es im Durchschnitt genau so lange dauert, um eine neue Gewohnheit wirklich zu verankern, also nicht ein paar Tage durchhalten, sondern echte, nachhaltige Veränderung in Gang zu setzen.

Und 18 Minuten täglich deshalb, weil der Wissenschaftler Anders Ericsson in seinen Studien zur Expertise-Forschung herausgefunden hat, dass 100 Stunden im Jahr, also ungefähr 18 Minuten pro Tag, ausreichen, um in einem beliebigen Thema einen gigantischen Vorsprung vor 95 Prozent der Menschen in deinem Umfeld zu erreichen. Und wer nicht bereit ist, täglich 18 Minuten an der Umsetzung seiner Träume zu arbeiten, der hat es auch nicht besser verdient. Oder?


Außerhalb der Komfortzone geht die Post ab

Lass mich diesen Artikel mit einem Gedanken abschließen, der mich persönlich immer wieder antreibt, wenn die Bequemlichkeit des Status quo verlockender wirkt als der nächste mutige Schritt. Hast du dich schon einmal gefragt, was das Gegenteil von Erfolg ist? Wenn du jetzt spontan mit Scheitern geantwortet hast, dann möchte ich dich einladen, einmal die Perspektive zu wechseln, denn dies könnte falscher nicht sein.

Fehler zu machen, hinzufallen und noch einmal von vorne beginnen zu müssen, ist nicht nur ein wichtiger Teil, sondern sogar eine unabdingbare Voraussetzung für das Erreichen deiner Ziele und Träume, und wenn du gar keine Fehler machst, ist das immer ein großes Warnsignal, weil entweder dein Vorhaben nicht groß genug ist oder du dich noch immer in der Bequemlichkeit des Status quo befindest, ohne es zu bemerken.

Das Gegenteil von Erfolg ist das Mittelmaß, der Ausbau der Komfortzone und das Verharren in der selbstgebrauten Suppe der Beliebigkeit.

Außerhalb der Komfortzone geht die Post so richtig ab. An diesem für viele so unheimlichen Ort werden erfolgreiche Unternehmen gegründet, innovative Ideen entwickelt, sportliche Rekorde aufgestellt und gigantische Ziele erreicht, und all das nur, weil die handelnden Personen den Mut hatten, sich die Finger zu verbrennen und die vermeintliche Sicherheit des Status quo gegen die persönliche Freiheit einzutauschen.

Wer seine Komfortzone verlassen will, braucht kein perfektes Timing und keine idealen Bedingungen. Elisabeth hat das an einem Abend vor dem Kamin intuitiv kapiert. Wann ist dein Moment?


Komfortzone verlassen: Die wichtigsten Ideen dieses Artikels

  • Veränderung kann man nicht denken. Man muss sie machen.
  • Außerhalb der Komfortzone geht die Post so richtig ab.
  • Das 4-Zonen-Modell: Komfortzone, Angstzone, Lernzone, Wachstumszone. Die Grenzen verschieben sich mit jedem mutigen Schritt.
  • Das letzte eine Prozent ist die geheime Zutat aller Change Leader.
  • Die 1-66-18-Anti-Prokrastinations-Formel: Eine Sache, 66 Tage lang, 18 Minuten am Tag.
  • Das Gegenteil von Erfolg ist das Mittelmaß und das Verharren in der selbstgebrauten Suppe der Beliebigkeit.

Gewohnheiten aufbauen: Die drei Säulen erfolgreicher Veränderung

Wenn du langfristig neue Gewohnheiten aufbauen und Ziele wirklich erreichen willst, dann braucht es dafür weder eine komplizierte Methode, noch eine starke Willenskraft. Es braucht drei Dinge, und zwar genau diese drei: eine unumstößliche Decision, eine motivierende Richtung und konsistente Habits. Mehr ist es unter dem Strich nicht. Lass mich erklären, warum diese drei Elemente zusammen so unschlagbar mächtig sind, und warum das Fehlen auch nur eines einzigen davon jede Transformation früher oder später zum Scheitern bringt.

Die Inspiration für dieses Modell habe ich übrigens einem mittelalterlichen Kirchenbau zu verdanken, nämlich der Kathedrale von Salisbury. Als ich siebzehn Jahre alt war, verbrachte ich im Rahmen einer Schulstudienfahrt eine Woche bei einer Gastfamilie in der kleinen Stadt, und obwohl ich als Teenager in der Blüte meiner Rebellenzeit nach außen hin natürlich so tat, als ob mich die Beschäftigung mit Kultur und Geschichte extrem langweilte, lag es insbesondere an den vielen Insiderinformationen unseres Guides Nigel, dass meine Faszination für die gigantische Kirche zwar heimlich, aber stetig wuchs.

Dies führte so weit, dass ich nach meiner Rückkehr Ken Folletts Roman Die Säulen der Erde geradezu verschlang, in dem die Kathedrale von Salisbury als historisches Vorbild für eine fiktive Geschichte dient, die sich um den Bau der größten Kirche der Welt dreht, und der mir neben einer spannenden Handlung eine Menge Aha-Erlebnisse in Bezug auf Veränderung beschert hat.

Du kannst dir das Modell wie einen dreibeinigen Hocker vorstellen. Sind alle drei Beine gleich lang und stabil montiert, dann hält er selbst hohen Belastungen stand. Doch sobald nur eines der Beine etwas kürzer ist, fängt er an zu kippeln. Und fehlt ein Bein ganz, dann ist der komplette Hocker auf einmal unbenutzbar. Lass uns also die drei Säulen genauer anschauen.


Gewohnheiten aufbauen – Säule 1: Eine unumstößliche Entscheidung

Wie lange dauert eigentlich eine Shift? Wenn ich diese Frage in meinen Vorträgen und Seminaren stelle, dann erhalte ich häufig Antworten wie „mindestens drei Monate“, „ein bis zwei Jahre“ oder „das kann man nicht messen, auf jeden Fall lange“. Und auch wenn in allen drei Aussagen die richtige Erkenntnis steckt, dass Transformationsvorhaben immer ein Marathon und niemals ein Sprint sind, so sind sie doch alle falsch. Laut neurowissenschaftlichen Studien lautet die korrekte Antwort nämlich 2,7 Sekunden, denn dies ist die Zeitspanne, die dein Gehirn benötigt, um eine Zeiteinheit als Augenblick verarbeiten zu können. Und genauso lange dauert es, um eine echte Entscheidung für eine Veränderung zu treffen.

Und damit meine ich nicht die weitverbreiteten Wischi-Waschi-Ankündigungen wie „man müsste“, „man sollte“, „man könnte“ oder „unter Umständen wäre nach den Ferien eventuell mal die Gelegenheit günstig, darüber nachzudenken, ob es nicht sinnvoll sein könnte, wenn man theoretisch abwägen würde, ob man eine Veränderung angehen sollte“. Nein, eine unumstößliche Entscheidung beinhaltet immer ein Versprechen dir selbst gegenüber, dass du dein Vorhaben auf jeden Fall durchziehst, egal welche Hürden auf dem Weg auf dich warten mögen. Dahinter steht eine so einfache wie wichtige Tatsache: Wenn du etwas wirklich willst, dann wirst du es auch schaffen, weil du bereit bist, den Preis zu zahlen, Fehler zu machen und weiterzugehen, wenn der Wind dir so richtig heftig von vorn ins Gesicht bläst.


Gewohnheiten aufbauen – Säule 2: Eine motivierende Richtung

Die zweite Säule fällt oftmals unter die Kategorie Angst vor dem Offensichtlichen, denn unglaublich viele Changes scheitern, weil man zwar ganz genau weiß, was man alles nicht mehr möchte, aber von der Wunschzukunft keine konkrete Vorstellung hat. Und so wurschtelt man vor sich hin und wundert sich irgendwann, dass man sich zwar verändert hat, aber dann irgendwo angekommen ist, wo man überhaupt nicht hinwollte.

Mittlerweile habe ich herausgefunden, woran das in der Regel liegt: Viel zu viele Menschen verkomplizieren das Thema Goals so sehr, dass sie sich dadurch selbst riesige Wackersteine in den Weg legen, indem sie bis in alle Ewigkeit an irgendwelchen Ziele-Formeln herumfeilen, damit aber nie fertig werden, weil irgendeine Formulierung noch nicht ganz rund ist. Sie verwerfen eine bestimmte Zieldefinition, fangen manchmal sogar komplett von vorn an, und das alles nur, um nicht mit der Umsetzung beginnen zu müssen.

Falls du auch zu dieser Kategorie von Ziele-Perfektionisten gehören solltest, dann möchte ich dir die wohl beste, kürzeste und wirkungsvollste Coaching-Intervention vorstellen, die ich kenne. Sie besteht aus zwei Wörtern und stammt aus einem Sketch des Comedians Bob Newhart. Sie lautet: Stop it! Hör auf damit, lass es sein und mach es nicht komplizierter, als es sein muss. Wenn du unbedingt mit einer Ziele-Formel arbeiten willst, dann nutze gerne mein S.E.K.S.I.-Akronym, das dafür steht, dass wohlformulierte Ziele (S)pezifisch, (E)motional, (K)onkret, (S)elbstständig erreichbar und eine (I)nitiative auslösend sein sollten. Aber selbst wenn du noch nicht so weit bist und erst eine grobe Richtung hast, ist das auch vollkommen okay, denn es gilt folgender Grundsatz:

Arbeite mit dem, was du hast. Eine motivierende Richtung ist völlig ausreichend, weil dein Ziel und deine Vision auf dem Weg von ganz alleine klarer werden.

Vergiss nie, wozu Ziele da sind: Sie sollen dich motivieren, ins Machen zu kommen, und dich dorthin führen, wo du gerne hin möchtest. Mehr ist es nicht. Und sobald du loslegst, wird nicht nur deine Klarheit mit jedem Schritt zunehmen, sondern auch deine Motivation wird im Laufe der Zeit immer intensiver werden.


Gewohnheiten aufbauen – Säule 3: Konsistente Gewohnheiten aufbauen

Gewohnheiten sind wie Schienen. Es ist hart und dauert lange, um sie zu verlegen. Aber wenn sie erst einmal da sind, führen sie dich zuverlässig und sicher zu deinem Ziel. Ich liebe diese Analogie, denn sie beschreibt die mächtige Kraft dieser besonderen Kombination aus Konsistenz, Ausdauer und Durchhaltevermögen, die am Ende den Unterschied macht zwischen dem, der redet, und dem, der tatsächlich ankommt.

So viele Bücher glorifizieren die Wichtigkeit einer ausgeprägten Motivation, dabei sind es die nachhaltigen Gewohnheiten, die wirklich einen Unterschied machen. Denn wie häufig fühlst du dich so richtig danach, an einem Projekt zu arbeiten, zum Sport zu gehen oder eine Veränderung umzusetzen? Praktisch nie, oder? Aber dank entsprechender Gewohnheiten tust du es trotzdem. Und die Motivation entsteht beim Umsetzen von ganz alleine, wenn du dauerhaft dranbleibst. Denn bei jeder nur denkbaren Veränderung gilt:

Konsistenz schlägt Motivation. Immer.

Wie schaffst du es, das Buch zu schreiben, von dem du schon so lange träumst? Bestimmt nicht, indem du darauf wartest, dass dich endlich die Muse küsst. Du gehst nach Hause, setzt dich an deinen Computer und schreibst den ersten Satz. Aus dem wird ein Absatz, dann eine Seite und später das erste fertige Kapitel. Und wenn du dies über mehrere Monate jeden einzelnen Tag wiederholst, dann ist am Ende dein Buch fertig geschrieben. Wie schaffst du es, einen Marathon zu laufen, wenn du noch komplett unfit bist? Der Prozess ist der gleiche: Du ziehst dir deine Laufschuhe an, gehst raus und joggst für fünf Minuten, dann für zehn, fünfzehn und dreißig, irgendwann schaffst du es fünf Kilometer zu laufen, nach ein paar Monaten sogar zwanzig, und wenn du konsistent trainierst und kontinuierlich besser wirst, dann meisterst du irgendwann auch deinen ersten Marathon.

Nachhaltige Ergebnisse brauchen ganz einfach Zeit. Der Bau der Kathedrale von Salisbury hat ganze 38 Jahre gedauert, und die Fertigstellung des Kölner Doms sogar 600 Jahre. Aber auch hier begann man mit dem ersten Stein und hörte erst auf, als der letzte Arbeitsschritt getan war. Dank James Clear wissen wir heute, dass es im Schnitt 66 Tage dauert, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Aber wenn du so lange dranbleibst, passiert etwas Faszinierendes: Es wird auf einmal leichter, das neue Verhalten anzuwenden, ohne dass sich die alte Gewohnheit mit aller Macht in den Vordergrund drängen will, wodurch viele kleine Erfolgserlebnisse entstehen, deine Motivation steigt und du deinem großen Ziel jeden Tag ein Stückchen näher kommst.

Bei allen Veränderungen in deinem Leben stellt sich nicht die Frage, ob es schwer wird, sondern ob du bereit bist, durchzuhalten.


Der wichtigste Schritt ist immer der nächste

Welcher Schritt ist beim Verfolgen deiner Ziele und Träume der wichtigste? Ich könnte wetten, dass du dir darauf die gleiche Antwort gegeben hast wie die meisten: „Na, der erste Schritt natürlich.“ Doch ich behaupte, dass der erste Schritt zwar enorm wichtig ist, es aber noch einen viel wichtigeren gibt.

In Brandon Sanderson’s Fantasy-Roman Oathbringer kämpft die Hauptfigur Dalinar Kolin den Kampf seines Lebens. Ganz alleine steht er dem Bösen gegenüber, blutend und am Ende seiner Kräfte liegt er geschlagen am Boden und ist ganz kurz davor, endgültig aufzugeben. Doch als er in seinem Delirium in eine Art Zwischenwelt abdriftet, kommt ihm endlich die Antwort auf eine Frage, die ihn schon lange begleitet hatte: Was ist der wichtigste Schritt im Leben? Und die Antwort lautet: „Es ist nicht der erste. Es ist der nächste. Es ist immer der nächste Schritt, Dalinar.“ Worauf der Krieger all seine Kräfte bündelt, einen tiefen Atemzug nimmt und weiterkämpft.

Egal, wie weit du schon gekommen bist, ob du dich noch auf der Startlinie befindest oder bereits viele Kilometer auf dem Buckel hast: Der nächste Schritt ist immer der wichtigste, weil du auf diese Weise niemals aufgibst, sondern immer in Bewegung bleibst. Und genau das wünsche ich mir für deinen Weg.

Das große Geheimnis der Veränderung (und warum du die Antwort nicht hören willst)

Der Airbus 380 hat gerade seinen Landeanflug auf Bangkok begonnen, als ich mein Journal aufschlage und anfange zu schreiben. Draußen das sanfte Glühen der Stadt durch die Wolken. Drinnen die Frage, die mich seit Jahren verfolgt, und die mir nach so gut wie jedem Vortrag, in jedem Coaching-Gespräch und in jedem Seminar gestellt wird.

Sie lautet: Was ist das große Geheimnis der Veränderung?

Und ich bin sicher, dass du sie dir auch schon einmal gestellt hast. Vielleicht sogar heute Morgen, als du aufgewacht bist und dir gedacht hast: Irgendwie muss das doch einfacher gehen. Irgendwo muss es doch diesen einen entscheidenden Schlüssel geben, der alles verändert.

Ich habe gute und schlechte Nachrichten für dich. Die Guten: Ich habe die Antwort gefunden. Die Schlechten: Du wirst sie wahrscheinlich nicht hören wollen.


Was alle wissen wollen

Ich arbeite seit fast zwanzig Jahren mit Menschen, die ihr Leben verändern wollen. Führungskräfte, die ihre Teams transformieren möchten. Unternehmer, die neu starten. Menschen, die einfach wissen wollen, wie man vom Wollen ins Tun kommt. Und immer wieder begegne ich dabei demselben Muster.

Nehmen wir Markus. Markus kommt zu mir ins Coaching, weil er Keynote Speaker werden will. Er ist begeistert, voller Energie, und die erste Frage, die er mir stellt, klingt ungefähr so: „Ilja, was genau muss ich tun, um die Bühnen dieser Welt zu erobern und ein profitables Business als Redner aufzubauen?“

Ich mag Markus. Also bin ich ehrlich mit ihm.

„Von null auf hundert durchzustarten ist herausfordernd, aber möglich“, sage ich. „Du brauchst eine tragfähige Strategie, musst eine Personal Brand aufbauen und dafür sorgen, dass du am Markt sichtbar wirst. Du wirst viel Zeit, Energie und Geld in dein Marketing stecken müssen. Gleichzeitig musst du einen Vortrag entwickeln, der einen echten, spürbaren Nutzen für deine Zielgruppe hat. Wenn du täglich und ohne Ausnahme an diesen Bausteinen arbeitest, wirst du nach zwei bis drei Jahren einen gewissen Bekanntheitsgrad aufgebaut haben. Nach vier bis fünf Jahren wirst du profitabel sein. Und wenn du dann weiterhin mit Herzblut, Passion und Fleiß an deiner Strategie arbeitest, dann bist du ungefähr nach zehn Jahren nachhaltig erfolgreich und finanziell unabhängig.“

Zehn Jahre. Markus schaut mich an, als hätte ich ihm gerade erklärt, dass sein Lieblingsfußballverein abgestiegen ist.


Die Abkürzung, die keine ist

Was dann passiert, ist immer das Gleiche. Anstatt sich voller Motivation an die Arbeit zu machen, beginnen die Ausreden und die Alternativen. „Zehn Jahre? Das dauert mir zu lange. Guru XYZ sagt doch, dass der Markt so groß ist, dass es jeder in einem Jahr schaffen kann.“ Oder: „Ich habe von einer Methode gehört, mit der man sich das Mindset der Top-Speaker über Nacht ins Unterbewusstsein programmieren lassen kann.“ Und natürlich: „Nächsten Monat gibt es diesen Rocket-Day, wo die geheime 7-Step-Blueprint-Formel verraten wird.“

Ich sage das ohne Häme, denn ich kenne diesen Reflex. Wir alle kennen ihn. Die Sehnsucht nach der Abkürzung ist zutiefst menschlich. Das Problem ist nur, dass sie dich nicht ans Goal bringt, sondern von ihm weg.

Die Menschen, die von Guru zu Guru, von Seminar zu Seminar und von Massenevent zu Massenevent pilgern, lernen meistens auf die harte Tour, was passiert, wenn man dem Sirenengesang der falschen Hoffnungen verfällt: Das Konto leert sich. Die Energie schwindet. Und irgendwann sind die Hoffnungen genauso leer wie das Konto.

Es gibt keine Silver Bullet, die sämtliche Ziele mit einem einzigen Schuss erlegt. Und Rapper Kontra K hat das besser auf den Punkt gebracht als jeder Motivations-Guru: „Erfolg ist kein Glück, sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen.“


Die Angst vor dem Offensichtlichen

Lange habe ich mich gefragt, warum eigentlich. Warum geben Menschen lieber ihr letztes Erspartes für absurde Versprechen aus, anstatt die eine Sache zu tun, die sie wirklich voranbringen würde? Strategisch, konsequent und konsistent in die Umsetzung zu kommen?

Die Antwort fand ich nicht in einem Buch über Psychologie, sondern in einem Podcast-Interview mit Dan John, einer Fitnesslegende und dem Erfinder der 10.000-Kettlebell-Swing-Challenge. John beschreibt darin, wie viele seiner Schüler versuchen, sich vor dem eigentlichen Training zu drücken, ihre Hoffnung stattdessen auf Pillen, Wundermittel oder die neuesten Fitness-Gadgets setzen. Und er erklärt diese Sehnsucht nach schnellen Ergebnissen mit einem Begriff, der sich an jenem Tag in meinen Kopf eingebrannt hat:

Die Angst vor dem Offensichtlichen.

Das ist die Angst, die bekannten und millionenfach bewährten Grundlagen einfach umzusetzen. Es einfach zu machen. Immer wieder. Bis das Ziel erreicht ist. Das Offensichtliche ist für viele zu einfach, zu unspektakulär, zu unsexy, um daran zu glauben. Also lieber die verschollene Formel suchen, die komplizierte Methode, den geheimen Hack – der am Ende doch nicht funktioniert.

Und genau hier liegt das eigentliche Problem. Nicht im Mangel an Informationen. Nicht in fehlenden Tools oder falschen Strategien. Sondern in der Angst, das Einfache einfach sein zu lassen.


Was Charly Chaplin und eine Gitarre mit Veränderung zu tun haben

Ich sitze immer noch in meinem Flieger nach Bangkok und höre Paulo Nutinis „Iron Sky“, als mir das alles klar wird. Der schottische Sänger schickt mich mit seiner Stimme auf eine emotionale Achterbahnfahrt, bevor er am Ende ein Sample aus Charlie Chaplins „Der große Diktator“ einbaut, in dem Chaplin uns daran erinnert, dass wir keine Maschinen sind, sondern Menschen.

Gänsehaut pur. Und eine unmittelbare Erinnerung an unsere eigene Menschlichkeit.

Mensch zu sein bedeutet, eine einzigartige Mischung aus Stärken, Talenten und Fähigkeiten zu sein – und gleichzeitig auch aus Schwächen, Kanten und Schrulligkeiten. Das gehört zusammen. Und eine ganz besondere Zutat in diesem individuellen Cocktail ist der wohl größte und gleichzeitig weitverbreitetste Erfolgsverhinderer überhaupt: die Suche nach dem, was nicht existiert.

Denn das große Geheimnis der Veränderung ist ganz einfach: Es gibt kein Geheimnis.

Veränderung wird einfach, wenn du Veränderung einfach machst.


Die drei Wahrheiten, die du schon immer kanntest

Jetzt schreibe ich gerade diesen Satz in mein Journal, kurz bevor das Fahrwerk ausgefahren wird, und ich weiß, dass die Antwort auf die Frage nach dem Geheimnis der Veränderung keine neue ist. Sie ist nur unbequem. Denn wer die Wahrheit kennt, hat keine Entschuldigung mehr.

Also hier sind die drei Wahrheiten, auf die es beim Thema persönliche Veränderung immer wieder hinausläuft:

  1. Konsistenz ist wichtiger als kurzfristige Intensität. Ein Workout pro Woche für drei Jahre schlägt jeden 30-Tage-Challenge-Rausch. Eine Newsletter-Ausgabe alle zwei Wochen, konsequent geliefert, baut mehr Vertrauen auf als zehn Posts im Januar und Funkstille bis Oktober.
  2. Kontinuierliche Weiterentwicklung ist wichtiger als Perfektion. Wer auf den perfekten Moment wartet, wartet für immer. Wer jeden Tag ein Prozent besser wird, ist nach einem Jahr in einer anderen Liga.
  3. Das Fundament schlägt jeden Hack. Die Basics, das vermeintlich unspektakuläre Handwerk, die bekannten Grundlagen – sie sind und bleiben mächtiger als jede Fancy-Methode, jeder Marketing-Hype und jeder Guru-Tipp.

Um mehr geht es nicht. Wieder und immer wieder. Jeden einzelnen Tag.


Was Erfolg für dich bedeutet

Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, was Erfolg für dich wirklich bedeutet? Nicht die gängigen Stereotypen aus dem Instagram-Feed, nicht das Bild, das andere von dir erwarten. Sondern das, was dich tief im Innersten erfüllt.

Geld, Luxus, Status – das sind alles Definitionen, die wir von außen übernehmen können, aber nicht müssen. Vielleicht bedeutet Erfolg für dich Freiheit. Vielleicht bedeutet er Gesundheit, Wirkung, Familie oder einfach das Gefühl, jeden Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass du an etwas arbeitest, das dir wichtig ist.

Wie auch immer deine Antwort aussieht: Vergiss eines nie. Der Weg dorthin ist ein Marathon und kein Sprint. Und das ist keine schlechte Nachricht, sondern die beste, die du bekommen kannst. Denn wer das versteht, hört auf, nach dem nächsten Hack zu suchen, und fängt an, einfach zu laufen.


Was jetzt zählt

Das Geheimnis der Veränderung ist längst kein Geheimnis mehr – du hast die Antwort die ganze Zeit gewusst. Die Frage ist nur, ob du bereit bist, danach zu handeln.

Also: Was wäre dein nächster, einfacher, offensichtlicher Schritt in Richtung des Ziels, das du dir schon lange vorgenommen hast? Nicht der große, dramatische Durchbruch. Nur der nächste Schritt. Der einfache. Der offensichtliche.

Ich bin gespannt, welchen du wählst.

Die zehn goldenen Regeln der Veränderung

Weißt du, was das Merkwürdigste an Changes ist? Dass die meisten Menschen instinktiv wissen, was sie tun müssten, um ihr Leben, ihre Karriere oder ihre Beziehungen grundlegend zu verbessern, es aber trotzdem nicht tun. Sie kennen die Antworten. Sie haben die Bücher gelesen, die Podcasts gehört, die Seminare besucht. Und trotzdem stehen sie Monate später noch genau da, wo sie vorher schon standen. Nicht weil sie zu faul wären, nicht weil ihnen das Talent fehlt, und ganz bestimmt nicht weil die Welt es nicht zulassen würde. Sondern weil echte Veränderung nach ganz bestimmten Regeln funktioniert, die die meisten Menschen entweder nicht kennen oder bewusst ignorieren.

Das ist der Grund, warum ich dir heute meine zehn goldenen Regeln der Veränderung vorstellen möchte. Betrachte sie wie einen inneren Kompass, der dir in den Momenten den Weg weist, in denen der Nebel am dichtesten ist und die Orientierung am schwierigsten fällt. Nicht jede dieser Regeln wird sich auf den ersten Blick richtig anfühlen. Manche werden dich herausfordern, ein paar werden dich vielleicht sogar ein wenig ärgern. Aber genau das ist der Punkt, denn die Regeln der Veränderung haben nie behauptet, bequem zu sein.

Was sind die Regeln der Veränderung?

Bevor wir in die einzelnen Punkte eintauchen, lass mich kurz klarstellen, worum es bei diesen Regeln der Veränderung geht und worum eben nicht. Es handelt sich nicht um eine weitere To-do-Liste, nicht um ein lineares Programm, das du brav von Punkt eins bis zehn abhakst, und schon gar nicht um einen weiteren Beitrag zum Selbstoptimierungswahn, dem so viele Menschen heutzutage verfallen. Nein, die zehn Regeln der Veränderung sind vielmehr ein gedankliches Universum, in dem dein persönliches Wachstum seinen natürlichen Lauf nehmen kann. Sie entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn du sie tief genug verinnerlicht hast, dass sie sich in schwierigen Momenten ganz von selbst melden.

Und schwierige Momente werden kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Die zehn goldenen Regeln der Veränderung

1. Pflege die Wurzeln, nicht nur die Äste

Um nachhaltige Veränderungen zu erreichen, musst du wie ein Baum denken. Starke Wurzeln, also ein stabiles Fundament aus Werten, Überzeugungen und einem klaren Bild davon, wer du bist und wohin du willst, sind die Voraussetzung dafür, dass sich die Äste und Blätter deines Lebens flexibel anpassen können, wenn der Wind sich dreht. Und er wird sich drehen, das ist keine Frage des Ob, sondern nur des Wann. Die meisten Menschen versuchen jedoch, ihre Äste zu verändern, während die Wurzeln morsch sind. Sie optimieren ihr Verhalten, ihre Routinen, ihre Habits, aber wundern sich dann, warum nichts hält. Echte Veränderung beginnt innen. Immer.

Wer seine Wurzeln pflegt, muss sich um die Äste keine Sorgen machen.

2. Lerne, langweilig zu sein

Nein, ich meine damit natürlich nicht, dass du bei Abendessen fortan in trauriges Schweigen versinken sollst. Ich spreche von etwas ganz anderem. Wir alle lieben die großen emotionalen Durchbrüche, die dramatischen Wendepunkte, die eine Entscheidung, die alles verändert. Aber die Wahrheit über echte, dauerhafte Veränderung ist: Sie ist vom Wesen her extrem langweilig. Denn es geht immer und ausnahmslos um die konsistente Umsetzung der einfachen, vermeintlich unwichtigen Dinge, die am Ende des Tages einen riesigen Unterschied machen. Jeden Tag ein bisschen. Ohne Applaus, ohne Drama, ohne Geistesblitz. Konzentriere dich auf die langweiligen Aufgaben, werde wirklich gut darin, und dein Leben wird das genaue Gegenteil davon sein: Intensiv, aufregend und erfüllend.

3. Nimm die Treppe

Vor etwa zwanzig Jahren habe ich eine Entscheidung getroffen, die kleiner kaum hätte sein können: Ich fahre nie mehr Aufzug oder Rolltreppe, wenn es auch eine Treppe gibt. Eine lächerlich kleine Entscheidung, oder? Und trotzdem hat sie mein Leben verändert, weil aus der physischen Gewohnheit längst eine Lebenseinstellung geworden ist. Bist du schon einmal durch einen Flughafen gelaufen und hast beobachtet, wie Menschen auf das Rollband steigen und augenblicklich stehen bleiben? Welch tragische Metapher für das Leben so vieler. Veränderung ist aktiv. Sie passiert nicht mit dir, sie geschieht durch dich. Also nimm bei der nächsten Gelegenheit die Treppe. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

4. Lege dich fest

Weißt du, warum so viele Menschen Schwierigkeiten mit echten Veränderungen haben? Weil sie sich nicht festlegen wollen. Und ich sage bewusst wollen, nicht können, denn „Ich kann nicht“ wohnt bekanntlich immer in der „Ich will nicht Straße“. Um Ja zu einer Veränderung zu sagen, muss man gleichzeitig Nein zu allem anderen sagen, was bisher war. Man muss eine Alternative ausschließen, eine Tür schließen, eine Comfort zone wirklich verlassen. Und weil das wehtut, eiert man herum, verschiebt, relativiert und wartet auf den perfekten Moment, der selbstverständlich nie kommt. Trau dich, dich festzulegen. Nimm einen Standpunkt ein. Und genieße die Freiheit, die paradoxerweise erst dann entsteht, wenn du aufhörst, alle Optionen offen zu halten.

Die mutigste Entscheidung im Prozess der Veränderung ist oft die Entscheidung, sich überhaupt zu entscheiden.

5. Sei ein Leuchtturm, kein Spiegel

Die Welt ist voll von Menschen, die jede Veränderung reflexartig kommentieren, kritisieren und zerreden, bevor sie überhaupt eine Chance hatte, Wurzeln zu schlagen. Nörgler, Zyniker, Schwarzmaler und selbsternannte Realisten, die in Wirklichkeit einfach nur Angst vor dem Neuen haben. Du wirst ihnen begegnen, das ist unvermeidlich. Doch du hast die Wahl, ob du dein Umfeld wie ein Spiegel nur widerspiegelst, was schon da ist, oder ob du wie ein Leuchtturm ein eigenes Licht ausstrahlst, an dem sich andere orientieren können. Denk immer daran: Du siehst die Welt nicht, wie sie ist. Du siehst sie, wie du bist. Und damit bist du mächtiger, als du denkst.

6. Kümmere dich um dich selbst, zuerst

Veränderung kostet Energie. Mehr als die meisten ahnen, bevor sie mittendrin stecken. Und wer dauerhaft auf dem Trockenen fährt, der bricht irgendwo auf der Strecke zusammen, meist genau dann, wenn es besonders wichtig wäre, weiterzumachen. Self-Care ist in diesem Kontext kein Luxus und kein Wellness-Klischee, sondern eine strategische Grundvoraussetzung für jeden, der ernsthaft etwas in seinem Leben verändern will. Bau Pausen ein. Plane Auszeiten verbindlich. Beweg dich täglich an der frischen Luft. Schlaf genug. Und tu vor allem das, was dir gut tut, so oft und so regelmäßig, bis es zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Denn Leben ist ein Verb, kein Substantiv. Also leb es auch so.

7. Nutze die Kraft des Unbequemen

Amazon wurde nicht von einem Buchhändler gegründet, Uber nicht von einem Taxifahrer und Netflix nicht von der Inhaberin einer Videothek. Das ist kein Zufall, sondern eine Regel der Veränderung, die sich in der Unternehmensgeschichte genauso beobachten lässt wie im persönlichen Leben: In der Komfortzone findet weder Innovation noch Wachstum statt. Erst wenn du dich bewusst unbequemen Situationen aussetzt, neue Reize zulässt und dich immer wieder selbst herausforderst, passiert etwas. Dafür musst du nicht jeden Morgen in eine Eistonne hüpfen oder den Kilimandscharo besteigen, auch wenn ich beides für außerordentlich wertvolle Erfahrungen halte. Es reicht vollkommen aus, in den vermeintlich kleinen Momenten des Alltags die bewusste Decision zu treffen, deine Bequemlichkeit zu verlassen. Weil nur dort die Post wirklich abgeht.

Wachstum findet immer genau dort statt, wo Komfort aufhört.

8. Sei radikal menschlich

In einer Zeit, die von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und einer Digitalisierung geprägt ist, die kaum noch greifbar ist, liegt eine der kraftvollsten Regeln der Veränderung ausgerechnet in der Rückbesinnung auf das, was uns als Menschen ausmacht. Empathie. Vertrauen. Transparenz. Die echte Bereitschaft, für andere da zu sein. Während viele in Zeiten der Unsicherheit zu Misstrauen und Distanz neigen, kannst du einen gewaltigen Unterschied machen, indem du die Menschen in den Mittelpunkt deines Wirkens stellst. Behandele jeden, dem du begegnest, nach seinem möglichen Potenzial und nicht nach seinem aktuellen Ist-Zustand. Das ist nicht immer leicht. Aber die Erfüllung, die sich daraus ergibt, macht jede Mühe wett.

9. Erhöhe deine Standards

Hand aufs Herz, wie hoch sind deine eigenen Ansprüche an dich selbst, wenn niemand zuschaut? Gibst du dich aus Bequemlichkeit mit Mittelmaß zufrieden, weil das auch alle anderen so machen? Dann triff hier und jetzt die Entscheidung, das zu ändern. Im Englischen gibt es einen Satz, der eine der wichtigsten Regeln der Veränderung perfekt zusammenfasst: „How you do anything, you do everything.“ Es geht nicht darum, wie gut du bist, wenn du auf der großen Bühne stehst. Es geht darum, wie du die normalen, alltäglichen Dinge erledigst, wenn kein Applaus zu erwarten ist. Deine Ergebnisse passen sich nämlich immer den Ansprüchen an, die du an dich selbst stellst. Wähle diese Ansprüche daher bewusst und weise. Denn deine Personality passt sich auf Dauer deinen Standards an, nicht umgekehrt.

10. Rette dein Gehirn

Vor einigen Jahren musste ich mir eine unbequeme Wahrheit eingestehen: Ich war smartphonesüchtig. Nicht ein bisschen, sondern richtig. Ich konnte keine zehn Minuten ruhig sitzen, ohne impulsiv nach meinem iPhone zu greifen. Und die Nutzerdaten erzählten eine Geschichte, die ich mir anfangs lieber nicht angeschaut hätte. Doch ich konnte live miterleben, wie mein Fokus abgelenkter, meine Gedanken zersplitterter und meine Fähigkeit zur tiefen, echten Veränderungsarbeit schwächer wurden. Was mich gerettet hat? Das Journaling. Das physische Festhalten meiner Gedanken, Ideen und Erkenntnisse in einem Notizbuch. Immer wenn ich früher gedankenlos zum Smartphone gegriffen hätte, greife ich heute zum Journal. Und ich kann dir kaum beschreiben, wie viel klarer, fokussierter und handlungsfähiger ich dadurch geworden bin. Dein Gehirn ist das wichtigste Werkzeug, das du für jede Form von Veränderung hast. Schütze es entsprechend.

One More Thing: Die Bonusregel der Veränderung

In den legendären Apple-Keynotes wurden die wichtigsten Dinge immer ganz am Ende angekündigt. Die wichtigste Regel der Veränderung kommt daher als Bonus zum Schluss:

Dein Leben, deine Regeln.

Du entscheidest selbst, welche dieser zehn Regeln der Veränderung wirklich zu dir passen, und du kannst jederzeit entscheiden, einzelne davon anzupassen oder komplett zu verwerfen. Ich bitte dich nur um eines: Probiere sie aus, bevor du urteilst. Denn Regeln kann man nur dann sinnvoll brechen, wenn man sie wirklich verstanden und erlebt hat.

Die Regeln der Veränderung sind keine Checkliste. Sie sind ein Einladung. Eine Einladung, dein Leben aktiver, bewusster und entschlossener zu gestalten, als du es vielleicht bisher getan hast. Und die einzige Frage, die am Ende wirklich zählt, ist diese: Welche dieser Regeln wirst du heute noch in die Tat umsetzen?

Why you make bad decisions

Today we want to look at a widespread phenomenon: Why you have bad Decisions even though you actually know better. The article is so relevant because this characteristic runs through all levels of society, regardless of intelligence, knowledge or the development of certain skills. And the perfect place to observe this dilemma is the ever-popular online action platform called eBay.

This psychological phenomenon influences your decisions

I can still remember how, in the early days of the virtual auction house, I visited the website almost every day and was very active as both a buyer and a seller. This was partly because you could still get really good bargains in the pre-powerseller era, but I have always been fascinated by eBay from a psychological point of view.

How often I watched in amazement as users outbid each other on more or less trivial items until they were sold at crazy prices. And I will probably never forget how I once witnessed a 50 DM IKEA voucher being auctioned off for 63.75 marks. This completely irrational behavior is based on a psychological phenomenon from behavioral research that is best illustrated by an experiment called Dollar auction can be visualized.

The psychological phenomenon of sunk costs

According to one anecdote Professor Adam Grant from Wharton Management University in Pennsylvania invited his students to auction off a 20-dollar bill. There were only three simple rules.

  1. Anyone could place a bid.
  2. The highest bidder received the 20-dollar bill.
  3. Everyone must pay their highest bid in any case, regardless of whether they won the auction or not.

 

While the students were initially quite hesitant to place their bids, a real bidding war developed from 17 $, which led to a fascinating situation from a bid of 21 $. At this point, the winner was one dollar in the red, the runner-up 20 $, the third 19 $ and so on. But if you now think that this caused the bidding to stop, then you were wrong, because at the end of the experiment the 20 dollar bill was auctioned off for several hundred dollars.

But why do the students so obviously have a wrong decision even though they actually knew better? Science explains this on the one hand with the theory of sunk costs, i.e. expenses that have been incurred and can no longer be reversed, but still have an emotional impact on future decisions.

Why you make bad decisions: loss aversion

Added to this is the Loss aversion, which states that losses are subjectively weighted more heavily than gains. In practice, the combination of these two phenomena means that disastrous decisions are often made and failed projects are only continued because so much time, energy and money has already been invested in them.

I always immediately think of my student friend Gero, who invested a not inconsiderable sum in a, and I quote, „sure-fire tech stock“ in the new economy during the completely overheated phase of the dotcom bubble. After it had fallen by 25 percent, he bought more shares to make up for his loss. When the share price fell by 50 percent, he borrowed more money to invest even more in the project. At some point, the completely overvalued share fell to zero and Gero had to book a total loss. If only he had listened to Manfred Krug and invested in Deutsche Telekom. But I digress.

The Concord project as an example of sunk costs

Another perfect example of sunk costs in a different context is the development of the Concorde supersonic aircraft, which took off on its first commercial flight from Paris to New York in 1976. Since the start of the project in 1969, the British and French governments had already invested 2.8 billion euros in its development. But although it had long been clear that Concorde would never be profitable, money was pumped into the failed project for another 27 years.

Or to put it colloquially: good money was thrown after bad. Because people were so afraid of abandoning a project that they had long known would never be realized. Successful would end.

This is precisely why so many fail Changes. Because you don't dare to draw a line under failed projects. Because you are afraid to emotionally let go of a wrong decision. And especially because you'd rather do everything you can to make up for your own failure instead of starting all over again.

Yes, falling down, getting up and straightening your crown would be the only correct strategy in the overwhelming majority of cases. But because so much time, energy and even money has already been invested in the pursuit of a Target Instead, one disastrous decision after another is made. And make the overall situation that much worse.

If you're riding a dead horse, get off

As I'm writing this, I can't help but think of an old Native American saying: „If you're riding a dead horse, get off.“ Sounds logical at first, doesn't it? But how do we humans react in everyday life? Driven by our loss aversion, we try everything just to prevent this uncomfortable step. Want a few examples?

  • We set up a task force to analyze the dead horse.
  • We hire a management consultancy to explain to us via PowerPoint what the horse would be capable of if it were still alive.
  • We proclaim „that we have always ridden the horse like this“.
  • We book a success guru to motivate the dead horse.
  • We change the rider.
  • We are looking for a new horse supplier.
  • We double the feed ration for the dead horse.
  • We hire a recognized expert who can supposedly ride dead horses.
  • We buy the very latest generation of whips.
  • We are changing the criteria that define a dead horse.
  • We approve a special budget for the resuscitation of dead horses.
  • We have the dead horse certified according to DIN ISO 9000.
  • We are forming a working group to develop alternative areas of application for dead horses.

 

Even if this list is to be taken with a pinch of salt, there is a great deal of truth behind it, isn't there? And this realization brings me to the crucial question: What is your personal horse and your Concorde project in everyday life?

Or to put it another way: Which goals, dreams and projects are you still pursuing only because you have already invested so many resources, even though you have long felt that it is time to let go? If you have identified such projects in your personal or professional life, then a radical shift in focus will help you. Away from all the material and immaterial costs of the past and towards the costs and potential opportunities of the future.

Accept that you are riding a dead horse, get off and change your means of transportation. Because a train, a sports car or a sailing boat may lead you to the desired success much more quickly and easily. Or as Hermann Hesse put it so wonderfully: „Some people think that holding on makes us strong. But sometimes it's letting go.“ Because as soon as you stop clinging desperately to failed projects, you suddenly have both hands free to start something completely new.

Why do changes fail? The crocodile in your head is to blame!

Why do changes fail so often?

I would never have thought that a children's book would give me the biggest eureka moment in terms of dealing with change. Sounds funny, but it actually is. As a little boy, I loved it when I was allowed to sit on my grandfather's lap and he would read to me from a wide variety of books with stoic calm. My absolute favorite was The giant crocodile by the British writer Roald Dahl.
 
The book tells the story of a hungry crocodile who has set himself the goal of eating a juicy little child from the village on the edge of the jungle for lunch. In order to achieve this, he comes up with lots of creative ideas and disguises himself as a palm tree, a seesaw, a bench or a figure from a merry-go-round. In every single chapter, the cunning crocodile almost achieves the goal of his dreams because his disguise makes him almost indistinguishable from the everyday objects. But of course, as befits a children's book, it is always discovered in time, until it is hurled into the sky by an elephant in the story's grand finale and burns up in the sun shortly afterwards.
 
Despite this quite violent ending, The Giant Crocodile was my absolute favorite book for many months and I just couldn't get enough of it. But everything in life has its time, and as I grew up, I took other books to my heart and eventually forgot the adventures of the cunning reptile completely. Until one day I became a father myself and started reading bedtime stories to my two daughters, which of course included the adventures of the giant crocodile, which soon became my children's absolute favorites. No matter how tired they were, whenever the crocodile disguised itself as a palm tree, seesaw, bench or merry-go-round figure, they would join in the excitement with the children in the story and whoop for joy when the elephant hurled it towards the sun at the end.
 

The crocodile in the head as the cause of unconscious self-sabotage

I still don't know whether it was the childlike joy of my daughters or simply coincidence, but when I closed the book one evening, I suddenly realized more clearly than ever what parallels there were between the story and my everyday working life as a Keynote Speaker and Change Coach do exist. The different camouflages of the crocodile from the children's story are the perfect metaphor for why the most diverse Changes are so difficult in life. Because we all have a crocodile in our heads that has set itself the goal of eating our idea of a happy, contented and successful life for lunch. 
 
Whenever you want to let go of something old, try something new or change something that already exists, it seductively whispers to you in a familiar voice that this would be a miserable idea. And it does so with a cunning that is second to none. Sitting deep in the unconscious mind, the crocodile disguises itself as worries, doubts and fears and ensures that...
 
  • You sabotage yourself and constantly have to fight against an inner resistance.
  • You let your goals and dreams languish in the famous drawer and distract yourself with unimportant activities instead.
  • You don't make any important decisions, but prefer to play it safe and leave everything as it is.
  • You keep putting off your plans until someday.
  • You tell yourself that you are not good enough, brave enough or motivated enough.
  • As a consequence, you prefer to lead an unhappy, dissatisfied and frustrated life instead of dealing with things, activities and tasks that have real meaning. 
 
And it gets even better, because the more important a goal, project or plan is to you, the more intensely and persistently the crocodile will try to prevent you from realizing it. Incidentally, the cause of this type of avoidance strategy is neither a lack of intelligence nor a lack of motivation or weak willpower. Rather, it is solely because your crocodile brain has taken control at the crucial moments and pushed your rational mind to one side.
 

Why do changes fail? The reptilian brain 

On the one hand, this term is of course a metaphor, but on the other hand it is also an existing part of your brain. You may already be familiar with it under the name Reptile brain, While the human brain is roughly the size of two clenched fists, lizards, snakes and even crocodiles only have a tiny brain whose sole task is to ensure their own survival. For this reason, it only knows three states, namely fear, hunger and the instinct to reproduce. The resulting behaviors are far removed from any conscious awareness, are exclusively instinct-driven and, especially in extreme situations, they follow the reflex to either flee or switch to attack mode. 
 
And now comes the crucial point. Because although we humans are the only species on this planet with a conscious mind and can make intelligent decisions based on rational consideration (at least in theory), we still have a reptilian brain today - despite all the evolutionary developments - which ensures that we regularly give in to our inherited instincts from prehistoric times and, as a result, tend to make highly emotional, irrational and sometimes even downright stupid decisions.
 
I therefore love the metaphor of the crocodile in the head as a simplistic explanation for the irrationality of human behavior. But please don't let this fool you, because the underlying processes are based on neuroscientific research and studies throughout. So let's take a closer look. Even though the brain is a highly complex organ, it can be simplified into the following areas which all have a specific task.
 
 
Why change fails. The crocodile in the head
 

The Triune Brain - The three areas of the brain

The oldest area in evolutionary history is the brain stem, which controls your breathing, heartbeat, digestion and all the other unconscious bodily functions you need to live. 
 
The second oldest area is the limbic system, whose most important component is the crocodile brain, which is the focus of our observations and has been given the name amygdala by scientists. This walnut-sized part of the brain is also triggered in us humans by the three primal instincts of fear, hunger and sex drive and leads to the notorious reflex of flight or attack, which can never be controlled intellectually. Two million years ago, this was a real blessing, because our unconsciously controlled instinct gave our ancestors precious seconds that saved them from being eaten by a sabre-toothed tiger.
 
For modern city dwellers, however, this escape-attack mechanism is an extreme hindrance, because today we have to contend with completely different dangers. To protect you from these, the crocodile in your head tells you in a purring voice to avoid any risks, to settle for suboptimal results or not to try new things at all. 
 
The third area is the cerebellum, which is responsible for coordination and motor control, followed by the fourth, the cerebrum (Neocortex). This is the youngest and most sophisticated part of the brain in evolutionary terms and is responsible for logical thinking, speech, conscious planning and the perception of various stimuli.
 
If we summarize these areas in a simplified way, you actually have two brains. On the one hand, there is the crocodile brain, which is controlled by emotions, drives and instincts. It exists solely to protect you from potential dangers by trying to prevent change with all its might so that the familiar and safe status quo can be maintained.
 
On the other side is the intellectual brain, which enables you to learn, analyze situations, evaluate rationally and communicate using language. And now comes the fascinating part. Because although this area makes up the majority of the brain mass, in everyday life it is regularly dominated by the crocodile brain, which is much more experienced in evolutionary terms, and gives it complete control. The consequences could not be more fatal, because in all situations in which the status quo is in potential danger, all rational aspects are ignored and you react exclusively emotionally, impulsively and are guided by instincts. This is completely independent of whether the resulting behaviors correspond to your consciously formulated goals.
 

The crocodile in the head prevents change

Because we humans are still shaped by our primal instincts in the year 2025, the crocodile brain is a true master at preventing potential changes in order to protect you from possible failure. And the more importance something has for you, the harder the crocodile in your head will try and do everything it can to prevent you from implementing it. Just so that nothing changes and everything stays as it is.
 
What may seem relatively harmless at first glance has serious long-term consequences. The crocodile in our heads is the reason why our careers stagnate, why we don't start the company we've been planning for a long time, why diets fail, why we have financial problems, why we remain in unhappy relationships, why we don't take that trip around the world, why we don't write the book that's been lying dormant inside us, why the gyms are empty again from mid-January, and why we don't achieve the success we dream of so much on a conscious level. 
 
We can emphasize to the outside world how much we really want all these things in our lives, but when it comes to making the necessary changes, an evolutionary instinct takes over and ensures that we find a plausible-sounding excuse, distract ourselves with trivial activities, occupy ourselves with unimportant things or sabotage ourselves in some other creative way. You know what situations and avoidance mechanisms I'm talking about, don't you?
 

Examples of unconscious self-sabotage

These examples weren't specific enough for you so far? Then let's look at the behavioral level. Have you ever resolved to prepare an important presentation, develop a concept for a potential client, acquire new customers, write a job application or take on a project in your company? But instead of happily getting down to work, have you spent your time endlessly surfing the internet, watching cooking tutorials on YouTube or scrolling through your TikTok For You page? The instigator for this behavior is the crocodile in your head that wants to protect you from embarrassing yourself, from failing or from failing.
 
Or can you remember a conflict situation from your everyday life in which you reacted with anger, rage and an emotional outburst that you were a little ashamed of immediately afterwards? Have you ever faced a problem that you ran away from, even though it would have been easy to find a solution? In these cases too, the crocodile in your head has tried in its own special way to protect you from negative dangers.
 
All these examples have one thing in common. Your crocodile brain dominates your rational mind when you find yourself in situations that were potentially dangerous in primitive times. This is always the case when the labels of your identity are under attack, your safety is threatened, your social status is under attack, or it is generally about money, power, sex or food. From the seductive-sounding ideas of the crocodile in your head, you then take refuge in the following typical behavior patterns.
 
  • Procrastination: You find it difficult to tackle goals, tasks or projects because you prefer to distract yourself with unimportant things.
  • No stamina: You always start things, but rarely finish them.
  • Negative inner dialog: You are your biggest critic.
  • Procrastination: You are regularly caught in the „if-then trap“ (once I have, can or am X, then I can also have, do or achieve Y).
  • Emotional instability: Worries, doubts and fears are part of your everyday life
  • Frittering away: You have difficulty setting priorities
  • Perfection mania: You often put off tasks because you think you have to be perfect. As a result, no result is ever good enough for you.
  • Lack of courage: You find it difficult to make decisions.
  • Orientation towards the past: You prefer to cling to the good old days instead of actively shaping the future
  • Instant Gratification: Satisfying immediate needs is more important to you than your long-term goals and dreams
  • Excuses: You are a master at rationalizing the behaviors triggered by the crocodile in your head after the fact

Two ways to turn the crocodile in your head into your ally

Whether we like it or not, we all know situations in which we are dominated by these behavioral patterns, don't we? But that's not so bad, because what's more important is how you deal with it. You always have the choice of letting the crocodile in your head paralyse you or letting it become your greatest ally. And you can do this by accepting it as your best friend and putting it on a leash.
 

1) Accept the crocodile as a friend

The crocodile in your head can either be your worst enemy or your best friend. And the choice is entirely yours. Only you decide whether you allow yourself to be paralyzed by your primal instincts or whether you use the power of the amygdala to achieve your goals and dreams. An excellent idea is to give your crocodile a name. Yes, really, you have no idea what effect this will have. Mine has been called “Biggie” for many years, which is a nod to both the giant crocodile from my childhood and the rap icon Notorious BIG. And we have a really good relationship because I've internalized that Biggie always comes into action when I'm in the process of breaking new ground, developing myself as a person and implementing necessary changes.
 
Once you have chosen your crocodile as your best friend, you can embrace these moments in your everyday life and enjoy the feeling that you are in the process of breaking through inner resistance. Create as many opportunities as possible where your crocodile brain tries to distract you, convince you that you could embarrass yourself or persuade you to procrastinate. These moments are a wonderful indicator that you are alive. In the truest sense of the word.
 

2) Put the crocodile on a leash

The next step is to put your crocodile on a leash so that it is not tempted to determine the direction of your life in the first place. And since the leash is of course just a metaphor, here are some concrete ideas on how this can look in your everyday life:
 
  • The power of small steps: Divide large projects into many small milestones and enjoy the successes when you have reached an intermediate goal. The resulting momentum will reliably put your crocodile brain to sleep.
  • Fail forward: Don't be afraid to make mistakes or fail. These moments offer the best opportunities to grow and learn as a person. And at the end of the day, there is only one way to really fail: not even try. Isn't that right?
  • Become an idea machine: Develop as many ideas as possible. Both good and bad. Both rational and crazy. The more absurd an idea sounds, the better. The more you go off the beaten track, the greater the chance that you will create something that has meaning.
  • Consistency: Define routines, fixed processes and powerful habits. Your crocodile brain hates the resulting consistency.
  • Commitment: Banish excuses from your everyday life. The more committed you are, the more successful you will be. Keep your promises, especially those you have made to yourself.
  • Serenity: Don't let setbacks throw you off track. Accept that they will happen. You didn't work on that all-important project and preferred to watch Netflix instead? You ate a large portion of fries with mayo during your diet? Or you were intimidated by the blank sheet of paper while writing your book and distracted yourself with a trivial activity? No problem at all. As long as it was just an exception and you start again from scratch the next day.

I very much hope that this article has given you some answers to the question „Why do changes fail so often?“. If you would like to delve even deeper into the psychology of change, I recommend my book „Freedom begins in the mind“ recommend.