Raus aus der Komfortzone – Mit dem 4-Zonen-Modell klappt es garantiert

Raus aus der Komfortzone. Haben Sie diesen Satz schon mal gehört? Vielleicht selber schon das eine oder andere mal gesagt? Ich gebe es zu, in meinen Keynotes und Büchern habe ich auch schon häufig dazu aufgerufen, nachhaltige Veränderungen zu initiieren, indem man dem Motto “Raus aus der Komfortzone” folgt. Aber was sich in der Theorie so einfach anhört, ist im Alltag wie so häufig durchaus schwierig umzusetzen. Daher möchte ich Ihnen in diesem Artikel gerne das 4-Zonen-Modell  der Veränderung vorstellen, mit dem es Ihnen ab sofort leichter fallen wird, Ihre Komfortzone zu verlassen, unbekanntes Terrain zu betreten, und dadurch nachhaltig als Persönlichkeit wachsen können. 
 

Raus aus der Komfortzone – Was Sie von (Ihren) Kindern lernen können

Die perfekten Vorbilder, um regelmäßig die Komfortzone verlassen zu können, sind (Ihre) Kinder. Mit ansteckender Neugier probieren Sie regelmäßig die unterschiedlichsten Dinge aus. Testen ihre eigenen Grenzen. Verlassen ihre Komfortzone. Und wenn Sie dabei mit den unweigerlich auftretenden Misserfolgen konfrontiert werden, dann lamentieren sie nicht etwa, sondern probieren es direkt auf eine andere Art und Weise. 
 
Ja, man könnte fast meinen, dass Kinder den Ratschlag “Raus aus der Komfortzone” erfunden haben. Weil sie wahre Meister im Umgang mit jeglicher Art von Veränderung sind. Finden Sie es nicht auch faszinierend, mit wie viel Freude sich junge Menschen auf neue Erfahrungen stürzen und sich vom Unbekannten fast schon magisch angezogen fühlen? Von Kindern würden Sie niemals Sätze wie „Das haben wir ja noch nie so gemacht„, „Das klappt niemals“ oder „Ich versuche es lieber nicht, es könnte ja schiefgehen“ hören. Stattdessen können sie sich wie menschliche Chamäleons an so gut wie jede neue Situation anpassen, lassen sich von ihrer Fantasie und Kreativität leiten und lernen so gut wie jede Sportart, jedes Musikinstrument oder sogar neue Sprachen innerhalb weniger Wochen.
 

Verliebt in das Unbekannte – Lust auf Wachstum und Entwicklung

Leider werden die meisten Kinder spätestens im Teenageralter von den unterschiedlichsten Bezugspersonen immer wieder mit den gleichen Botschaften bombardiert: „Pass Dich an„, „Du musst endlich vernünftig werden„, „Schluss mit der ewigen Träumerei“ oder „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ sind nur einige davon. Und ehe man sich versieht, geht die ehemals im Überfluss vorhandene Leichtigkeit verloren und wird von vermeintlicher Vernunft, Skepsis und dem krampfhaften Festhalten am Status Quo ersetzt. 
 
Ohne, dass man es jemals wollte, ist man zu einem angepassten, mittelmäßigen und vor allem funktionierenden Mitglied der Gesellschaft geworden, dem jegliche Form von Spaß, Freude oder Zufriedenheit abhandengekommen ist. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde das tragisch. Doch zum Glück muss es gar nicht erst so weit kommen. Wenn der Satz “Raus aus der Komfortzone” nicht bloß ein Lippenbekenntnis für Sie ist, sondern eine Philosophie, an der Sie Ihr gesamtes Denken und Handeln ausrichten. Wenn Sie sich jeden einzelnen Tag aufs Neue mit Haut und Haaren in das Unbekannte verlieben. 
 
Wenn Sie die Schmetterlinge im Bauch genießen, wenn Sie an die Möglichkeiten der Zukunft denken. Wenn Sie aufhören, auf der bequemen Couch sitzend darauf zu hoffen, dass sich Ihre Situation schon irgendwie verbessern wird, sondern stattdessen aktiv werden. Wenn Sie raus ins Leben gehen und beginnen, Ihre Ziele und Träume voller Leidenschaft zu verfolgen. Woody Allen hat einmal treffend festgestellt, das 80% des Erfolgs darin besteht, einfach nur aufzutauchen. Tauchen Sie daher so oft auf wie möglich. Je mehr Sie Ihrer Sehnsucht nach neuen Eindrücken, Erfahrungen und Reizen in Ihrem Leben nachgeben, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie außergewöhnliche Dinge erreichen werden.
 

Sehnsucht nach neuen Horizonten als Schlüssel für Change

Stellen Sie sich nur vor, was passiert wäre, wenn Menschen wie Marco Polo, Roald Amundsen oder Christoph Kolumbus nicht Ihrem Entdeckergeist gefolgt, sondern im sicheren Hafen darauf gewartet hätten, dass man Ihnen eine Garantie gibt, dass sie ihre Ziele auf jeden Fall erreichen würden. Sie wären niemals in China, am Südpol oder in Amerika angekommen. Das gleiche gilt für die Erfindung der Glühbirne, des Buchdrucks oder des iPhones, welche allesamt die Welt verändert haben. Weil Thomas Edison, Johannes Gutenberg und Steve Jobs die Sehnsucht nach Innovation, nach neuen Wegen und dem permanenten Hinterfragen der bestehenden Konventionen teilten. Und sich dann nicht etwa auf ihren Lorbeeren ausruhten, sondern sich die Bereitschaft bewahrten, den eigenen Errungenschaften immer wieder zu hinterfragen.
 
Die Sehnsucht nach neuen Horizonten als Erfolgsfaktor ist daher so essenziell, weil das Außergewöhnliche von heute das Gute von morgen und das mittelmäßige von Übermorgen ist.  Ich weiß noch genau, wie ich im Jahr 2008 dachte, mit dem iPhone 3G ein so geniales Produkt in den Händen zu halten, dass es nicht mehr besser gehen würde. Wie man sich doch irren kann, denn wenn ich es mit dem aktuellen Modell, dem iPhone 15 Pro Max, vergleiche, dann wirkt es auf mich wie ein Smartphone aus der Steinzeit. Mit uns Menschen verhält es sich ähnlich, denn wir sind diesbezüglich wie Pflanzen. Wenn wir nicht wachsen können, dann bleiben wir nicht etwa auf der aktuellen Entwicklungsstufe stehen, sondern wir gehen ein. Natürlich nicht von heute auf morgen, sondern schleichend. 
 
Und dieser Prozess ist viel heimtückischer. Es ist wie in der berühmten Parabel vom Frosch. Versucht man diesen nämlich in einen Topf mit kochendem Wasser zu setzen, dann springt er sofort wieder heraus. Setzt man ihn hingegen in kaltes Wasser und erhitzt dieses nur schrittweise, so bemerkt er die Erhöhung der Temperatur nicht. Bis es irgendwann zu spät ist. Auch wenn es sich bei dieser Metapher um einen Mythos handelt, so sehr trifft die dahinterstehende Aussage doch die Wirklichkeit viele Menschen. Denn wenn Sie sich nicht regelmäßig neuen Reizen, herausfordernden Erfahrungen und unbekannten Situationen aussetzen, dann wird Ihre persönliche Komfortzone im Laufe der Zeit immer gemütlicher und Tristesse, Mittelmaß und Beliebigkeit breiten sich aus.

Jenseits der Komfortzone: Das 4-Zonen-Modell der Veränderung

Aber was geschieht eigentlich, sobald Sie der Sehnsucht nach Veränderung nachgeben und es wagen, die Unsicherheit zu umarmen? Nach und nach bewegen Sie sich durch einen Prozess, der Sie durch vier verschiedene Zonen führt, und Sie am Ende mit persönlichem Wachstum reich beschenkt. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick.
 
Das 4-Zonen-Modell der Veränderung

 

Raus aus der Komfortzone: Phase 1 – Die Komfortzone

Diese Zone kennen wir alle. Hier ist alles bekannt, gewohnt und vor allem sehr bequem. Sie tun das, was Sie immer tun, vermeiden jegliche Risiken und haben zu jeder Zeit alles im Griff. Routinen und Standardabläufe prägen den Alltag und die meisten Verhaltensweisen laufen auf Autopilotmodus. Durch die Abwesenheit jeglicher Herausforderungen ergibt sich jedoch ein großes Problem. In der Komfortzone findet kein Wachstum statt, da Sie ausschließlich auf bekannte und bewährte Methoden zurückgreifen. 
 
Das Leben in der Komfortzone ist zwar nicht besonders aufregend, dafür wird der Mangel an Abwechslung durch einen ausgeprägten Wohlfühlfaktor ausgeglichen. Kurzfristig ist daran auch überhaupt nichts auszusetzen. Aber wenn Sie nicht einfach nur funktionieren und beliebig vor sich hinleben wollen, dann müssen Sie nun mal langfristig wachsen. Weil Wachstum ein menschliches Grundbedürfnis und gleichsam die Grundlage für ein von Sinn, Zufriedenheit und Erfüllung geprägtes Leben ist. Hier kommt eine große Idee, von der ich mir wünschen würde, dass Sie sie nie wieder vergessen würden:
 
Ihre Lebensqualität hängt von dem Ausmaß an Wachstum ab, mit dem Sie dauerhaft komfortabel leben können.
 
Wahres Leben beginnt immer außerhalb Ihrer Komfortzone. Sobald Sie es wagen, Ihre Grenzen zu überwinden, neue Horizonte anzusteuern und die Segel für eine stürmische Reise setzen. Doch bevor Sie die Früchte dieses mutigen Schritts ernten können, wartet leider noch eine Zone auf Sie, an der die meisten Menschen scheitern.
 

Raus aus der Komfortzone: Phase 2 – Die Angstzone

Jenseits der Komfortzone lauert das Unbekannte auf uns. Die Angstzone beginnt, und das Krokodilhirn (was genau sich dahinter verbirgt, können Sie in meinem Buch “Die Mindset Revolution” detailliert nachlesen) versucht Sie mit aller Macht zur Umkehr zu bewegen. Dadurch dass Sie auf einmal neuen und noch nie erlebten Situationen ausgeliefert sind, beginnen Sie zu zweifeln, nach Ausreden zu suchen und würden am liebsten sofort wieder aufgeben. 
 
Kein Wunder, denn so vieles kann schiefgehen, wird nicht beim ersten Mal klappen und eine bekannte innere Stimme wird Sie permanent daran erinnern, wie wenig Selbstvertrauen Sie in dieser Zone doch haben. Nicht selten werden Sie sich überfordert fühlen, weil so viele neue Eindrücke auf Sie einprasseln. Ihre wichtigste Aufgabe ist es daher, den Versuchungen des vom Krokodilhirn ausgelösten Widerstands zu widerstehen und stattdessen bewusst den Weg der kleinen Schritte zu gehen. Die Unsicherheit zu umarmen und in persönliches Wachstum zu transformieren. Und dies so häufig zu wiederholen, bis sich die ersten Erfolgserlebnisse einstellen.
 

Raus aus der Komfortzone: Phase 3 – Die Lernzone

Sobald dies geschieht, befinden Sie sich in der Lernzone. Auch hier sind die meisten Dinge noch neu, während die alten Regeln nicht mehr gelten. Allerdings ist Ihre Neugier bereits so weit ausgeprägt, dass Ihre Problemlösungskompetenz sukzessive ansteigt, was wiederum eine Steigerung Ihres Selbstvertrauens bewirkt. Durch die Summe der vielen kleinen Erfolgserlebnisse haben Sie eine sich selbst verstärkende Positivspirale in Gang gesetzt, die Sie in die Lage versetzt, sich neues Wissen, neue Skills und neue Fähigkeiten anzueignen. 
 
Wie von selbst scheinen plötzlich neue Chancen und Möglichkeiten aufzutauchen, die Ihnen weitere Gelegenheiten eröffnen, die frisch erworbenen Eigenschaften direkt auszuprobieren. Natürlich klappt in der Lernzone nicht immer alles sofort und Sie müssen die meisten Schritte sehr bewusst gehen, aber je häufiger Sie sich den Herausforderungen stellen, desto eher schaffen Sie den Übergang in die entscheidende letzte Phase.
 

Raus aus der Komfortzone: Phase 4 – Die Wachstumszone

Veränderung macht dann am meisten Spaß, wenn Sie mit Purpose, Erfüllung und insbesondere Balance einhergeht. Und genau das geschieht in der Wachstumszone. Mittlerweile ist Ihr Selbstvertrauen enorm gestiegen, so dass Sie sich Dinge zutrauen, von denen Sie früher noch nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Voller Freude und Leichtigkeit stürzen Sie sich auf das Lösen von Problemen, probieren neue Ideen umgehend aus und entwickeln sich zu einem Vorbild für Ihr Umfeld. Ihre neuen Fähigkeiten, Skills und Eigenschaften sind Ihnen mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen und helfen Ihnen als unbewusste Automatismen dabei, Ihre Ziele und Träume zu erreichen.
 
Aber noch etwas anderes, viel Wichtigeres geschieht, sobald Sie beginnen, einen Großteil Ihrer Zeit in der Wachstumszone zu verbringen. Fast wie von selbst verschieben sich nämlich die Grenzen sowohl Ihrer Komfort- als auch Ihrer Angstzone. Auf der einen Seite erweitert sich die Komfortzone. Kein Wunder, denn was vor einiger Zeit noch vollkommen undenkbar und jenseits bekannter Regeln und Standards erschien, ist mittlerweile zur gelebten Realität geworden. 
 
Gleichsam verkleinert sich aber auch die Angstzone, denn viele Situationen, in denen Sie in der Vergangenheit noch mit zitternden Knien und pochendem Herzen reagiert hätten, sind mittlerweile für Sie zu einer perfekten Gelegenheit geworden, als Mensch zu wachsen und neue Erfahrungen zu machen. Werden die Zweifel, die Unsicherheit und die Angst jemals komplett verschwinden? Natürlich nicht. Und das ist auch gut so, sind sie doch der perfekte Indikator, dass Sie gerade dabei sind, etwas Außergewöhnliches zu tun. Oder anders:
 
Die Veränderungen, vor denen Sie am meisten Angst haben, sind diejenigen, welche die größten Durchbrüche für Sie bringen.
 

Raus aus der Komfortzone – Rein in die Veränderung

 
Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe sehr, dass es mir gelungen ist, mit diesem Artikel gelungen ist, Ihre Sehnsucht nach neuen Ideen, neuen Wegen und neuen Verhaltensweisen zu triggern. Dass ich Ihnen Lust machen konnte, der Bequemlichkeit des Status Quos zu entsagen und sich in das Unbekannte zu verlieben. Dass es für Sie selbstverständlich geworden ist, Ihre Komfortzone regelmäßig zu verlassen. Es lohnt sich sehr, das 4-Zonen-Modell der Veränderung nicht nur zu verstehen, sondern zu verinnerlichen.
 
Denn je mehr Sie als Persönlichkeit wachsen, desto größer wird das Ausmaß an Erfüllung, Bedeutung und Zufriedenheit. Denken Sie immer dran: Ihre Lebensqualität hängt von dem Ausmaß an Wachstum ab, mit dem Sie dauerhaft komfortabel leben können. Doch bevor Sie jetzt direkt losstürmen wollen, noch ein kurzer Hinweis, denn natürlich kommt es auch hier auf die richtige Balance an.
 
Warum? Nicht alles, was neu ist, ist auch automatisch gut. Und nicht alles, was alt ist, ist automatisch schlecht. Der ausgeglichene Umgang mit notwendigen Veränderungen ist daher ein wenig wie der berühmte Ritt auf der Rasierklinge oder der Drahtseilakt im Zirkus. Nur, wenn Sie die richtige Balance aus alt und neu finden, werden Sie auch die wundervollen Effekte der Wachstumszone genießen können. 
 
Dies bedeutet auf der einen Seite wertzuschätzen, was sich bewährt hat. Was gut ist. Was Sie ganz bewusst bewahren wollen. Und andererseits sollten Sie stets bereit sein, Prozesse, Zustände und insbesondere sich selber regelmäßig zu hinterfragen. Und dann radikal zu verändern. Auf diese Weise erhalten Sie diesen magischen Cocktail aus Tradition und Moderne, aus Bewahren und Wagen und aus festen und stabilen Werten und flexiblen Verhalten.

Das UnChange Mindset Modell – Veränderung jenseits des Selbstoptimierungswahns

Das UnChange Mindset ist ein Modell, dass die traditionelle Mindset Definition erweitert, und den Umgang mit Change Management, Transformationsprozessen und jeglicher Form von Veränderung auf eine gesunde und balancierte Basis stellt. In diesem Artikel möchte ich Ihnen das UnChange Mindset ausführlich vorstellen.
 

Mindset – Die traditionelle Definition

Ich gebe es offen zu: Ich bin ein riesiger Mindset Fan. Ich benutze den Begriff so häufig, dass meine Fokussierung auf den Erfolgsfaktor innere Haltung mittlerweile sogar schon auf meine Familie abfärbt. So teilte mir meine zehnjährige Tochter vor ihrer letzten Mathearbeit mit: „Das Lernen der Formeln ist gar nicht so wichtig, Papa. Das Mindset ist viel entscheidender.“ Aber was genau verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff, der sich immer mehr verbreitet und mittlerweile sogar an den Grundschulen dieser Republik angekommen zu sein scheint?
 
Die wohl bekannteste Forschungsarbeit zum Thema Mindset geht auf die amerikanische Verhaltensforscherin Dr. Carol Dweck zurück, die in ihrem Buch Mindset – Changing the way you think to fulfil your Potential von einem Fixed Mindset und einem Growth Mindset spricht. Beim Fixed Mindset (starr, unflexibel) gehen Menschen laut Dweck davon aus, dass ihre Talente, Fähigkeiten und Denkweisen fixe Eigenschaften sind, die entweder vorhanden oder auch nicht vorhanden, auf keinen Fall jedoch veränderbar sind. Beim Growth Mindset (Wachstum, Entwicklung) hingegen sind die Menschen überzeugt, dass die beschriebenen Faktoren veränderbar und ausbaufähig sind, wenn man ausreichend trainiert, lernt und an sich arbeitet.
 
Auf Deutsch ist der aus dem Englischen stammende Begriff Mindset schwer zu übersetzen, denn für das englische Wort „Mind“ gibt es leider kein entsprechendes Synonym. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird es daher oft mit Einstellung, Haltung, Mentalität oder Denkweise verwendet, während das Onlinelexikon Wikipedia das Mindset als „[…] eine vorherrschende psychische Persönlichkeitseigenschaft (Prädisposition) im Sinne eines Denk- und Verhaltensmusters einer Person oder sozialen Gruppe“ definiert.
 

Warum Iron Man seinen Erfolg dem Mindset zu verdanken hat

Für mich geht diese Definition allerdings noch nicht weit genug, und ich möchte Ihnen daher gerne meine traditionelle Mindset Definition verraten: 
 
Das Mindset basiert auf unserer Identität und ist die Summe unserer Werte, Überzeugungen, Erfahrungen, Fähigkeiten, Persönlichkeitseigenschaften, Gewohnheiten, Entscheidungsstrategien und unserer generellen Attitüde dem Leben gegenüber. Es ist weniger das, was wir tagtäglich tun, sondern vor allem die Art und Weise, wie wir es machen und der Purpose (emotionaler Grund), also das warum und wofür.
 
Dieser Satz klingt Ihnen zu kompliziert? Wie wäre es dann mit folgender Metapher:
 
Ihr Mindset ist für Sie, was die künstliche Intelligenz Jarvis für Iron Man ist.
 
Können Sie sich noch erinnern? In den erfolgreichen Marvel Filmen hatte der von Robert Downey Jr. gespielte Milliardär Tony Stark eine von ihm programmierte künstliche Intelligenz als Assistenten, mit dem er mittels Sprachbefehlen kommunizieren konnte. Wann immer er eine Information benötigte, verschiedene Handlungsoptionen abwägen musste oder vor einer schwierigen Entscheidung stand, startete Jarvis einige Rechenoperationen, durchforstete seine Datenbank und versorgte Tony Stark nach wenigen Millisekunden mit dem gewünschten Wissen, bestimmten Zahlen, Daten und Fakten oder einem auf Erfolgswahrscheinlichkeiten basierenden Ratschlag.
 

Das Mindset beeinflusst Ihr Leben in jeder einzelnen Sekunde

Mit Ihrem Mindset verhält es sich sehr ähnlich. Nur dass Sie Ihre mentale Software nicht bewusst programmiert haben, sondern dass sich Ihre innere Datenbank im Laufe der Jahre durch die Anhäufung und Vertiefung von Wissen, Fähigkeiten, Werten, Gewohnheiten, Erfahrungen und den verschiedensten Überzeugungen von ganz alleine immer mehr vergrößert hat. Vor jeder Entscheidung, vor jeder Handlung und auch vor jedem einzelnen Gedanken kommt es zu einem Abgleich mit den Daten der Vergangenheit, bevor das Programm dann unbewusst und zuverlässig abgespult wird.
 
Ihr Mindset ist wie eine von Ihnen programmierte Software, die automatisiert im Hintergrund abläuft, Sie unterstützt, berät und Sie immer wieder an das erinnert, was wirklich wichtig ist.
 
Das Mindset bestimmt Ihre generelle Sicht auf die Welt, beeinflusst sämtliche Ihrer Verhaltensstrategien und wirkt wie ein stets funktionierendes inneres GPS-System, das Sie sicher durch die verschiedensten Abenteuer des Alltags navigiert. Die Qualität Ihres Mindsets bestimmt also Ihre generelle Lebensqualität. Bedeutet dies nun, dass Sie einfach nur Ihr aktuelles Mindset etwas aufpeppen und in eine positive Richtung shiften müssen, und schon klappt es mit dem Erfolg? Wenn Sie meinen bisherigen Ausführungen gefolgt sind, dann ahnen Sie die Antwort sicher schon, oder?
 
Denn natürlich ist dies nicht der Fall. Ich möchte Sie an etwas wichtiges erinnern: Sie sind okay so, wie Sie sind. Und auch ihr aktuelles Mindset ist zu diesem Zeitpunkt im Leben genau richtig. Das Einzige, was es zu tun gibt, ist die nächste Entwicklungsstufe einzuläuten. Und das tun Sie, indem Sie die Vorsilbe „Un“ zu Ihrer inneren Haltung hinzufügen.
 

Veränderung mal „Un“ders

Es war ein wunderschöner Tag im Sommer 2015. Die Sonne brennt mir ins Gesicht, und nachdem ich mir gerade die verschiedensten Sehenswürdigkeiten in Washington D.C. angesehen hatte, befinde ich mich auf dem Rückweg zu meinem Hotel in Georgetown. Während ich die Atmosphäre dieses beeindruckenden Stadtteils auf mich wirken lasse, drehen sich meine Gedanken nur um ein Thema.
 
Wenige Stunden zuvor hatte ich auf einer Konferenz den Worten meines Kollegen Scott Stratten gelauscht, und stolperte in seinem Vortag über den Begriff UnMarketing. Die dahinterstehende Philosophie war so genial, dass sie mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte: Marketing zu betreiben, ohne Marketing zu betreiben.
 
Und ich kann Ihre gedankliche Verwirrung beim Lesen dieser Aussage fast schon spüren. Tatsächlich steckt dahinter eine sehr sinnvolle Logik. Denn warum scheitert Marketing so häufig? Weil Kunden von den üblichen Werkzeugen wie künstlicher Verknappung (nur noch heute), unglaubwürdiger Angebote (nur 29 € statt 1.999 €) oder lebensfremder Versprechungen (schreiben Sie Ihren Bestseller mit nur acht Stunden Arbeit) schlicht und einfach genervt sind.
 
Sobald man aber auf diesen Ansatz verzichtet und sich auf den nachhaltigen Aufbau von Beziehungen zu seiner Zielgruppe konzentriert, dann kaufen die Menschen irgendwann von ganz alleine und vor allem gerne. Weil man zu einer starken Marke geworden ist, der man vertraut, und die sich über eine Pull-Strategie zur Nummer 1 in den Köpfen ihrer Kunden etabliert hat.
 
Das gleiche Prinzip kennen Sie möglicherweise auch von sogenannten UnConferences. Anders als bei klassischen Konferenzen gibt es hier keine dauerhafte Frontalbeschallung, sondern nur einen groben Rahmen, der dann von den Teilnehmerinnen aktiv gefüllt werden kann. Ein wirklich geniales Format.  ⁠ 
 

Das Prinzip des UnChange Mindsets

Und als ich gerade die berühmte Georgetown University passierte, hatte ich einen ganz persönlichen Heureka-Moment, aus dem ein Gedanke entsprang, der mich seitdem nicht mehr loslassen sollte: Wenn dieses Prinzip beim Marketing und bei Konferenzen nachweislich funktioniert, muss es sich doch auch auf das Thema Veränderung übertragen lassen. Daraus resultierte eine alles entscheidende Frage: Wie könnte erfolgreiche Veränderung ohne die typischen Nebenwirkungen wie Druck, Überforderung und den Drang zum Selbstoptimierungswahn gelingen? Das UnChange Mindset Modell war geboren.
 
Denn wäre es nicht wundervoll, wenn Change nicht automatisch mit negativen Emotionen, sondern einem Gefühl von Leichtigkeit einhergehen könnte? Wäre es nicht schön, wenn man die positiven Auswirkungen wie persönliches Wachstum, eine erfolgreiche Karriere und ein generell erfülltes Leben erreichen könnte, ohne permanent den Status Quo bekämpfen zu müssen? Wäre es nicht viel besser, wenn man sich nicht auf das unbedingte Erreichen konkreter Resultate verkrampfen müsste, sondern stattdessen den Weg dorthin genießen könnte?
 
Auf der Suche nach möglichen Antworten recherchierte ich wissenschaftliche Artikel, analysierte die einschlägige Literatur und studierte insbesondere die Mindsets meiner erfolgreichen Kunden. Als Keynote Speaker und Change Berater habe ich das große Privileg, mit Unternehmen jeglicher Größenordnungen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten zu dürfen. Und es hat mich schon immer fasziniert, warum manche Menschen, Teams oder ganze Organisationen Veränderungen scheinbar mühelos meistern, während andere sich mit aller Gewalt an der Vergangenheit festklammern, weil alles Neue unmittelbar als Bedrohung wahrgenommen wird.
 
Eines ist mir während meiner Forschungen schnell klar geworden. Die bewährten Change Modelle und Methoden aus der Persönlichkeitsentwicklung klingen zwar durch die Bank weg gut, führen aber selten zu den gewünschten Ergebnissen. Und dies hat einen wichtigen Grund. Sie fokussieren sich ausschließlich auf das Verhalten und blenden gleichzeitig die mentalen Prozesse, die inneren Motive und die psychologischen Faktoren weitestgehend aus.
 
Egal, ob es sich um Veränderungen im persönlichen Alltag oder im beruflichen Kontext handelt, nicht irgendwelche Werkzeuge, Prozesse oder Skills bestimmen darüber, ob man erfolgreich ist oder scheitert. Natürlich sind diese wichtig und bilden immer die Grundlage, aber wenn wir uns das große Bild anschauen, dann ist der entscheidende Faktor immer das Mindset. Die Statistiken bestätigen diese Einschätzung.
 
In der vom World Economic Forum regelmäßig durchgeführten Studie der Top 15 Future Skills befinden sich unter den zehn wichtigsten Fähigkeiten mit Programmieren und der Nutzung neuer Technologien nur zwei sogenannte Hardskills. Die restlichen acht (darunter die Top 3 Innovatives Denken, lebenslanges Lernen und Problemlösungskompetenz) sind alle den mentalen Faktoren zuzuordnen. Es kommt nicht so sehr darauf an, was, sondern insbesondere wie und warum wir etwas tun oder nicht tun.
 

Das UnChange Mindset Modell

Und genau an dieser Stelle kommt das UnChange Mindset Modell ins Spiel, das Ihnen einen erfolgreichen Umgang mit Veränderungen ermöglicht, während es gleichsam die üblichen Nebenwirkungen eliminiert. Dabei handelt es sich um eine besondere Form von Attitüde, bei der die Vorsilbe „Un“ genau wie beim UnMarketing oder den UnConferences für einen radikal anderen Ansatz eines bekannten Formats steht. 
 
„Das UnChange Mindset ist eine besondere Form der inneren Haltung, die auf sieben Erfolgsfaktoren basiert, und mit der richtigen Balance aus Stabilität und Flexibilität dafür sorgt, dass Veränderungen erfolgreich gemeistert werden können, indem die Faktoren Druck, Überforderung und Stress eliminiert und durch Leichtigkeit und Selbstvertrauen ersetzt werden.
 
Das Upgrade zum UnChange Mindset gelingt Ihnen, sobald Sie sich an die Prämisse erinnern, dass es nichts zu optimieren gibt. Wenn Sie diese Tatsache ein und für alle Mal verinnerlichen, dann sorgt die daraus resultierende Überzeugung dafür, dass Sie sich voll und ganz auf Ihre Ziele und Träume im Leben konzentrieren können. Und damit über die so wichtige Balance zwischen Neu und Alt, zwischen Erfolgshunger und Durchschnaufen, sowie zwischen Wagen und Bewahren verfügen.  
 

Der UnChange Mindset Baum

Die perfekte Metapher hierfür ist ein Baum. Dieser soll sinnbildlich für Ihr UnChange Mindset stehen. Damit aus der jungen Pflanze einmal ein majestätisches Exemplar werden kann, bedarf es vor allem eines nähr- und mineralstoffreichen Mutterbodens, um bestmögliches Wachstum zu ermöglichen. Je älter der Baum dann wird, desto größer werden die einzelnen Wurzeln, die sich immer tiefer im Boden verankern.
 
Dies sind die sieben UnChange Mindset Erfolgsfaktoren, die dem Stamm den notwendigen Halt verleihen, damit die einzelnen Äste maximal flexibel und biegsam agieren können. In unserer Metapher handelt es sich dabei um Ihr tägliches Verhalten, Ihre Gedanken, Ihre Entscheidungen und Ihre Gewohnheiten. 
 
Genau so entsteht nachhaltige Veränderung. Nur wenn die Wurzeln Ihrem Mindset-Baum die notwendige Kraft geben, können die Äste bei Sonnenschein wachsen, sich aber auch in heftigen Stürmen, Regengüssen oder Gewittern biegen, anpassen und im Wind neigen. Die Balance aus Stabilität und Flexibilität lässt Ihr UnChange Mindset sich immer weiterentwickeln, wodurch ein inneres Feuer entfacht wird, das sich im Außen in einer unbändigen Gestaltungslust widerspiegelt.
 
Und last but not least können Sie gar nicht anders, als hierauf die entsprechenden Taten folgen zu lassen. Und zwar in genau der richtigen Mischung aus Einsatz und Entspannung, aus Wagen und Bewahren, sowie aus Vollgas geben und Durchatmen. Genau diese Menschlichkeit unterscheidet Sie von den kalten Maschinen, und wird in den kommenden Jahren zu Ihrem größten Faustpfand werden.
 
In der folgenden Abbildung finden Sie eine grafische Zusammenfassung des UnChange Mindset Modells:
 
unchange mindset baum
 
Die sieben Erfolgsfaktoren des UnChange Mindset Modells geben Ihnen als Wurzeln Stabilität, Orientierung und Kraft. Und gleichzeitig besitzen Ihr Verhalten, Ihre Entscheidungen und Ihre Denkmuster als Äste über die notwendige Flexibilität, um mit den unterschiedlichsten Herausforderungen in Form von Stürmen oder Gewittern umgehen zu können.
 
Diese besondere Kombination eliminiert den üblichen Druck, das Gefühl der Überforderung und die häufig im Selbstoptimierungswahn mündende Tendenz zu viel auf einmal verändern zu wollen. Wenn sich das UnChange Mindset in Balance befindet, dann bekämpfen Sie nämlich nicht länger den Status Quo, sondern machen sich voller Leichtigkeit auf den Weg in die Richtung Ihrer Ziele. Und spüren dabei ein tiefsitzendes Urvertrauen, dass Sie diese irgendwann auch erreichen werden. Und sollten Sie unterwegs feststellen, dass ein Ziel nicht mehr aktuell bzw. ein anderes attraktiver geworden ist, dann sind Sie jederzeit in der Lage, eine Kurskorrektur vorzunehmen.
 

Das UnChange Mindset: Veränderung mit Leichtigkeit

Gestatten Sie mir an dieser Stelle bitte noch zwei Anmerkungen zum UnChange Mindset. Wenn ich fortlaufend von Leichtigkeit spreche, dann ist damit keinesfalls gemeint, dass Sie sich bequem auf Ihrem Sofa oder in der Hängematte zurücklehnen können. Ganz im Gegenteil. Erfolg in sämtlichen Lebensbereichen fällt niemals vom Himmel und erfordert immer auch eine Portion der guten alten harten Arbeit. Ich meine mit Leichtigkeit vor allem das Gegenteil von verkrampft sein. 
 
Diesen einmaligen Zustand, wenn Sie geistig und körperlich vollkommen locker, entspannt und insgesamt im Flow sind. Weiterhin führt die Anwendung des UnChange Mindset Modells auch nicht dazu, dass ab sofort nur noch eitel Sonnenschein herrscht. Sie werden auch weiterhin mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen haben. Der Wind wird Ihnen mit voller Kraft von vorne ins Gesicht wehen, unvorhergesehene Hindernisse werden auftauchen und einschneidende Krisen müssen gemeistert werden. Der entscheidende Unterschied wird aber darin liegen, wie Sie damit umgehen und wie selbstverständlich Sie entsprechende Lösungen finden werden. Der Unterschied liegt in der Nutzung und Anwendung des UnChange Mindset Modells. 

Unbewusste Selbstsabotage verhindern und durchbrechen

Kennen Sie den größten Feind des Erfolgs? Es ist die unbewusste Selbstsabotage, mit der wir alle mehr oder weniger intensiv zu kämpfen haben. Sie tritt immer dann auf, wenn unsere unbewussten Muster im Gegensatz zu den bewussten Zielen und Vorhaben stehen. In diesem Artikel wollen wir uns anschauen, wie die unbewusste Selbstsabotage entsteht und natürlich auch, wie man sie duchbricht.
 

Unbewusste Botschaften prägen das Mindset

Ich war nie ein guter Schüler. Spätestens ab der 8. Klasse habe ich mich mehr oder weniger durgewurschtelt. Und hätte ich nicht einige Paradefächer gehabt, so hätte mir mein komplettes Desinteresse an Mathe, Physik und Chemie wohl notentechnisch das Genick gebrochen. Aber erst heute, viele Jahre und eine große Portion Lebenserfahrung später weiß ich, warum die Schule und ich nie beste Freunde wurden. Es lag an der Struktur, den Zielen und den Botschaften, die mir bewusst oder unbewusst über meine gesamte Kindheit eingetrichtert wurden. 
 
Vielleicht kommen Ihnen einige davon ja bekannt vor: Sitz still. Bereite Dich gut auf die nächste Prüfung vor. Pass Dich an. Mach Deine Hausaufgaben. Hinterfrage nicht. Befolge die Anweisungen der Lehrer. Lerne auswendig. Schreib in Deinem Heft nicht über den Rand. Mach nicht mehr als nötig. Regeln sind wichtiger als Kreativität. Halte Dich im Hintergrund. Das Kollektiv ist wichtiger als der Einzelne. Vermeide Risiken. Tue das, was alle tun. Schlag Dir die Träumereien aus dem Kopf. Tu das, was alle tun. Und last but not least natürlich der bekannte Klassiker Gute Noten sind wichtiger als etwas zu verstehen.
 

Wertschätzung versus Versagerbotschaften

Das Ergebnis? Das Schulsystem hat meine Kreativität und meinen Entdeckergeist gekillt. Und weil auch heute immer noch die Methoden aus den 1980er Jahren Bestand haben, sind Millionen von Kindern zwar echte Experten im Auswendiglernen und Bestehen von Klausuren, verfügen jedoch über so gut wie keine Problemlösungskompetenz. Natürlich ist dies nicht die Schuld der Lehrer, denn viele Lehrkräfte sind super engagiert und richtig toll. Leider haben sie mit genau den gleichen Hindernissen zu kämpfen, denn die Institution Schule mag keine kreativen Pädagogen. 
 
Stattdessen mag sie starre Lehrpläne. Fixe Strukturen. Und auf keinen Fall eine Abweichung von der Norm. Der Status Quo des Bildungssystems führt dann dazu, dass die einzige Fähigkeit, die unsere Kinder nach ihrem Abschluss perfekt beherrschen, „gut in der Schule sein“ ist. Doch welche Relevanz hat das Auswendiglernen von Fakten, die man innerhalb von wenigen Sekunden googeln könnte? Wie wichtig ist das Wiederkäuen von Antworten, welche die fragenden Lehrkräfte schon längst kennen? 
 
Richtig, im wahren Leben sind vollkommen andere Kompetenzen gefragt. Weder Astrid Lindgren, Elon Musk, Arianna Huffington oder irgendeine andere außergewöhnliche Persönlichkeit hat ihren Erfolg der Ausbildung an einer Schule zu verdanken. Denn wir leben schon lange nicht mehr in der Industriegesellschaft, wo Schulen vor allem konforme Arbeiter hervorbringen sollten, die dann fleißig und zuverlässig ihren Dienst an den Fließbändern der Fabriken absolvieren sollten. Gut in der Schule zu sein ist beim Aufbau eines StartUps, in der Führung eines Unternehmens oder der Entwicklung von zukunftsorientierten Ideen leider genau so irrelevant wie wenn Sie eine absolute Expertin im Bowling wären.
 

Unbewusste Selbstsabotage verhindern: Das Mindset ist der Schlüssel

Auch im Studium wird es nicht etwa besser. Die Themen und Inhalte mögen zwar komplexer sein, aber trotzdem geht es in erster Linie immer noch um das Auswendiglernen von prüfungsrelevanten Informationen. Die praktische Anwendung des Wissens in unterschiedlichen Kontexten spielt hingegen so gut wie keine Rolle. Es war ein prägender Moment in meinem Leben, als ich direkt nach meinem Uni-Abschluss zum ersten Mal eine neue Perspektive eingenommen habe. Weil ich begriff, dass mir die Prägungen, Botschaften und Suggestionen des Bildungssystems für meine Zukunft nur im Wege stehen würden. 
 
Und ehe ich mich versah, stand ich vor der wohl schwierigsten Veränderung meines bisherigen Lebens. Ich musste lernen, all das wieder zu verlernen, womit ich aufgewachsen war. Was man mir über Jahre in der Schule eingetrichtert hatte. Ich musste die Botschaften aus der Vergangenheit ablegen und neu definieren, wer ich sein wollte. Woran ich glaube. Und welches Mindset mich antreiben sollte. Zwischen den Ergebnissen in unserem Leben und unserem aktuellen Mindset gibt es nämlich einen direkten Zusammenhang, den Sie sich wie folgt vorstellen können.
 
Mindset Modell deutsch
 
Wie auch immer das Mindset aussieht, mit dem Sie zurzeit durchs Leben gehen, es ist die einzigartige Kombination Ihrer Identität, Ihren wichtigsten Werten und Ihren tiefsten Glaubenssätzen. Diese besondere Mischung bestimmt nicht nur Ihre generelle Weltsicht, sondern auch Ihre Fähigkeiten, Ihr Verhalten, Ihre Entscheidungsstrategien und am Ende des Tages eben auch Ihre Ergebnisse. Oder kurz und knackig auf den Punkt gebracht:
 
Ihr Verhalten ist immer ein direkter Spiegel Ihres Mindsets.
 

Ihr Mindset beeinflusst das gesamte Leben. Immer. Überall.

Sie können sich auf intellektueller Ebene noch so sehr wünschen, eine erfolgreiche Unternehmerin zu sein, finanzielle Freiheit zu erlangen oder endlich den Partner fürs Leben zu finden. Wenn Ihr Mindset auf einer diesen Träumen entgegengesetzten Identität und damit einhergehenden Glaubenssätzen basiert, dann werden Sie alles dafür tun, dass die Realität sich Ihren Überzeugungen angleicht. Dies liegt an einem universellen Zusammenhang, wenn es um Veränderungen im Leben geht.
 
Je mehr ein Verhalten unser aktuelles Mindset angreift, desto mehr werden wir unbewusst alles dafür tun, dieses Verhalten aufzuschieben oder gar ganz zu verhindern.
 
Beachten Sie bitte, dass dieser Prozess komplett unbewusst abläuft, selbst wenn Sie rational von Ihren Zielen überzeugt sind. Trotzdem sind Menschen wahre Künstler darin, all diese bewusst geäußerten Intentionen unbewusst zu sabotieren, damit die eigene Identität und die damit einhergehenden Überzeugungen bewahrt werden können.
 

Glaubenssätze als Quelle für unbewusste Selbstsabotage

Statt Überzeugungen können Sie gerne auch Glaubenssätze oder Beliefs sagen. Gemeint sind damit die vermeintlichen Fakten und Zusammenhänge, von denen Sie glauben, dass sie wahr sind, sowie die generellen Prinzipien, wie das Leben funktioniert, was alles möglich ist oder wer Sie als Persönlichkeit sind bzw. sein könnten. Ein paar Beispiele gefällig? 
 
Hier kommt eine unvollständige Auswahl von ein paar Klassikern:
 
  • Schuster bleib bei Deinen Leisten.
  • Ich bin nicht gut genug.
  • Geld verdirbt den Charakter.
  • Rechne lieber mit dem Schlechtesten, dann wirst Du nicht enttäuscht.
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
  • Das Leben ist kein Zuckerschlecken.
  • Die Menschheit wird immer schlechter.
  • Ich ziehe den Misserfolg magisch an.
  • Das geht nicht so einfach.
  • Um Erfolg zu haben, muss man die Ellenbogen ausfahren.
  • Ich bin an allem schuld.
  • Dafür fehlt mir die Zeit.
  • Das mag bei anderen klappen, bei mir ist das anders.
  • Oder mein absoluter Favorit: Veränderung muss hart sein, damit sie funktioniert.
 
Ich bin mir sicher, dass Sie beim Lesen direkt noch weitere Beispiele im Kopf hatten, nicht wahr? Dann lassen Sie uns jetzt zum wohl wichtigsten Charakteristikum von Glaubenssätzen kommen. Diese entstehen nämlich nicht aus dem Nichts und sind auf einmal da. Ganz im Gegenteil. Glaubenssätze kommen immer von Außen. Kennen Sie ein Baby, das als Rassist geboren wurde? Kennen Sie einen kleinen Jungen, der mit diskriminierenden Vorurteilen durchs Leben geht? Oder kennen Sie ein Mädchen, dass ihre ausländische Freundin im Kindergarten ausgrenzt, weil sie davon überzeugt ist, dass diese ihr später mal den Job wegnehmen wird? 
 
Sehen Sie, ich auch nicht. Sämtliche Überzeugungen (die positiven wie die negativen) lernen wir erst im Laufe der Zeit von wichtigen Bezugspersonen aus unserem sozialen Umfeld. Ob wir es wollen oder nicht, wir übernehmen die Weltsicht unserer Eltern, Verwandten und später unserer Lehrer. Anfangs sind diese Glaubenssätze noch ganz klein und zart. Aber je mehr wir diese bestätigt sehen, desto mehr verfestigen sich diese. Bis sie irgendwann tief in unserem Unterbewusstsein verankert sind, und dort zuverlässig ihre Wirkung entfalten.
 

Die Summe der Glaubenssätze beeinflusst das Mindset

Spätestens als Teenager haben wir dann ein entsprechendes Mindset entwickelt, welches uns als Kompass für unser Leben dient. Wir haben gelernt, was gut ist und was schlecht. Was man zu tun und was zu lassen hat. Welchen Platz uns das Schicksal zugeteilt hat und wie unsere Zukunft aussehen wird. Und da die Masse der auf uns eingeprasselten Botschaften tendenziell eher negativ war, ist eben auch die Masse unserer Glaubenssätze entsprechend limitierend. Das Ergebnis: Trotz bester Intentionen sabotieren wir uns selber und haben mit dem permanenten Gefühl zu kämpfen, dass wir gegen eine gläserne Wand anrennen würden. Weil unser Verhalten immer ein Spiegel unserer Mindsets ist. Und was noch viel heimtückischer ist, weil wir von all dem überhaupt nichts mitbekommen.
 
„Okay Ilja, wenn mein Mindset ganz automatisch meine Fähigkeiten, mein Verhalten und meine Entscheidungen beeinflusst, dann muss ich ja eigentlich nur mein Mindset positiv verändern und schon führen mich meine unbewussten Programme wie von selbst näher an meine Ziele und Träume, oder?“ Gut, dass Sie fragen. Meine Antwort kommt im Radio Eriwan Stil und lautet: Im Prinzip ja. Denn die große Herausforderung lauert im unscheinbaren Wort eigentlich. Es funktioniert nicht per Fingerschnipp und braucht eine gewisse Zeit. Wie Sie in der Abbildung erkennen können, ist die einzige Möglichkeit, Ihr Mindset dauerhaft durch Ihre Gedanken, Ihre Entscheidungen und Ihr Verhalten zu verändern nämlich bewusstes Lernen. 
 

Unbewusste Selbstsabotage verhindern

Der grundsätzliche Prozess, um unbewusste Selbstsabotage zu verhindern, ist überraschend einfach. Es gilt, ein limitierendes Muster zu identifizieren und aus dem Unterbewusstsein an die bewusste Oberfläche zu befördern. Dort können wir es dann mit einer förderlichen Alternative ersetzen, und es wieder zu einem unbewussten Automatismus werden lassen, der dann seinen positiven Dienst für uns erledigt. Klingt erst einmal einfach, nicht wahr? Ist es auch. Wie so häufig steht das Wort einfach aber vor allem für nicht kompliziert und nicht für leicht. Denn unbewusste Muster können extrem hartnäckig sein und es braucht eine große Portion Disziplin, Commitment und Durchhaltevermögen, um eine negative Gewohnheit in eine positive zu transformieren.
 
Natürlich weiß ich, dass diese Werte in Zeiten, wo alle nur noch im Moment leben und sämtliche Bedürfnisse am liebsten sofort erfüllt haben möchten, nicht besonders sexy klingen. Aber es lohnt sich nicht nur, sondern kann sogar eine Menge Spaß machen. Wenn Sie sich die Abbildung anschauen, dann sehen Sie den 4-stufigen Prozess im Überblick.
 
glaubenssätze auflösen
 
 

Unbewusste Selbstsabotage: Das Wenn-Dann-Schema

Bevor wir uns die einzelnen Stufen anschauen, ist es wichtig, dass wir uns noch einmal detailliert das Prinzip von unbewussten Automatismen anschauen. Diese funktionieren nämlich immer gleich. Stellen Sie sich dazu vor, dass Sie ein Computerprogramm schreiben, dem folgender Algorithmus zugrunde liegt: Immer, wenn X passiert, dann reagiere mit Y. Ein klassisches Reiz-Reaktions-Schema. Im Kontext menschlichen Verhaltens ist X ein bestimmter Trigger, der eine emotionale Reaktion hervorruft, uns an eine bestimmte Erfahrung erinnert oder einen Zustand auslöst. Als Trigger können dabei Bilder, Wörter, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker oder Tonfälle dienen. Wird ein solcher Trigger ausgelöst, spult unser Unterbewusstsein automatisch das gelernte Programm ab. Hier einige konkrete Beispiele:
 
  • Sie nehmen den Duft von frischem Kuchen wahr, und erinnern sich sofort an eine schöne Situation aus Ihrer Kindheit.
  • Ihr Lebenspartner reagiert auf einen Vorschlag mit einem typischen Gesichtsausdruck, und Sie fühlen sich automatisch unsicher.
  • Sie hören Ihr Lieblingslied im Auto und sind wie von selbst motiviert.
  • Sie blicken auf Ihr überfülltes Emailpostfach und beginnen sofort damit, sich mit sinnlosem Surfen auf Social Media abzulenken.
  • Ihr Chef gibt benutzt einen bestimmen Tonfall und Sie fühlen sich unsicher.
  • Vor einer Präsentation blicken Sie in die Gesichter Ihrer Zuhörer und Ihr Herz fängt an, schneller zu schlagen.
  • Sie fahren hungrig über die Autobahn und entdecken das leuchtende M einer großen Fastfoodkette. Obwohl Sie sich gesund ernähren wollen, fahren Sie an der Ausfahrt ab und bestellen sich einen Doppelcheeseburger mit Pommes und Milchshake (Sie wissen schon, dieses Beispiel habe ich von einem Freund)
 

Lernen, zu verlernen in vier Stufen

In jedem dieser Beispiele sorgt der jeweilige Trigger dafür, dass ein automatisches Programm abgespult wird. Dabei ist es Ihrem Unterbewusstsein egal, ob es sich um etwas Positives oder Negatives handelt. Wichtig ist nur eins: Wenn X passiert, dann reagiert es mit Y. Daraus folgt eine entscheidende Erkenntnis. Wenn wir mit dem Y unzufrieden sind, dann müssen wir am X ansetzen.
 

Stufe 1: Bewusstheit

Jeden Tag läuft Ihr Unterbewusstsein auf Hochtouren. Sie denken, entscheiden und handeln. Das Problem dabei: Das Ganze läuft so automatisiert ab, dass es für Sie so normal geworden ist, dass Sie es gar nicht mehr mitbekommen. Das Ziel dieses Schritts ist es, diesen unbewussten Loop zu durchtrennen, und unbewusste Muster an die bewusste Oberfläche zu holen. Gehen Sie hierfür mit einem hohen Grad an Achtsamkeit durchs Leben. Nehmen Sie wahr, welche Trigger bei Ihnen welches Verhalten auslösen. Welche Gedanken Sie in welchen Situationen denken. Welche Strategie Ihre Entscheidungen bestimmt. Und welche Muster Sie in Ihrem Verhalten erkennen können. Anfangs wird Ihnen dies wie eine fast unmögliche Aufgabe erscheinen. Kein Wunder, denn wo Ihr Alltag vor kurzem noch per Autopilot abgespult wurde, nehmen Sie das Steuer nun selbst in die Hand. Aber auch Achtsamkeit kann trainiert werden. Und je bewusster Sie die vielen Prozesse wahrnehmen, die bisher komplett unbewusst abgelaufen waren, desto leichter wird Ihnen Schritt zwei fallen.
 

Stufe 2: Verlernen

Je achtsamer Sie durchs Leben gehen, desto mehr unbewusste Muster werden Sie wahrnehmen, die für Sie eher limitierend als förderlich sind. Wählen Sie sich nun eines dieser Muster aus, das Sie gerne verändern möchten. Achten Sie für einige Tage ganz genau drauf, welche Strategien hinter dem Verhalten stecken. Wie genau läuft das Muster ab? Was genau tun Sie und in welcher Reihenfolge tun Sie es? Welche Sinne sind involviert? Und am allerwichtigsten: Durch welchen Trigger wird das Verhalten ausgelöst? Denn es gilt das gelernte Programm „Wenn X passiert, dann reagiere mit Y“ so bewusst wie möglich zu unterbrechen und im nächsten Schritt umzuprogrammieren.
 

Stufe 3: Lernen

Nun ist es Zeit für eine Entscheidung. Welches alternative Verhalten möchten Sie anstelle des alten als unbewussten Automatismus etablieren? Es reicht leider nicht, wenn Sie sich nur von einer negativen Gewohnheit verabschieden. Ohne positive Alternative ist dieser Versuch zum Scheitern verurteilt. Warum? Weil nach der Verbannung des Verhaltens zunächst ein Vakuum entsteht. Immer wenn der Trigger X ausgelöst wird, sucht das „Programm“ verzweifelt nach der gewohnten Reaktion Y. Bieten Sie an dieser Stelle keine Alternative an, so wird nach kurzer Zeit wieder auf das alte Verhalten zurückgegriffen. Es ist nicht ausreichend, nur zu entscheiden, dass Sie bspw. kein Fastfood mehr essen wollen, Sie benötigen auch die entsprechende neue Wahlmöglichkeit. Der Algorithmus könnte dann so aussehen: „Immer, wenn ich das leuchtende M an der Autobahn entdecke, atme ich tief durch, trinke einen Schluck Wasser und genieße einen Proteinriegel.
 

Stufe 4: Gewohnheit

Abschließend gilt es nun, aus der gewählten Veränderung einen neuen – und förderlichen – Automatismus zu machen. Je bewusster Sie den Trigger mit dem neuen Verhalten verbinden, desto erfolgreicher wird die Transformation verlaufen. Wie James Clear in seinem Bestseller Atomic Habits beschreibt, dauert es im Schnitt 66 Tage, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Warum also nicht ein Projekt starten, dass genau so lange dauert? Wichtig sind dabei zwei Faktoren. Erstens, das bewusste Einbauen des neuen Verhaltens in Ihren Alltag. Und zweitens die Regelmäßigkeit. Denn je häufiger das neue Programm abgespult wird, desto eher hat es die Chance, wieder ins Unterbewusstsein zu sinken, und von dann an dort als Automatismus seine positive Wirkung zu erzielen.
 

In diesen Bereichen lauert die unbewusste Selbstsabotage

Auf diese Weise haben Sie eine wundervolle Methode an der Hand, limitierende Muster zu verlernen, neue Gewohnheiten zu etablieren und so schrittweise Ihre persönlichen Eisberge zu durchbrechen. Sie benötigen noch etwas Inspiration, in welchen Bereichen es sich lohnt, zu lernen, wie man unbewusste Automatismen verlernt? Here we go:
 
  • Limitierende Glaubenssätze
  • Schlechte Entscheidungsstrategien
  • Negative Denkmuster
  • Unnötige Vorannahmen
  • Impulsives Verhalten
  • Emotionale Reaktionen
  • Unbegründete Vorurteile
  • Die Tendenz, Ausreden zu suchen, warum etwas nicht geht
  • Der Fokus auf Probleme
  • Übermäßiges Zweifeln
  • Die Tendenz, sich zu rechtfertigen
  • Der Drang zum Perfektionismus
  • Die Storys, die Sie sich jeden Tag erzählen
 
Ich wünsche Ihnen gleichsam Freude und Erfolg beim Entdecken und Durchbrechen Ihrer unbewussten Selbstsabotage Muster. Doch achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viel auf einmal wollen. Ein Automatismus zurzeit ist nicht nur mehr als ausreichend, sondern Sie erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Veränderung.
 

Selbstoptimierungswahn – Der größte Feind nachhaltiger Veränderung

Der größte Verhinderer von Glück, Erfolg und Zufriedenheit im Leben ist der Selbstoptimierungswahn. Dieses Phänomen ist der Grund, warum auch eine Menge offene, innovative und positive Menschen große Schwierigkeiten mit der aktiven Gestaltung ihrer Zukunft haben. Und das, obwohl sie verstanden haben, dass Veränderungen nunmal zum Leben dazu gehören wie die Luft zum Atmen, und dass fehlendes mentales Wachstum unweigerlich in Tristesse, Unzufriedenheit und Frustration mündet. 
 
Gehören Sie auch zu dieser Kategorie? Dann haben Sie möglicherweise mit einem weitgehend unbeachteten Problem zu kämpfen. Ich spreche von der Tendenz, zu viel verändern zu wollen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Auch wenn Change eine ganz wundervolle Sache ist, kommt es wie immer im Leben darauf an, die richtige Balance zu finden. Oder wie es der Arzt Paracelsus bereits im 15. Jahrhundert formulierte: Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“
 

Schluss mit dem Selbstoptimierungswahn

Übertreibt man es nämlich mit den Veränderungen, dann führt dies mit an ein Schweizer Uhrwerk erinnernder Präzision zu einem Phänomen, das als Selbstoptimierungswahn bekannt ist. Dem immer größer werdenden Druck, den Status Quo mit aller Macht zu bekämpfen. Und damit einhergehend einem fast zwanghaften Drang nach vermeintlicher Verbesserung, neuen Stimuli und permanenter Rastlosigkeit. 
 
Die Resultate dieses Zustands sind noch gefährlicher als die altbekannte Veränderungsresistenz. Von einer inneren Unzufriedenheit angetrieben, wird man zu seinem größten Kritiker, probiert wahllos neue Wege aus und übertreibt es mit der Optimierung der vermeintlichen Schwachstellen. Bis der ehemals positive Ansatz zu einer sich selbst verstärkenden Negativspirale wird, die von Angst, Druck und einer Tendenz zu Aktionismus geprägt wird. Egal, ob etwas sinnvoll ist oder nicht, Hauptsache man hat etwas verändert.
 

Warum der Drang nach Selbstoptimierung so tückisch ist

Doch damit nicht genug. Denn dieser sowohl schleichend, insbesondere aber unbewusst stattfindende Prozess mündet unweigerlich in Energielosigkeit, permanentem Stress und Überforderung. Und führt in letzter Konsequenz dazu, dass man noch viel unglücklicher ist, als all die Besitzstandswahrer, Status-Quo-Verteidiger und Vergangenheitsfestklammerer zusammen. Und dass, obwohl man auf der bewussten Ebene alles dafür tut, das genaue Gegenteil zu erreichen. 
 
Diverse empirische Studien belegen die negativen Auswirkungen des dauerhaften Veränderungsdrucks auf unsere Psyche und generelle Gesundheit, aber auch der gesunde Menschenverstand legt die gleiche Schlussfolgerung nahe. Kennen Sie nicht auch Menschen, die es mit dem Change im Laufe der Zeit einfach übertrieben haben? Die ihr Verhalten, ihre Kommunikation, ihre Glaubenssätze, ihre Arbeitsabläufe und ihr vermeintlichen Schwächen so lange optimiert haben, dass sie überhaupt keine Ecken und Kanten mehr besitzen, weil sie komplett glattgeschliffen sind? Vor lauter Selbstoptimierungswahn haben diese Menschen überhaupt nicht wahrgenommen, dass der Kipppunkt längst überschritten wurde, durch den sich ihre ursprünglich positiven Veränderungen verselbstständigt haben.
 

Der Kipppunkt von Veränderung

Was ich damit meine? Dass grundsätzlich gute Eigenschaften ab einem bestimmten Punkt kontraproduktiv oder sogar destruktiv werden können. Lassen Sie mich Ihnen einige Beispiele geben. Würden Sie mir zustimmen, dass Liebe etwas Wunderschönes ist? Gut, dass war jetzt eine rhetorische Frage. Aber was passiert, wenn man es übertreibt, wenn man obsessiv liebt? Dann führt diese eigentlich positive Eigenschaft irgendwann zu Besessenheit und belastender Klammerei. Aus wünschenswerter Sparsamkeit wird bei dauerhafter Übertreibung Geiz. Aus Skepsis wird Paranoia. Und Offenheit kann irgendwann leicht in Richtung Beliebigkeit kippen. Ich könnte die Liste noch weiterführen, aber ich denke, dass deutlich geworden ist, worauf ich hinauswill, nicht wahr?
 
Um den Kipppunkt im Kontext von Veränderungen zu veranschaulichen, wollen wir uns den typischen Tagesablauf eines fiktiven Menschen anschauen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein erfolgreiches und glückliches Leben zu führen. Um es etwas plastischer zu machen, wollen wir diese Person Uwe nennen, der vor kurzem seinen gut bezahlten Job als IT-Administrator in einem großen Konzern hingeschmissen hat, um seiner Leidenschaft zu folgen und sich selbstständig zu machen. Wie genau sein Geschäftsmodell aussieht, kann Uwe noch nicht genau formulieren, aber er spürt genau, dass es sich um sein absolutes Herzensbusiness handelt.
 

Eine (fast) wahre Geschichte über den Selbstoptimierungswahn

Angetrieben von den gängigen Botschaften auf Social Media, den Ratschlägen in Büchern und den Kalendersprüchen einschlägiger YouTube Videos hat Uwe es sich auf die Fahne geschrieben, seine persönliche Entwicklung nicht dem Zufall zu überlassen. Aus diesem Grund steht er auch bereits um 5 Uhr morgens auf. Warum? Ganz einfach. Uwe ist Mitglied im berühmten 5am Club. Während andere noch schlafen, arbeitet Uwe bereits am Thema Persönlichkeitsentwicklung. Und dass, obwohl er eigentlich ein Nachtmensch ist. 
 
Unausgeschlafen und müde startet er mit einer Stunde im Gym, um sich dort mit einem intensiven EMS-Workout und einer neuartigen Yogatechnik optimal auf den Tag einzustellen. Nach einer kalten Dusche steht zunächst eine Meditation auf dem Terminplan, gefolgt vom Ausfüllen des Erfolgsjournals. Um 7 Uhr frühstückt Uwe dann. Da er allerdings seine Kalorien genauestens mit einer App trackt, gibt es statt Brötchen mit Nutella nur einen Bullet Proof Coffee, denn jemand hat Uwe einst erzählt, dass dies das wahre Breakfast for Champions sei.
 
Hungrig, aber entschlossen visualisiert er dann seine Ziele für den Tag, die er mit der SMART-Formel schriftlich festgehalten hat. Da dies alleine aber noch nicht ausreichend ist, unterstützt er den Prozess mit entsprechenden Affirmationen, die er vor dem Spiegel aufsagt und mit seiner persönlichen Power Pose abschließt. Die ToDo-Liste für den Vormittag hat er mit der Eisenhower-Matrix festgelegt, und damit er maximal produktiv ist, nutzt er die Pomodoro-Technik für eine optimale Nutzung seiner knappen Zeit. In den wenigen Pausen holt er sich immer wieder Inspiration auf Instagram, wo er der Créme de la Créme der Motivationsbranche folgt, die ihn regelmäßig mit Zitaten versorgen, die ihn daran erinnern, wie wichtig es ist, ein Adler zu sein und auf keinen Fall ein Huhn.
 
So langsam knurrt Uwe der Magen richtig laut, denn weil er der Philosophie des Intermittent Fasting folgt, darf er nur zwischen 12 Uhr und 20 Uhr feste Nahrung zu sich nehmen. Da Gewinner aber wissen, dass Kohlenhydrate müde machen, genießt er einen Green Smoothie aus seiner dreiwöchigen Saftkur, die er sich gerade für mehrere hundert Euro gekauft hat. 
 
Auf dem Weg zu einem Networkingtermin (er ist immer offen für Synergien) vertrödelt Uwe nicht etwa seine Zeit, sondern hört stattdessen den Podcast eines von ihm bewunderten Gurus (natürlich in 2,7-facher Geschwindigkeit), der ihn auditiv immer wieder daran erinnert, dass man es nur zu etwas bringen würde, wenn man bereit ist, die Extra-Meile zu gehen. Da er vor dem Termin noch etwas Zeit hat, übt er sich in der Wim Hof Atemtechnik, die ihn in die Lage versetzt, noch effizienter mit seinem stressigen Alltag als Entrepreneur in Spe umzugehen.
 
Nach einem gleichsam anstrengenden wie ergebnislosen Nachmittag macht Uwe nicht etwa Feierabend, denn er ist ja schließlich ein Adler. Stattdessen loggt er sich in den wöchentlich stattfindenden Inner Circle Call seiner exklusiven Gewinnermastermindgruppe ein, die von seinem Guru angeboten wird, und dessen Mitglied er seit kurzem für einen Jahresbeitrag von nur 35 Tausend Euro geworden ist. 
 
Uwe hat jetzt zwar Probleme, seine Miete pünktlich zu bezahlen, aber der Guru hat ihm versichert, dass er es nie zu etwas bringen würde, wenn er nicht in seine persönliche Entwicklung investieren würde. Nach dem Meeting hat er zwar immer noch keine Idee, wie er zu mehr Geld kommen könnte, dafür hat er aber den brandneuen Onlinekurs des Coaches gekauft, den es nur an diesem Abend zum Sonderpreis für 2.999 € gab.
 
Zum Ausklang des Tages gönnt sich Uwe eine Session mit seiner brandneuen Mind-Spa App, bevor er um kurz nach Mitternacht noch schnell zu seinem Erfolgstagebuch greift, um den Tag schriftlich zusammenzufassen. Doch er muss sich beeilen, denn schon in wenigen Stunden ist es wieder 5 Uhr, und der ganze Stress geht von Vorne los.
 

Der Druck zur Selbstoptimierung ist omnipräsent

Ja, ich gebe zu, dass ich zur Verdeutlichung manche Dinge etwas übertrieben dargestellt habe. Aber kommt Ihnen all das nicht auch ein wenig bekannt vor? So wie Uwe geht es mittlerweile vielen Menschen. Und zwar unabhängig davon, in welcher Lebenssituation sich diese aktuell befinden. Es betrifft die Studentin genauso wie den Solopreneur, die Managerin, die Außendienstlerin oder den alleinerziehenden Vater. Kein Wunder, denn die Welt dreht sich immer schneller, und die Taktung, die Intensität und die Unberechenbarkeit von externen Veränderungen und globalen Krisen hat im Laufe der letzten Jahre massiv zugenommen. 
 
Algorithmen bestimmen unseren Alltag, für jedes Problem gibt es heute eine passende Software und eine nicht gerade kleine Anzahl an Jobs wird in der Zukunft von künstlicher Intelligenz oder Maschinen übernommen werden. Immer mehr Menschen spüren instinktiv, dass wir uns an einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte befinden. Und diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Schlagworte wie Change Management, Transformation und Persönlichkeitsentwicklung mittlerweile omnipräsent geworden sind. Weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass man entweder auf den Zug der Veränderung aufspringen kann, oder sich irgendwann einsam und verlassen am Bahnsteig wiederfindet.
 

Ich bin doch keine Maschine: Übertriebene Selbstoptimierung

An dieser Stelle kommt die übertriebene Selbstoptimierung ins Spiel. So erfreulich es auf den ersten Blick auch erscheinen mag, dass der aktive Umgang mit dem Wandel eine immer größere Priorität genießt, so fatal sind häufig die konkreten Resultate der Anstrengungen. Denn die traditionellen Seminare, Programme, Schulungen und Bücher, die sich dem Thema widmen, basieren alle auf einer grundlegenden Prämisse: So wie man es bisher gemacht hat, ist es leider nicht mehr ausreichend. Es brauche neue Ideen, neue Wege und vor allem eines: Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit durch kontinuierliche Veränderungen.
 
Doch wie sehen die darauffolgenden Bemühungen in der Regel aus? Schlagen Sie ein beliebiges Buch aus der Self-Help Szene auf, und Sie werden die immer gleichen Botschaften finden, die mehr oder weniger subtil kommuniziert werden:
 
Dir fehlt etwas.
Du bist nicht gut genug.
Du hast dringenden Optimierungsbedarf.
 
Als Lösungen werden dann Modelle, Techniken und Werkzeuge vorgeschlagen, die alle in einer makellosen, außergewöhnlichen und vor allem perfekten Zukunft münden. Und die Versprechen klingen ja durchaus verlockend. Jeder könne seinen Traum leben, einen gut bezahlten Job haben, fit und gesund sein, glückliche Beziehungen führen, finanziell ausgesorgt haben und frei von Sorgen sein. Wenn, ja wenn man die Anweisungen der Experten nur perfekt und bis ins letzte Detail ausführen würde. 
 

Die tückischen Botschaften der Self-Help-Bücher

Natürlich springt einem der Haken an dieser Herangehensweise sofort ins Auge. Wir Menschen sind einfach nicht perfekt. Wir haben unsere Schwächen, sind nicht immer so diszipliniert, wie wir es gerne wären und auch unsere Motivation ist von Zeit zu Zeit im Keller. Und wenn unperfekte Menschen nach einem perfekten Zustand streben, dann ist das Desaster zwangsläufig vorprogrammiert.
 
Getriggert von den Suggestionen des „Dir fehlt etwas, du bist nicht gut genug und du hast dringenden Optimierungsbedarf“ verfängt man sich im Selbstoptimierungswahn. Man versucht verzweifelt, die eigenen Schwachstellen abzubauen. Den Status Quo mit aller Macht zu bekämpfen. Die eigene Persönlichkeit neu aufzustellen. Nichts dem Zufall zu überlassen und jedes einzelne Detail des Lebens zu steuern, zu kontrollieren und zu optimieren. Angetrieben von Tools, Methoden und der regelmäßigen Erinnerung an den notwendigen Optimierungsbedarf entwickelt man sich sukzessive zu einer menschlichen Laborratte, die so sehr damit beschäftigt ist, den vermeintlichen Mangel zu beseitigen, dass man irgendwann den eigentlichen Grund aus den Augen verliert, warum man ursprünglich mit all den Mühen begonnen hat: Ein erfülltes und zufriedenes Leben zu führen, dass diesen Namen auch verdient hat.
 

Raus aus dem Selbstoptimierungswahn – Rein in die Balance

Hand aufs Herz, haben Sie bei all den Veränderungen im persönlichen Alltag, dem dreiundzwanzigsten beruflichen Changeprozess innerhalb von fünf Jahren und den zahlreichen Krisen, mit denen wir uns immer häufiger auseinandersetzen müssen, nicht auch schon gedacht: „Mir reicht es jetzt, ich bin doch keine Maschine“? Dann möchte ich Sie gerne einladen, dem Selbstoptimierungswahn Lebewohl zu sagen, sich der Mindset Revolution anzuschließen und als Change Rebell einen vollkommen neuen Weg einzuschlagen. 

 
Ich habe es mir nämlich zum Ziel gesetzt, diese Negativspirale zu durchbrechen, und die immense Kraft von Veränderungen wieder in eine gesunde und erfüllende Richtung zu kanalisieren.  Einen modernen Ansatz von Change zu vermitteln, der den Herausforderungen der Gegenwart gerecht wird und mit dem es gelingt, die Zukunft bei den Hörnern zu packen. Ohne Zwang. Ohne Druck. Dafür mit der richtigen Balance aus Leichtigkeit, Erfüllung und Lust auf die Gestaltung des eigenen Lebens. Wie genau das geht, habe ich in meinem brandneuen Buch “Die Mindset-Revolution” beschrieben.

Was ist Persönlichkeitsentwicklung?

Was ist Persönlichkeitsentwicklung? Möglicherweise haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt. Kein Wunder, denn das Thema wird gerne, viel und oftmals kontrovers diskutiert. Für die einen ist es der heilige Gral, um es im persönlichen Alltag und im Job so weit wie möglich zu bringen, während die anderen es eher als eine dubiose Methode sehen, mit der unseriöse Gurus ihren Kunden das hart verdiente Geld aus der Tasche ziehen.
 
Lassen Sie mich Ihnen daher direkt zu Beginn des Artikels meine Meinung mitteilen: Ich halte Persönlichkeitsentwicklung für essenziell, wenn Sie ein Leben führen wollen, dass von Selbstbestimmung, Zufriedenheit und Erfolg gekennzeichnet ist. Und wie das geht, wollen wir uns nun detailliert anschauen.
 

Was ist Persönlichkeitsentwicklung?

Die Persönlichkeit umfasst alle Merkmale eines Menschen wie Stärken, Schwächen, Talente, Fähigkeiten, Werte, Glaubenssätze, Erfahrungen, Selbstvertrauen, das angesammelte Wissen, sowie das generelle Mindset, mit dem man durchs Leben geht. Will man die (positive) Veränderung dieser Merkmale nicht dem Zufall überlassen, sondern steuert sie gezielt, dann spricht man von Persönlichkeitsentwicklung. Oder auf den Punkt gebracht: Die bewusste Steuerung der persönlichen Entwicklung mit Intention wird als Persönlichkeitsentwicklung bezeichnet.
 

Persönliche Entwicklung als Quelle von Glück und Zufriedenheit

In meinen Seminaren, Coachings und Beratungen stelle ich meinen Kunden so gut wie immer eine Frage: „Wie lautet Ihr wichtigstes Ziel für die nächsten zwölf Monate?“ Und die Antwort, die ich so häufig höre wie alle anderen zusammen, bricht mir jedes Mal aufs Neue das Herz: „Ich will glücklich und zufrieden sein.“ Sie fragen sich, was daran schlecht sein soll? Es ist natürlich nicht der Wunsch an sich, denn was gibt es Schöneres, als echtes Glück und eine tiefe Zufriedenheit zu erleben. 
 
Das Tragische an diesem vermeintlichen Ziel ist etwas ganz anders. Es ist die Annahme, dass Glück und Zufriedenheit Zustände wären, die von externen Faktoren abhängen wären. Das interne Muster entspringt dabei folgendem Schema: Wenn ich erst einmal mein Ziel erreicht habe (mit dem Studium fertig bin, die Fortbildung absolviert habe, befördert wurde, umgezogen bin, mir das neue Auto gekauft habe, mein Unternehmen gegründet habe, Mutter bin etc.), dann kann ich auch endlich glücklich und zufrieden sein. 
 
Erkennen Sie den Denkfehler? Glück und Zufriedenheit sind niemals von den äußeren Umständen abhängig. Man kann diese Zustände nicht kaufen, sie entstehen nicht mit der Zeit und sie fallen auch nicht im Laufe der Zeit vom Himmel. Wenn Sie nur eine einzige Idee aus diesem Artikel behalten würden, würde es mein Herz mit Freude erfüllen, wenn es dieser Satz wäre: Glück und Zufriedenheit sind eine Entscheidung, die wir jeden Tag aufs Neue treffen müssen.
 

Der große Irrtum, der persönliche Entwicklung verhindert

Habe ich mit diesem Satz zu sehr an Ihren Überzeugungen gerüttelt? Falls ja, dann freue ich mich. Denn wenn Sie zu den Menschen gehören sollten, deren wichtigstes Ziel darin besteht, glücklich und zufrieden zu sein, dann ist es Zeit für ein Umdenken. Lassen Sie es mich noch einmal wiederholen: Glück und Zufriedenheit sind eine Entscheidung, die Sie jeden Tag aufs Neue treffen müssen. Diese Zustände entstehen nicht irgendwann durch irgendwelche externen Ereignisse, sondern sie entstehen tief in Ihrem Inneren. 
 
Dadurch, dass Sie dankbar sind, die kleinen Dinge des Lebens genießen und jeden einzelnen Moment genießen. Sie wollen glücklich sein? Wunderbar, dann seien Sie glücklich. Und zwar nicht erst in zwölf Monaten, sondern heute. Jetzt. Sofort. Sie möchten ein zufriedenes Leben führen? Dann treffen Sie die Entscheidung, es zu tun. Dort, wo Sie jetzt gerade stehen, mit den äußeren Umständen, die zurzeit aktuell sind. Warten Sie nicht auf ein Irgendwann, denn daraus wird so gut wie immer ein Niemals.
 

Persönlichkeitsentwicklung: Das Modell der Wachstumstreppe

Das Wichtigste, um glücklich und zufrieden zu sein, ist als eine Entscheidung. Der Rest folgt von ganz alleine, sobald Sie beginnen, sich auf die Reise der persönlichen Entwicklung zu begeben. Und schon sind wir mitten drin in einem Modell, das mein Business, meinen Alltag und auch mein Leben mächtig durchgeschüttelt hat, und den gleichen Effekt hoffentlich auch bei Ihnen auslöst. Ich spreche von der Wachstumstreppe, welche ich Ihnen in der folgenden Abbildung visualisiert habe.
 
Persönlichkeitsentwicklung: Das Modell der Wachstumstreppe
 

 

Persönlichkeitsentwicklung Stufen

Die Idee dahinter ist sehr einfach. Der linke untere Kreis steht für den Status quo, die Person, die Sie heute sind, und das Leben, das Sie aktuell führen. Der rechte obere Kreis symbolisiert Ihre Zukunft, Ihre Visionen und steht für die Persönlichkeit, die Sie in Zukunft sein wollen. Und schon sind wir beim riesigen Denkfehler, dem viele Menschen verfallen: Davon auszugehen, dass der Weg zwischen dem Heute und unserem Ziel eine Gerade wäre. 
 
Doch so funktioniert das Leben einfach nicht. Es ist vielmehr eine rasante Achterbahnfahrt, mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Niederlagen, rasanten Richtungswechseln, steilen Anstiegen, Adrenalin produzierenden Loopings, vor allem aber einer riesigen Portion Spaß. Diesen Husarenritt habe ich durch die Zickzacklinie zu visualisieren versucht.
 
In der Realität würde diese sogar noch komplexer aussehen, eher wie ein mächtiges Wollknäuel, schließlich müssen wir auf unserem Weg häufig Hindernisse überwinden, neuen Anlauf nehmen, oder mit Fehlschlägen umgehen. Sind Sie einverstanden?
 
Doch das ist noch lange nicht alles. Denn innerhalb der Zickzacklinie entsteht der ganz besondere (und immer individuelle) Prozess, denn wir als Persönlichkeitsentwicklung bezeichnen. Dieser Prozess verläuft in Stufen, die ich in der Abbildung mit den Kreisen eins bis sechs betitelt habe. Die Idee dahinter ist, dass wir im Laufe der Zeit unterschiedliche Entwicklungsphasen durchlaufen, die unseren aktuellen Stand in Bezug auf Wissen, Fähigkeiten, Erfahrungen und Erkenntnissen widerspiegeln.
 
Jede einzelne Stufe hat ihre Besonderheiten und ganz speziellen Lernaufgaben. Haben wir diese gemeistert, wachsen wir als Mensch und erklimmen die nächste Persönlichkeitsstufe, auf der wir dann die nächsten Lernaufgaben zu meistern haben. Bis wir schließlich irgendwann bei unserem Ziel ankommen. Oder auf dem Weg erkennen, dass ein anderes Ziel viel attraktiver oder relevanter ist. 
 

Persönliche Entwicklung als Abfolge von Lernaufgaben

Was auch immer Sie im Leben erreichen wollen, bei jedem Ziel, jeder Vision und jedem Traum wartet die Wachstumstreppe darauf, von Ihnen erklommen zu werden. Und ich weiß, was Ihnen jetzt durch den Kopf geht, aber nein, es gibt weder Abkürzungen noch einen Fahrstuhl oder sonstige Möglichkeiten, den rechten oberen Kreis schneller zu erreichen. 
 
Und das ist auch gut so, denn jede einzelne Stufe ist gleichsam ein Meilenstein, der es wert ist, intensiv genossen und ausgekostet zu werden. Vor allem aber müssen Sie die Herausforderungen meistern, um die nächste Stufe Ihrer persönlichen Entwicklung in Angriff nehmen zu können.
 
Aus diesem Grund lohnt es sich auch nicht, dass Sie sich mit Menschen vergleichen, die schon seit zehn Jahren dort sind, wo Sie erst hinwollen. Diese Personen befinden sind Ihnen viele Stufen voraus, die von Ihnen erst noch erfolgreich absolviert werden müssen. Diese Menschen kämpfen mit ihren eigenen Lernaufgaben und Herausforderungen.
 
Und genau aus diesem Grund ist auch der berühmte Satz Fake it ´til you make it so ein Blödsinn. Denn was nützt es Ihnen, so zu tun, als ob Sie sich schon auf Stufe sechs befinden, wenn Sie aktuell damit beschäftigt sind, die Aufgaben auf Stufe eins zu meistern! Genießen Sie Ihren aktuellen Entwicklungsstand, freuen Sie sich, dass der Weg an sich das eigentliche Ziel ist. Jede Stufe hat ihre positiven und negativen Besonderheiten. Auf jeder Stufe gibt es Menschen, die in Ihr Leben treten, während andere es wieder verlassen. Und auf jeder Stufe stellt Ihnen das Schicksal Aufgaben, die es zu meistern gilt. Bis dann auf der nächsten Stufe das Spiel wieder von vorn beginnt. Ganz nach dem Motto: Sobald Sie die Antwort gefunden haben, ändert das Leben die Frage.
 

Was ist Persönlichkeitsentwicklung? Ein Fazit

Und fast schon unmerklich schließt sich der Gedankenkreis, den wir zu Beginn des Artikels geöffnet haben. Denn in Zeiten von permanenter Veränderung, zunehmender Komplexität und steter Unsicherheit wird ein radikal menschlicher Ansatz mit voller Konzentration auf den Erfolgsfaktor Persönlichkeit der Schlüssel zu einem Leben voller Selbstbestimmung, persönlicher Durchbrüche und erfüllender Freiheit sein. 
 
Es spielt keine Rolle, wo Sie heute stehen. Solange Sie bereit sind, die Wachstumstreppe Stufe für Stufe zu erklimmen und die dadurch entstehende Achterbahnfahrt zu genießen, sind Sie für die Herausforderungen der nächsten Jahre mehr als gewappnet. Ich kann Ihnen nicht genau sagen, wie unsere Zukunft aussehen wird. Aber ich habe beschlossen, Ihr den Stempel meiner Persönlichkeit aufzudrücken und sie aktiv zu gestalten. Und zwar radikal menschlich. Der Philosoph und Dichter Dante Alighieri hat es so formuliert: „Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an und handelt.“ Meine Entscheidung habe ich vor vielen Jahren getroffen. Wie lautet Ihre? 

Veränderung einfach machen – So gelingt Change Management

Seit vielen Jahren lautet der Claim meines Unternehmens: Veränderung einfach machen. Ich liebe die Ambiguität des Satzes einfach, denn je nachdem, ob Ihre Betonung auf dem Wort einfach oder machen liegt, hat er eine vollkommen andere Bedeutung. Aber was versteckt sich eigentlich genau hinter der Philosophie des Veränderung einfach machen? Genau dieser Frage wollen wir uns in diesem Artikel ausführlich widmen. Haben Sie Lust, dass wir direkt loslegen?

Veränderung ist das, was Sie daraus machen


Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie würden in einem meiner Vorträge im Publikum sitzen. Sie haben hoffentlich schon viel gelacht und hören mich ein Experiment ankündigen, in dem ein Glas Wasser die Hauptrolle spielt, welches ich gut sichtbar mit ausgestrecktem Arm in die Luft halte. Möglicherweise geht Ihnen sofort folgender Gedanke durch den Kopf: „Ach, jetzt kommt der alte Hut, ob das Glas nun halbvoll oder halbleer ist.“ 

Aber darum geht es überhaupt nicht. Ich bin ergebnisorientiert und mich interessiert nur, ob das Wasser meinen Durst stillt. Stattdessen stelle ich Ihnen eine andere Frage: „Wenn ich das Glas auf diese Art und Weise halte, was glauben Sie, wie schwer es dann ist?“ Nachdem ich Ihre Antwort gehört habe, komme ich zum eigentlichen Punkt. „Wissen Sie was, das absolute Gewicht spielt überhaupt keine Rolle. Es kommt ausschließlich darauf an, wie lange ich in dieser Position bleibe. Wenn ich das Glas nur kurz halte, ist es kein Problem. Wenn ich es für eine Stunde halte, dann würde irgendwann mein Arm anfangen zu zittern, und ich hätte morgen einen schlimmen Muskelkater. Und wenn ich es den ganzen Tag so halten würde, dann könnte ich an nichts anderes mehr denken, ich hätte starke Schmerzen und der Arm wäre wie gelähmt. In jedem der Fälle verändert sich das Gewicht des Glases nicht. Aber je länger ich es halte, desto schwerer wird es.“

Veränderung einfach machen: Der Fokus ist entscheidend


Jeden Tag befinden wir uns in dutzenden Situationen, in denen wir mit verschiedensten Veränderungen konfrontiert sind. Und es macht einen riesigen Unterschied, wie Sie damit umgehen. Ob Sie denken: „Och nö, das wird bestimmt nichts.“ Oder ob Sie sich für die Alternative entscheiden: „Au ja, packen wir es an.“ Ob Sie das Glas mit aller Macht festhalten oder rechtzeitig wieder abstellen. Doch immer dann, wenn die Entscheidung besonders herausfordernd ist, tritt sie mit schöner Regelmäßigkeit in Aktion. 

Diese kleine, fiese Stimme im Kopf, die in Gestalt eines kleinen Teufelchens auf Ihrer Schulter auftaucht, und Ihnen sehr ausführlich und verführerisch erklärt, warum Ihr Vorhaben keine besonders gute Idee ist, was alles schiefgehen kann und weshalb Sie es am besten gar nicht erst probieren sollten. Kennen Sie diese Zweifel, Sorgen und Ängste, die mit Veränderungen einhergehen? Das war natürlich eine rhetorische Frage, denn jeder von uns hat sie. Und es ist auch gut, dass sie da sind, weil sie eine wichtige Funktion haben. Sie schützen uns davor, allzu großen Blödsinn zu machen. 

Doch wie auch beim Wasserglas kommt es vor allem darauf an, wie Sie damit umgehen. Wenn Sie nur ein wenig zweifeln, dann ist das vollkommen okay. Wenn Sie die Zweifel aber länger mit sich herumtragen, dann werden irgendwann Sorgen draus. Und wenn Sie sich den ganzen Tag Sorgen machen, dann bekommen Sie Angst. Und Angst lähmt. Die Botschaft der Metapher ist also einfach. Erfolgreiche Veränderung hängt nicht davon ab, mit welchen Problemen Sie konfrontiert sind, sondern einzig und alleine, wie Sie darauf reagieren. 

Denn vor welcher Herausforderung Sie auch immer stehen, Sie alleine bestimmen, wie lange Sie Ihr Glas festhalten und wann Sie es wieder abstellen. Ich würde mir wünschen, dass Sie diese Erkenntnis von Anfang an verinnerlichen: Veränderung ist nicht, was um Sie herum geschieht. Es ist die Art und Weise, wie Sie damit umgehen. Es ist Ihre Attitüde.

In den Momenten des Zweifels kommt es sogar ganz besonders darauf an. Wenn alles perfekt läuft, kann jeder glänzen. Schönwetter Kapitäne kennen wir alle zur Genüge. Aber wie gut sind Sie, wenn die Dinge einmal nicht so laufen, wie sie sollen? Jammern Sie, wie schwer Sie es haben und wie ungerecht die Welt ist? Oder beschließen Sie, das Beste daraus zu machen, Au ja zu sagen und sich aktiv zu verändern? Auch wenn die Situation schwer erscheint, Sie können die äußeren Umstände meist nicht ändern. 

Warum Ausreden nachhaltige Veränderungen verhindern


Das einzige, was Sie beeinflussen können, ist die Art und Weise, wie Sie darauf reagieren und zu welchem Zeitpunkt Sie Ihr metaphorisches Glas wieder abstellen. Damit Ihnen das erfolgreich gelingt, erhalten Sie von mir in diesem Artikel einige Ideen und Impulse, mit denen Sie sich ein Mindset aneignen, mit dem Sie auch unter schweren Rahmenbedingungen  Veränderung einfach machen können. 

Natürlich bin ich mir sehr bewusst, dass ich bei diesem Vorhaben ebenfalls mit unterschiedlichsten Varianten der kleinen, fiesen Stimme in Ihrem Kopf zu kämpfen haben werde. Denn immer dann, wenn es sich um einfache Lösungen handelt, sagt das kleine Teufelchen auf der Schulter gerne Sätze wie „kenne ich schon“, „hab ich schon ausprobiert“, oder „das mag bei anderen funktionieren, bei mir aber auf keinen Fall.“ Wenn Sie sich im Laufe der Lektüre bei einem solchen oder ähnlichen Gedanken ertappen sollten, dann erinnern Sie sich bitte daran, das Glas wieder rechtzeitig abzustellen. Ich weiß, was Sie jetzt denken: „Aber Ilja, so häufig kommt das bei mir gar nicht vor.“ Doch diese als unschuldige innere Stimme getarnte Suche nach Ausreden und Gründen, warum etwas nicht geht, taucht in den verschiedensten Gesichtern auf. Und viele haben sich die eigenen Ausreden so häufig selber erzählt, dass sie es gar nicht mehr mitbekommen, wie sehr die eigene Veränderungsresistenz bereits ausgeprägt ist.

Zu viel Change auf einmal: Das Phänomen der Veränderungsmüdigkeit


Hinzu kommt eine sich vermehrt ausbreitende Veränderungsmüdigkeit. Als ich vor kurzem einem befreundeten Unternehmer davon berichtete, dass ich ein weiteres Buch über erfolgreiche Veränderung in Planung habe, runzelte er die Stirn und bemerkte kritisch: „Ach komm, zum Thema Veränderung ist doch nun wirklich alles gesagt, was es zu sagen gibt.“ Und wissen Sie, was? Ganz Unrecht hatte er nicht. 

Wohl jeder von uns hat dutzende Bücher zu diesem Thema gelesen, hat Metaphern über Mäuse, Pinguine oder Eisberge verinnerlicht, Strategien für Zeitmanagement, Glück oder Motivation entwickelt, und beim Lesen heftig mit dem Kopf genickt. Aber welche dieser vielen Informationen haben Sie dann auch  umgesetzt? In Seminaren, Vorträgen und Teambuildingmaßnahmen haben Sie gelernt, wie Veränderung theoretisch funktioniert. Sie haben Ihre Hand ans Kinn geführt und herzlich gelacht, als Sie der Seminarleiter darauf hingewiesen hat, dass er doch laut und deutlich Nase gesagt hatte (Wenn Sie jetzt nicht wissen, wovon ich rede, hatten Sie Glück und saßen wahrscheinlich noch nicht in einem der typischen, aber meist austauschbaren Veränderungstrainings). 

Sie haben gespürt, wie es sich anfühlt, wenn Sie Ihre Hände falten, und dabei den oben liegenden Daumen wechseln. Und wahrscheinlich kennen Sie noch viele weitere theoretische Übungen, die Sie gemacht haben, um sich dem Thema Veränderung zu nähern. Aber wie sagte ein Teilnehmer in einem meiner eigenen Seminare kürzlich zu mir: „Veränderung? Das habe ich schon ausprobiert. War mir viel zu kompliziert.“

Das große Dilemma erfolgreicher Veränderung


Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Denn es gibt nun mal einen entscheidenden Unterschied zwischen kennen und können. Zwischen kompliziert denken und einfach machen. Und dieser Unterschied führt zu einem großen Dilemma. Auf der einen Seite nimmt die Schlagzahl an Veränderung rasant zu. Im Job, zu Hause, unterwegs, einfach überall. Manchmal sind wir von so vielen unerwarteten Herausforderungen umgeben, dass wir gar nicht genau wissen, welche wir davon zuerst angehen sollen. 

Gleichzeitig explodiert das theoretische Wissen, wie man mit Veränderung umgehen könnte. Die Menge an verfügbaren Informationen steigt exponentiell an. Egal, welches Know-how Sie heute benötigen, im Normalfall ist das Wissen nur einen Mausklick entfernt. Und es spielt keine Rolle, worum es sich handelt, es gibt zu wirklich jedem Themengebiet ausführliche Erfahrungsberichte und Sie können auf die gesamte Schwarmintelligenz der Menschheit zurückgreifen. Probieren Sie es aus. Wenn Sie bei Google den Suchbegriff „Wie kann man…?“ eingeben, dann erhalten Sie 1,7 Milliarden Treffer. Es gibt nichts, was Sie im Internet nicht lernen könnten. Dann müsste doch eigentlich alles perfekt sein, oder? Situation erkannt, Problem gelöst, Haken dran.

Doch das zunehmende Wissen ist keinesfalls eine Erleichterung, sondern für viele mittlerweile zu einer großen Hürde geworden. Denn bevor es überhaupt zu einer möglichen Umsetzung kommen kann, wird die gesamte Energie dafür eingesetzt, die Informationsflut zu sortieren und die Nadel im Heuhaufen zu finden, mit der die Philosophie des “Veränderung einfach machen” umgesetzt werden soll. Das Ergebnis: Die berühmt-berüchtigte Prokrastination, auf Deutsch auch Aufschieberitis genannt. 

Einfach bedeutet nicht leicht, sondern „nicht komplex“


Man schiebt eine geplante Veränderung so lange hinaus, bis man sich damit abgefunden hat, dass „es eben kompliziert ist“, und man ja doch nichts ändern kann. Kennen Sie das nicht auch von Menschen aus Ihrem persönlichen Umfeld? Möglicherweise sogar von sich selbst? Ich bin immer wieder erstaunt, wie kompliziert manche Menschen den Umgang mit Veränderung machen. Sie analysieren das Problem bis ins letzte Detail, entwickeln mehrstufige Umsetzungspläne oder studieren sämtliche Forschungsergebnisse der letzten zwanzig Jahre. 

Doch je komplizierter ein Weg ist, desto geringer ist die Chance, dass er auch wirklich gegangen wird. Und weil Sie so häufig gehört haben, wie schwer und komplex Veränderung doch ist, glauben Sie es irgendwann selber und haben eine wunderbar plausible Ausrede gefunden, warum Sie sich eben doch nicht verändern können. Wenn Sie den Umgang mit den eigenen Herausforderungen allerdings zu einer komplizierten Sache machen, ist ein Scheitern geradezu vorprogrammiert. 

Zu meiner Zeit als Warenhausgeschäftsführer wurde so gut wie bei jeder Führungskräftetagung ein neues Changeprogramm vorgestellt. Die hatten eines gemeinsam: Tolle Titel, meist über 200 PowerPoint Folien und 7 Veränderungsstufen, die jede wiederum 9 Unterschritte hatten, die wir in 3 Phasen abarbeiten sollten. Während einer dieser Tagungen saß ich mal neben einem Kollegen aus dem Ruhrgebiet. Während alle anderen in ihren Sitzen zusammengesunken waren, sah er auch bei Folie 175 immer noch richtig begeistert aus. Also hab ich ihn gefragt: „Du nickst immer so wissend, weißt Du, wie Du das umsetzen kannst?“ Und er sagte: „Nee, viel zu kompliziert, aber es sieht so gut aus“. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde, es ist schwer, sich für eine Veränderung zu begeistern, die kompliziert ist. Und es ist unmöglich, andere Menschen für etwas zu begeistern, für das Sie sich selber nicht begeistern können.

Die Grundlagen erfolgreicher Veränderung


Aber wenn es so nicht geht, wie funktioniert erfolgreiche Veränderung denn nun? Unter dem Strich sind es immer die gleichen, einfachen Prinzipien und eine große Portion gesunder Menschenverstand. Doch kennen Sie nicht auch Menschen, welche die Lösung für ihr Problem nicht finden, weil sie so damit beschäftigt sind, nach komplizierten Ausreden zu suchen, warum sie sich nicht verändern können? Ich wünschte, Sie wären dabei gewesen, als eines Tages Frau T. bei mir im Büro für ein Coaching saß. Ich schaute ihr lange in die Augen und sagte dann: „Frau T., sie sind achtunddreißig Jahre alt, eine erfolgreiche Businessfrau und haben laut eigener Aussage schon 152 Therapiestunden hinter sich. Trotzdem fühlen Sie sich immer noch nicht in der Lage, in Ihrer Firma eine Präsentation zu halten?“

Sie errötete leicht und antwortete: „Ach, Herr Grzeskowitz, es ist halt kompliziert. Ich habe schon so viel ausprobiert, aber ich bekomme jedes Mal große, rote Flecken am Hals, kriege einen trockenen Mund und fange dann an, zu stottern.“ Ich nickte und stellte dann die Frage aller Fragen: „Ich verstehe, Frau T. sind Sie denn bereit, etwas zu verändern?“ Ihre Antwort sagte schon alles: „Wissen Sie, Herr Grzeskowitz, ich würde mich ja eigentlich gerne verändern. Aber das geht ja nicht so einfach. Wenn Sie wollen, dann können wir es ja mal versuchen.“ 

Also ich wollte. Aber ich spürte, dass sie nicht wirklich wollte. Trotzdem arbeiteten wir intensiv miteinander und es gelang uns, in nur einer Session ihr Problem zu lösen. Nach nur neunzig Minuten war sie in der Lage, frei vor einer Gruppe zu sprechen. Ohne rote Flecken. Ohne trockenen Mund. Und ohne Stottern. Aber wenn Sie jetzt denken, dass Frau T. deswegen in Jubelstürme ausgebrochen ist, dann haben Sie sich getäuscht. Stattdessen sagte sie immer wieder: „Das kann ja nicht so einfach sein. Nein, das kann auf keinen Fall so einfach sein. Das hält bestimmt nicht lange an.“ 
Und sie sollte recht behalten. Denn genau drei Wochen später klingelt das Telefon. Frau T. ist dran. Und mit einer gewissen Genugtuung in der Stimme verkündet sie: „Tja, Herr Grzeskowitz, wissen Sie was? Ich musste heute vor dem Außendienst die Quartalszahlen präsentieren. Ich habe kaum ein Wort herausbekommen und die roten Flecken sind jetzt wieder da. Ha, ich habe Ihnen ja gleich gesagt, dass Veränderung nicht so einfach ist!“

Veränderung ist immer so einfach, wie Sie es machen


Warum das so war? Ich habe keine Ahnung, vielleicht genoss sie die Aufmerksamkeit, oder liebte es, anderen von ihrem Problem erzählen zu können (Das ist nämlich ein großes Hobby von sehr vielen Menschen). Aber so sehr ich mir gewünscht hätte, dass Frau T. sich ändert, sie wollte es einfach nicht und blieb lieber in ihrer gemütlichen Komfortzone. Sie war so auf die Notwendigkeit einer komplexen Lösung fixiert, dass sie die naheliegende Einfachheit überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte. Doch erinnern Sie sich einmal an Ihre eigenen Veränderungen, die Sie in der Vergangenheit nachhaltig gemeistert haben. Was war der gemeinsame Nenner? Richtig, es waren immer einfache Lösungen und Wege, welche die besten Ergebnisse nach sich gezogen haben.

Wie einfach es sein kann, können Sie an einer Form von Veränderung sehen, die wohl jeder von uns kennt. Ich spreche vom Rauchen. Genauer gesagt vom Aufhören. Dort sind es immer die gleichen Muster. Während die einen mit einfachen Mitteln erfolgreich sind, kämpfen die anderen jeden Tag aufs Neue mit einem vermeintlich komplizierten Problem. Haben Sie schon mal erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört? Kennen Sie jemanden, der es geschafft hat? 

Ich selber habe früher geraucht. Auch habe ich als Coach viele Raucherentwöhnungen durchgeführt und dutzende Seminare zu diesem Thema gegeben. Meine Erfahrungen lassen sich einfach zusammenfassen. Unterm Strich gibt es immer nur zwei Kategorien von Rauchern. Da sind diejenigen, die von vorneherein Zweifel haben, ob sie es auch wirklich schaffen. Die sich Sorgen über Entzugserscheinungen, Gewichtszunahme und Nebenwirkungen machen. Die dann für ein paar Tage aufhören, aber bei der ersten Gelegenheit wieder anfangen. Die sich selber so häufig einreden, wie kompliziert es doch ist, bis sie es irgendwann selber glauben. Und sich dann eben nicht verändern, sondern weiterrauchen. Und natürlich jammern, wie gerne sie aufhören würden, wenn es nicht so kompliziert wäre.

Aber wie machen es dann die Millionen von Ex-Rauchern, die es erfolgreich geschafft haben, sich zu verändern? Sind Sie bereit für die harte Wahrheit? Hier ist Sie. Sie haben eine Entscheidung getroffen, und aufgehört zu rauchen. Einfach so. Von heute auf morgen. Von einem Augenblick auf den anderen. Manche brauchen dazu eine kleine Anschubhilfe in Form eines Coachings, eines Seminars oder eines Buches. Aber trotzdem hören Sie dann einfach auf und sind von einem Augenblick auf den anderen Nichtraucher. 

Ich höre schon die Einwände des kleinen Teufelchens auf Ihrer Schulter: „Aber Ilja, das mag ja vielleicht so einfach sein, wenn man nur wenig raucht. Ich rauche schließlich eine ganze Schachtel am Tag.“ Es tut mir leid, aber es spielt keine Rolle, wie viel Sie rauchen. Auch starke Raucher hören dadurch auf zu rauchen, indem sie einfach aufhören zu rauchen. Es dauert zwar länger, bis der Körper sich entgiftet hat, aber das Prinzip ist das gleiche. Doch vielen Menschen hat man so häufig eingeredet, wie schwer und kompliziert Veränderung doch ist, dass sie überhaupt nicht mehr auf die Idee kommen, dass die beste Lösung immer noch die einfache ist.

Treffen Sie eine echte Entscheidung für die Veränderung


Mir ist das sehr bewusst geworden, als ich während eines Sommers meine damals vierjährige Tochter Emma dabei beobachtete, wie sie im obersten Fach unseres Kühlschranks eine große Packung Wassereis entdeckte. Falls Sie jetzt nicht wissen, wovon ich spreche, das sind diese künstlichen Wasserstangen mit Waldmeister-, Cola- oder Zitronengeschmack, die man in den Kühlschrank legt, und die dann dort zu Eis werden. 

Auf jeden Fall war meine Tochter völlig verrückt nach diesen Dingern. Sie hatte jedoch ein Problem. Sie war nicht groß genug und kam nicht heran. Was denken Sie, was sie jetzt getan hat? Richtig, sie hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um an das Eis zu kommen. Zum Schluss stand sie auf einer wackligen Konstruktion aus einem Stuhl, zwei Kissen und einem Kochtopf. Und als sie voller Stolz ihre Trophäe in die Luft streckte, spürte ich, dass sich die Mühe gelohnt hatte. Sie hatte die Veränderung herbeigeführt, weil sie das Eis unbedingt haben wollte. Sie hätte einfach alles dafür getan, es zu bekommen. Und es ging einfach so. Ich musste ihr vorher nicht sagen: „Pass auf Emma, das ist ein ganz schön kompliziertes Problem, da solltest Du Dich gut vorbereiten. Es gibt da so ein revolutionäres Veränderungsmodell, dass ein Professor der Universität Tübingen entwickelt hat. Aber führe vorher unbedingt einen Persönlichkeitstest durch, damit Du herausfindest, was für ein Veränderungstyp Du bist. Und besuche  auf jeden Fall ein Verhaltenstraining, in dem Du lernst, in welchem Winkel man am besten den Kühlschrank öffnet.“ 

Das brauchte sie alles nicht. Sie hat es einfach getan. Weil sie motiviert war und einen einfachen Weg gefunden hatte, wie sie ihr Ziel erreicht. Und daraus folgt eine wichtige Erkenntnis: Ob Sie nun ein Eis aus dem obersten Fach des Kühlschranks holen, mit dem Rauchen aufhören oder vor einer ganz anderen Herausforderung stehen. Veränderung einfach machen eben.

Veränderung wird einfach, wenn Sie Veränderung einfach machen.


Albert Einstein hat einmal gesagt: „Mach´ die Dinge so einfach wie möglich. Aber nicht einfacher.“ Ich möchte Sie mit diesem Artikel daran erinnern, dass erfolgreiche Veränderung immer auf einfachen Ideen und Lösungen basiert. Doch gestatten Sie mir einen entscheidenden Hinweis. Auch wenn ich so häufig das Wort einfach betone, ich meine damit keinesfalls leicht, mühelos oder ohne jeglichen Aufwand. Ganz im Gegenteil. Das Schicksal kann ganz schön hart sein und fordert Sie täglich aufs Neue heraus, ob Sie es auch wirklich ernst meinen. 

Das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Es ist häufig unfair, oft verletzend und auch nicht immer gerecht. Wenn Sie sich unter diesen Umständen verändern wollen, dann geht es nicht, ohne etwas dafür zu tun. Erfolg geschieht nicht von alleine. Und ich weiß, dass es Hunderte von Büchern und auch viele Seminarleiter gibt, die Ihnen versprechen, man müsse sich die Veränderung nur fest genug wünschen, und schon fällt sie vom Himmel. Aber wenn das so wäre, warum sitzen dann so viele Menschen zu Hause in ihrer Jogginghose auf der Couch, haben schon acht Mal „The Secret“ gesehen, schicken pro Stunde zehn Wünsche ans Universum, und wundern sich, warum sie immer noch einen mittelmäßigen Job haben, warum sie seit Jahren Single sind, und warum der bei Universum bestellte Ferrari in der Garage immer noch ein klappriger Opel Corsa ist?

Weil Erfolg eben immer die Kombination aus harter Arbeit und erstklassiger Qualität ist. Weil es ohne Handeln und Umsetzen nicht geht. Weil Veränderung zwar einfach ist, aber auf keinen Fall leicht. Wichtig ist mir daher vor allem eines: Dass Sie Ihr Leben in die eigenen Hände nehmen und sich aktiv verändern. Denn wenn Sie wie der berühmte Vogel Strauß mit dem Kopf im Sand darauf vertrauen, dass schon alles gut gehen wird, dann könnten Sie irgendwann vor der Situation stehen, dass Sie von den äußeren Umständen verändert werden. Und diese Veränderungen stehen dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht im Einklang mit Ihren Werten, Zielen und Träumen, sondern mit denen von anderen Menschen. Und das ist vielleicht nicht die beste Zukunftsaussicht, oder?

Selbstbestimmung ist die neue Sicherheit

Selbstbestimmung ist ein Wert, der in der heutigen Zeit nicht mehr als besonders sexy und erstrebenswert gilt. Zu sehr hat sich die große Masse an eine Welt gewöhnt, in der andere Menschen, Organisationen und Behörden das gesamte Leben planen, steuern und kontrollieren. Doch die eigene Zukunft in die Hände anderer zu legen ist in der VUKA Welt der vollkommen falsche Ansatz. Stattdessen wird die Selbstbestimmung zur neuen Sicherheit. Und warum das genau so ist, wollen wir uns nun einmal genau anschauen.
 

Selbstbestimmt leben: Sei wie Wasser, mein Freund

Meiner Erfahrung nach lassen sich Menschen in zwei generelle Kategorien einteilen. Sie sind entweder Team Meer oder Team Berge. Wie ist es bei Ihnen, haben Sie sich die Frage auch schon einmal gestellt, ob Ihr Herz sich auf dem Gipfel eines majestätischen Berges oder am endlosen Strand eines rauen Ozeans am wohlsten fühlt? Ich selber muss bei der Beantwortung nicht eine Sekunde zögern. Ich bin Team Meer. 
 
Möglicherweise liegt es daran, dass ich schon als Kind wie einst Tony Buddenbrook auf den Steinen in meiner Heimatstadt Travemünde (ein Stadtteil der Hansestadt Lübeck) gesessen habe (eine sehr bekannte Szene aus dem Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann (der wie ich ebenfalls in Lübeck geboren wurde), und beeindruckt von der Weite des Horizonts von fernen Ländern und Reisen auf dem Schiff geträumt habe. Auch wenn ich die atemberaubende Landschaft der Berge liebe, fühle ich mich nirgendwo so frei wie am Meer. 
 
Stundenlang könnte ich auf die brechenden Wellen blicken, während der einzigartig salzige Geruch in meine Nase und das Kreischen der Möwen in meine Ohren dringt. Und jedes Mal, wenn ich mich irgendwo auf dieser Welt an einem Ozean befinde, muss ich unweigerlich an das wahrscheinlich bekannteste Zitat des Kampfkünstlers und Schauspieler Bruce Lee denken (Sie können sich das Interview mit Bruce Lee hier als Video anschauen):
 
Empty your mind, be formless, shapeless, like water. Now you put water in a cup, it becomes the cup. You put water into a bottle it becomes the bottle. You put it in a teapot it becomes the teapot. Now water can flow or it can crash. Be water, my friend.” 
 
Meine deutsche Übersetzung lautet wie folgt: “Leere Deinen Geist, sei formlos, gestaltlos – wie Wasser. Wenn Du Wasser in eine Tasse füllst, dann wird es die Tasse. Wenn Du Wasser in eine Flasche füllst, wird es die Flasche. Wenn Du es in eine Teekanne füllst, wird es die Teekanne. Wasser kann fließen oder zerstören. Sei wie Wasser, mein Freund.”
 

Selbstbestimmung als Antwort auf Angst und Unsicherheit

Natürlich war diese Metapher vor allem auf die Anwendung im Kampfsport gemünzt. Wenn man dem Gegner nicht mit einer starren Strategie begegnet, sondern sich flexibel anpassen kann, dann sind die Erfolgsaussichten wesentlich höher. Und Perfektion ist dann erreicht, wenn man wie Wasser ist. Denn dieses Element kann man ganz einfach nicht greifen. Gleichsam ist es aber auch in der Lage, sich seinen Weg durch undurchdringbares Terrain zu bahnen und scheinbar übermächtige Gegner zu besiegen.
 
Während der letzten Monate musste ich fast täglich an Bruce Lee und seine Metapher vom Wasser denken. Denn nicht erst seit der weltweiten Pandemie hat sich die Welt massiv verändert. Der Alltag vieler Menschen ist von einer nagenden Zukunftsangst geprägt, Prioritäten haben sich verschoben, und die große Masse der Bevölkerung teilt das immer intensiver werdende Gefühl, den Launen des Schicksals hoffnungslos ausgeliefert zu sein.
 
Und wie das bei einschneidenden Veränderungen nun mal der Fall ist, versuchen wir diese Unsicherheit damit zu überwinden, in dem wir uns an gewohnten Dingen festklammern, den Alltag an Routinen ausrichten und möglichst wenig Risiken eingehen. So absurd es klingen mag, aber je unsicherer die externen Umstände sind, desto wichtiger wird das Gefühl innerer Sicherheit für uns.
 

Sicherheit ist das Ergebnis von Selbstbestimmung

Doch wo gibt es diese Sicherheit heute überhaupt noch? Ein Job als Beamtin in der Verwaltung? Natürlich, man bekommt bis zum Lebensende jeden Monat pünktlich sein Gehalt aufs Konto überwiesen. Aber zu welchem Preis, wenn die Tage von mangelnder Kreativität, Eintönigkeit und dem oftmals sinnlosen Abarbeiten von Formularen geprägt sind? Auch die vermeintlich sichere Karriere in einem großen Unternehmen existiert nur noch in der Theorie. Durch die Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft werden Millionen von Jobs in der Zukunft wegfallen, in so gut wie allen Branchen werden immer mehr Stellen massiv abgebaut und die Coronakrise hat die Insolvenzwelle noch einmal richtig beschleunigt.
 
Und selbst wenn es gelingt, als Angestellter in einer zukunftsorientierten Branche Karriere zu machen, sind die organisatorischen Zwänge, der Stress durch zunehmenden Leistungsdruck und die kaum vorhandene Work-Life-Balance der Hauptgrund, dass sich immer mehr Menschen die Frage stellen:
 
„Soll es das jetzt gewesen sein? Soll ich für die nächsten dreißig Jahre jeden Tag in das graue Großraumbüro fahren, um einen Job zu machen, der mich nicht erfüllt, oft frustriert und schon lange keinen Spaß mehr macht?“
 
Glauben Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, ich kenne diese Gedanken nur zu gut, denn sie gingen mir früher in einer Art Dauerschleife durch den Kopf. Und ich wäre wahrscheinlich in der negativen Spirale aus Hoffnungslosigkeit und Frustration ertrunken, hätte ich damals nicht die Biografie eines meiner Jugendidole als Hörbuch im Auto gehört. Ich spreche von John Michael Osbourne, dem Sänger der legendären Hardrock-Band Black Sabbath, den Sie möglicherweise nur unter seinem Rufnamen Ozzy kennen.
 

Was Sie von Ozzy Osbourne über Selbstbestimmung lernen können

Er wuchs in den 1950er Jahren in ärmlichen Verhältnissen in Birmingham auf und beschloss als Teenager, eine Facharbeiterausbildung zu absolvieren. Und zwar zum Autohupenstimmer. Klingt nicht besonders sexy, oder? Ozzy begründete den Schritt wie folgt: „Damals dachten die, du nimmst das bisschen Bildung mit, das du ergattern kannst. Dann lernst du einen Beruf und bekommst eine Scheißarbeit, auf die du gehörig stolz bist, obwohl es eine Scheißarbeit ist. Und diese Scheißarbeit machst du dann für den Rest deines Lebens. Diese Scheißarbeit bedeutet dir einfach alles.“
 
So kam es, dass der spätere Weltstar begann, sich in die Kunst des Autohupenstimmens einweisen ließ. Wenn Sie jetzt denken: „Kunst? Das klingt eher nach einer sehr stupiden Tätigkeit“, dann haben Sie vollkommen recht. Denn der Tagesablauf des jungen Ozzy sah wie folgt aus.
 
Er saß am Fließband und griff sich eine Hupe. Stimmte diese mit dem Schraubendreher. Testete den Klang. Darauf folgte die nächste Hupe. Der gleiche Handgriff mit dem Schraubendreher. Wieder stimmen und den Klang testen. Dann die nächste Hupe. Und die nächste. Wieder und immer wieder. Greifen. Stimmen. Testen. Den kompletten Tag lang. Die Arbeit war so frustrierend, laut und eintönig, dass er fürchtete, wahnsinnig zu werden.
 
Also fragte er den Kollegen neben sich, einen älteren Herrn mit Halbglatze und riesigen Augenringen: „Sag mal Jimmy, wie lange bist Du eigentlich schon hier?“ Worauf dieser antwortete: „Neunundzwanzig Jahre und sieben Monate. Und weißt du, was das Beste daran ist? In fünf Monaten bin ich genau dreißig Jahre hier. Dann werde ich pensioniert und bekomme meine goldene Uhr vom Betrieb.“
 
Dem späteren Multimillionär ging in diesem Moment folgender Gedanke durch den Kopf: „Lieber sollen die Russen eine Bombe auf die Fabrik werfen, bevor ich dreißig Jahre in diesem Raum verbringen muss.“ Und er sagte: „Hör zu, Jimmy, wenn du unbedingt eine goldene Uhr haben willst, dann hättest du beim Juwelier in der Fußgängerzone eine klauen sollen. Selbst wenn sie dich erwischt hätten, hättest du höchstens ein Zehntel der Zeit abgesessen, die du in diesem Loch hier zugebracht hast.
 
Und das wäre zweifellos die bessere Wahl gewesen.“ Dann verließ er wortlos seinen Arbeitsplatz und traf die Entscheidung, die Frustration gegen ein selbstbestimmtes Leben einzutauschen. Das zu tun, was ihn wirklich erfüllte und wovon er seit Jahren träumte. Und dieser Traum war die Musik.
 
Gemeinsam mit seinen Jugendfreunden Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward gründete er die Band Black Sabbath und prägte die Musikgeschichte mit Hits wie Iron Man, Paranoid oder War Pigs. Wenn man den Superstar heute fragt, was ihn während seiner langen Karriere am meisten angetrieben hat, dann erzählt Ozzy Osbourne gerne, dass ihn die Erinnerung an die goldene Uhr mehr als einmal gerettet hat.
 
Immer wenn er einmal daran zweifelte, ob er noch auf dem richtigen Weg sei, immer wenn es zu Krisen und Rückschlägen kam, tauchte vor seinem geistigen Auge das riesengroße Bild einer goldenen Uhr auf und erinnerte ihn schlagartig an die Zustände in der Autohupenfabrik und wie sein Leben möglicherweise geworden wäre, wenn er nicht die Wahl getroffen hätte, den Weg der Selbstbestimmung zu beschreiten.

Selbstbestimmt leben und Freiheit genießen

Dies ist nur ein Beispiel von unzähligen anderen, wo die Entscheidung gegen traditionell vorgegebene Pfade und für ein eigenverantwortliches Leben mit folgender Erkenntnis begann:
 
„Da muss es doch noch mehr geben als Rechnungen zu zahlen, sich für eine anonyme Organisation aufzureiben und die Tage bis zur Rente zu zählen.“
 
Schon mal gehört? Vielleicht schon häufig selber gedacht? Ich hoffe doch sehr, denn in der Tat hat das Leben so viel mehr zu bieten als einen öden 9 to 5 Job, einen monotonen Büroalltag ertragen zu müssen und sinnlose Anweisungen auszuführen. Wenn man es bei den Hörnern packt und sich nicht darauf verlässt, dass andere schon die richtigen Entscheidungen für einen treffen werden. Es mag auf den ersten Blick kontraindikativ erscheinen, aber die traditionellen Beschäftigungsmodelle werden in Zukunft mit maximaler Unsicherheit verknüpft sein. 
 
Weil Sie bei jeder externen Veränderung von anderen Menschen abhängig sind. Und so hart es klingen mag, diesen sind Sie leider vollkommen egal.
 
Es spielt keine Rolle, ob es sich um Politiker, Manager großer Konzernen, Beamte in den unterschiedlichsten Verwaltungen, Vorgesetzte in der Firma oder Bürokraten des Staates handelt, sie alle sind einzig und alleine darauf bedacht, ihre eigenen Besitzstände, ihre eigene Macht und ihren eigenen Status zu erhalten. Und um das zu erreichen, verfolgen ausschließlich ihre eigenen Ziele. Und diese sind von den ihrigen weiter entfernt als der HSV von der nächsten Deutschen Meisterschaft.
 

Die alten Regeln gelten schon lange nicht mehr

Sollten Sie für das Erreichen dieser fremden Ziele als nicht mehr gut genug abgestempelt werden, wird man Sie fallenlassen wie eine heiße Kartoffel. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, wie gut, fleißig oder loyal sie in der Vergangenheit waren. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen ich kenne, die Jahrzehnte lang mit Leidenschaft und Herzblut für eine Firma tätig waren, und von heute auf morgen vor die Tür gesetzt wurden. Ohne ein einziges Dankeschön. Ohne Wertschätzung. Ohne Beachtung der früheren Verdienste. Ein kurzer Händedruck, eventuell ein Blumenstrauß zur Wahrung des Scheins und dann war es das. In vielen Organisationen sind Menschen leider nur noch eine Kostenstelle, die beim kleinsten Druck umgehend und mit mathematischer  Präzision gekürzt wird.
 
Und wenn Sie jetzt denken, dass Ihnen so etwas nie passieren könnte, dann schauen Sie sich nur an, welche Branchen gerade dabei sind, sich gesundzuschrumpfen: Die Banken, die Automobilhersteller und damit ihre Zulieferer, der Einzelhandel oder traditionelle Medienunternehmer sind nur ein paar prominente Beispiele von vielen. Und da der ausschließliche Fokus auf Kosteneinsparungen noch nie zu entsprechenden Resultaten geführt hat, ist das Ende der Entwicklung noch lange nicht erreicht.
 
So mancher namhafte Konzern konnte nur aufgrund von massiver Unterstützung durch den Steuerzahler überleben, bekannte Marken wie Galeria Karstadt Kaufhof, Vapiano, Esprit oder die Modekette Adler mussten hingegen Insolvenz anmelden. Too big to fail ist lange vorbei. Dafür gilt heute mehr denn je: Je schlanker und anpassungsfähiger, desto größer die Erfolgsaussichten in der Zukunft.
 

Flexibilität als Schlüssel für den Umgang mit einer unsicheren Zukunft

Je unsicherer die Zeiten werden, desto wichtiger wird die Selbstbestimmung. Desto wichtiger wird es, das eigene Leben selber zu gestalten, mit maximaler Flexibilität auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können und Verantwortung zu übernehmen. Für die eigen Ziele. Die eigenen Träume. Für das eigene Leben. Natürlich gibt es auch hier eine Menge Unwägbarkeiten, Dinge, die Sie nicht beeinflussen können und Hürden, die es zu überwinden gilt.
 
Aber gleichzeitig haben Sie die volle Kontrolle über Ihre Vision, Ihre Ziele, Ihre Entscheidungen und was Sie jeden einzelnen Tag tun oder auch nicht tun wollen. Und ist nicht genau das die wahre Definition von Freiheit? Es bedeute nämlich nicht, dass man (endlich) machen kann, was man will. Vielmehr ist es das befreiende Gefühl, nicht mehr das machen zu müssen, was man nicht machen will.
 

Selbstbestimmung ist die neue Sicherheit: Ein Fazit

Und mit diesem Gedanken schließt sich der Kreis dieses Artikels, denn um die alten Denkmuster des „sei fleißig in der Schule, such Dir einen guten Job und genieße das Leben dann ab der Rente“, „die Firma und der Staat werden sich schon um Dich kümmern“ und „es gibt keine Alternativen zur Karriere als Angestellter“ zu durchbrechen und durch eine zukunftsorientierte, selbstständige Lebensgestaltung zu ersetzen, müssen wir wie Wasser sein.
 
Im besten Bruce Lee´schen Sinn sollten wir nicht darauf hoffen, dass der uns im Weg liegende Stein von alleine verschwindet, von Managern aus der Teppichetage entfernt oder von einer Behörde umgesetzt wird, sondern selber aktiv zu werden. Sich einen Pfad um den Stein herum, durch ihn hindurch, oder über ihn hinweg zu bahnen. Oder sich möglicherweise einen vollkommen neue Fluss zu suchen.
 
In unserem Fall können wir die Metapher des Wassers natürlich durch das Wort Selbstbestimmung ersetzen. Wer selbstbestimmt denkt, der wird zur Lösung. Wer selbstbestimmt entscheidet, der kreiert Chancen. Wer selbstbestimmt lebt, der erschafft sich eine Zukunft nach seinen eigenen Vorstellungen.
 
Und genau aus diesem Grund wird die Selbstbestimmung in den kommenden Jahren zur neuen Sicherheit.  Zu einer neu gewonnenen Freiheit, die uns tief von innen heraus motiviert. Zu einer Unabhängigkeit, die uns mit einem Lifestyle beschenkt, der aus dem ganz speziellen Mix aus Dankbarkeit, Sinn und Erfüllung basiert. Und es gibt eine Form der Lebens- und Arbeitsgestaltung, die all das in einer einzigartigen Form vereint: Die Selbstständigkeit als Arbeitsmodell, das die Abhängigkeit von externen (und damit schwer bis wenig beeinflussbaren) Faktoren minimiert und gleichsam die Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt.
 
Sind Sie bereits selbstständig? Oder planen Sie gerade eine Gründung? Dann posten Sie doch gerne den Link zu Ihrer Homepage in den Kommentaren.

Glaubenssätze auflösen in 7 Schritten

Was sind Glaubenssätze? Mit dieser Frage werde ich aktuell recht häufig konfrontiert. Kein Wunder, hat es sich doch herumgesprochen, dass unsere inneren Überzeugungen einen direkten Einfluss auf unsere Gedanken, unsere Entscheidungen und unser Verhalten hat. Eine der wichtigsten Fähigkeiten im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung besteht daher darin, negative Glaubenssätze auflösen zu können. Dies liegt vor allem daran, dass unser Verhalten eine direkte Folge unserer bewussten und unbewussten Glaubenssätze ist. Diese inneren Überzeugungen können uns sowohl positiv (aktivierend) als auch negativ (limitierend) beeinflussen, und haben somit einen entscheidenden Anteil daran, wie glücklich, zufrieden und erfolgreich wir im Leben sind.
 
In diesem Artikel möchte ich mich daher mit der Frage “Was sind Glaubenssätze?” intensiv auseinandersetzen, und diese natürlich so umfassend wie möglich beantworten. Nachdem wir uns angeschaut haben, wie diese überhaupt entstehen, welche Rolle sie spielen und welche Beispiele es gibt, gebe ich Ihnen am Ende auch noch eine praxiserprobte Anleitung an die Hand, mit der es Ihnen gelingt, nagative Glaubenssätze auflösen und in positive Überzeugungen transformieren zu können. 
 

Definition Glaubenssätze

Beginnen wir mit der Definition: “Glaubenssätze sind tief im Unterbewusstsein verwurzelte Ansichten, die wir im Laufe unseres Lebens entwickeln und von denen wir tief und fest überzeugt sind. Diese Überzeugungen dienen als Grundlage für unser Denken, Handeln und unsere Entscheidungen. Glaubenssätze stammen aus verschiedenen Quellen, wie beispielsweise unseren Erfahrungen, Erziehung, Kultur, Medien oder dem sozialen Umfeld, in dem wir aufgewachsen sind. Sie bilden die Filter, durch die wir die Welt betrachten, beeinflussen unsere Wahrnehmung und Interpretation von Situationen und somit die Ergebnisse unseres Verhaltens.”
 

7 Eigenschaften von Glaubenssätzen

Nach dieser kurzen Definition von Glaubenssätzen wollen wir uns nun sieben fundamentale Eigenschaften anschauen, die alle Überzeugungen gemeinsam haben. 
 

1) Glaubenssätze kommen immer von außen

Kein Baby wird als Rassist, Zyniker oder Optimist geboren. Sämtliche Glaubenssätze entwickeln Menschen erst im Laufe der Kindheit und Jugend, insbesondere von wichtigen Bezugspersonen wie Eltern, Verwandte, Lehrern oder Personen, zu denen eine emotionale Beziehung besteht.
 

2) Glaubenssätze wirken unbewusst

Unsere Überzeugungen sind tief in unserem Unterbewusstsein verankert und leisten uns dort auf Autopilotmodus treue Dienste. Warum dies gleichzeitig gut, aber auch gefährlich ist, dazu später mehr.

3) Glaubenssätze bestimmen unser Verhalten

Glaubenssätze wirken als Wahrnehmungsfilter und bestimmen daher sowohl unser Denken, vorwiegend aber unsere Entscheidungen. Je nachdem, wie sie die Welt sehen, verhalten Sie sich anders. 
 
4) Glaubenssätze verstärken sich mit der Zeit
Je überzeugter Sie von etwas sind, desto mehr werden Sie entsprechende Beweise dafür im Alltag finden. Und je mehr Beweise Sie für die Richtigkeit der Überzeugung finden, desto mehr verfestigt diese sich. Auch hierzu später noch mehr Details.
 
5) Glaubenssätze können förderlich sein
Positive Überzeugungen wirken aktivierend, richten den Fokus auf Chancen im Leben aus und sorgen dafür, dass Sie in der Lage sind, Ihr volles Potenzial zu entfalten.
 
6) Glaubenssätze können limitierend sein
Negative Überzeugungen wirken limitierend, richten den Fokus auf Probleme im Leben und sorgen (unbewusst) dafür, dass Sie sich selber sabotieren und nicht den Erfolg erhalten, den Sie sich (bewusst) so sehr wünschen.
 
7) Glaubenssätze können verändert werden
Dies ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft von allen. Denn auch wenn Glaubenssätze immer unbewusst wirken, so können Sie doch verändert werden. Wie genau das funktioniert, verrate ich Ihnen am Ende des Artikels.
 

Negative Glaubenssätze Beispiele

Negative Glaubenssätze können sich in verschiedenen Bereichen unseres Lebens manifestieren. Hier sind einige Beispiele für negative Glaubenssätze:
 
  1. „Ich bin nicht gut genug.“
  2. „Ich verdiene kein Glück.“
  3. „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.“
  4. „Geld ist schwer zu verdienen.“
  5. „Ich kann mich nie ändern.“
 
Eine umfassende (aber bei weitem nicht vollständige) Übersicht finden Sie in der folgenden Grafik.
 
Negative Glaubenssätze Beispiele

Positive Glaubenssätze Beispiele

Positive Glaubenssätze können uns hingegen dabei unterstützen, unser volles Potenzial zu entfalten und ein erfülltes Leben zu führen. Hier sind einige Beispiele für positive Glaubenssätze:
 
  1. „Ich habe die Fähigkeit, alles zu erreichen, was ich mir vornehme.“
  2. „Ich bin es wert, Liebe und Erfolg zu erfahren.“
  3. „Ich bin einzigartig und wertvoll.“
  4. „Ich bin finanziell erfolgreich und habe genug für meine Bedürfnisse.“
  5. „Ich habe die Kraft, mich selbst zu verändern und zu wachsen.“
 
Diese positiven Glaubenssätze können uns stärken, uns zu unseren Zielen führen und ein positives Selbstbild aufbauen.
 

Wie entstehen Glaubenssätze?

Aber wie entstehen Überzeugungen jetzt überhaupt? Auf keinen Fall zufällig. Stattdessen sind sie das direkte Ergebnis der unterschiedlichsten Prägungen durch Ihr Umfeld. Sie entwickeln sich aus den Einflüssen, denen Sie sich permanent aussetzen. Den Informationen, die Sie konsumieren, den Menschen, mit denen Sie sich umgeben, und den Orten, in denen Sie sich bewegen. Sie können sich das vereinfacht so vorstellen: Sie nehmen einen Glaubenssatz in Form einer Meinung, einer Idee oder eines Vorurteils auf und übernehmen diesen unkritisch. 
 
Und schon geht es los. Auf einmal finden Sie im Alltag überall „Beweise“, welche die neue Überzeugung bestätigen. Und je mehr „Beweise“ Sie finden, desto tiefer nistet sich der Glaubenssatz im Unterbewusstsein ein. Unsere Kernüberzeugungen werden vor allem in der Kindheit und Jugend gebildet, doch auch noch im Erwachsenenalter läuft es dieser Prozess nach genau dem gleichen Schema ab. Und ehe man sich versieht, glaubt man tief und fest daran, dass Erfolg schwer ist, Geld den Charakter verdirbt und die anderen Menschen nur darauf warten, einen übers Ohr zu hauen. Je fester die Überzeugung, desto mehr werden einem diese Dinge im Alltag auffallen. Und dadurch wird dann die Überzeugung wieder fester. Eine klassische Spirale, die Sie entweder Ihren Zielen näher bringen kann, oder dafür sorgt, dass Sie sich permanent selbst sabotieren.
 
Damit Sie die volle Kraft Ihrer eigenen Überzeugungen nutzen können, werden wir einmal einen kritischen Blick darauf werfen, mit welchen Informationen, Ideen und Meinungen Sie sich den ganzen Tag umgeben. Es sind nämlich immer wieder die gleichen Programmierungen, die dazu führen, dass Menschen ein geringes Selbstbild haben und schlussendlich überhaupt nicht daran glauben, Erfolg haben zu können. Es sind die immer gleichen Versagerbotschaften, denen man seit frühester Kindheit ausgesetzt war, und die sich seitdem durch regelmäßige Wiederholung täglich ein kleines Stück mehr gefestigt haben. 
 

Glaubenssätze erkennen

Negative Überzeugungen lauern überall im Alltag und spiegeln sich in folgenden Mustern und Verhaltensweisen wider: 
 
  • Ausreden
  • Emotionale Reaktionen
  • Negative Gedanken
  • Negative Denkmuster
  • Vorannahmen
  • Zweifel
  • Wiederkehrende Muster
  • Kulturelle Mythen
  • Drang nach Perfektionismus
  • Rechtfertigungen
  • Sorgen
  • Selbstbetrug
  • Stereotypen
  • Selbstoptimierungswahn
  • Innerer Kritiker
  • All die Storys, die wir uns jeden Tag selber erzählen
 
In all diesen Verhaltensweisen und Mustern lauern tief sitzende Überzeugungen, die durch das Filtern der Realität entscheiden, was Sie konkret tun und wie Sie auf bestimme Dinge reagieren.
 

Quellen von Glaubenssätzen

Glauben Sie, dass es einen Unterschied macht, ob Sie einen Roman von Thomas Mann lesen oder Frauentausch auf RTL II schauen? Ob Sie Ihren Nachmittag in einer Buchhandlung verbringen oder in der Spielhalle? Ob Sie ein Seminar zur persönlichen Weiterbildung besuchen oder das Wochenende vor dem Fernseher verbringen? Im Alltag lauern destruktive Suggestionen überall. Neben der Familie, den Lehrern und anderen wichtigen Bezugspersonen sind es vor allem die Politiker, das Radio und natürlich das Fernsehen, welche Sie mit regelmäßigen Versager- und Mangelbotschaften bombardieren. Je häufiger Sie sich diesen Programmierungen aussetzen, desto schneller formen sich im Laufe der Zeit limitierende Kernüberzeugungen wie „Geld ist die Wurzel allen Übels“, „Es gibt Wichtigeres als Erfolg“, „Es ist nicht genug für alle da“, „Wer hoch fliegt, der fällt auch tief“, „Ohne Moos nix los“, oder „Geld verdirbt den Charakter“. Schon mal gehört? Schon mal gesagt? Es lohnt sich, hier besonders kritisch zu Werke zu gehen. Denn wenn Sie diese Botschaften jeden Tag aufs Neue hören, dann sind Sie schon bald konditioniert und glauben tief und fest daran. Ihre Identität festigt sich.
  
An dieser Stelle kommt der Name Richard Brodie ins Spiel. Was, den haben Sie noch nie gehört? Zuerst einmal sollten Sie ihm mehr oder weniger dankbar sein. In seinem früheren Leben war Brodie nämlich Softwareprogrammierer bei Microsoft und in dieser Eigenschaft der Entwickler des Schreibprogramms Word. Irgendwann entschied er sich jedoch, seiner Berufung zu folgen und wurde Redner und Autor (komisch, das kommt mir irgendwie bekannt vor). In seiner neuen Rolle widmete er sich fortan dem Studium der Frage, wie äußere Programmierungen die inneren Überzeugungen beeinflussen. Als Ergebnis seiner Forschungen schrieb er ein Buch, welches ich Ihnen wärmstens ans Herz legen kann. Es trägt den spannenden Titel Virus of the Mind – The New Science of the Meme
 
Basierend auf den Untersuchungen zum „selbstsüchtigen Gen“ von Richard Dawkins beschreibt Brodie, wie sich Ideen im Gehirn einnisten und sich dort genauso verbreiten, wie es beispielsweise ein Grippevirus tut. Zwei Faktoren bestimmen dabei, wie stark sich die von ihm als „Geistesviren“ bezeichneten Informationen im Gehirn festsetzen. Zum einen sind es regelmäßige Wiederholungen. Klar, je häufiger Sie eine Idee im Kopf haben, desto vertrauter und realer wird sie irgendwann. Hinzu kommt die emotionale Intensität. Wenn eine Idee in Verbindung mit Liebe, Sex, Angst, Kindern oder Essen präsentiert wird, potenziert sich die Wirkung der Suggestion um ein Vielfaches. Um das zu überprüfen, brauchen Sie nur zum nächsten Kiosk zu gehen, und sich die aktuelle Ausgabe der Bildzeitung kaufen. Sie ist voller Beispiele für beide der genannten Phänomene. Die Kombination aus Intensität und Wiederholung sorgt dann dafür, dass sich ein Gedankenvirus genauso schnell verbreitet, wie es eine typische Grippewelle tut. Das Schlimme daran ist, dass die meisten Ideen und Meinungen mittlerweile ohne einen einzigen Funken eigener Denkleistung übernommen und weitergegeben werden. Zeitungen schreiben voneinander ab. Freunde erzählen sich die neuste Entdeckung, die im Fernsehen kam, und auf Facebook werden moderne Kettenbriefe wahllos geteilt und verbreitet. Und was erst einmal als Meinung oder Vorurteil im Kopf ist, will so schnell nicht mehr heraus.
 

Kritisches Denken als Schutz vor negativen Suggestionen

Nie war es deshalb wichtiger, zum kritischen Denker zu werden. Ansonsten sind Sie den äußeren Programmierungen der Werbefachleute, Fernsehproduzenten und Radiomoderatoren hilflos ausgeliefert. Ich bin mir sicher, dass Sie folgende Suggestion schon oft gehört haben: „Erfolg verdirbt den Charakter und ist nur mit Ellenbogeneinsatz möglich.“ Sie nehmen es gar nicht mehr richtig wahr, weil Sie es schon so häufig gehört haben. Trotzdem wirkt die Botschaft. Mit jeder Wiederholung ein wenig mehr. Der einzige Schutz: Kritisches Hinterfragen, welche Auswirkung eine solche Botschaft hat. Doch nicht immer werden Sie direkt programmiert. Häufig sind es auch einfach nur stereotype, aber hochemotionale Bilder. Stellen Sie sich vor, Sie schlagen die Zeitung auf und erblicken eine harmlos ausschauende Karikatur, in der eine arme Frau von einem dicken, gierigen Industriekapitän übers Ohr gehauen wird. Welche Botschaft wird dort unbewusst übermittelt? Richtig, die Reichen sind dick, gierig und beuten die armen (und selbstverständlich ehrlichen) Menschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus.
 
Je häufiger Sie solche Botschaften unkritisch akzeptieren, desto stärker wirken Sie und bilden sich dann zu Kernüberzeugungen aus, auf denen Ihre Sicht auf die Welt und vor allem auf sich selbst basiert. Diese Glaubenssätze sitzen tief im Unterbewusstsein und verbreiten sich dort wie der berühmte Gedankenvirus aus dem Film Inception mit Leonardo DiCaprio, in dem es möglich ist, die Träume anderer Menschen zu infiltrieren und dort Ideen zu platzieren. Die ehemals externe Idee ist zu Ihrer internen Realität geworden. Die Summe der Kernüberzeugungen führt dann unweigerlich dazu, dass Ihr unbewusster Autopilot eben nicht auf Erfolg und Überfluss ausgerichtet ist, sondern auf Mangel und Mittelmäßigkeit. Und dann können Sie auf bewusster Ebene noch so sehr davon überzeugt sein, dass Sie erfolgreich sein wollen. Wenn Ihr Autopilot auf das genaue Gegenteil programmiert ist, werden Sie Ihr Ziel nicht erreichen. Bereits Einstein wusste: Wenn der logische Verstand und das Unterbewusstsein in Konflikt stehen, setzt sich immer die unbewusste Vorstellung durch. Und bitte, nutzen Sie diese Feststellung auf keinen Fall dazu, es der großen Masse gleichzutun und den Verstand komplett aufzugeben. Die Fähigkeit, kritisch zu denken, bewusste Entscheidungen zu treffen, und die gigantische Kapazität des Gehirns zu nutzen, ist die größte Gabe, mit der die Natur Sie ausgestattet hat.
 

Negative Glaubenssätze auflösen

Aber so richtig ans Eingemachte geht es nun mal im Unbewussten. Es ist also Zeit, Ihren inneren Autopiloten umzuprogrammieren und auf Überfluss und Erfolg auszurichten. So wie es eine sich selbst verstärkende Negativspirale gibt, so können Sie auch eine Erfolgs-Domino-Rallye starten. Beginnen Sie mit einer bewussten Entscheidung für Ihren ganz persönlichen Erfolg. Seien Sie bereit, ihn auch zu empfangen. Und dann setzen Sie die folgenden acht Schritte um, mit denen Sie limitierende Einschränkungen und Mangeldenken auflösen, und stattdessen Ihre riesigen Potenziale aktivieren, die nur darauf warten, von Ihnen geweckt und genutzt zu werden.
 

Limitierende Glaubenssätze auflösen in 7 Schritten

 
  1. Identifizieren Sie einen negativen Glaubenssatz und stellen Sie sich folgende Frage: “Woher genau weiß ich das?”
  2. Analysieren Sie so bewusst wie möglich, wie genau sich der Glaubenssatz in Ihrem Alltag bemerkbar macht. Wann taucht er auf, durch welche Trigger wird er ausgelöst und welche Verhaltensweisen sind eine typische Folgeerscheinung?
  3. Fragen Sie sich: “Was würde passieren, wenn ich den Glaubenssatz behalte?”
  4. Orientieren Sie sich bei der Analyse der Überzeugung an folgender Idee: “Argumentieren Sie nur für die Limitationen, die Sie behalten wollen.”
  5. Formulieren Sie eine positive Alternative, die an die Stelle des negativen Glaubenssatzes treten soll.
  6. Integrieren Sie den neuen, positiven Glaubenssatz bewusst und konsistent in Ihren Alltag.
  7. Geben Sie sich mindestens 66 Tage Zeit und machen Sie eine Gewohnheit draus.
 
Diese sieben Schritte folgen einem immer wiederkehrenden Muster der Veränderung: 
 
  • Ein unbewusstes Verhalten an die Oberfläche holen
  • Dort verändern
  • Solange bewusst anwenden, bis es zu einer neuen unbewussten Gewohnheit wird
 

Was sind Glaubenssätze? Ein Fazit

Glaubenssätze wirken unbewusst als Wahrnehmungsfilter der Realität und beeinflussen unser Denken, unser Verhalten und generell unsere Lebensqualität auf eine entscheidende Art und Weise. Es lohnt sich daher, die eigenen Überzeugungen einem regelmäßigen Check zu unterziehen und entsprechende Veränderungen vorzunehmen. Natürlich erfordert die Glaubenssatzarbeit Zeit, Geduld und Commitment, aber die positiven Auswirkungen sind es mehr als wert.
 
Beim Erkennen und Auflösen Ihrer ganz persönlichen Glaubenssätze wünsche ich Ihnen ganz viel Erfolg. Ich hoffe sehr, dass Ihnen die Ideen und Impulse dieses Artikels Ihnen dabei ein treuer Begleiter sein werden.

Wie wird man Motivationstrainer? Ein Blick hinter die Kulissen

Wie wird man Motivationstrainer?

“Wie wird man Motivationstrainer?” Diese Frage bekomme ich nach meinen Keynote Speeches und Impulsvorträgen auf Tagungen, Kongressen und Firmenveranstaltungen ziemlich häufig gestellt. Und wenn die Antwort auch für Sie interessant ist, dann möchte ich in diesem Artikel gerne die verschiedenen Aspekte besprechen, was ein Motivationstrainer (in meinem Fall wohl eher Motivationsredner) überhaupt ist, und wie man dazu wird. Viel Spaß!
 

Traumberuf Motivationstrainer?

Wenn Sie meine Arbeit schon etwas länger verfolgen oder eines meiner Bücher gelesen haben (übrigens, “Die Mindset Revolution” ist gerade brandneu erschienen), dann ahnen Sie sicher schon, dass meine Antwort auf die Frage “Wie wird man Motivationstrainer” etwas differenzierter ausfällt. 
 
Denn auch wenn viele meiner Zuhörer nach einem meiner Vorträge, Workshops oder Seminare häufig mit einer großen Portion Motivation in ihren Alltag zurückkehren, sehe ich mich selber überhaupt nicht als Motivationsredner. Dies liegt einfach daran, weil meine Arbeit so gar nichts mit den einpeitschenden, Luftballons steigen lassenden, Tschakka Tschakka brüllenden und laute Musik spielenden Gurus zu tun hat, die von einer großen Bühne herab dem hypnotisierten Publikum predigen, dass jeder wirklich alles schaffen könne. Wenn, ja wenn man nur genug daran glauben würde. Und natürlich auch nur, wenn man ein vollkommen überteuertes Seminar des Motivationscoaches bucht.
 
Ja, in der öffentlichen Wahrnehmung hat der Beruf Motivationstrainer nicht den besten Ruf. Kein Wunder, denn wer die Dokumentation des NDR namens “Der Motivationstrainer” gesehen hat, der weiß, dass in der Branche viel mit unseriösen Mitteln und teilweise extrem dubiosen Methoden gearbeitet wird.
 

Was ist ein Motivationstrainer?

Heißt das nun, dass jeder Motivationsredner automatisch in die unseriöse Schmuddelecke gehört? Selbstverständlich nicht. Es gibt unzählige Beispiele von richtig erfolgreichen Motivationstrainern, deren Fokus eben nicht ausschließlich auf dem Wachstum des eigenen Portemonnaies liegt, sondern stattdessen auf dem ihrer Kunden. Dies liegt vor allem daran, dass diese Experten (m/w/d) einen vollkommen anderen Ansatz in ihrer Arbeit haben. Was meine ich damit? 
 
Gute und professionelle Motivationstrainer arbeiten mit Einzelpersonen oder Teams daran, Ihre individuellen und / oder gemeinsamen Ziele besser, schneller oder effizienter zu erreichen. Es geht dabei um die Entwicklung von Strategien und Umsetzungsplänen, die Entwicklung des Mindsets und natürlich um die richtige Motivation bei der Umsetzung. Und genau an diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen.
 

Was gute Motivationstrainer von Gurus und Scharlatanen unterscheidet

Die Tschakka Gurus versuchen nämlich, ihrem Publikum die Motivation von Außen überzustülpen. Dies geschieht durch laute Musik, eine emotional aufgeheizte Stimmung im Saal, einfach Suggestionen und dem Pushen des Selbstwertgefühls. Und natürlich bleiben solche Methoden nicht ohne Wirkung, und die Motivation steigt oft innerhalb weniger Stunden in nie gekannte Höhen. Allerdings hat diese Motivations-Holzhammermethode die gleichen Auswirkungen, die auch Drogensüchtige kennen.
 
Nach einem intensiven und schnellen High folgt schon bald das entsprechende Low. Oder im Kontext der Motivation: Die Luft aus dem prall gefüllten Ballon entweicht genauso schnell, wie sie hineingekommen ist. Das Ergebnis: Entzugserscheinungen nach dem eben noch so präsenten Gefühl der Motivation. Und diese werden leider häufig dadurch gelindert, dass ein noch fortgeschritteneres Seminar, ein noch teureres Coaching und eine noch exklusives Beratung beim Motivationstrainer gebucht werden. 
 

Nachhaltige Motivation als Schlüssel

Und nur, damit wir uns richtig verstehen, daran ist auch überhaupt nichts auszusetzen, denn die Investition in die eigene Persönlichkeit und die eigene Weiterentwicklung bringt mit Sicherheit bessere Zinsen als alle DAX-Aktien zusammen. Aber wenn die emotionalen Bedürfnisse von Menschen dazu benutzt werden, die eigenen Dienstleistungen zu verkaufen, dann ist das zumindest in meiner Welt moralisch und ethisch mehr als fragwürdig.
 
Die guten (und seriösen) Motivationstrainer setzen sich dadurch ab, dass sie verstanden haben, wie nachhaltige Motivation wirklich entsteht, und dass sie immer von Innen nach Außen wirkt. Es bedarf eines starken intrinsischen Antriebs, der immer auf den eigenen Werten, Bedürfnissen, Wünschen, Zielen und Träumen basiert. Und mit der richtigen Kommunikation, kongruenter Leidenschaft für das eigene Thema und jeder Menge Empathie gelingt es einem guten Motivationstrainer, diese intrinsische Motivation sichtbar zu machen, damit sie an der Oberfläche in entsprechende Taten umgesetzt werden kann.
 

Wie wird man Motivationstrainer – Ein Fazit

Es sollte mittlerweile deutlich geworden sein, dass Motivationstrainer kein Beruf ist, denn man in der Schule oder an der Universität lernen kann. Auch reicht es keinesfalls aus, nur über Motivation zu sprechen, dabei laute Musik zu spielen und selber wie ein Duracell-Hase aufgedreht hin und her zu rennen. Denn nachhaltige Motivation funktioniert einfach anders.
 
Gute Motivationstrainer entstehen in der Regel eher zufällig. Einfach, weil sie in der Lage sind, andere Menschen dabei zu unterstützen, die intrinsische Motivation zu wecken. Sie sind i.d.R. Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet und schaffen es, über diese Thema leidenschaftlich, emotional und mitreißend zu sprechen. Dabei kommt es irgendwann zum Moment, an dem der Funke überspringt, und die Zuhörer motiviert werden. 
 
Allerdings handelt es sich in diesen Fällen nicht um einen kurzfristigen Motivationsschub (der kurz darauf wieder abklingt), sondern um eine nachhaltige Motivation, die auch noch wirkt, nachdem der Vortrag, das Seminar oder das Coaching längst vorbei sind. Und genau geht es doch, nicht wahr?
 
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema “Motivationstrainer” gemacht? Ich freue mich auf Ihren Kommentar.
 

Kritisches Denken als Erfolgsfaktor für Change und Veränderung

Ich gebe es zu, kritisches Denken ist etwas in Verruf geraten und wird in der heutigen Zeit gerne mit Querdenkern, Schwurblern und “Egal-worum-es-geht-ich-bin-einfach-grundsätzlich-gegen-alles-Typen” gleichgesetzt. Doch diese Form der Anti-Haltung hat mit kritischem Denken überhaupt nichts zu tun. Mehr noch, wenn Sie kritisches Denken als festen Bestandteil Ihres Alltags einsetzen, dann werden Sie nicht nur besser mit jeglicher Form von Veränderung umgehen, sondern insgesamt ein erfolgreicheres Leben führen können. Zeit, also etwas genauer hinzuschauen. Haben Sie Lust? Dann lassen Sie uns loslegen.
 

Warum ist kritisches Denken wichtig?

Als international tätiger Keynote Speaker habe ich das große Vergnügen, von meinen Kunden für Konferenzen rund um den Globus gebucht zu werden. Klingt sexy, oder? Und das ist es bis zu einem gewissen Grad auch, allerdings bedeutet es natürlich auch, dass ich sehr viel Zeit auf Flughäfen und an Bord der unterschiedlichsten Flugzeuge verbringe, was zugegebenermaßen nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Das Fliegen selbst liebe ich übrigens. Es ist die Warterei und die zunehmende Kompliziertheit von Flugreisen, die ich nicht mag.
 
Doch ich mache das Beste daraus und nutze die vielen Stunden in der Luft für eine sehr wichtige Sache, die im sonst häufig hektischen Alltag gern auf der Strecke bleibt. Ich genieße die Zeit für mich. Ich lese einen spannenden Thriller, schaue mir eine Serie auf Netflix an oder denke über das Leben an sich nach. Keine eingehende E-Mail, kein Telefonanruf und auch keine sonstige Ablenkung kann mich dabei stören, und es ist ein wenig wie ein Spa für meine Seele. 
 
Doch wenn ich mich auf meinen vielen Flugreisen so umschaue, dann sind die meisten Menschen vor allem im „Funktioniermodus“ unterwegs. Sie sprechen hektisch in ihre Mobiltelefone hinein, plaudern dabei sehr gern in extrem hoher Lautstärke Firmeninterna aus, sodass sämtliche Menschen in ihrem Umfeld genauestens über die aktuellen Probleme im Unternehmen Bescheid wissen, klappen direkt nach dem Start ihren Laptop auf und beackern mit einer faszinierenden Besessenheit umfangreiche Excel-Tabellen. Doch woran liegt das? Warum schaffen es manche Menschen nicht einmal auf einem 45-minütigen Flug von Berlin nach Frankfurt, ein wenig zu entspannen? 
 

Sinnhaftigkeit vs. Stupide Routinen

Zum einen habe ich die Vermutung, dass sich so mancher Manager – und zunehmend auch so manche Managerin – selbst für zu wichtig hält und dem fatalen Irrtum erlegen ist, dass die Firma keine einzige Stunde ohne ihn auskommen würde. Der andere Grund ist allerdings noch verbreiteter. Menschen schaffen es einfach nicht, aus ihren gewohnten Routinen und Standardabläufen auszubrechen. Und natürlich sind gewohnte Abläufe wichtig, denn sie geben unserem Job eine gewisse Stabilität und Vertrautheit, denken Sie nur an eines der wichtigsten Bedürfnisse von uns Menschen, dieSicherheit. Doch wenn man in den eigenen Routinen gefangen ist, dann kippt diese grundsätzlich positive Eigenschaft schnell ins Negative. Wenn Abläufe, Prozesse und Verhaltensweisen nicht mehr hinterfragt werden, dann nehmen sie nämlich gern eine Tendenz zum Absurden, Lächerlichen und Stupiden an.
 
Es gilt daher vor allem ein entscheidendes Mantra: Der Fokus sollte IMMER auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden ausgerichtet sein, niemals auf interne Prozesse. Haben Sie sich nicht auch schon einmal geärgert, wenn Mitarbeiter eines Unternehmens Sie als Kunden vollkommen aus den Augen verloren haben und sich ihr Verhalten ausschließlich an firmeninternen Prozessen und Anforderungen orientiert? In solchen Fällen muss ich immer an den genialen Buchtitel meines geschätzten Kollegen Edgar Geffroy denken, der es mit dem Titel eines Buches so schön auf den Punkt gebracht hat: „Das Einzige, was stört, ist der Kunde!“
 

Kritisches Denken: Hinterfragen Sie den Status Quo

Insbesondere wenn ich an Behördenbesuche oder Anrufe bei Hotlines von großen Konzernen denke, fallen mir spontan hunderte Beispiele ein, aber da wir gerade bei Flugreisen waren, bleiben wir gleich dabei. Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, warum die Abläufe an Bord so sind wie sie sind? Warum muss die Crew wirklich jedes Mal die Sicherheitsanweisungen erläutern, obwohl sowieso niemand zuhört? Warum soll mein kleines iPhone in der Lage sein, den Betrieb eines riesigen Airbus A380 zu stören, aber umgekehrt gibt es keine Schwierigkeiten? (Übrigens: Wenn Sie einmal so richtig lachen wollen, dann geben Sie bei YouTube in der Suche „Why can´t you use phones on planes?“ ein. Einfach nur großartig, und gleichzeitig irgendwie auch traurig.) 
 
Und jedes Mal aufs Neue frage ich mich, wo die Flugbegleiter ihre Ansagen lernen. Und damit meine ich natürlich den meist irrelevanten Inhalt, besonders aber die Form. Ganz im Ernst, kein normaler Mensch spricht so gekünstelt und mit einem so offensichtlich zur Schau gestellten Desinteresse. Kein Wunder, dass niemand zuhört. Die immer gleichen Ansagen aus dem Cockpit fallen übrigens in exakt dieselbe Kategorie. Seit vielen Jahren wundere ich mich, wen es tatsächlich interessiert, in welcher Flughöhe man sich befindet, wie die Außentemperatur ist und von wo der Wind am Zielflughafen kommt. Diese Infos mögen zwar für den Kapitän und seinen Co-Piloten spannend sein, aber die Passagiere aka die Kunden interessiert so etwas gleich Null.
 

Das größte Killerargument der Veränderung

Die Antwort lautet wie in so vielen anderen Bereichen des Lebens: Das haben wir schon immer so gemacht. Irgendwann wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der nun von allen Beteiligten zuverlässig abgearbeitet wird, ohne dass irgendjemand ihn kritisch hinterfragen würde. Der ausführende Mensch wischt jede Frage nach einem Sinn beiseite und durchläuft eine Metamorphose zur stupide ausführenden Arbeitsbiene. Dies führt zu einem fatalen Verhalten. Man denkt nur noch in internen Abläufen, Regeln und Mechanismen und vergisst dabei vollkommen die Bedürfnisse der eigenen Kunden.
 
Doch zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die sich mit dem Killerargument „Das haben wir schon immer so gemacht“ nicht mehr abspeisen lassen. Kritische Denker also, die selbstständig denken, den Status quo hinterfragen und dann dem seelenlosen Prozess wieder eine Bedeutung geben. Vor Kurzem flog ich spät abends von München heim nach Berlin. Und auf einmal geschah das Unerwartete. Der Pilot meldete sich aus dem Cockpit. 
 

Kritisches Denken als Merkmal erfolgreicher Menschen

Mit einer vollkommen normalen Stimme verkündete er: „Liebe Gäste, ich möchte Sie einladen, einmal aus dem Fenster zu schauen. So eine sternenklare Nacht erleben auch wir Piloten selten. Es ist einfach eine wunderschöne Aussicht. In diesem Moment können Sie fast komplett über Brandenburg schauen. Und unsere Passagiere auf der linken Seite haben besonders viel Glück, denn der Anblick, wenn wir gleich auf Berlin zufliegen, ist einfach atemberaubend. Er fasziniert auch mich jedes Mal wieder. Das wollte ich Ihnen nur kurz mitteilen. Ich wünsche Ihnen weiterhin einen guten Flug. Danke, dass mein Team und ich Sie heute sicher an Ihr Ziel bringen durften.“
 
Wie häufig erleben Sie Situationen, wo Sie spontan applaudieren möchten? Zum Glück stand der Mann beim Aussteigen vor seinem Cockpit, sodass ich (und viele andere Gäste) ihm die Hand schütteln und Danke sagen konnte. Denn auch wenn es nur ein paar Sätze waren, so hat das Abweichen von der stupiden (und in meinen Augen sinnlosen) Routine dazu geführt, dass wir einen dieser magischen Momente erlebten, an die man noch lange und gern denkt. Und wenn Sie genau hinschauen, dann ist das ganze Leben voll mit solchen Menschen. 
 

Kritisches Denken lernen: Hinterfragen Sie alles

Doch leider haben wir uns zu sehr daran gewöhnt, dass die große Masse lieber nach Schema F handelt und das Denken den Vorschriften und sinnlosen Regeln überlässt. Ein wichtiger Baustein des Erfolgs ist daher das kritische Denken. Eine Fähigkeit, die leider sehr selten geworden ist, weil sich sehr viele Menschen daran gewöhnt haben, dass ihnen die Medien, die Politik oder anonyme Gremien schon sagen, was wichtig, richtig oder falsch ist. Erliegen Sie dieser fatalen Bequemlichkeit bitte niemals, sondern kultivieren Sie die Kunst des kritischen Denkens. Und damit meine ich auf keinen Fall, dass Sie einer dieser Anti-Menschen werden sollen, die grundsätzlich gegen alles sind. Nein, kritisches Denken ist vor allem die Frage nach dem Sinn, nach Relevanz oder nach Kundenorientierung. Mein Rat: Hinterfragen Sie alles. Sinnlose Prozesse, interne Abläufe und stupide Routinen. Hinterfragen Sie festgefahrene Meinungen, Überzeugungen und Vorurteile, natürlich besonders Ihre eigenen.
 
Oder auf den Punkt gebracht: Hinterfragen Sie alles. Inklusive dieses Impulses, dass Sie alles hinterfragen sollten.
 
Zwei Dinge werden geschehen, sobald Sie beginnen, als kritischer Denker einen Unterschied zu machen: Zum einen werden Sie eine Menge Gegenwind von Ihrem Umfeld erhalten. Kein Wunder, denn Sie hinterfragen auf einmal als allgemeingültig angesehene Prozesse, Routinen und Abläufe. Das ist nicht immer angenehm, aber was wäre die Alternative? 
 
Und noch etwas wird passieren. Sie werden einen dramatischen Anstieg an Erfüllung, Zufriedenheit und Bedeutung in Ihrem Alltag feststellen. Weil Sie nur noch Dinge tun, die wirklich einen Sinn haben, und sämtlichen sinnlosen Tätigkeiten eine klare Absage erteilen. Damit Ihnen das in Zukunft noch wesentlich leichter fällt, möchte ich Ihnen gern drei konkrete Tools vorstellen, die Sie bei der Kultivierung des kritischen Denkens unterstützen.
 

Kritisches Denken Tool #1: Stellen Sie die Sinnfrage

Der beste Wegweiser, den wir im Leben haben, ist der Sinn. Dieser gibt einem gewöhnlichen Job eine Bedeutung, einer Routine eine Daseinsberechtigung und unserem Leben Signifikanz. Nur am Rande: Etwas kann sinnvoll sein oder Sinn haben, aber die weitverbreitete Redewendung „Das macht Sinn“ ist sinnlos. Dies ist wieder ein Beispiel dafür, dass etwas von allen verwendet und dann schließlich von niemandem mehr kritisch hinterfragt wird.
 
Kommen wir nun zu der alles entscheidenden Frage, mit der Sie die Meinungen, Vorurteile, Werte, Überzeugungen und vermeintlichen Tatsachen Ihres Umfelds und natürlich auch von Ihnen selbst zuverlässig auf den Prüfstand stellen können. Die Frage lautet: Woher weiß ich das? Um eine Antwort geben zu können, zwingen Sie sich selbst, zum Kern Ihrer Ursprungserfahrung durchzudringen, und dadurch die Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Je häufiger Sie sich diese Frage stellen, desto mehr werden Sie feststellen, wie viele Meinungen und Überzeugungen wir einfach von anderen Menschen, den Medien oder unserem Umfeld übernommen haben. Das erfordert auf der einen Seite natürlich Mut, andererseits ist es die einzige Möglichkeit, wenn Sie ein selbstbestimmtes und auf eigenen Standards basierendes Leben führen wollen.
 

Kritisches Denken Tool #2: Erstellen Sie eine Not-to-do-Liste

Ja, Sie haben richtig gelesen. Erstellen Sie eine Liste mit Dingen, die Sie ab sofort und ganz bewusst nicht mehr tun werden. Denn ist es nicht so? Eine klassische To-do-Liste nimmt gern einmal gigantische Ausmaße an, und oftmals fühlen wir uns von der Masse an Verpflichtungen schlicht und einfach überfordert. Dagegen gibt es zum Glück ein extrem wirkungsvolles Gegenmittel: Prioritäten setzen und konsequent 
 
Nein sagen. Nein zu den Zeitfressern. Nein zum Verzetteln. Nein zu all den Aufgaben, mit denen wir uns tagein tagaus so gern beschäftigen, die uns aber schlussendlich nicht einen Zentimeter näher an unsere Ziele bringen. Je mehr Sie dieses Nein sagen kultivieren, desto mehr sagen Sie gleichzeitig Ja. Ja zu mehr persönlicher Freiheit. Ja zu mehr Fokussierung. Ja zu mehr Selbstbestimmung. Schnappen Sie sich also Ihr Journal oder ein Blatt Papier, und dann notieren Sie all die Dinge, die Sie ab sofort nicht mehr tun werden. Schon nach wenigen Tagen werden Sie feststellen, wie Ihr Zeitmanagement effektiver und produktiver wird. Und als schöner Nebeneffekt erhöht sich beim Erstellen Ihrer Not-to-Do-Liste auch zeitgleich Ihr innerer Klarheitsgrad.
 

Kritisches Denken Tool #3: Erstellen Sie eine IDGAF-Liste

Und schon kommt die nächste Liste, die es so richtig in sich hat. Ähnlich wie die Not-to-to-Liste legt auch ihre große Schwester, die IDGAF-Liste, ihren Fokus auf das Loslassen, das Nein sagen und das sich abgrenzen. Allerdings ist ihre Wirkung noch eine Spur kraftvoller. Und natürlich ist auch der Name eine Spur cooler, denn IDGAF steht für „I don´t give a fuck!“. Und genau diese Attitüde ist unabdingbar, wenn Sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollen. Denn je mehr Sie Ihr Ding machen, desto mehr werden Sie in Ihrem Umfeld folgende Reaktionen erleben: Unverständnis, Kritik, Ablehnung, Besserwisserei, Nörgelei, aktive Opposition und sehr gern auch subtile emotionale Erpressung. Sie hören Sätze wie „Du kannst doch nicht einfach…“, „Du solltest aber…“ oder „Du musst dringend …“. Kommt Ihnen das bekannt vor?
 
Auf der einen Seite können Sie ein wenig stolz sein, wenn Sie solche Reaktionen auf Ihre Persönlichkeit erhalten, weil Menschen sich ausschließlich an Ecken und Kanten reiben können. Andererseits kann es aber auch zu einer echten Belastung werden, wenn der Gegenwind zu heftig wird. Umso wichtiger ist es, sich davon zu lösen, was andere Menschen über Sie denken, von Ihnen erwarten oder verlangen, wie Sie zu funktionieren haben. All das können Sie zwar nicht verhindern, aber Sie können die Entscheidung treffen, dass es Sie ab sofort nicht mehr interessiert. 
 
Orientieren Sie sich daher ab sofort am Mantra von Bestsellerautor Tommy Jaud, der es so wunderbar auf den Punkt gebracht hat: „Einen Scheiß muss ich!“ Und dann erstellen Sie Ihre ganz persönliche IDGAF-Liste. Notieren Sie alles, was Ihnen am Allerwertesten vorbeigeht: Ob anderen Menschen Ihr Leben, Ihre Meinung, Ihre Entscheidungen oder Ihre Ideen passen. Wie Ihre Kleidung ankommt, was man zu Ihrem Fahrstil oder Musikgeschmack sagt. All die vielen Dinge, bei denen Sie innerlich sagen: „I don´t give a fuck! So lange es mich glücklich macht, ist es mir egal, was andere Menschen davon halten.“ Je mehr Sie sich auf diese Weise von den Erwartungen anderer lösen, desto mehr können Sie sich an Ihrem eigenen Anspruch und den eigenen Standards orientieren.
 

Die Kunst des kritischen Denkens

Mit diesen drei Tools bringen Sie die Fähigkeit des kritischen Denkens auf ein neues Level. Hängen Sie die beiden Listen am besten gut sichtbare an Ihrem Arbeitsplatz auf, damit Sie sich jeden Tag daran orientieren können. Und dann genießen Sie Ihr Leben als kritischer Denker. Sie mögen Sie anderen Menschen in einer Zeit der Gleichmacherei, der Uniformität und des Mittelmaßes zwar häufig wie ein Exot vorkommen, aber es ist die einzige Möglichkeit, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Tja, und selbstverständlich sollten Sie auch diese Behauptung umgehend einer kritischen Prüfung unterziehen.
 
Und natürlich interessiert mich sehr, wie Sie das Thema „Kritisches Denken“ sehen. Schreiben Sie mir Ihre Meinung als Kommentar…

Trag Dich für die Change Monday Impulse ein.

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