40 Lebenslektionen, die ich gerne mit 40 gewusst hätte

Vor Kurzem habe ich die magische Marke der 50 geknackt und damit mindestens die Hälfte des Lebens hinter mir (wobei, wenn man manchen Zukunftsforschern Glauben schenkt, dann könnte ich sogar noch etwas mehr Zeit haben). Der Gedanke an meine eigene Sterblichkeit machte mir bewusst, wie viele Perspektiven sich in der letzten Dekade für mich verändert haben.

Erst in den letzten zehn Jahren habe ich wirklich und in voller Gänze verstanden, dass es nicht um das längst akzeptierte Schneller-Höher-Weiter, um sinnlose Überstunden im Büro und das fast schon zwanghafte Anhäufen von belanglosem Zeugs geht, sondern dass Sinnhaftigkeit, eine tiefe innere Zufriedenheit und die Beziehungen zu anderen Menschen die Essenz eines erfüllten Lebens sind. Zwangsläufig musste ich an den Philosophen Søren Kierkegaard denken, der einst so treffend feststellte, dass das Leben vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden wird. Denn je mehr ich über meine Erkenntnis nachdachte, desto mehr wünschte ich mir, diese schon zehn Jahre früher gehabt zu haben.

Worum geht es wirklich im Leben?

Aber da Lamentieren nichts bringt, erinnerte ich mich an einen Satz, der mir im Leben schon häufig eine wichtige Stütze war, wenn ich mal wieder das Gefühl hatte, dass ich eine bestimmte Chance vertan oder eine gute Gelegenheit verpasst hatte: „Der beste Zeitpunkt, um einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Der Zweitbeste ist heute“. Wie wahr. Es ist niemals zu spät, einen Unterschied zu machen.

Also schnappte ich mir mein Journal und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Herausgekommen ist meine ultimative Liste mit 40 Lebenslektionen, von denen ich mir gewünscht hätte, dass ich sie schon gewusst hätte, als ich 40 Jahre alt war. Und da wir gerade beim Wünschen sind. Es wäre das absolut Größte für mich, wenn die eine oder andere Idee auch für dich wertvoll ist, sodass du einen ähnlichen Prozess wie ich startest, und heute die Entscheidung triffst, deinen ganz eigenen Baum der Veränderung zu pflanzen.

40 Lebenslektionen, die ich gerne mit 40 gewusst hätte

  1. Das Leben ist kurz und kann jeden Augenblick vorbei sein. Die ultimative Aufgabe ist es daher, jeden einzelnen Moment voller Intensität und Dankbarkeit zu genießen.
  2. Geld ist nicht alles. Aber ohne Geld ist alles nichts.
  3. Es ist total okay, ein Leben zu führen, das andere Menschen nicht verstehen.
  4. Die Dauerbeschallung mit atomisierten Ideen, Botschaften und Narrativen im Internet ist die größte Gefahr für dein Gehirn. Bewusste Auszeiten und die Nutzung von analogen Medien sind daher das größte Geschenk, das ich mir selbst machen kann.
  5. In jeder einzelnen Interaktion beeinflussen wir die Menschen um uns herum. Und ich habe die Wahl, ob dies auf eine positive oder negative Art und Weise geschieht.
  6. Glück spielt eine wichtige Rolle. Manchmal müssen wir einfach am richtigen Ort zur richtigen Zeit auf die richtigen Menschen treffen. Doch je häufiger wir Wagnisse eingehen, desto häufiger laden wir das Glück ein, bei uns vorbeizuschauen.
  7. Die schönsten Geschenke im Leben kommen oftmals in der miesesten Verpackung daher.
  8. Erholsamer Schlaf, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind nicht „nice to have„, sondern essenziell.
  9. Ein gemeinsamer Abend mit meinen Kindern bringt mir so viel mehr Erfüllung und Glück, als es alle Partys, Events und Szeneveranstaltungen jemals tun könnten.
  10. Ich habe in jeder Situation mindestens drei Wahlmöglichkeiten. Und manchmal dauert es eine ganze Zeit, bis ich sie erkenne.
  11. Der beste Zeitpunkt für eine Veränderung ist immer heute, egal, wie klein der erste Schritt auch sein mag.
  12. Wenn sich etwas zu gut anhört, um wahr zu sein, dann ist es das auch niemals.
  13. Respekt kann man niemals verlangen. Ich muss ihn mir erarbeiten.
  14. Um eine finanzielle Gelassenheit zu erlangen, sollte man immer ausreichend Ersparnisse zurückgelegt haben, um sechs bis zwölf Monate ohne jegliches Einkommen überbrücken zu können.
  15. Mir selbst treu zu bleiben und nach meiner Blaupause der Freiheit zu leben ist wesentlich wichtiger als das Bedürfnis, von anderen Menschen gemocht zu werden.
  16. Nirgends wird so viel gelogen wie auf Social Media. Die Bilder, Videos und Posts haben selten etwas mit dem echten Leben zu tun, in dem wir alle mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen haben.
  17. Humor ist die wichtigste Eigenschaft überhaupt. Deshalb lache ich viel, oft und insbesondere über mich selbst.
  18. Alles im Leben hat seine Zeit. Menschen, Orte und Prioritäten.
  19. Wenn mir die Lösung eines Konflikts wirklich wichtig ist, dann warte ich nicht, dass andere Menschen die Initiative ergreifen. Ich gehe selbst den ersten Schritt, tätige den Anruf oder suche das Gespräch.
  20. Niemand gewinnt alleine. Erfolg in sämtlichen Lebensbereichen steht und fällt mit den Menschen, die mich auf meinem Weg begleiten.
  21. Motivation ist nicht die Voraussetzung, um ins Handeln zu kommen, sondern das Ergebnis konsistenter Umsetzung.
  22. Nichts macht unglücklicher, als immer wieder „Ja“ zu sagen, obwohl man eigentlich „Nein“ meint.
  23. Reife, Weisheit und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen sind keine Frage des Alters. Ich kenne flexible und innovative 70-Jährige genauso wie Studenten, die denken, dass sie mit 25 „fertig“ wären, weil sie bereits alles wissen und können.
  24. Jeder einzelne Mensch trägt seine persönlichen emotionalen Rucksäcke mit sich herum, und wir haben einfach keinen blassen Schimmer, durch welche Täler sie gerade gehen. Wir sollten es daher unterlassen, vorschnell über andere zu urteilen.
  25. Es ist so unfassbar wichtig, AuJa zu meinen Träumen zu sagen. Denn nichts, aber auch nichts ist schlimmer, als dieses nagende Gefühl, wenn man eines Tages zurückblickt, und es bereut, etwas nicht gewagt zu haben.
  26. Eine der wichtigsten Gewohnheiten, die ich mir angeeignet habe: Jedes einzelne Mal die Treppe statt den Aufzug zu nehmen.
  27. Es ist super easy, andere Menschen zu belügen. Aber dem Menschen, der mich jeden Morgen im Spiegel anblickt, kann ich auf Dauer nichts vormachen.
  28. Ich kämpfe wie ein Löwe für meine Träume. Aber niemals gegen mich selbst.
  29. Je mehr bewusste Pausen ich mir gönne, desto kreativer und produktiver werde ich.
  30. Es gibt keinen weißen Ritter, der irgendwann angeritten kommt, um uns zu retten. Wenn wir mit irgendetwas unzufrieden sind, dann müssen wir etwas verändern.
  31. Nur, weil ich noch keine Lösung für ein Problem gefunden habe, bedeutet dies nicht, dass es keine gibt.
  32. Bei wichtigen Entscheidungen schlafe ich immer mindestens eine Nacht drüber, um die intensiven Emotionen aus dem Spiel zu nehmen.
  33. Die drei großen L’s: Leben. Lieben. Lachen.
  34. Hartnäckigkeit, Disziplin und Commitment sind wichtig. Aber es braucht eben auch das entsprechende Talent, um es im Sport, in der Musik oder einem anderen Lebensbereich unter die Besten zu schaffen.
  35. Ich spüre eine riesige Dankbarkeit für die vermeintlich kleinen Dinge im Leben, die wir viel zu häufig als selbstverständlich annehmen.
  36. Wir sind alle keine Gedankenleser. Es ist daher wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, dass andere Menschen unsere Erwartungen nur dann erfüllen können, wenn wir diese klar kommunizieren.
  37. Der Schlüssel zur Gelassenheit: Leben und leben lassen.
  38. Wenn sich etwas richtig gut anfühlt, dann kann es so schlecht nicht sein.
  39. Je älter ich werde, desto stärker vertraue ich meinem Instinkt und Bauchgefühl. Es hat mich noch nie im Stich gelassen.
  40. 40 ist nicht alt!

Gibt es einen bestimmten Satz, der mit dir besonders resoniert? Und fällt dir etwas ein, das du unbedingt ergänzen würdest? Dann freue ich mich auf Deinen Kommentar.

Schluss mit dem Selbstoptimierungswahn

Schluss mit dem Selbstoptimierungswahn. Diesen Satz würde ich am liebsten täglich all den Menschen zurufen, die sich nichts Sehnlicher wünschen, als erfolgreich, finanziell frei und generell glücklich im Leben zu sein. Und gleichzeitig aber – durch unbewusste Programmierungen getrieben – alles dafür tun, ihre bewusst gesetzten Ziele aufzuschieben oder gar aktiv zu sabotieren.

Und nur, dass wir uns richtig verstehen, es handelt sich dabei fast immer um positive Persönlichkeiten, die verstanden haben, dass Veränderungen zum Leben dazu gehören wie die Luft zum Atmen, und dass fehlendes mentales Wachstum unweigerlich in Tristesse, Unzufriedenheit und Frustration mündet. Gehört man nämlich zu dieser Kategorie, hat man häufig mit einem viel größeren – und weitgehend unbeachteten – Problem zu kämpfen. Ich spreche von der Tendenz, zu viel verändern zu wollen.

Ja, du hast richtig gelesen. Auch wenn Change Management eine ganz wundervolle Sache ist, kommt es wie immer im Leben darauf an, die richtige Balance zu finden. Oder wie es der Arzt Paracelsus bereits im 15. Jahrhundert formulierte: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Was ist der Selbstoptimierungswahn?

Übertreibt man es nämlich mit den Veränderungen, dann führt dies mit an ein Schweizer Uhrwerk erinnernder Präzision zu einem Phänomen, das auch als Selbstoptimierungswahn bekannt ist. Damit meine ich den unbewusst verspürten Druck, den Status quo mit aller Macht bekämpfen zu müssen. Und dies führt häufig zu einem fast zwanghaften Drang nach vermeintlicher Verbesserung, neuen Stimuli und einer permanenten Rastlosigkeit.

Die Resultate dieses Zustands sind noch gefährlicher als die altbekannte Veränderungsresistenz. Von einer inneren Unzufriedenheit angetrieben, wird man zu seinem größten Kritiker, probiert wahllos neue Wege aus und übertreibt es mit der Optimierung der vermeintlichen Schwachstellen. Bis der ehemals positive Ansatz zu einer sich selbst verstärkenden Negativspirale wird, die von Angst, Druck und einer Tendenz zu Aktionismus geprägt wird. Egal, ob etwas sinnvoll ist oder nicht, Hauptsache man hat etwas verändert.

Doch damit nicht genug. Denn dieser sowohl schleichend, insbesondere aber unbewusst stattfindende Prozess mündet unweigerlich in Energielosigkeit, permanentem Stress und Überforderung. Und führt in letzter Konsequenz dazu, dass man noch viel unglücklicher ist, als all die Besitzstandswahrer, Status-Quo-Verteidiger und Vergangenheitsfestklammerer zusammen. Und das, obwohl man auf der bewussten Ebene alles dafür tut, das genaue Gegenteil zu erreichen.

Zu viel Veränderung verursacht Stress und macht unglücklich

Diverse empirische Studien (u.a. Stephan Grünwewald und Pr. Dr. Ernst von Kardorff) belegen die negativen Auswirkungen des dauerhaften Veränderungsdrucks auf unsere Psyche und generelle Gesundheit, aber auch der gesunde Menschenverstand legt die gleiche Schlussfolgerung nahe. Kennst du nicht auch Menschen, die es mit dem Change im Laufe der Zeit einfach übertrieben haben? Die ihr Verhalten, ihre Kommunikation, ihre Glaubenssätze, ihre Arbeitsabläufe und ihre vermeintlichen Schwächen so lange optimiert haben, dass sie überhaupt keine Ecken und Kanten mehr besitzen, weil sie komplett glatt geschliffen sind? Vor lauter Selbstoptimierungswahn haben diese Menschen überhaupt nicht wahrgenommen, dass der Kipppunkt längst überschritten wurde, durch den sich ihre ursprünglich positiven Veränderungen verselbstständigt haben.

Was ich damit meine? Dass grundsätzlich gute Eigenschaften ab einem bestimmten Punkt kontraproduktiv oder sogar destruktiv werden können. Lass mich dir einige Beispiele geben. Würdest du mir zustimmen, dass Liebe etwas Wunderschönes ist? Gut, das war jetzt eine rhetorische Frage. Aber was passiert, wenn man es übertreibt, wenn man obsessiv liebt? Dann führt diese eigentlich positive Eigenschaft irgendwann zu Besessenheit und belastender Klammerei. Aus wünschenswerter Sparsamkeit wird bei dauerhafter Übertreibung Geiz. Aus Skepsis wird Paranoia. Und Offenheit kann irgendwann leicht in Richtung Beliebigkeit kippen. Ich könnte die Liste noch weiterführen, aber ich denke, dass deutlich geworden ist, worauf ich hinauswill, nicht wahr?

Der Selbstoptimierungswahn im Alltag

Um den Kipppunkt im Kontext von Veränderungen zu veranschaulichen, wollen wir uns den typischen Tagesablauf eines fiktiven Menschen anschauen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein erfolgreiches und glückliches Leben zu führen. Um es etwas plastischer zu machen, wollen wir diese Person Hans-Uwe nennen, der vor Kurzem seinen gut bezahlten Job als IT-Administrator in einem großen Konzern hingeschmissen hat, um seiner Leidenschaft zu folgen und sich selbstständig zu machen. Wie genau sein Geschäftsmodell aussieht, kann Hans-Uwe noch nicht genau formulieren, aber er spürt genau, dass es sich um sein absolutes Herzensbusiness handelt.

Angetrieben von den gängigen Botschaften auf Social Media, den Ratschlägen in Büchern und den Kalendersprüchen einschlägiger YouTube-Videos hat Hans-Uwe es sich auf die Fahne geschrieben, seine persönliche Entwicklung nicht dem Zufall zu überlassen. Aus diesem Grund steht er auch bereits um 5 Uhr morgens auf. Warum? Ganz einfach. Uwe ist Mitglied im berühmten 5am Club.⁠ Während andere noch schlafen, arbeitet Uwe bereits am Thema Persönlichkeitsentwicklung. Und das, obwohl er eigentlich ein Nachtmensch ist. Unausgeschlafen und müde startet er mit einer Stunde im Gym, um sich dort mit einem intensiven EMS-Workout und einer neuartigen Yogatechnik optimal auf den Tag einzustellen. Nach einer kalten Dusche steht zunächst eine Meditation auf dem Terminplan, gefolgt vom Ausfüllen des Erfolgsjournals. Um 7 Uhr frühstückt Hans-Uwe dann. Da er allerdings seine Kalorien genauestens mit einer App trackt, gibt es statt Brötchen mit Nutella nur einen Bullet Proof Coffee, denn jemand hat Hans-Uwe einst erzählt, dass dies das wahre Breakfast for Champions sei.

Hungrig, aber entschlossen visualisiert er dann seine Ziele für den Tag, die er mit der SMART-Formel schriftlich festgehalten hat. Da dies allein aber noch nicht ausreichend ist, unterstützt er den Prozess mit entsprechenden Affirmationen, die er vor dem Spiegel aufsagt und mit seiner persönlichen Power Pose abschließt.⁠ Die To-do-Liste für den Vormittag hat er mit der Eisenhower-Matrix festgelegt, und damit er maximal produktiv ist, nutzt er die Pomodoro-Technik für eine optimale Nutzung seiner knappen Zeit. In den wenigen Pausen holt er sich immer wieder Inspiration auf Instagram, wo er der Crème de la Crème der Motivationsbranche folgt, die ihn regelmäßig mit Zitaten versorgen, die ihn daran erinnern, wie wichtig es ist, ein Adler zu sein und auf keinen Fall ein Huhn.

So langsam knurrt Hans-Uwe der Magen richtig laut, denn weil er der Philosophie des Intermittent Fasting folgt, darf er nur zwischen 12 Uhr und 20 Uhr feste Nahrung zu sich nehmen. Da Gewinner aber wissen, dass Kohlenhydrate müde machen, genießt er einen Green Smoothie aus seiner dreiwöchigen Saftkur, die er sich gerade für mehrere hundert Euro gekauft hat. Auf dem Weg zu einem Networkingtermin (er ist immer offen für Synergien) vertrödelt Hans-Uwe nicht etwa seine Zeit, sondern hört stattdessen den Podcast eines von ihm bewunderten Gurus (natürlich in 2,7-facher Geschwindigkeit), der ihn auditiv immer wieder daran erinnert, dass man es nur zu etwas bringen würde, wenn man bereit ist, die Extra-Meile zu gehen. Da er vor dem Termin noch etwas Zeit hat, übt er sich in der Wim Hof Atemtechnik, die ihn in die Lage versetzt, noch effizienter mit seinem stressigen Alltag als Entrepreneur in Spe umzugehen.

Nach einem gleichsam anstrengenden wie ergebnislosen Nachmittag macht Hans-Uwe nicht etwa Feierabend, denn er ist ja schließlich ein Adler. Stattdessen loggt er sich in den wöchentlich stattfindenden Inner Circle Call seiner exklusiven Gewinnermastermindgruppe ein, die von seinem Guru angeboten wird, und dessen Mitglied er seit Kurzem für einen Jahresbeitrag von nur 35 Tausend Euro geworden ist. Hans-Uwe hat jetzt zwar Probleme, seine Miete pünktlich zu bezahlen, aber der Guru hat ihm versichert, dass er es nie zu etwas bringen würde, wenn er nicht in seine persönliche Entwicklung investieren würde. Nach dem Meeting hat er zwar immer noch keine Idee, wie er zu mehr Geld kommen könnte, dafür hat er aber den brandneuen Onlinekurs des Coaches gekauft, den es nur an diesem Abend zum Sonderpreis für 2.999 € gab.

Zum Ausklang des Tages gönnt sich Hans-Uwe eine Session mit seiner brandneuen Mind-Spa App, bevor er um kurz nach Mitternacht noch schnell zu seinem Erfolgstagebuch greift, um den Tag schriftlich zusammenzufassen. Doch er muss sich beeilen, denn schon in wenigen Stunden ist es wieder 5 Uhr, und der ganze Stress geht von vorne los.

Der Selbstoptimierungswahn als Ursache für Unzufriedenheit

Ja, ich gebe zu, dass ich zur Verdeutlichung manche Dinge etwas übertrieben dargestellt habe. Aber kommt dir all das nicht auch ein wenig bekannt vor? So wie Hans-Uwe geht es mittlerweile vielen Menschen. Und zwar unabhängig davon, in welcher Lebenssituation sich diese aktuell befinden. Es betrifft die Studentin genauso wie den Solopreneur, die Managerin, die Außendienstlerin oder den alleinerziehenden Vater. Kein Wunder, denn die Welt dreht sich immer schneller, und die Taktung, die Intensität und die Unberechenbarkeit von externen Veränderungen und globalen Krisen haben im Laufe der letzten Jahre massiv zugenommen.

Algorithmen bestimmen unseren Alltag, für jedes Problem gibt es heute eine passende Software und eine nicht gerade kleine Anzahl an Jobs wird in der Zukunft von künstlicher Intelligenz oder Maschinen übernommen werden. Immer mehr Menschen spüren instinktiv, dass wir uns an einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte befinden. Und diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Schlagworte wie Change Management, Transformation und Persönlichkeitsentwicklung mittlerweile omnipräsent geworden sind. Weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass man entweder auf den Zug der Veränderung aufspringen kann, oder sich irgendwann einsam und verlassen am Bahnsteig wiederfindet.

An dieser Stelle kommt die übertriebene Selbstoptimierung ins Spiel. So erfreulich es auf den ersten Blick auch erscheinen mag, dass der aktive Umgang mit dem Wandel eine immer größere Priorität genießt, so fatal sind häufig die konkreten Resultate der Anstrengungen. Denn die traditionellen Seminare, Programme, Schulungen und Bücher, die sich dem Thema widmen, basieren alle auf einer grundlegenden Prämisse: So wie man es bisher gemacht hat, ist es leider nicht mehr ausreichend. Es brauche neue Ideen, neue Wege und vor allem eines: Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit durch kontinuierliche Veränderungen.

Die fatalen Botschaften der Persönlichkeitsentwicklung

Doch wie sehen die darauffolgenden Bemühungen in der Regel aus? Schlag ein beliebiges Buch aus der Self-Help Szene auf, und du wirst die immer gleichen Botschaften finden, die mehr oder weniger subtil kommuniziert werden:

  • Dir fehlt etwas.
  • Du bist nicht gut genug.
  • Du hast dringenden Optimierungsbedarf.

Als Lösungen werden dann Modelle, Techniken und Werkzeuge vorgeschlagen, die alle in einer makellosen, außergewöhnlichen und vor allem perfekten Zukunft münden. Und die Versprechen klingen ja durchaus verlockend. Jeder könne seinen Traum leben, einen gut bezahlten Job haben, fit und gesund sein, glückliche Beziehungen führen, finanziell ausgesorgt haben und frei von Sorgen sein. Wenn, ja wenn man die Anweisungen der Experten nur perfekt und bis ins letzte Detail ausführen würde. Natürlich springt einem der Haken an dieser Herangehensweise sofort ins Auge.

Wir Menschen sind einfach nicht perfekt. Wir haben unsere Schwächen, sind nicht immer so diszipliniert, wie wir es gerne wären und auch unsere Motivation ist gelegentlich im Keller. Und wenn unperfekte Menschen nach einem perfekten Zustand streben, dann ist das Desaster zwangsläufig vorprogrammiert. Getriggert von den Suggestionen des „Dir fehlt etwas, du bist nicht gut genug und du hast dringenden Optimierungsbedarf“ versucht man verzweifelt, die eigenen Schwachstellen abzubauen.

Den Status quo mit aller Macht zu bekämpfen. Die eigene Persönlichkeit neu aufzustellen. Nichts dem Zufall zu überlassen und jedes einzelne Detail des Lebens zu steuern, zu kontrollieren und zu optimieren. Angetrieben von Tools, Methoden und der regelmäßigen Erinnerung an den notwendigen Optimierungsbedarf entwickelt man sich sukzessive zu einer menschlichen Laborratte, die so sehr damit beschäftigt ist, den vermeintlichen Mangel zu beseitigen, dass man irgendwann den eigentlichen Grund aus den Augen verliert, warum man ursprünglich mit all den Mühen begonnen hat: Ein erfülltes und zufriedenes Leben zu führen, das diesen Namen auch verdient hat.

Persönliche Veränderung bedeutet nicht, etwas optimieren zu müssen

Hand aufs Herz, hast du bei all den Veränderungen im persönlichen Alltag, dem dreiundzwanzigsten beruflichen Changeprozess innerhalb von fünf Jahren und den zahlreichen Krisen, mit denen wir uns immer häufiger auseinandersetzen müssen, nicht auch schon gedacht: „Mir reicht es jetzt, ich bin doch keine Maschine“? Dann möchte ich dir gerne einen Ansatz vorstellen, der es dir erlaubt, positive und nachhaltige Veränderungen zu erreichen, ohne dich dabei im Selbstoptimierungswahn zu verfangen. Meine These lautet:

Veränderung gelingt dann am besten, wenn du dich von dem Gedanken verabschiedest, dass es etwas zu optimieren gäbe.

Das exakte Gegenteil ist nämlich der Fall, und am besten liest du dir den folgenden Satz so oft durch, bis du ihn tief in deinem Innersten verankert hast:

Du bist gut so, wie du bist.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass dieser Satz ein wenig kitschig daherkommen könnte, aber er trifft den Nagel nun einmal auf den Kopf. Du bist eine wundervolle und wertvolle Persönlichkeit mit den unterschiedlichsten Facetten. Mit all deinen Stärken und Schwächen. Mit all deinen Ecken und Kanten. Und egal, ob du mit deiner aktuellen Lebenssituation zufrieden bist, oder am liebsten noch einmal komplett von vorne anfangen würdest, es gibt nichts, aber auch gar nichts zu optimieren.

Schluss mit dem Selbstoptimierungswahn

Gibst du mir deine Hand drauf, dass du diese Tatsache nie wieder vergessen wirst? Wunderbar, dann hat sich für mich das Schreiben dieses Artikels bereits jetzt mehr als gelohnt. Und selbstverständlich bedeutet die Akzeptanz der individuellen Einzigartigkeit nicht, dass deine Zukunft nicht noch glücklicher, erfolgreicher oder erfüllter sein könnte. Ganz im Gegenteil, ich würde mir sogar wünschen, dass dein Kopf voller großer Ideen, mutiger Ziele und komplett verrückter Träume ist. Du weißt schon, ich spreche von der Art von Träumen, bei denen dein Umfeld anfängt zu schwitzen, und dich fragt: „Du willst WAS tun?“

Glaub mir, wir alle haben diese Träume. Aber nur die wenigsten trauen sich auch, sie wirklich zu leben. Weil die große Masse sich lieber im destruktiven Labyrinth des Selbstoptimierungswahns verirrt, anstatt die notwendigen Veränderungen mit der richtigen Balance anzugehen. Denn nicht alles, was alt ist, ist automatisch schlecht. Und nicht alles, was neu ist, ist per se gut. Es kommt immer auf eine ausgewogene Mischung an.

Wenn du gar nichts veränderst, dann bleibt eben auch alles, wie es ist. Und dieses fehlende persönliche Wachstum ist es, warum ein Großteil unserer Gesellschaft heute so frustriert und desillusioniert durch den Alltag geht. Genauso falsch ist es allerdings auch, wenn du es mit der Veränderung übertreibst. Wenn du keinen Stein auf dem anderen lässt, zu viel auf einmal willst und dir so sehr einredest, dass du die eigenen Schwachstellen abbauen müsstest, dass du dich im Laufe der Zeit immer mehr von sich selbst wegbewegst.

Veränderung ist Balance. Immer. Und dabei wünsche ich dir jeden Erfolg dieser Welt.

Schöner Scheitern – Denn Erfolg ist kein Glück

Was ist für dich das Gegenteil von Erfolg? Die Chancen stehen gut, dass du spontan mit Scheitern, Fehler machen oder gar Versagen geantwortet hast. Doch das könnte falscher nicht sein. Ganz im Gegenteil, denn Scheitern gehört nicht nur zum Erfolg dazu, es ist sogar ein essenzieller Bestandteil. Denn nur wer Fehler macht, der entwickelt sich auch weiter und lernt dazu. Die Philosophie des „Schöner Scheitern“ ist also unabdingbar, wenn du persönlich und beruflich wachsen möchtest. Und in diesem Blogartikel wollen wir uns einmal anschauen, wie dir das am besten gelingt.

Die Angst vor dem Scheitern

Wohin du auch blickst, überall herrscht mehr oder weniger Stillstand. Man traut sich nicht mehr, innovativ zu denken, mutige Entscheidungen zu treffen, und die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Stattdessen geht man lieber auf Nummer Sicher und verwaltet den zwar ungeliebten, aber gleichsam gewohnten Status quo. Und der Grund ist so einfach wie tragisch. Würdest du die handelnden Personen fragen, dann würdest du eine Variation der folgenden Antworten erhalten: „Dafür bin ich nicht zuständig„, „Das lässt sich nicht so einfach ändern“ oder natürlich der berühmt-berüchtigte Klassiker „Das haben wir schon immer so gemacht.“  Und diese gleichgültige Haltung führt dann dazu, dass man Dienst nach Vorschrift macht, über Sinn und Unsinn von Regeln gar nicht erst nachdenkt oder auf ein digitales Problem mit einem Prozess reagiert, der noch aus der guten, alten analogen Zeit stammt. Oder anders ausgedrückt: Man versucht ein Problem von heute mit den Methoden und Ansätzen von vorgestern zu lösen.

Aber woran liegt diese grundsätzliche Weigerung, sich auf innovative Ideen, neue Wege und mögliche Verbesserungen von Abläufen einzulassen? In Organisationen ist es so gut wie immer eine negative Fehlerkultur in Kombination mit einer Führungskultur, die auf Druck und Angst basiert. Das sieht dann in der Regel wie folgt aus. Irgendjemand begeht einen Fehler, worauf umgehend die Suche nach einem Schuldigen beginnt. Ist dieser erst einmal identifiziert, wird auf eine verurteilende Art und Weise mit dem Finger auf diese Person gezeigt, die dadurch vor Scham am liebsten in Grund und Boden versinken würde. Die Folge? Schleichend entwickeln die Menschen eine tief sitzende Angst davor, Fehler zu machen. Kein Wunder, wenn mögliche Konsequenzen wie Abmahnungen, öffentliche Demütigung oder gar Kündigung permanent wie ein Damoklesschwert über einem schweben. Und so kommt es, dass überhaupt keine Entscheidungen mehr getroffen werden, niemand mehr ein Risiko eingeht und sich im besten Fall nur noch Dienst nach Vorschrift auf der Tagesordnung befindet. Viel häufiger passiert aber nicht mal mehr das, sondern es wird ausschließlich noch der Stillstand verwaltet. Eine logische Konsequenz, denn wer nichts tut, der kann schließlich auch keine Fehler begehen. Eine tragische Entwicklung, die früher oder später in einer toxischen Unternehmenskultur endet.

Die Negativspirale einer destruktiven Fehlerkultur

Aber auch auf der persönlichen Ebene haben viele Menschen eine fast schon panische Angst vor dem Scheitern entwickelt. Weil Misserfolge in den unterschiedlichsten Lebensbereichen fast schon automatisch mit der Überzeugung einhergehen, dass man ein Versager sei. Und dies führt zu einem faszinierenden Dilemma. Je verkrampfter man versucht, bloß keine Fehler zu machen, desto häufiger treten diese auf, was auf Dauer das Selbstvertrauen richtig in den Keller sinken lässt. Ich möchte an dieser Stelle einen Zusammenhang gerne besonders herausstellen: Der größte Erfolgsverhinderer von Veränderungen ist der Faktor Druck.

Und damit meine ich sowohl die äußeren Zwänge und Erwartungen, insbesondere aber die innere Angst vor möglichen Fehlern und die daraus resultierende Belastung, der wir uns selbst aussetzen. Die emotionale Last, in einem ganz bestimmten Zeitraum ein spezifisches Ergebnis erzielen zu müssen, auf keinen Fall scheitern zu dürfen und permanent gegen den Status quo deines Jobs, deiner Gesundheit, deiner Finanzen, deiner Beziehungen und deiner generellen Zufriedenheit im Leben ankämpfen zu müssen. Die Lösung ist wie so häufig sehr einfach, aber auf keinen Fall leicht. Die Kunst ist es, den Druck und die Angst vor Fehlern aus Ihrem Leben zu verbannen und durch eine gesunde Portion Gelassenheit zu ersetzen.

Druck und Angst verhindern den Erfolg

Würdest du mir zustimmen, dass du immer dann besonders erfolgreich bist, wenn du Aufgaben entspannt, gelassen und mit einer großen Portion Selbstvertrauen angehst? Und dann verkrampfst, wenn du Fehler unbedingt vermeiden willst, dem Druck nicht standhalten kannst und ein gewünschtes Ergebnis so dringend brauchst, dass du bei der Umsetzung wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange erstarrst? Nimm zum Beispiel meine Lieblingssportart Golf. Egal, ob du jemals in deinem Leben einen Schläger in der Hand gehalten hast oder nicht, einen Putt aus einem halben Meter Entfernung würdest du mit hoher Wahrscheinlichkeit in neun von zehn Fällen ganz locker einlochen.

Aber wie sähe es aus, wenn es der letzte Putt beim wichtigsten Turnier der Welt wäre? Wenn das Ergebnis über ewigen Ruhm oder das Image eines Versagers entscheiden würde? Wenn du wüsstest, dass du nur noch einen Schlag von ungeahntem Reichtum auf deinem Konto entfernt wärst? Unter solchen Rahmenbedingungen wirken die fünfzig Zentimeter auf einmal unendlich lang. Weil das Herz schneller schlägt. Die Hände zu schwitzen beginnen. Und dein innerer Dialog dich permanent daran erinnert, was alles schiefgehen kann. Eine vollkommen leichte Tätigkeit wird unter Druck auf einmal zur schwersten Aufgabe der Welt.

Dieses Phänomen taucht im Alltag übrigens ständig und überall auf. Beim Flirten, in Verhandlungen, in der Kommunikation, in zwischenmenschlichen Beziehungen, beim Sport, im Verkauf und natürlich in den unterschiedlichsten Kontexten im Job. Ich weiß noch genau, wie ich direkt nach dem Studium zu einem Vorstellungsgespräch bei einem absoluten Traumunternehmen eingeladen wurde. Nichts auf der Welt wollte ich mehr als diesen Job, denn ich wusste, dass mir dadurch sämtliche Türen für eine erfolgreiche Zukunft weit offenstehen würden.

Doch diese Aussicht beflügelte mich nicht etwa, sondern führte dazu, dass ein zentnerschwerer Druck auf meinen Schultern lastete. Von der Angst vor dem Scheitern angetrieben versuchte ich, der perfekte Kandidat für das Unternehmen zu sein und machte damit so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Ich verkrampfte, antwortete mit auswendig gelernten Phrasen und wirkte eher wie ein Roboter als ein Mensch mit einer facettenreichen Persönlichkeit. Nach nur zehn Minuten tauschten die beiden Personalerinnen einen vielsagenden Blick aus, um mir dann mitzuteilen: „Ähm, vielen Dank, Herr Grzeskowitz. Wir melden uns.“

Erfolgsfaktor Gelassenheit

Die Absage ließ logischerweise nicht lange auf sich warten, aber zum Glück gab ich nicht auf und ging trotz des holprigen Starts meinen Weg als Geschäftsführer im Einzelhandel. Und je erfolgreicher ich wurde, je mehr mein Netzwerk wuchs und je mehr ich externe Audits mit entsprechenden Empfehlungen abschloss, desto mehr Jobangebote erhielt ich. Von direkten Wettbewerbern, von Unternehmensberatungen und sogar von bekannten Marken aus mir völlig fremden Branchen. Ich fühlte mich zwar sehr geschmeichelt, war aber überhaupt nicht interessiert, da ich bereits die Entscheidung getroffen hatte, mich als Keynote Speaker und Autor selbstständig zu machen.

Trotzdem nahm ich die Vorstellungsgespräche wahr. Denn einerseits kann es ja niemals schaden, den eigenen Marktwert zu testen, und andererseits war ich mir sicher, dass die Erfahrungen für meine zukünftige Aufgabe als Veränderungsexperte sehr hilfreich sein könnten. Und rate, was geschah. Richtig, meine innere Gelassenheit übertrug sich auf mein gesamtes Auftreten und meine Kommunikation, sodass ich in jedem einzelnen Gespräch ein Jobangebot erhielt. Und zwar ohne auch nur um einen einzigen Euro bei meinen durchaus anspruchsvollen Gehaltsvorstellungen verhandeln zu müssen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, oder? Je verkrampfter man sich an eine Aufgabe macht, je mehr man etwas verzweifelt braucht und eine panische Angst vor dem Scheitern hat, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man genau das Gegenteil von dem erreicht, was man sich eigentlich gewünscht hatte. Lässt man sich hingegen von einer inneren Gelassenheit leiten und akzeptiert, dass Fehler zum Leben nun mal dazu gehören, dann kommt es von ganz alleine zu einer Weiterentwicklung und oftmals auch viel schneller zu den erhofften Ergebnissen. Der amerikanische Leichtathletikcoach Joe Vigil hat dies in folgender Metapher perfekt beschrieben: „In deinem Herzen wohnen zwei Göttinnen. Die Göttin der Weisheit und die Göttin des Reichtums. Alle denken, dass man zuerst reich sein muss, und die Weisheit folgen wird. Und so fangen sie an, dem Geld hinterherzurennen. Aber die Reihenfolge ist falsch. Du musst Dein Herz der Göttin der Weisheit schenken und ihr all Deine Liebe und Aufmerksamkeit geben. Dadurch wird die Göttin des Reichtums eifersüchtig und dir automatisch folgen.“

Scheitern als Voraussetzung für Erfolg im Leben

Ein wundervolles Bild, nicht wahr? Das Wichtigste steht allerdings zwischen den Zeilen. Hierzu musst du gedanklich nur den Begriff Reichtum durch Erfolg ersetzen, was auch immer du darunter verstehst. Um diesen zu erreichen, bedarf es sowohl persönlichen Wachstums als auch einer Reihe von notwendigen Veränderungen. Und diese lassen sich eben wesentlich einfacher umsetzen, wenn du nicht verkrampft einem spezifischen Resultat hinterherrennen und wie eine Maschine gegen den Status quo ankämpfst, sondern sich mit Gelassenheit darauf konzentrierst, das Leben zu genießen, an seinen diversen Aufgaben zu wachsen und dich weiterzuentwickeln. Dies bedeutet übrigens nicht, dass sämtliche Erfolge zufällig passieren. Es bedeutet auch nicht, dass du dir keine Ziele mehr setzen oder nicht mehr diszipliniert an der Umsetzung arbeiten solltest. Ganz im Gegenteil, all das ist natürlich wichtig. Die Gelassenheit ist ganz einfach die Antidote zur Tendenz, es mit den Veränderungen zu übertreiben, zu viel Druck aufzubauen und dadurch bei der Umsetzung zu verkrampfen.

Das Paradoxon des Scheiterns

Ich möchte mit diesem Blogartikel gerne ein leidenschaftliches Plädoyer für das Scheitern halten. Dich dazu ermutigen, schöner zu scheitern. Häufiger zu scheitern. Und aus diesem Scheitern dann zu lernen, besser zu werden und als Persönlichkeit zu wachsen. Dabei liegt es mir übrigens fern, Misserfolge glorifizieren zu wollen. Vielmehr möchte ich dich daran erinnern, dass sie zum Leben nun einmal dazugehören wie die Luft zum Atmen. Und je komfortabler du mit Rückschlägen umgehen kannst, desto mehr werden Leichtigkeit, ein hohes Selbstvertrauen und eine tiefe innere Gelassenheit Einzug in Ihr Leben halten. Daraus folgt ein gewisses Paradoxon:

Je selbstverständlicher du mit dem Thema Scheitern umgehen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass du erfolgreich sein wirst.

Und genau deshalb funktioniert Veränderung eben dann am besten, wenn sie nicht auf Krampf und Druck basiert, sondern auf Leichtigkeit, Balance und Gelassenheit. Ein perfekter Ausgangspunkt ist die folgende Frage:

Was würdest tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?

Diese Frage hast du sicherlich schon einmal gehört, nicht wahr? Sie hat einen festen Platz in sämtlichen Erfolgsbüchern und wird auch von Keynote Speakern rund um die Welt gerne bemüht, wenn es darum geht, den Mut für das Verfolgen der eigenen Ziele und Träumen aufzubringen. Die Idee dahinter klingt auf den ersten Blick logisch: Weil die meisten Menschen aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anfangen, eliminiert man diese Möglichkeit ganz einfach gedanklich und hilft sich damit selbst, den so wichtigen ersten Schritt zu gehen. Aber Vorsicht! Ich halte diese Frage nämlich für extrem gefährlich. Warum? Ganz einfach, weil sie aus meiner Sicht das Resultat einer sich immer weiter ausbreitenden Mentalität ist.

Schöner Scheitern mit einer kraftvollen Frage

Egal, ob es sich um die Politik, das Treffen von schwierigen Entscheidungen in Unternehmen oder das Umsetzen von genialen Ideen handelt im persönlichen Alltag handelt, immer mehr Menschen agieren nach dem Motto: „Ich würde es ja probieren, wenn man mir garantieren würde, dass es auf jeden Fall klappen wird.“ Schon mal gehört? Vielleicht schon selbst einmal gedacht? Diese Denkweise basiert allerdings auf einem großen Irrtum. Das Leben funktioniert so leider nicht. Für absolut nichts gibt es eine Garantie. Ganz im Gegenteil. Jede Chance birgt immer auch Risiken, perfekte Pläne können schiefgehen, jedem Erfolg stehen immer entsprechende Misserfolge gegenüber und insbesondere die erfolgreichen Persönlichkeiten sind auf dem Weg zu ihren Errungenschaften häufig mehrfach krachend gescheitert.

Obwohl dies allgemein bekannt ist, schlummert tief im Unterbewusstsein der großen Masse immer noch die Erwartung, dass man selbst von dieser Dualität nicht betroffen sei, und man die kleinen und großen Vorhaben des Alltags direkt im ersten Anlauf erreichen müsste. Und ehe man sich versieht, hat man sich selbst einen immensen Druck aufgebaut und fängt vor lauter Angst vor einem möglichen Scheitern gar nicht erst mit der Umsetzung an. Das Buch wird nicht geschrieben, das Unternehmen nicht gegründet und der Traum nicht gelebt. Weil man sich davor fürchtet, dass sich andere Menschen lustig machen könnten. Dass man nicht gut genug wäre. Und sich in den buntesten Farben ausmalt, was alles schiefgehen kann. Die Konsequenz? Viele Menschen haben ihr Leben an folgender Regel ausgerichtet: Wenn es keinen leichten Weg gibt, dann gehe ich gar nicht erst los.

Scheitern als essenzieller Bestandteil des Lebens

Was für eine tragische Haltung. Bevor du nämlich deine ganz persönlichen Ziele erreichen kannst, fordert das Universum eine Menge Rückschläge, Fehler und Misserfolge ein. Scheitern gehört zum Leben dazu wie Asterix zu Obelix, wie Marzipan zu Lübeck und wie der Song Last Christmas zur Weihnachtszeit. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Je häufiger du auf deinem Weg scheiterst, desto erfolgreicher werden wirst du sein. Ja, du hast richtig gelesen.

Die Anzahl deiner Fehler ist ein direkter Spiegel deines Erfolgs in sämtlichen Lebensbereichen.

Nur wer handelt, der verändert sich aktiv. Nur wer mutige Entscheidungen trifft, der wird besser. Und nur wer sich traut, neue Ideen auszuprobieren, der findet irgendwann die richtige. Dabei passieren nun mal zwangsläufig Fehler. Jeder einzelne davon ist ein wertvolles Feedback, dass du dich in der so wichtigen Umsetzung befindest. Mit jeder einzelnen Erfahrung wirst du wachsen, dich weiterentwickeln und erfolgreicher werden. Die Geschichte ist voller Beispiele von Menschen, die sich konsequent Richtung Erfolg gescheitert haben.

Scheiter dich vorwärts

Die Buchidee von Verlegerin Arianna Huffington wurde von 36 Verlagen abgelehnt, bevor sie mit der Huffington Post die Medienlandschaft nachhaltig veränderte. Harland Sanders, der Gründer von Kentucky Fried Chicken, bekam von 1009 Banken ein Nein, als er Ihnen seine Geschäftsidee präsentierte. Und Regie-Ikone Steven Spielberg wurde von drei Filmschulen abgewiesen, bevor ihm mit Filmen wie E.T., Indiana Jones oder Jurassic Park der große Durchbruch gelang. Und weil ich wetten könnte, dass es auch in deinem Leben Beispiele gibt, wo du erst durch einen großen Fehler zum entscheidenden Durchbruch gekommen bist, möchte ich dir gerne eine alternative Formulierung für die Frage von weiter oben vorschlagen:

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern wirst?“

Ja, du hast tatsächlich richtig gelesen. Dieser Ansatz mag auf den ersten Blick vollkommen verrückt erscheinen, denn wer startet schon gerne mit etwas, von dem man weiß, dass es auf keinen Fall klappen wird? Wenn du die Frage aber sacken lässt und etwas länger über mögliche Antworten nachdenkst, dann könnte ein echter Durchbruch auf dich warten. Du wirst nämlich über kurz oder lang auf die Ziele, Vorhaben und Träume stoßen, für die du so sehr brennst, dass du bereit wärst, sie auch ohne ein erfolgreiches Ergebnis in Angriff zu nehmen. Einfach, weil du Freude am Prozess selbst hast und in der eigentlichen Tätigkeit so richtig aufgehst.

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du scheiterst?

Also Hand aufs Herz, was wäre es wert getan zu werden, auch wenn es nicht erfolgreich sein würde? Ich musste an diese Frage denken, als ich meine Schwester im September beim Berlin Marathon angefeuert habe, an dem jedes Jahr über 50.000 Menschen teilnehmen. 99,9 % dieser Menschen wissen, dass Sie das Rennen auf keinen Fall gewinnen werden. Trotzdem machen sie mit und bereiten sich monatelang auf diesen einen Tag vor. Weil es überhaupt nicht um das Gewinnen an sich geht, sondern ausschließlich darum, dabei zu sein. Die einzigartige Atmosphäre aufzusaugen. Und natürlich um das unbezahlbare Gefühl, wenn man nach 42 mühevollen Kilometern endlich die Ziellinie überschreitet.

Für mich handelt es sich dabei nicht nur um eine wunderbare Metapher für das Leben an sich, sondern auch um ein perfektes Anwendungsbeispiel von Gelassenheit im Alltag. Der Punkt ist nämlich folgender. Das Endresultat hängt von so vielen unterschiedlichen Faktoren ab, die du allesamt nicht kontrollieren kannst. Wie du den Prozess steuerst, welche Dinge du tust oder lässt und mit wie viel Herzblut du die Aufgabe angehst, liegt hingegen zu 100 Prozent in deinem Einflussbereich. Und je mehr du dich darauf konzentrierst, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass du auch ein gutes Ergebnis erzielen wirst.Ein paar Beispiele gefällig?

  • Schreib das Buch nicht, weil du unbedingt auf der Bestsellerliste landen willst, sondern weil du etwas zu sagen hast und dir das Schreiben Spaß macht.
  • Starte den YouTube-Kanal nicht, umso schnell wie möglich hunderttausende Abonnenten anzusammeln, sondern weil du Freude am Drehen von inspirierenden Videos hast.
  • Geh nicht aus, um einen Partner zu finden, sondern weil du gerne feierst und die Gesellschaft anderer Menschen genießt.
  • Gründen Sie das Start-up nicht, um es möglichst schnell für mehrere Millionen zu verkaufen, sondern weil du mit deiner Geschäftsidee die Probleme vieler Menschen lösen können.

Auf diese Weise gehst du ohne jeglichen Druck, dafür mit einer Menge Gelassenheit an die jeweiligen Aufgaben und kannst dich zu hundert Prozent auf das konzentrieren, was wirklich zählt. Und wer weiß, vielleicht wird das Buch am Ende doch ein Bestseller, vielleicht schießt ihr Kanal eines Tages durch die Decke, vielleicht treffen Sie Ihren Traumpartner und vielleicht wird aus Ihrem Start-up tatsächlich das nächste Einhorn (Hiermit ist eine Marktbewertung von Unternehmen gemeint, die über 1 Milliarde Dollar beträgt.). Und wenn nicht? Dann ist es auch kein Beinbruch. Weil es dir nie um das Ergebnis, sondern immer um den Weg zum Ziel gegangen ist.

Das Gegenteil von Erfolg

Ich möchte die Frage daher noch einmal wiederholen: Was würden du tun, wenn du wüsstest, dass du auf jeden Fall scheitern würdest? Mach am besten eine Liste mit allen Antworten, die dir einfallen. Und dann fang mit der Umsetzung an. Und zwar heute und nicht irgendwann. Tu die Dinge, die dich nachts nicht schlafen lassen. Erfüll dir die Träume, die schon so lange in der Schublade liegen. Und pack die Projekte an, die du bisher aus Angst vor dem Scheitern immer wieder aufgeschoben hast. Ja, Misserfolge können hart sein. Aber viel schlimmer ist das Gefühl, wenn du irgendwann zurückblickst und bereust, es nicht zumindest einmal versucht zu haben. Habe ich recht?

Je eher du akzeptierst, dass Scheitern und Fehler zum Leben dazugehören, desto besser. Franz Beckenbauer wurde für seine Motivationsrede vor dem WM-Finale 1990 berühmt, als er der Nationalmannschaft um Lothar Matthäus, Rudi Völler und Andreas Brehme eine einzige Botschaft mit auf den Weg gab: „Geht’s raus und spuilts Fußball.“ Ich möchte diesen Satz gerne adaptieren und dir zurufen: „Geh raus und scheiter dich erfolgreich.“ Das Leben ist einfach zu kurz, um es mit Ausreden und Angst vor der eigenen Courage zu verschwenden.

Ach ja, und das bringt mich zurück zur Ausgangsfrage, nämlich was genau eigentlich das Gegenteil von Erfolg ist. Die Antwort sollte mittlerweile auf der Hand liegen: Es ist das Mittelmaß. Doch mit diesem hast du durch die Anwendung der Philosophie des Schöner Scheitern zum Glück ja nichts mehr am Hut.

Der Zeigarnik Effekt: Ein faszinierendes psychologisches Phänomen

Der Zeigarnik Effekt ist ein faszinierendes psychologisches Phänomen. Er beschreibt nicht nur, warum Menschen sich an unterbrochene oder unerledigte Aufgaben besser erinnern können als an erledigte, sondern auch, warum Veränderungen im Business oder im persönlichen Alltag so häufig scheitern.  Lassen Sie uns als eintauchen in die spannende Welt des menschlichen Gehirns.

Warum behalten wir nicht erledigte Aufgaben besser im Gedächtnis?

Liebe Leserinnen und Leser, wie entspannen Sie am besten? Bei mir sind es die Joggingrunden durch den Wald. Denn wenn mein Körper in Bewegung ist, bewegt sich auch mein Geist. So auch vor kurzem. Während ich das Gefühl der Ruhe und Klarheit genieße, wandern meine Gedanken und ich reflektiere die stressigen letzten Wochen, die von Keynotes, Vorträgen und Reisen quer durch Europa gekennzeichnet waren. Eine Begegnung ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.

Auf einem internationalen Leadership-Meeting in den österreichischen Alpen kam ich mit einem Manager eines großen Konzerns ins Gespräch, der mir erzählte, dass er seit einiger Zeit mit einem Personal Coach zusammenarbeiten würde, weil die überwältigende Anzahl von Aufgaben bei ihm vermehrt zu Stress, Grübelei und Überforderung geführt hatte. Sein Coach gab ihm daraufhin den Tipp, sich vor direkt vor dem Schlafengehen die wichtigsten Aufgaben des nächsten Tags bewusst ins Gedächtnis zu rufen, damit sich sein Unterbewusstsein im Laufe der Nacht auf die Suche nach möglichen Lösungen machen könne.

Der Zeigarnik Effekt: Die Hintergründe

Obwohl sich diese Vorgehensweise in der Theorie durchaus gut anhört, führte sie in der Praxis zum genauen Gegenteil der erhofften Ergebnisse. Der Manager fand nicht nur keine Lösungen für seine diversen Probleme, sondern er schlief sogar noch unruhiger und schlechter als vorher, was dazu führte, dass er morgens ein ganz neues Level von Stress erlebte.

Auf seine Frage, ob ich ihm einen Tipp geben könnte, erzählte ich ihm von einem Phänomen namens Zeigarnik Effekt, das nach der russischen Psychologin Bljuma Wulfowna Zeigarnik benannt ist.

Diese reiste im Jahr 1927 zu Forschungszwecken nach Berlin. Der Hintergrund ihrer Studien war eine Situation, die sie in einem Kaffeehaus beobachtete. Verblüfft stellte sie nämlich fest, dass ein Kellner in dem völlig überfüllten Lokal trotz großer Hektik eine Bestellung nach der anderen aufnahm, und sich diese trotz der hohen Anzahl merken und fehlerfrei ausführen konnte. Doch bereits wenige Minuten später konnte er sich nicht mehr daran erinnern, welche Gäste was genau bestellt hatten. Er behielt nur die Bestellungen im Gedächtnis, die er noch nicht abgeschlossen hatte.

Definition Zeigarnik Effekt

Auf Basis dieser Beobachtung lud Zeigarnik daraufhin 164 Probanden zu einem Experiment an die Humboldt-Universität ein, und gab ihnen die Aufgabe, etwas zu basteln oder zu zeichnen. Manche dieser Tätigkeiten durften beendet werden, während andere wiederum von der Psychologin unterbrochen wurden.

Und auch in diesem Kontext war das Ergebnis wieder das Gleiche. Unerledigte Aufgaben wurden bis zu 90 % besser behalten als diejenigen, die beendet wurden. Und zwar vollkommen unabhängig von Alter, Bildungsgrad, Geschlecht oder Herkunft. Daraus schlussfolgerte Zeigarnik, dass unser Gehirn für bevorstehende und unerledigte Aufgaben eine gewisse kognitive Spannung zur Verfügung stellt, die so lange erhalten bleibt, bis die Aufgabe abgeschlossen wurde. Passiert dies hingegen nicht, dann wird die mentale Spannung nicht durch das Lösen des Problems abgebaut, sodass dieses langfristig im Gedächtnis bleibt.

Die Kommode als Metapher für unser Gehirn

Falls Ihnen das zu kompliziert klingt, stellen Sie sich bitte für einen Moment eine große Kommode, vor, die sich in Ihrem Kopf befindet. Immer dann, wenn Sie im Laufe des Tages eine neue Aufgabe hinzubekommen, wird diese in eine Schublade gelegt, die so lange offen steht, bis die Aufgabe erledigt ist. Und weil die To-do-Listen vieler Menschen eben immer voller werden, sind am Ende des Tages in der Regel noch dutzende Schubladen geöffnet. Jetzt kommt der Zeigarnik Effekt ins Spiel, denn da wir uns an unerledigte Aufgaben besser erinnern, läuft unser Gehirn durch die erhöhte kognitive Spannung auf Hochtouren. Und kommt dadurch leider schwer zur Ruhe. Die Folge? Man schläft schlecht, fühlt sich gestresst und kämpft mit einer permanenten Überforderung.

Tipps für den Umgang mit dem Zeigarnik Effekt

Und genau aus diesem Grund konnte der Manager, mit dem ich mich nach meinem Vortrag unterhielt, sein Problem auch nicht lösen. Weil die bewusste Beschäftigung mit seinen offenen Schubladen alles nur noch schlimmer machte. Doch zum Glück ist es gar nicht so schwer, dem Zeigarnik Effekt ein Schnippchen zu schlagen, und dafür zu sorgen, dass man seine Tage mit einer mentalen Kommode beendet, bei der sämtliche Schubladen geschlossen sind, bzw. die Anzahl zumindest minimiert wird. Hier kommen daher meine besten Tipps, um genau das zu erreichen:

  • Prioritäten setzen: Je mehr offene Projekte, Aufgaben und To-dos wir haben, desto überforderter fühlen wird uns. Durch das konsequente Setzen von Prioritäten arbeiten Sie die wirklich großen Brocken zuverlässig zuerst ab. Fragen Sie sich regelmäßig: Was sind die wirklich wichtigen Dinge? Bei welchen Aufgaben hat die Erledigung den größten Effekt, wenn ich mich darum kümmere?
  • Fokus: Wenn Sie eine Aufgabe angehen, dann seien Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit zu 100 % nur bei dieser Aufgabe.
  • Die 2-Minuten-Regel: Wir alle kennen diese kleinen, vermeintlich unbedeutenden Aufgaben, die wir gerne auf später verschieben, nicht wahr? Doch auch viele kleine geöffnete Schubladen führen auf Dauer zu Grübelei und Stress. Wie wäre es daher mit folgendem: Verschieben Sue niemals eine Aufgabe, die sich in zwei Minuten oder weniger erledigen lässt, sondern gehen Sie diese direkt an.
  • Loslassen: Lassen Sie so viele To-dos wie möglich los. Eine Möglichkeit ist das Delegieren an andere Personen, sodass die Aufgabe in Ihrem Kopf psychologisch als abgearbeitet gilt. Alternativ können Sie auch Aufgaben zeitlich zurückstellen (in die mentale Wiedervorlage), sodass sie temporär als erledigt betrachtet werden können.

 

Nutzen Sie den Zeigarnik Effekt positiv für Ihren Alltag

Je besser Sie in der Lage sind, Ihre geöffneten Schubladen zu schließen, desto mehr wird es Ihre mentale Hygiene danken. Und natürlich können Sie den Zeigarnik Effekt auch zielgerichtet und mit Intention einsetzen. So enden beispielsweise Serien immer mit einem Cliffhanger an der spannendsten Stelle, Einzelhändler arbeiten gerne mit zeitlich begrenzten Angeboten und vom Schriftsteller Ernest Hemingway ist überliefert, dass er seine Arbeit immer ganz bewusst an einer Stelle unterbrach, an der er theoretisch noch hätte weitermachen können. So war er in der Lage, am nächsten Tag schnellstmöglich wieder in den Flow zu finden. Enden möchte ich daher mit einer Frage: Wie können Sie den Zeigarnik Effekt in Ihrem Alltag positiv nutzen?

P.S.: Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass die Ergebnisse des Experiments im Nachgang nicht wiederholt werden konnten, und der Effekt daher durchaus kontrovers diskutiert wird. Die grundsätzliche Wirkung des Zeigarnik Effekts finden Sie aber überall im Alltag

Denken ist das neue Sexy – Zum kritischen Denker werden

Denken ist das neue sexy. Das klingt erst einmal komisch, ist aber so. Denn beim Denken handelt es sich um eine Fähigkeit, die auf der einen Seite im Laufe der Jahre immer mehr verlernt wurde, andererseits aber für die Zukunft essenziell wird. Lassen Sie uns also hinabsteigen in den Kaninchenbau namens Denken. Haben Sie Lust? Dann los.

Wer denkt Ihre Gedanken?

Wer denkt eigentlich Ihre Gedanken? Wenn Ihr erster Impuls jetzt ist, mit „Na, ich, wer denn sonst, Ilja?“ zu antworten, dann hoffe ich, mit diesem Artikel ein wenig an Ihrer Komfortzone rütteln zu können. Dafür wollen wir uns über das vermeintlich profane Thema des Denkens unterhalten. Gerade in meinem Job als Keynote Speaker auf Events und Kongressen begegnet es mir regelmäßig, wenn ich Vorträge von anderen Rednern oder Kolleginnen anhören darf. Voller Inbrunst wird dort gefordert, dass wir mehr Vor-Denker, Out-of-the-Box-Denker, Positiv-Denker, Um-die-Ecke-Denker, Kreativ-Denker oder Zukunfts-Denker bräuchten. Und mein erster Impuls ist dann immer gleich: Mir würde es schon reichen, wenn die Leute überhaupt denken würden. Denn das, was umgangssprachlich gerne als Denken bezeichnet wird, ist tatsächlich etwas ganz anderes.

Die vielen Mythen der Kommunikation

Was meine ich damit? Vielleicht haben Sie ja schon mal einen Vortrag gehört, ein Buch gelesen oder einen Podcast gehört, wo es um das Thema persönliche Entwicklung ging. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind Sie dann früher oder später auch über das Beispiel gestolpert, dass es da mal die Studie eines Herrn Mehrabian gab, der herausgefunden haben soll, dass die Wirkung von Kommunikation zu 7 % vom Inhalt, zu 38 % von der Tonalität der Stimme und zu 55 % von der Körpersprache abhängen würde.

Und wie sieht die Schlussfolgerung aus? Ganz einfach: Auf den Inhalt kommt es nicht so wirklich an, Gestik, Mimik und die Stimme sind viel wichtiger. Wahrscheinlich haben Sie auch schon mal die Aussage gehört, dass der Mensch zwei Gehirnhälften habe, von denen die linke für rationale, logische und analytische Aufgaben zuständig ist, während die rechte Hälfte sich um kreative, emotionale und intuitive Dinge kümmert. Oder kennen Sie das Beispiel der Hummel, die nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich gar nicht fliegen könnte, weil sie das aber nicht weiß, es einfach trotzdem macht? Oder wie wäre es mit der berühmten Yale-Studie von 1957 (die auch gerne als Harvard-Studie bezeichnet wird), nach der 3 % der Studenten, die ihre Ziele schriftlich formulierten, später mehr Vermögen anhäuften als die anderen 97 % zusammen?

Dies sind nur einige von ganz vielen anderen Beispielen, die alle eines gemeinsam haben. Sie stimmen einfach nicht. Es sind Mythen. Die Interpretation der Mehrabian-Studie wurde von ihrem Namensgeber höchstpersönlich widerlegt, dass wir zwei verschiedene Hirnhälften ist nicht korrekt, die Sache mit der Hummel stammt aus der Welt der Mythen und die Yale-Studie hat es niemals wirklich gegeben.

Und jetzt kommen wir zum Thema Denken, denn es gibt einfach ganz viele Keynote Speaker, Autorinnen oder Podcaster, die scheinbar wenig Anspruch an ihre eigenen Inhalte haben, sondern lieber Geschichten, Beispiele oder vermeintliche Studien kopieren und nachplappern. Die das irgendwo mal gehört haben, wissen, dass sie damit einen populären Punkt machen können und es dann ohne jegliche Recherche, dafür mit ganz viel Inbrunst und Überzeugung behaupten (der Dunning-Kruger-Effekt lässt grüßen). Und das heißt, sie denken nicht mehr selber, sondern übernehmen unkritisch und ungefiltert irgendwelche Inhalte, die wohl aufbereitet zur Verfügung stehen und verbreiten diese eins zu eins weiter, ohne sie auch nur einer minimalen Prüfung zu unterziehen.

Die Denkfaulheit greift um sich

„Das ist ja alles schön und gut, Ilja, aber ich bin weder Speaker noch Autor, sondern habe einen ganz anderen Beruf, warum ist das jetzt relevant für mich?“ Gut, dass Sie fragen, denn es das sich hinter diesen Beispielen versteckende Muster finden Sie wirklich überall. Ich spreche von der Denkfaulheit und der immer mehr zunehmenden Tendenz, schon fertige Inhalte, Meinungen und Narrative zu übernehmen, und sie ohne jegliche kritische Überprüfung direkt als die Meinigen zu übernehmen.

Schauen Sie sich gerne den Feed Ihrer favorisierten Social-Media-Plattform an, und Sie werden erstaunt sein, wie viele Artikel, Bilder, Sprüche, Gewinnspiele oder Botschaften ohne jeglichen kritischen Filter wahllos geteilt werden. Meine Lieblingsbeispiele sind diese berühmt-berüchtigten Fake-Gewinnspiele, in denen Apple angeblich 500 iPads verlost, man einen Mercedes GLK oder eine Sony Playstation gewinnen kann. Aber natürlich nur, wenn man den Post in guter alter Kettenbriefmanier mit seinem kompletten Netzwerk geteilt hat.

Und obwohl diese Art von Gewinnspielen bekanntermaßen nur ein riesiger Scam sind, um Daten von Usern abzugreifen, fällt die vermeintlich aufgeklärte und so kritisch denkende Masse immer wieder auf diese Art von Abzocke herein, und die Beiträge werden oft hunderttausendfach geliket und kommentiert.

Wer denkt eigentlich Ihre Gedanken?

Doch woran liegt das? Der Grund ist so einfach, wie alarmierend. Weil viele Menschen denkfaul geworden sind und sich gar nicht mehr die Mühe machen, selber zu denken, sondern diesen Prozess lieber anderen überlassen. Und wenn Sie jetzt einwenden, dass Sie doch den ganzen Tag denken würden, dann möchte ich Ihnen gerne noch einmal die Frage vom Anfang des Artikels stellen:

Wer denkt Ihre Gedanken?

Übernehmen Sie aus Bequemlichkeit einfach nur die Ideen, Meinungen und Standpunkte von anderen oder sind Ihre Gedanken wirklich das Resultat eines individuellen, kritischen und umfassenden Prozesses der internen Analyse? Denn genau darum geht es ja beim Denken, nämlich Informationen aufzunehmen, und diese dann kritisch zu überprüfen, indem man sie weiterentwickelt, verwirft oder mit anderen Ideen kombiniert. Ein guter Ausgangspunkt ist immer folgende Frage: Woher weiß ich das?

Kritisches Denken: Der Prozess, um zum Ursprung des Gedankens zu kommen

Um eine Antwort geben zu können, müssen Sie nämlich einen internen Prozess starten, der Sie zum Kern der Information führt. Zur Erläuterung nehmen wir wieder das Beispiel von den zwei Gehirnhälften, die entweder für Logik oder für Emotionen zuständig sind. Diese Idee klingt nämlich so überzeugend, dass wir schnell in der Versuchung sind, sie ungefiltert zu übernehmen.

Die Frage „Woher weiß ich das?“ unterbricht diesen Impuls jetzt, und führt Sie stattdessen zur Quelle. Denn auf einmal stellen Sie fest, dass der Gedanke ursprünglich nicht von Ihnen kommt, sondern dass Sie ihn irgendwo mal gelesen haben. Die nächste Frage könnte dann lauten: Von wem stammte diese Aussage und wo wurde sie veröffentlicht? Woher weiß dieser Mensch das und welche nachweisbaren Quellen hat er angegeben?

Durch diese Art der Fragen verlassen Sie die Oberfläche und arbeiten sich stattdessen Stufe für Stufe tiefer. Bis Sie irgendwann zu einer Studie, einem Artikel oder zu anderen belegbaren Fakten gelangen. Und das ist nicht immer so einfach.

Nehmen Sie nur das Beispiel von den vielen berühmten Zitaten von Steve Jobs, Anthony Hopkins oder Albert Einstein, die durchs Internet geistern. Vor lauter Zustimmung zu den einzelnen Aussagen wird dabei vor lauter Denkfaulheit übersehen, dass die geteilten Zitate überhaupt nicht von diesen Personen stammen. Und selbst wenn man sich die Mühe macht zu recherchieren, dann startet man eine schnelle Google-Suche, die dann sofort auf einen Blogartikel verweist, der das entsprechende Zitat ebenfalls Einstein oder Jobs zuordnet.

Das Problem dabei: Auch der Blogger hat nicht selber gedacht, sondern das Zitat irgendwo aufgeschnappt und es dann ungefiltert weiterverbreitet. Und weil der Artikel bei Google ganz oben steht, verbreitet sich die falsche Information nun wie ein Lauffeuer.

Kritisches Denken: Von der Oberfläche zur Quelle

Was für das geschriebene Wort gilt, können Sie auch in Vorträgen immer wieder beobachten. Ich werde mittlerweile extrem hellhörig, wenn ich eine der Lieblingsformulierungen vieler Redner höre: „Studien haben bewiesen/herausgefunden/belegt, dass…“. Kennen Sie auch, oder? Bei mir schrillen da sofort sämtliche Alarmglocken und ich frage mich, welche Studie das wohl sein mag, ob die Aussage dieser Person wirklich auf einer nachweisbaren Quelle basiert oder ob er das einfach so behauptet hat. Dieses kritische Hinterfragen, dieses kritische auf den Prüfstand stellen und der Prozess, sich von einer Aussage an der Oberfläche zu den tieferen Ebenen herunterzufragen, das ist es, was Denken wirklich ausmacht.

Und natürlich gebe ich zu, dass dies in einer Zeit, die einem immer intensiver werdenden Information Overload unterliegt, nicht immer ganz einfach ist. Durch die Überversorgung mit den unterschiedlichsten Botschaften, Ideen, Meinungen, Standpunkten und Narrativen ist es extrem herausfordernd geworden, den Überblick zu behalten. Und genau deshalb gilt mehr als je zuvor:

Denken ist das neue sexy!

Weil wirklich und im wahrsten Sinne des Wortes zu denken zu einer Ausnahme geworden ist. Weil seine eigenen Gedanken zu denken, sie mit den wichtigsten Werten abzugleichen, mit anderen Informationen zu kombinieren und daraus ganz neue Ideen zu generieren zur absoluten Ausnahme geworden ist.

Denken ist das neue Sexy

Dies gilt um so mehr, weil die Political Correctness immer mehr um sich greift, dass manche Dinge nur gesagt werden, weil es gerade en vogue ist und andere dafür nicht mehr formuliert werden, weil sie dem gängigen Zeitgeist entgegenstehen. Wenn Sie unter diesen Rahmenbedingungen eigenständiges Denken als sexy Merkmal Ihrer Persönlichkeit herausarbeiten wollen, dann sind die folgenden Fragen ein guter Ausgangspunkt:

  • Ist die Idee, die ich gerade denke, die Strategie, die ich entwickle oder die Botschaft, die ich senden möchte, wirklich etwas, was von mir kommt
  • Basiert es auf meinen wichtigsten Werten und geht es mit meinen Erfahrungen einher?
  • Ist es wirklich das, was ich denke, fühle und von dem ich überzeugt bin, oder habe ich es ungefiltert und ungeprüft von anderen übernommen, weil es gerade in ist oder der Mehrheitsmeinung entspricht?
  • Denke ich meine Gedanken gerade nur, weil man es eben so denkt und weil ich mich der Mehrheit in meiner Bubble anpassen möchte?

 

Dass dies gar nicht so selten vorkommt, hat der Psychologe Solomon Asch bereits 1951 in seinem berühmten Konformitätsexperiment herausgefunden, in dem er aufzeigte, wie Gruppenzwang eine individuelle Person so zu beeinflussen vermag, dass sie eine offensichtlich falsche Aussage als richtig bewertet. Und nur, damit wir uns richtig verstehen, ich möchte Sie auf keinen Fall dazu anstiften, einer dieser Egal-Was-Es-Ist-Ich-Bin-Grundsätzlich-Gegen-Alles-Nörgler zu werden. Kritisches Denken wird erst dann sexy, wenn man vor allem sich selbst und seine individuellen Denkprozesse kritisch hinterfragt, und in jede Diskussion mit der Bereitschaft geht, falsch liegen zu können.

Das Mindset des kritischen Denkens

Je mehr Sie aber dieses Mindset als Grundlage anwenden, desto eher werden Sie eine Art inneren Bullshit-Filter entwickeln und feststellen, wie viele Falschinformationen verwendet werden, wie häufig bestimmte Dinge einfach nachgeplappert und wie viele Mythen, falsche Fakten und Fake Behauptungen einfach wahllos verbreitet werden und sich auf eine fast schon kuriose Weise in einer Art Domino-Rallye zur allgemein akzeptierten Wahrheit entwickeln, obwohl sie es eigentlich gar nicht sind.

Wesentlich wichtiger ist aber noch ein ganz anderer Faktor. Je häufiger Sie die eigenen Entscheidungen, Strategien, Ihre Karriere, Ihr Business und Ihre Lebensplanung auf eigenen Ideen, eigenen Meinungen und eigenständigem Denken aufbauen, desto authentischer und erfüllender wird das Ganze eben auch.

Und gleichsam erhöht sich eben auch die Qualität Ihrer eigenen Inhalte, Ihrer Dienstleistungen und Kommunikation im Allgemeinen. Denn je mehr Sie eigenständig denken, desto mehr kommen Sie in Kontakt mit Ihrer individuellen Einzigartigkeit. Je mehr Sie im wahrsten Sinne des Wortes zum Denker Ihrer eigenen Gedanken werden, desto wertvoller werden Ihre Ideen, Ihre Persönlichkeit wird sexy und Sie stechen aus der grauen Masse der Konformität heraus.

Fragen Sie sich im Zweifelsfall immer „Woher weiß ich das?“ und dann gehen Sie tiefer, idealerweise zur Quelle. Woher stammen die vermeintlichen Fakten? Ist es nur eine Meinung oder lässt es sich anhand von Studien, wissenschaftlichen Untersuchungen oder sonstigen nachweislich belegbarer Zahlen, Daten und Informationen nachweisen? Der letzte Punkt ist so essenziell, denn viele Menschen argumentieren häufig nur auf der Basis von Meinungen, Gefühlen oder anekdotischer Evidenz, die unter bestimmten Rahmenbedingungen einmal eine Ausnahme war, aber eben nicht allgemein gültig ist.

Werden Sie zum Denker der eigenen Gedanken

Es würde daher mein Herz mit großer Freude erfüllen, wenn Sie diesen Artikel zum Anlass nehmen würden, Ihre eigenen Denkprozesse und -strategien einmal gründlich auf den Prüfstand zu stellen. Dies bedeutet natürlich, auch das kritisch zu hinterfragen, was ich Ihnen gerade versucht habe, zu vermitteln. Sich zu fragen, ob das wirklich alles so stimmt und Sie es übernehmen wollen, oder ob es möglicherweise sogar völliger Quatsch ist.

Wenn Sie das für sich herausfinden sollten, dann ist das vollkommen in Ordnung. Mir war viel wichtiger, Sie ein wenig herauszufordern, zu kitzeln und Sie dazu zu animieren, das so wichtige Denken nicht anderen Menschen zu überlassen. Und wenn Sie diesen Weg gehen wollen, dann wäre doch jetzt ein guter Zeitpunkt, die Denkfaulheit über Bord zu werfen und ein und für alle Mal zum Denker Ihrer eigenen Gedanken zu werden. Nicht wahr?

Was sind Glaubenssätze? Der ultimative Leitfaden

Was sind Glaubenssätze? Dies ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird. Kein Wunder, denn Glaubenssätze (stattdessen können Sie auch Überzeugungen oder Beliefs sagen) bestimmen unser Denkmuster, unsere Entscheidungsstrategien und insbesondere unser konkretes Verhalten in jeder einzelnen Sekunde des Lebens. Und zwar unbewusst auf Autopilotmodus. Dies hat natürlich riesige Auswirkungen auf unsere Erfolge im Job und die generelle Lebensqualität.

Sie glauben ja gar nicht, wie viele Menschen es gibt, die wirklich Erfolg haben wollen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Karriere zu machen, oder die nichts lieber wären als wohlhabend. Aber egal, was sie auch anpacken, probieren oder versuchen, immer, wenn es mal einen Schritt vorangeht, geht es direkt danach zwei wieder zurück. Es kommt zu einer sich selbst verstärkenden Spirale aus Selbstsabotage, Misserfolgen und Rückschlägen. Aber woran liegt das, wenn sich diese Menschen doch so sehr wünschen, etwas zu sein, zu tun oder zu haben?

Hier kommt die Antwort, die ihren Ursprung im Unterbewusstsein hat: Es ist schlichtweg egal, was sich jemand wünscht, vornimmt oder welche Vorhaben er ankündigt. Das einzige, was zählt, ist das, was Sie tun. Es kommt auf Ihr Verhalten an. Und das ist nunmal ein direkter Spiegel ihrer wichtigsten Glaubenssätze. Sie denken und tun das, wovon sie tief und fest überzeugt sind.

Doch genug der Vorrede. Lassen Sie uns am besten direkt einsteigen. Ich wünsche Ihnen viele Insights beim Lesen des ultimativen Guides zum Thema Glaubenssätze. Und wenn Ihnen noch eine bestimmte Information fehlen oder eine Frage offen sein sollte, dann freue ich mich über Ihren Kommentar.

Definition Glaubenssätze: Was sie sind und wie sie wirken

Auch wenn ich im ersten Absatz bereits erwähnt habe, was Glaubenssätze sind und wie sie wirken, möchte ich diese Gedanken an dieser Stelle trotzdem noch um eine offizielle Definition ergänzen:

Glaubenssätze sind tief im Unterbewusstsein verwurzelte Ansichten, die wir im Laufe unseres Lebens entwickeln und von denen wir tief und fest überzeugt sind. Diese Überzeugungen dienen als Grundlage für unser Denken, Handeln und unsere Entscheidungen. Glaubenssätze stammen aus verschiedenen Quellen, wie beispielsweise unseren Erfahrungen, Erziehung, Kultur, Medien oder dem sozialen Umfeld, in dem wir aufgewachsen sind. Sie bilden die Filter, durch die wir die Welt betrachten, beeinflussen unsere Wahrnehmung und Interpretation von Situationen und somit die Ergebnisse unseres Verhaltens.

Der Unterschied von Glaubenssätzen und Glaubenssystemen

Glaubenssätze sind also die Dinge im Leben, von denen Sie tief und fest glauben, dass Sie wahr sind. Sie liegen tief in Ihrem Unterbewusstsein und beeinflussen Ihre Handlungen und damit Ihre Ergebnisse im Leben. Diese Beeinflussung ist natürlich umso stärker, je fester und länger ein Glaubenssatz in Ihnen verankert ist.

Stellen Sie sich doch für einen Moment einen Tisch vor, der nur drei Beine hat. Das wäre eine ganz schön wacklige Angelegenheit, nicht wahr? Würden Sie da Ihr bestes Porzellan aufdecken? Eher nicht, oder? Aber wenn dieser Tisch nun auf ganz vielen und vor allem dicken Beinen stehen würde, dann könnten Sie so gut wie jeden Gegenstand darauf abstellen, einfach weil Sie um die Stabilität und Kraft des Möbelstücks wissen. Jeder Glaubenssatz ist wie solch ein Tisch. Anfänglich ist er noch etwas wackelig, doch schon bald kommen die ersten Tischbeine hinzu und beginnen, den Tisch stabiler und kraftvoller zu machen. Im wahren Leben sind dies (emotionale) Referenzerlebnisse, die Ihre Überzeugungen bestätigen und damit verstärken.

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Wenn Sie glauben, dass es gesund ist, als Vegetarier zu leben, dann werden Ihnen überall im Leben „Beweise“ für genau diese Überzeugung begegnen. Im Fernsehen, im Internet, in Gesprächen mit Freunden und Kollegen. Und jeder dieser „Beweise“ verstärkt dann wieder Ihren Glaubenssatz, woraufhin Sie wiederum noch mehr Beweise für die Richtigkeit Ihres Glaubenssatzes finden werden. Es handelt sich dabei um eine sich selbst verstärkende Spirale. Der Philosoph Robert Anton Wilson fasste dies in seinem Buch „Der neue Prometheus – Die Evolution unserer Intelligenz“ einem treffenden Satz zusammen: „Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen.“

Der Denker und der Beweisführer

Wilson nutzt zur Argumentation eine geniale Methapher. Stellen Sie sich dafür vor, dass Ihr Gehirn aus zwei Teilen besteht. Einem, der für das Denken zuständig ist, und einem weiteren Teil, dessen einzige Aufgabe darin besteht, die Gedanken des Denkers zu beweisen. Wenn Sie also auf einmal der festen Überzeugung wären, dass es absolut gesundheitsgefährdend wäre, als Vegetarier zu leben, dann würden Sie auch für diese These viele Referenzen und Beweise finden.

Die folgende Anektote verdeutlicht die Metapher vom Denker und Beweisführer: Eines Tages kam ein Mann zu einem Psychiater, weil er dringend Hilfe benötigte. Er glaubte nämlich fest daran, dass er eine Leiche sei (Ja, es gibt nichts, was es nicht gibt). Der Mediziner dachte kurz nach und versuchte dann, seinen neuen Patienten mit Logik zu überlisten. Er stellte ihm eine Frage:

„Sagen Sie mal, eine Leiche ist doch bereits tot, nicht wahr?“

„Ja, selbstverständlich“, kam die umgehende Antwort.

Der Psychiater fragte weiter: „Und wenn man einer Leiche in die Haut schneiden würde, dann bedeutet dies ja, dass kein Blut herauslaufen kann, oder?“

„Ja, ganz genau, eine Leiche kann auf keinen Fall bluten“.

„Dann habe ich eine Idee«, sagte der Arzt, „würden Sie mir gestatten, Sie mit einem scharfen Messer ganz leicht am Arm einzuritzen, um zu beobachten, was genau passieren wird?“

Der Patient war sofort einverstanden: „Geht klar, Doc. Überhaupt kein Problem“.

Der Psychiater nahm also sein Skalpell und ritzte vorsichtig über den linken Arm des Mannes, der daraufhin auch gleich zu bluten anfing. In der sicheren Gewissheit, seinen Patienten mit diesem Beweis überzeugt zu haben, dass er auf keinen Fall eine Leiche sein könne, stellte er die Abschlussfrage: „Und, was genau sagt uns dieses Ergebnis?“

Der Patient sah leicht verwirrt aus, als er antwortete: „Das ist echt krass. Leichen bluten ja doch!“

Glaubenssätze verstärken sich zu Glaubenssystemen

Dies ist die Kraft von Glaubenssätzen. Und wenn Sie in einem Bereich Ihres Lebens eine ganze Reihe von ähnlichen Glaubenssätzen haben, dann wird ein ganzes Cluster von Überzeugungen daraus, also ein Glaubenssystem, welches dann noch stärker wirkt als ein einzelner Glaubenssatz. Nun ist es aber so, dass es zwei Arten von Überzeugungen gibt: zum einen sind da die lösungsorientierten und aktivierenden Glaubenssätze. Diese bringen Sie Ihren Zielen und Träumen näher und lassen Sie an Ihren Erfolg glauben.

Leider gibt es aber genauso viele limitierende und einschränkende Überzeugungen, die Sie von Ihren Zielen abhalten und Sie glauben lassen, dass Sie nicht gut genug wären oder den Erfolg nicht verdient hätten. Und bei den meisten Menschen überwiegen diese negativen Überzeugungen – natürlich mit den entsprechenden Ergebnissen. Doch was halten Sie davon, wenn wir uns ein paar konkrete Beispiele anschauen?

Beispiele für limitierende Glaubenssätze

Negative Glaubenssätze tauchen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen auf und beeinflussen dort unser Denken und Handeln. Hier einige Klassiker-Beispiele für limitierende Überzeugungen, die dafür sorgen, dass wir nicht den Erfolg bekommen, den wir uns wünschen.

  1. “Ich bin nicht gut genug.”

  2. “Ich verdiene kein Glück.”

  3. “Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.”

  4. “Geld ist schwer zu verdienen.”

  5. “Ich kann mich nie ändern.”

  6. „Veränderung muss schwer sein.“

  7. „Geld verdirbt den Charakter.“

  8. „Reiche Menschen sind böse.“

  9. „Wenn ich es nicht selber tue, dann wird es nichts.“

  10. „Über Geld spricht man nicht.“

Beispiele für förderliche Glaubenssätze

Im Gegensatz zu ihren limitierenden Geschwisterm, können positive Glaubenssätze uns dabei unterstützen, unser volles Potenzial zu entfalten und ein erfülltes Leben zu führen. Hier sind einige Beispiele für positive Glaubenssätze:

  1. “Ich habe die Fähigkeit, alles zu erreichen, was ich mir vornehme.”

  2. “Ich bin es wert, Liebe und Erfolg zu erfahren.”

  3. “Ich bin einzigartig und wertvoll.”

  4. “Ich bin finanziell erfolgreich und habe genug für meine Bedürfnisse.”

  5. “Ich habe die Kraft, mich selbst zu verändern und zu wachsen.”

  6. „Ich ziehe das Geld an, wie ein Magnet“.

  7. „Commitment, Fleiß und Durchhaltevermögen zahlen sich am Ende immer aus.“

  8. „Wenn ich viel und gerne gebe, bekomme ich auf lange Sicht doppelt und dreifach zurück.“

  9. „Wenn ich regelmäßig mutige Entscheidungen treffe, wird mich das Leben reich beschenken.“

  10. „Ein positives Mindset wird mir sämtliche Türen im Leben öffnen.“

Diese förderlichen Glaubenssätze habe ich mir ganz bewusst gewählt und zur Grundlage meines täglichen Wirkens werden lassen. Und sie helfen mir mittlerweile unbewusst dabei, meine Ziele zu erreichen und meine Träume zu leben.

Glaubenssätze eine Übersicht

Wie wäre es zusätzlich zu den beiden Top-10-Listen noch mit einer Übersichtsgrafik? Hier finden Sie eine Zusammenfassung von Glaubenssätzen, die mir in meiner Arbeit als Change Coach und Keynote Speaker immer wieder begegnen.

Negative Glaubenssätze Beispiele

Die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, und wenn ich aus platzgründen nicht limitiert gewesen wäre, hätte ich sie noch um viele weitere Beispiele ergänzen können.

Arten von Glaubenssätzen

Unabhängig davon, ob sie nun positiv oder limitierend sind, können Glaubenssätze grob in vier verschiedene Kategorien unterteilt werden, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind emotional aufgeladen.

  1. Selbstwert und Selbstbild: Diese Glaubenssätze betreffen unsere Überzeugungen darüber, wer wir sind und was wir wert sind. Positive Selbstwert-Glaubenssätze stärken unser Selbstvertrauen und unser Selbstbewusstsein, während negative Selbstwert-Glaubenssätze uns dazu bringen können, uns minderwertig oder unwürdig zu fühlen.

  2. Erfolg und Leistung: Diese Glaubenssätze beziehen sich darauf, was wir über unsere Fähigkeiten und unser Potenzial denken. Positive Erfolgs-Glaubenssätze ermutigen uns, hart zu arbeiten und Herausforderungen zu meistern, während negative Glaubenssätze uns davon überzeugen können, dass wir nicht gut genug sind oder dass Erfolg für uns unerreichbar ist.

  3. Zwischenmenschliche Beziehungen: Diese Glaubenssätze betreffen unsere Überzeugungen über andere Menschen und die Natur zwischenmenschlicher Beziehungen. Positive zwischenmenschliche Glaubenssätze fördern Vertrauen, Mitgefühl und Harmonie, während negative Glaubenssätze zu Misstrauen, Konflikten und Isolation führen können.

  4. Geld und Wohlstand: Diese Glaubenssätze beeinflussen unsere Einstellung zum Geld und zum Erfolg im finanziellen Bereich. Positive Geld-Glaubenssätze unterstützen den Glauben an Fülle und finanzielle Freiheit, während negative Glaubenssätze zu Knappheit, Angst vor Geld oder finanzieller Abhängigkeit führen können.

Eigenschaften von Glaubenssätzen

Wir wollen nun einen Schritt weiter gehen, und uns gemeinsam wir sieben fundamentale Eigenschaften anschauen, die alle Überzeugungen gemeinsam haben.

  1. Glaubenssätze kommen immer von außen: Kein Baby wird als Rassist, Zyniker oder Optimist geboren. Sämtliche Glaubenssätze entwickeln Menschen erst im Laufe der Kindheit und Jugend, insbesondere von wichtigen Bezugspersonen wie Eltern, Verwandte, Lehrern oder Personen, zu denen eine emotionale Beziehung besteht.
  2. Glaubenssätze wirken unbewusst: Unsere Überzeugungen sind tief in unserem Unterbewusstsein verankert und leisten uns dort auf Autopilotmodus treue Dienste. Unabhängig davon, was wir uns bewusst vornehmen.
  3. Glaubenssätze bestimmen unser Verhalten: Glaubenssätze wirken als Wahrnehmungsfilter und bestimmen daher sowohl unser Denken, vorwiegend aber unsere Entscheidungen. Je nachdem, wie sie die Welt sehen, verhalten Sie sich anders.
  4. Glaubenssätze verstärken sich mit der Zeit: Je überzeugter Sie von etwas sind, desto mehr werden Sie entsprechende Beweise dafür im Alltag finden. Und je mehr Beweise Sie für die Richtigkeit der Überzeugung finden, desto mehr verfestigt diese sich.
  5. Glaubenssätze können förderlich sein: Positive Überzeugungen wirken aktivierend, richten den Fokus auf Chancen im Leben aus und sorgen dafür, dass Sie in der Lage sind, Ihr volles Potenzial zu entfalten.
  6. Glaubenssätze können limitierend sein: Negative Überzeugungen wirken limitierend, richten den Fokus auf Probleme im Leben und sorgen (unbewusst) dafür, dass Sie sich selber sabotieren und nicht den Erfolg erhalten, den Sie sich (bewusst) so sehr wünschen.
  7. Glaubenssätze können verändert werden: Dies ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft von allen. Denn auch wenn Glaubenssätze immer unbewusst wirken, so können Sie doch verändert werden. 

Wie entstehen Glaubenssätze?

Nachdem wir nun wissen, was genau Glaubenssätze sind und über welche Eigenschaften sie verfügen, wollen wir uns der Frage widmen, wie sie denn überhaupt entstehen. Es dürfte mittlerweile nicht mehr überraschen, dass dies auf keinen Fall zufällig geschieht. Stattdessen sind Überzeugungen das direkte Ergebnis der unterschiedlichsten Prägungen durch Ihr Umfeld. Sie entwickeln sich aus den Einflüssen, denen Sie sich permanent aussetzen. Den Informationen, die Sie konsumieren, den Menschen, mit denen Sie sich umgeben, den Orten, in denen Sie sich bewegen und die Art, wie Sie mit sich selber reden.

  • Erfahrungen: Frühe Erfahrungen, insbesondere in der Kindheit, prägen unsere Glaubenssysteme maßgeblich. Positive Erfahrungen können zu positiven Glaubenssätzen führen, während negative Erfahrungen zu einschränkenden Überzeugungen führen können.

  • Erziehung und Umfeld: Die Menschen in unserem Umfeld, wie Eltern, Lehrer, Freunde und Kollegen, sowie gesellschaftliche Normen und Werte beeinflussen unsere Glaubenssätze stark. Das, was wir von anderen über uns selbst und die Welt lernen, prägt unsere Überzeugungen und Annahmen.

  • Selbstgespräche: Unsere inneren Dialoge und Gedankenmuster spielen eine wichtige Rolle bei der Formulierung unserer Glaubenssätze. Indem wir uns immer wieder bestimmte Dinge sagen, verstärken wir bestimmte Überzeugungen und festigen sie in unserem Unterbewusstsein.

Sie können sich das vereinfacht so vorstellen: Sie nehmen einen Glaubenssatz in Form einer Meinung, einer Idee oder eines Vorurteils auf und übernehmen diesen unkritisch. Und schon geht es los. Auf einmal finden Sie im Alltag überall die bereits erwähnten „Beweise“, welche die neue Überzeugung bestätigen. Und je mehr „Beweise“ Sie finden, desto tiefer nistet sich der Glaubenssatz im Unterbewusstsein ein.

Unsere Kernüberzeugungen werden vor allem in der Kindheit und Jugend gebildet, doch auch noch im Erwachsenenalter läuft dieser Prozess nach genau dem gleichen Schema ab. Und ehe man sich versieht, glaubt man tief und fest daran, dass Erfolg schwer ist, Geld den Charakter verdirbt und die anderen Menschen nur darauf warten, einen übers Ohr zu hauen. Je fester die Überzeugung, desto mehr werden einem diese Dinge im Alltag auffallen. Und dadurch wird dann die Überzeugung wieder fester. Eine klassische Spirale, die Sie entweder Ihren Zielen näher bringen kann, oder dafür sorgt, dass Sie sich permanent selbst sabotieren. Denn Glaubenssätze vermehren und verstärken sich im Laufe der Zeit.

Mind Viruses – So vermehren sich Glaubenssätze

An dieser Stelle kommt der Name Richard Brodie ins Spiel. Was, den haben Sie noch nie gehört? Zuerst einmal sollten Sie ihm mehr oder weniger dankbar sein. In seinem früheren Leben war Brodie nämlich Softwareprogrammierer bei Microsoft und in dieser Eigenschaft der Entwickler des Schreibprogramms Word. Irgendwann entschied er sich jedoch, seiner Berufung zu folgen und wurde Redner und Autor (komisch, das kommt mir irgendwie bekannt vor). In seiner neuen Rolle widmete er sich fortan dem Studium der Frage, wie äußere Programmierungen die inneren Überzeugungen beeinflussen.

Als Ergebnis seiner Forschungen schrieb er ein Buch, welches ich Ihnen wärmstens ans Herz legen kann. Es trägt den spannenden Titel „Virus of the Mind – The New Science of the Meme. Basierend auf den Untersuchungen zum „selbstsüchtigen Gen“ von Richard Dawkins beschreibt Brodie, wie sich Ideen im Gehirn einnisten und sich dort genauso verbreiten, wie es beispielsweise ein Grippevirus tut.

Zwei Faktoren bestimmen dabei, wie stark sich die von ihm als „Geistesviren“ bezeichneten Informationen im Gehirn festsetzen. Zum einen sind es regelmäßige Wiederholungen. Klar, je häufiger Sie eine Idee im Kopf haben, desto vertrauter und realer wird sie irgendwann. Hinzu kommt die emotionale Intensität. Wenn eine Idee in Verbindung mit Liebe, Sex, Angst, Kindern oder Essen präsentiert wird, potenziert sich die Wirkung der Suggestion um ein Vielfaches.

Ideen vermehren sich wie Viren im Gehirn

Um das zu überprüfen, brauchen Sie nur zum nächsten Kiosk zu gehen, und sich die aktuelle Ausgabe der Bildzeitung kaufen. Sie ist voller Beispiele für beide der genannten Phänomene. Die Kombination aus Intensität und Wiederholung sorgt dann dafür, dass sich ein Gedankenvirus genauso schnell verbreitet, wie es eine typische Grippewelle tut. Das Schlimme daran ist, dass die meisten Ideen und Meinungen mittlerweile ohne einen einzigen Funken eigener Denkleistung übernommen und weitergegeben werden. Zeitungen schreiben voneinander ab. Freunde erzählen sich die neuste Entdeckung, die im Fernsehen kam, und auf WhatsApp werden moderne Kettenbriefe wahllos geteilt und verbreitet. Und was erst einmal als Meinung oder Vorurteil im Kopf ist, will so schnell nicht mehr heraus.

Nie war es deshalb wichtiger, zum kritischen Denker zu werden. Ansonsten sind Sie den äußeren Programmierungen der Werbefachleute, Fernsehproduzenten und Radiomoderatoren hilflos ausgeliefert. Nicht immer werden Sie direkt programmiert. Häufig sind es auch einfach nur stereotype, aber hoch emotionale Bilder. Stellen Sie sich vor, Sie schlagen die Zeitung auf und erblicken eine harmlos ausschauende Karikatur, in der eine arme Frau von einem dicken, gierigen Industriekapitän übers Ohr gehauen wird. Welche Botschaft wird dort unbewusst übermittelt? Richtig, die Reichen sind dick, gierig und beuten die armen (und selbstverständlich ehrlichen) Menschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus.

Je häufiger Sie solche Botschaften unkritisch akzeptieren, desto stärker wirken Sie und bilden sich dann zu Kernüberzeugungen aus, auf denen Ihre Sicht auf die Welt und vor allem auf sich selbst basiert. Diese Glaubenssätze sitzen tief im Unterbewusstsein und verbreiten sich dort wie der berühmte Gedankenvirus aus dem Film Inception mit Leonardo DiCaprio, in dem es möglich ist, die Träume anderer Menschen zu infiltrieren und dort Ideen zu platzieren. Die ehemals externe Idee ist zu Ihrer internen Realität geworden.

Die Summe der Kernüberzeugungen führt dann unweigerlich dazu, dass Ihr unbewusster Autopilot eben nicht auf Erfolg und Überfluss ausgerichtet ist, sondern auf Mangel und Mittelmäßigkeit. Und dann können Sie auf bewusster Ebene noch so sehr davon überzeugt sein, dass Sie erfolgreich sein wollen. Wenn Ihr Autopilot auf das genaue Gegenteil programmiert ist, werden Sie Ihr Ziel nicht erreichen. Bereits Einstein wusste: Wenn der logische Verstand und das Unterbewusstsein in Konflikt stehen, setzt sich immer die unbewusste Vorstellung durch. Und bitte, nutzen Sie diese Feststellung auf keinen Fall dazu, es der großen Masse gleich zu tun und den Verstand komplett aufzugeben. Die Fähigkeit, kritisch zu denken, bewusste Entscheidungen zu treffen, und die gigantische Kapazität des Gehirns zu nutzen, ist die größte Gabe, mit der die Natur Sie ausgestattet hat.

Auswirkungen von Glaubenssätzen

Glaubenssätze haben eine enorme Auswirkung auf unser Leben. Sie können uns motivieren und inspirieren oder uns zurückhalten und einschränken. Einige der Auswirkungen von Glaubenssätzen sind:

  • Verhalten und Handlungen: Unsere Glaubenssätze beeinflussen, wie wir handeln und reagieren. Positive Glaubenssätze können uns dazu ermutigen, Risiken einzugehen, neue Herausforderungen anzunehmen und hart für unsere Ziele zu arbeiten, während negative Glaubenssätze uns dazu bringen können, uns zurückzuziehen, unsicher zu sein und Chancen zu verpassen.

  • Emotionen und Gefühle: Unsere Glaubenssätze beeinflussen auch unsere emotionalen Reaktionen auf verschiedene Situationen. Positive Glaubenssätze können ein Gefühl von Freude, Dankbarkeit und Erfüllung fördern, während negative Glaubenssätze zu Angst, Frustration und Depression führen können.

  • Beziehungen: Unsere Überzeugungen über uns selbst und andere Menschen prägen auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Positive Glaubenssätze fördern Vertrauen, Nähe und Respekt in Beziehungen, während negative Glaubenssätze zu Misstrauen, Konflikten und Trennungen führen können.

  • Erfolg und Leistung: Unsere Glaubenssätze über unsere Fähigkeiten und unser Potenzial beeinflussen maßgeblich unseren Erfolg und unsere Leistung. Positive Glaubenssätze können uns dazu ermutigen, hart zu arbeiten, Hindernisse zu überwinden und unsere Ziele zu erreichen, während negative Glaubenssätze uns davon abhalten können, unser volles Potenzial auszuschöpfen und unsere Träume zu verwirklichen.

Glaubenssätze im Alltag

Je kritischer Sie denken und je bewusster Sie auf Ihre Denkmuster, Entscheidungsstrategien und Ihre typischen Verhaltensweisen im Alltag achten, desto häufiger werden Sie feststellen, dass ein negativer Glaubenssatz gerade dabei ist, Ihren Erfolg zu sabotieren. Limitierende Überzeugungen lauern nämlich überall, und spiegeln sich gerne in den folgenden Mustern wider:

  • Ausreden

  • Emotionale Reaktionen

  • Negative Gedanken

  • Negative Denkmuster

  • Vorannahmen

  • Zweifel

  • Wiederkehrende Muster

  • Kulturelle Mythen

  • Drang nach Perfektionismus

  • Rechtfertigungen

  • Sorgen

  • Selbstbetrug

  • Stereotypen

  • Selbstoptimierungswahn

  • Innerer Kritiker

  • All die Storys, die wir uns jeden Tag selber erzählen

In all diesen Verhaltensweisen und Mustern lauern tief sitzende Überzeugungen, die durch das Filtern der Realität entscheiden, was Sie konkret tun und wie Sie auf bestimme Dinge reagieren.

Veränderung von Glaubenssätzen

Kommen wir nun zum vielleicht wichtigsten Abschnitt dieses Artikels. Er widmet sich der Frage: „Wie können Glaubenssätze verändert werden?“ Da Überzeugungen auf unbewusster Ebene wirken, können Sie langfristig auch nur dort verändert werden. Diese Veränderung beginnt mit einer klaren und bewussten Entscheidung und endet mit der Integration eines alternativen Glaubenssatzes, der dann an Stelle der ehemals limitierenden Überzeugung seinen automatisierten Dienst tun kann. Um so konkret wie möglich zu werden, möchte ich diese kurze Erläuterung gerne so detailliert wie möglich beschreiben, indem ich Ihnen den 7-stufigen Prozess zum Auflösen und verändern von limitierenden Glaubenssätzen vorstelle.

Limitierende Glaubenssätze verändern: Der 7-Stufen-Prozess

  1. Identifizieren Sie einen negativen Glaubenssatz und stellen Sie sich folgende Frage: “Woher genau weiß ich das?”

  2. Analysieren Sie so bewusst wie möglich, wie genau sich der Glaubenssatz in Ihrem Alltag bemerkbar macht. Wann taucht er auf, durch welche Trigger wird er ausgelöst und welche Verhaltensweisen sind eine typische Folgeerscheinung?

  3. Fragen Sie sich: “Was würde passieren, wenn ich den Glaubenssatz behalte?”

  4. Orientieren Sie sich bei der Analyse der Überzeugung an folgender Idee: “Argumentieren Sie nur für die Limitationen, die Sie behalten wollen.”

  5. Formulieren Sie eine positive Alternative, die an die Stelle des negativen Glaubenssatzes treten soll.

  6. Integrieren Sie den neuen, positiven Glaubenssatz bewusst und konsistent in Ihren Alltag.

  7. Geben Sie sich mindestens 66 Tage Zeit und machen Sie eine Gewohnheit draus.

Diese sieben Schritte folgen einem immer wiederkehrenden Muster der Veränderung:  Ein unbewusstes Verhalten an die Oberfläche holen. Dort verändern. Solange bewusst anwenden, bis es zu einer neuen unbewussten Gewohnheit wird.

Was sind Glaubenssätze – Ein letzter Gedanke

Puh, ich gebe zu, dass die Beschäftigung mit der Frage „Was sind Glaubenssätze?“ am Ende zu einem richtig langen Artikel geführt hat. Ich hoffe aber sehr, dass Sie sich nun umfassend informiert fühlen, und all Ihre offenen Fragen rund ums Thema Glaubenssätze beantwortet sind. Sollte dies nicht der Fall sein, dann freue ich mich über Ihren Kommentar und werde den Artikel dann sukzessive ergänzen.

Limitierende Glaubenssätze als Ursache der Selbstsabotage

Die durch limitierende Glaubenssätze ausgelöste Selbstsabotage hindert wohl mehr Menschen daran, ihre persönlichen Ziele und Träume zu erreichen, als sämtliche anderen Faktoren zusammen. Was ich damit meine? Ganz einfach. Vielleicht kennen Sie das ja auch von Freunden, Arbeitskollegen oder gar von sich selbst. Auf bewusster Ebene will man etwas unbedingt schaffen, Erfolge feiern und seine Träume in die Tat umsetzen. Aber unbewusst sorgen negative Programmierungen und Glaubenssätze dafür, dass die bewusst gesetzten Vorhaben torpediert, sabotiert und bekämpft werden.

Die genauen Hintergründe, sowie die Lösung für die unbewusste Selbstsabotage (ich spreche von der Fähigkeit zu verlernen, was wir gelernt haben) wollen wir uns in diesem Blogartikel anschauen. Starten wollen wir mit einer kleinen Zeitreise in die Vergangenheit. Denn genau dort liegen die Ursprünge.

Die unbewusste Selbstsabotage: Die Wurzeln liegen in der Kindheit

Darf ich Ihnen ein Geständnis machen? Ich war nie ein guter Schüler. Spätestens ab der 8. Klasse habe ich mich mehr oder weniger durchgewurschtelt. Und hätte ich nicht einige Paradefächer gehabt, so hätte mir mein komplettes Desinteresse an Mathematik, Physik und Chemie wohl notentechnisch das Genick gebrochen. Aber erst heute, viele Jahre und eine große Portion Lebenserfahrung später weiß ich, warum die Schule und ich nie beste Freunde wurden. Es lag an der Struktur, den Zielen und den Botschaften, die mir bewusst oder unbewusst über meine gesamte Kindheit eingetrichtert wurden.

Vielleicht kommen Ihnen einige davon ja bekannt vor:

  • Sitz still
  • Bereite Dich gut auf die nächste Prüfung vor
  • Pass Dich an
  • Mach Deine Hausaufgaben. Hinterfrage nicht
  • Befolge die Anweisungen der Lehrer
  • Lerne auswendig
  • Schreib in Deinem Heft nicht über den Rand
  • Mach nicht mehr als nötig. Regeln sind wichtiger als Kreativität
  • Halte Dich im Hintergrund
  • Das Kollektiv ist wichtiger als der Einzelne
  • Vermeide Risiken
  • Tue das, was alle tun
  • Schlag Dir die Träumereien aus dem Kopf
  • Tu das, was alle tun
  • Und last but not least natürlich der bekannte Klassiker Gute Noten sind wichtiger als etwas zu verstehen.

Das Ergebnis? Das Schulsystem hat meine Kreativität und meinen Entdeckergeist gekillt. Und weil auch heute immer noch die Methoden aus den 1980er Jahren Bestand haben, sind Millionen von Kindern zwar echte Experten im Auswendiglernen und Bestehen von Klausuren, verfügen jedoch über so gut wie keine Problemlösungskompetenz.

Natürlich ist dies nicht die Schuld der Lehrer, denn viele Lehrkräfte sind super engagiert und richtig toll. Leider haben sie mit genau den gleichen Hindernissen zu kämpfen, denn die Institution Schule mag keine kreativen Pädagogen. Stattdessen mag sie starre Lehrpläne. Fixe Strukturen. Und auf keinen Fall eine Abweichung von der Norm. Der Status Quo des Bildungssystems führt dann dazu, dass die einzige Fähigkeit, die unsere Kinder nach ihrem Abschluss perfekt beherrschen, „gut in der Schule sein“ ist.

Doch welche Relevanz hat das Auswendiglernen von Fakten, die man innerhalb von wenigen Sekunden googeln könnte? Wie wichtig ist das Wiederkäuen von Antworten, welche die fragenden Lehrkräfte schon längst kennen? Richtig, im wahren Leben sind vollkommen andere Kompetenzen gefragt. Weder Astrid Lindgren, noch Elon Musk, Arianna Huffington oder irgendeine andere außergewöhnliche Persönlichkeit hat ihren Erfolg der Ausbildung an einer Schule zu verdanken. Denn wir leben schon lange nicht mehr in der Industriegesellschaft, wo Schulen vor allem konforme Arbeiter hervorbringen sollten, die dann fleißig und zuverlässig ihren Dienst an den Fließbändern der Fabriken absolvieren sollten. Gut in der Schule zu sein ist beim Aufbau eines Start-ups, in der Führung eines Unternehmens oder der Entwicklung von zukunftsorientierten Ideen leider genauso irrelevant wie wenn Sie eine absolute Expertin im Bowling wären.

Versagerbotschaften und Programmierungen setzen sich im Unterbewusstsein fest

Auch im Studium wird es nicht etwa besser. Die Themen und Inhalte mögen zwar komplexer sein, aber trotzdem geht es in erster Linie immer noch um das Auswendiglernen von prüfungsrelevanten Informationen. Die praktische Anwendung des Wissens in unterschiedlichen Kontexten spielt hingegen so gut wie keine Rolle. Es war ein prägender Moment in meinem Leben, als ich als frisch gebackener Diplom-Kaufmann meine Karriere zum Warenhausgeschäftsführer bei Karstadt startete. Werner Zeller, der Abteilungsleiter, der mich einarbeiten sollte, sprach zur Begrüßung direkt Klartext: „Grzeskowitz, schön, dass Sie studiert haben. Das interessiert im wahren Leben allerdings niemanden. In der Praxis sind vollkommen andere Fähigkeiten gefragt. Am besten verlernen Sie so schnell wie möglich alles, was sie an der Uni gelernt haben.“

Rumms. Die Ansage saß. Aber sie hat dazu geführt, dass ich eine neue Perspektive eingenommen habe. Weil ich begriff, dass mir die Prägungen, Botschaften und Suggestionen des Bildungssystems für meine Zukunft nur im Wege stehen würden. Und ehe ich mich versah, stand ich vor der wohl schwierigsten Veränderung meines bisherigen Lebens. Ich musste lernen, all das wieder zu verlernen, womit ich aufgewachsen war. Was man mir über Jahre in der Schule eingetrichtert hatte. Ich musste die Botschaften aus der Vergangenheit ablegen und neu definieren, wer ich sein wollte. Woran ich glaube. Und welches Mindset mich antreiben sollte. Zwischen den Ergebnissen in unserem Leben und unserem aktuellen Mindset gibt es nämlich einen direkten Zusammenhang, den Sie sich wie folgt vorstellen können.

Mindset unbewusste selbstsabotage

Das Mindset als bestimmender Faktor des Denkens und Verhaltens

Wie auch immer das Mindset aussieht, mit dem Sie zurzeit durchs Leben gehen, es ist die einzigartige Kombination Ihrer Identität, Ihren wichtigsten Werten und Ihren tiefsten Überzeugungen. Diese besondere Mischung bestimmt nicht nur Ihre generelle Weltsicht, sondern auch Ihre Fähigkeiten, Ihr Verhalten, Ihre Entscheidungsstrategien und am Ende des Tages eben auch Ihre Ergebnisse. Oder kurz und knackig auf den Punkt gebracht:

Ihr Verhalten ist immer ein direkter Spiegel Ihres Mindsets.

Sie können sich auf intellektueller Ebene noch so sehr wünschen, eine erfolgreiche Unternehmerin zu sein, finanzielle Freiheit zu erlangen oder endlich den Partner fürs Leben zu finden. Wenn Ihr Mindset auf einer diesen Träumen entgegengesetzten Identität und damit einhergehenden Glaubenssätzen basiert, dann werden Sie alles dafür tun, dass die Realität sich Ihren Überzeugungen angleicht. Dies liegt an einem universellen Zusammenhang, wenn es um Veränderungen im Leben geht.

Je mehr ein Verhalten unser aktuelles Mindset angreift, desto mehr werden wir unbewusst alles dafür tun, dieses Verhalten aufzuschieben oder gar ganz zu verhindern.

Beachten Sie bitte, dass dieser Prozess komplett unbewusst abläuft, selbst wenn Sie rational von Ihren Zielen überzeugt sind. Trotzdem sind Menschen wahre Künstler darin, all diese bewusst geäußerten Intentionen unbewusst zu sabotieren, damit die eigene Identität und die damit einhergehenden Überzeugungen bewahrt werden können.

Limitierende Glaubenssätze als Ursprung für unbewusste Selbstsabotage

Statt Überzeugungen können Sie gerne auch Glaubenssätze oder Beliefs sagen. Gemeint sind damit die vermeintlichen Fakten und Zusammenhänge, von denen Sie glauben, dass sie wahr sind, sowie die generellen Prinzipien, wie das Leben funktioniert, was alles möglich ist oder wer Sie als Persönlichkeit sind bzw. sein könnten. Ein paar Beispiele gefällig? Hier kommt eine unvollständige Auswahl von ein paar Klassikern:

  • Schuster bleib bei Deinen Leisten
  • Ich bin nicht gut genug
  • Geld verdirbt den Charakter
  • Rechne lieber mit dem Schlechtesten, dann wirst Du nicht enttäuscht
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
  • Das Leben ist kein Zuckerschlecken
  • Die Menschheit wird immer schlechter
  • Ich ziehe den Misserfolg magisch an
  • Das geht nicht so einfach
  • Um Erfolg zu haben, muss man die Ellenbogen ausfahren
  • Ich bin an allem schuld
  • Dafür fehlt mir die Zeit
  • Das mag bei anderen klappen, bei mir ist das anders
  • Oder mein absoluter Favorit: Veränderung muss hart sein, damit sie funktioniert.

Ich bin mir sicher, dass Sie beim Lesen direkt noch weitere Beispiele im Kopf haben, nicht wahr? Dann lassen Sie uns jetzt zum wohl wichtigsten Charakteristikum von Glaubenssätzen kommen. Diese entstehen nämlich nicht aus dem Nichts und sind auf einmal da. Ganz im Gegenteil.

Glaubenssätze kommen immer von außen. Wir übernehmen sie von anderen Menschen.

Kennen Sie ein Baby, das als Rassist geboren wurde? Kennen Sie einen kleinen Jungen, der mit diskriminierenden Vorurteilen durchs Leben geht? Oder ein Mädchen, dass ihre ausländische Freundin im Kindergarten ausgrenzt, weil sie davon überzeugt ist, dass sie ihr später mal den Job wegnehmen wird? Sehen Sie, ich auch nicht. Sämtliche Überzeugungen (die positiven wie die negativen) lernen wir erst im Laufe der Zeit von wichtigen Bezugspersonen aus unserem sozialen Umfeld. Ob wir es wollen oder nicht, wir übernehmen die Weltsicht unserer Eltern, Verwandten und später unserer Lehrer. Anfangs sind diese Glaubenssätze noch ganz klein und zart. Aber je mehr wir diese bestätigt sehen, desto mehr verfestigen sich diese. Bis sie irgendwann tief in unserem Unterbewusstsein verankert sind, und dort zuverlässig ihre Wirkung entfalten.

Glaubenssätze als zentraler Pfeiler des Mindsets

Spätestens als Teenager haben wir dann ein entsprechendes Mindset entwickelt, welches uns als Kompass für unser Leben dient. Wir haben gelernt, was gut ist und was schlecht. Was man zu tun und was zu lassen hat. Welchen Platz uns das Schicksal zugeteilt hat und wie unsere Zukunft aussehen wird. Und da die Masse der auf uns eingeprasselten Botschaften tendenziell eher negativ war, ist eben auch die Masse unserer Glaubenssätze entsprechend limitierend. Das Ergebnis: Trotz bester Intentionen sabotieren wir uns selber und haben mit dem permanenten Gefühl zu kämpfen, dass wir gegen eine gläserne Wand anrennen würden. Weil unser Verhalten immer ein Spiegel unserer Mindsets ist. Und was noch viel heimtückischer ist, weil wir von all dem überhaupt nichts mitbekommen.

„Okay Ilja, wenn mein Mindset ganz automatisch meine Fähigkeiten, mein Verhalten und meine Entscheidungen beeinflusst, dann muss ich ja eigentlich nur mein Mindset positiv verändern und schon führen mich meine unbewussten Programme wie von selbst näher an meine Ziele und Träume, oder?“ Gut, dass Sie fragen. Meine Antwort kommt im Radio Eriwan Stil (In Anlehnung an die Witze, die in meiner Jugend sehr populär waren) und lautet: Im Prinzip ja. Denn die große Herausforderung lauert im unscheinbaren Wort eigentlich. Es funktioniert nicht per Fingerschnipp und braucht eine gewisse Zeit. Wie Sie in der Abbildung erkennen können, ist die einzige Möglichkeit, Ihr Mindset dauerhaft durch Ihre Gedanken, Ihre Entscheidungen und Ihr Verhalten zu verändern, nämlich bewusstes Lernen.

Lernen, zu verlernen: Einer der wichtigsten Zukunfts-Skills

Der grundsätzliche Prozess, um zu lernen, wie man etwas wieder verlernt, ist überraschend einfach. Es gilt, ein limitierendes Muster zu identifizieren und aus dem Unterbewusstsein an die bewusste Oberfläche zu befördern. Dort können wir es dann mit einer förderlichen Alternative ersetzen, und es wieder zu einem unbewussten Automatismus werden lassen, der dann seinen positiven Dienst für uns erledigt. Klingt erst einmal einfach, nicht wahr? Ist es auch. Wie so häufig steht das Wort einfach aber vor allem für nicht kompliziert und nicht für leicht. Denn unbewusste Muster können extrem hartnäckig sein und es braucht eine große Portion Disziplin, Commitment und Durchhaltevermögen, um eine negative Gewohnheit in eine positive zu transformieren.

Natürlich weiß ich, dass diese Werte in Zeiten, wo alle nur noch im Moment leben und sämtliche Bedürfnisse am liebsten sofort erfüllt haben möchten, nicht besonders sexy klingen. Aber es lohnt sich nicht nur, sondern kann sogar eine Menge Spaß machen. Wenn Sie sich die Abbildung anschauen, dann sehen Sie den 4-stufigen Prozess im Überblick.

Lernen, zu verlernen: unbewusste selbstsabotage durchbrechen und überwinden

Bevor wir uns die einzelnen Stufen anschauen, ist es wichtig, dass wir uns noch einmal detailliert das Prinzip von unbewussten Automatismen anschauen. Diese funktionieren nämlich immer gleich. Stellen Sie sich vor, dass Sie ein Computerprogramm schreiben, dem folgender Algorithmus zugrunde liegt: Immer, wenn X passiert, dann reagiere mit Y. Ein klassisches Reiz-Reaktions-Schema. Im Kontext menschlichen Verhaltens ist X ein bestimmter Trigger, der eine emotionale Reaktion hervorruft, uns an eine bestimmte Erfahrung erinnert oder einen Zustand auslöst. Als Trigger können dabei Bilder, Wörter, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker oder Tonfälle dienen. Wird ein solcher Trigger ausgelöst, spult unser Unterbewusstsein automatisch das gelernte Programm ab. Hier einige konkrete Beispiele:

  • Sie nehmen den Duft von frischem Kuchen wahr, und erinnern sich sofort an eine schöne Situation aus Ihrer Kindheit
  • Ihr Lebenspartner reagiert auf einen Vorschlag mit einem typischen Gesichtsausdruck, und Sie fühlen sich automatisch unsicher
  • Sie hören Ihr Lieblingslied im Auto und sind wie von selbst motiviert
  • Sie blicken auf Ihr überfülltes Emailpostfach und beginnen sofort damit, sich mit sinnlosem Surfen auf Social Media abzulenken
  • Ihr Chef benutzt einen bestimmten Tonfall und Sie fühlen sich unsicher
  • Vor einer Präsentation blicken Sie in die Gesichter Ihrer Zuhörer und Ihr Herz fängt an, schneller zu schlagen
  • Sie fahren hungrig über die Autobahn und entdecken das leuchtende M einer großen Fastfoodkette. Obwohl Sie sich gesund ernähren wollen, fahren Sie an der Ausfahrt ab und bestellen sich einen Doppelcheeseburger mit Pommes und Milchshake (Sie wissen schon, dieses Beispiel habe ich von einem Freund)

Unbewusste Selbstsabotage überwinden: Der 4 stufige Prozess

In jedem dieser Beispiele sorgt der jeweilige Trigger dafür, dass ein automatisches Programm abgespult wird. Dabei ist es Ihrem Unterbewusstsein egal, ob es sich um etwas Positives oder Negatives handelt. Wichtig ist nur eins: Wenn X passiert, dann reagiert es mit Y. Daraus folgt eine entscheidende Erkenntnis. Wenn wir mit dem Y unzufrieden sind, dann müssen wir am X ansetzen.

Unbewusste Selbstsabotage überwinden Stufe 1: Bewusstheit

Jeden Tag läuft Ihr Unterbewusstsein auf Hochtouren. Sie denken, entscheiden und handeln. Das Problem dabei: Das Ganze läuft so automatisiert ab, dass es für Sie so normal geworden ist, dass Sie es gar nicht mehr mitbekommen. Das Ziel dieses Schritts ist es, diesen unbewussten Loop zu durchtrennen und unbewusste Muster an die bewusste Oberfläche zu holen. Gehen Sie hierfür mit einem hohen Grad an Achtsamkeit durchs Leben.

Nehmen Sie wahr, welche Trigger bei Ihnen welches Verhalten auslösen. Welche Gedanken Sie in welchen Situationen denken. Welche Strategie Ihre Entscheidungen bestimmt. Und welche Muster Sie in Ihrem Verhalten erkennen können. Anfangs wird Ihnen dies wie eine fast unmögliche Aufgabe erscheinen. Kein Wunder, denn wo Ihr Alltag vor kurzem noch per Autopilot abgespult wurde, nehmen Sie das Steuer nun selbst in die Hand. Aber auch Achtsamkeit kann trainiert werden. Und je bewusster Sie die vielen Prozesse wahrnehmen, die bisher komplett unbewusst abgelaufen waren, desto leichter wird Ihnen Schritt zwei fallen.

Unbewusste Selbstsabotage überwinden Stufe 2: Verlernen

Je achtsamer Sie durchs Leben gehen, desto mehr unbewusste Muster werden Sie wahrnehmen, die für Sie eher limitierend als förderlich sind. Wählen Sie nun eines dieser Muster aus, das Sie gerne verändern möchten. Achten Sie für einige Tage ganz genau darauf, welche Strategien hinter dem Verhalten stecken. Wie genau läuft das Muster ab? Was genau tun Sie und in welcher Reihenfolge tun Sie es? Welche Sinne sind involviert? Und am allerwichtigsten: Durch welchen Trigger wird das Verhalten ausgelöst? Denn es gilt das gelernte Programm „Wenn X passiert, dann reagiere mit Y“ so bewusst wie möglich zu unterbrechen und im nächsten Schritt umzuprogrammieren.

Unbewusste Selbstsabotage überwinden Stufe 3: Lernen

Nun ist es Zeit für eine Entscheidung. Welches alternative Verhalten möchten Sie anstelle des alten als unbewussten Automatismus etablieren? Es reicht leider nicht, wenn Sie sich nur von einer negativen Gewohnheit verabschieden. Ohne eine positive Alternative ist dieser Versuch zum Scheitern verurteilt. Warum? Weil nach der Verbannung des Verhaltens zunächst ein Vakuum entsteht. Immer wenn der Trigger X ausgelöst wird, sucht das „Programm“ verzweifelt nach der gewohnten Reaktion Y.

Bieten Sie an dieser Stelle keine Alternative an, so wird nach kurzer Zeit wieder auf das alte Verhalten zurückgegriffen. Es ist nicht ausreichend, nur zu entscheiden, dass Sie bspw. kein Fastfood mehr essen wollen, Sie benötigen auch die entsprechende neue Wahlmöglichkeit. Der Algorithmus könnte dann so aussehen: „Immer, wenn ich das leuchtende M an der Autobahn entdecke, atme ich tief durch, trinke einen Schluck Wasser und genieße einen Proteinriegel.“

Unbewusste Selbstsabotage überwinden Stufe 4: Gewohnheit

Abschließend gilt es nun, aus der gewählten Veränderung einen neuen – und förderlichen – Automatismus zu machen. Je bewusster Sie den Trigger mit dem neuen Verhalten verbinden, desto erfolgreicher wird die Transformation verlaufen. Wie James Clear in seinem Bestseller Atomic Habits beschreibt, dauert es im Schnitt 66 Tage, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Warum also nicht ein Projekt starten, das genau so lange dauert? Wichtig sind dabei zwei Faktoren. Erstens, das bewusste Einbauen des neuen Verhaltens in Ihren Alltag. Und zweitens die Regelmäßigkeit. Denn je häufiger das neue Programm abgespult wird, desto eher hat es die Chance, wieder ins Unterbewusstsein zu sinken und von dann an dort als Automatismus seine positive Wirkung zu erzielen.

Unbewusste Selbstsabotage: Beispiele aus dem Alltag

Auf diese Weise haben Sie eine wundervolle Methode an der Hand, limitierende Muster zu verlernen, neue Gewohnheiten zu etablieren und so schrittweise Ihre unbewusste Selbstsabotage zu überwinden. Sie benötigen noch etwas Inspiration, in welchen Bereichen es sich lohnt, zu lernen, wie man unbewusste Automatismen verlernt? Here we go:

  • Limitierende Glaubenssätze
  • Schlechte Entscheidungsstrategien
  • Negative Denkmuster
  • Unnötige Vorannahmen
  • Impulsives Verhalten
  • Emotionale Reaktionen
  • Unbegründete Vorurteile
  • Die Tendenz, Ausreden zu suchen, warum etwas nicht geht
  • Der Fokus auf Probleme
  • Übermäßiges Zweifeln
  • Die Tendenz, sich zu rechtfertigen
  • Der Drang zum Perfektionismus
  • Die Storys, die Sie sich jeden Tag erzählen

Ich wünsche Ihnen gleichsam Freude und Erfolg beim Entdecken und Durchbrechen Ihrer unbewussten Selbstsabotage. Doch achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viel auf einmal wollen. Ein Automatismus zurzeit ist nicht nur mehr als ausreichend, sondern Sie erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Veränderung.

Selbstständigkeit Tipps: 16 Lektionen aus 16 Jahren als selbstständiger Unternehmer

Kennst Du das seltene Gefühl, wenn Du denkst, dass Du Dich selbst kneifen müsstest, weil Du einfach so dankbar für bestimmte Dinge in Deinem Leben bist? Genau solch einen Moment hatte ich heute Morgen beim Betrachten meines Kalenders. Denn in diesem Jahr, genauer gesagt am 1.3.2025, bin ich genau sechzehn Jahre als Keynote SpeakerAutor und Business Coach selbstständig.

Dies kommt mir deshalb immer wieder surreal vor, weil ich mich noch genau erinnern kann, wie lange ich Angst davor hatte, die notwendige Entscheidung zu treffen. Und noch mehr, wie hart die Anfangszeit war.

Nachdem ich meinen alten Job als Geschäftsführer bei Karstadt und IKEA gekündigt hatte, fing ich 2009 noch einmal bei null an. Mit null Kunden. Null Netzwerk. Und nichts als meinem großen Traum von der Selbstständigkeit im Kopf. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie viel Kritik damals auf mich eingeprasselt war, denn mein Umfeld konnte die Entscheidung gegen den vermeintlich sicheren Job und für eine offensichtlich vollkommen verrückte Idee ganz einfach nicht nachvollziehen.

Der Traum von der Selbstständigkeit

Trotzdem habe ich mich von den Nörglern, Meckerern und Miesepetern nicht einschüchtern lassen und mich voller Leidenschaft auf die Achterbahnfahrt namens Selbstständigkeit eingelassen, die nun schon eineinhalb Jahrzehnte anhält. Und in den Momenten, in denen ich ein wenig Zeit zum Reflektieren habe, stelle ich dankbar fest, wie stolz ich doch bin.

Nicht nur habe ich Jahr für Jahr meine Umsätze steigern können, ich habe auch ein tolles Team an meiner Seite, habe 13 Bücher veröffentlicht (die sich hundertausendfach verkauften, in dutzende Sprachen übersetzt wurden, und von denen drei Bestseller geworden sind), durfte als Keynote Speaker auf Events rund um die Welt Vorträge halten und konnte meine Personal Brand kontinuierlich ausbauen.

Selbstständigkeit ist kein gerader Weg, sondern eine emotionale Achterbahnfahrt

Wenn ich auf meinen bisherigen Weg zurückblicke (denn ich habe noch viel vor!), dann wird mir bewusst, wie viele Fehler ich gemacht, wie viele falsche Entscheidungen ich getroffen und mit wie vielen Rückschlägen ich umgehen musste. Doch dies waren die Momente, in denen ich mich als Unternehmer weiterentwickelt und wichtige Lektionen gelernt habe. Und genau diese habe ich in eine Art Best-of zusammengefasst, die ich heute gerne mit Dir teilen möchte. Falls Du gerade am Anfang Deiner Selbstständigkeit stehst, dann hoffe ich, dass die einzelnen Ideen Dir dabei helfen, Dein Business von Anfang an auf ein gesundes Fundament zu stellen.

Und solltest Du schon ein paar Unternehmerjahre auf dem Buckel haben, dann würde ich mir wünschen, dass Du trotzdem den einen oder anderen Impuls mitnehmen kannst. Hast Du Lust? Dann kommen sie hier, meine 15 besten Selbstständigkeit Tipps und Lektionen aus 15 Jahren Selbstständigkeit:

Selbstständigkeit Tipps #1: Bau Dir rechtzeitig ein Netzwerk auf

Niemand gewinnt allein. Das ist seit vielen Jahren mein Mantra. Und es trifft den Nagel auf den Kopf. Insbesondere als Solopreneurin ist ein qualitativ hochwertiges Netzwerk ein entscheidender Erfolgsfaktor für die nachhaltig erfolgreiche Selbstständigkeit. Ein Netzwerk kann Türen öffnen, Kontakte herstellen, Empfehlungen aussprechen und als Sparringspartner im Alltag eines Selbstständigen fungieren.

Wichtig ist, dass man sich das Netzwerk rechtzeitig aufbaut. Und zwar indem man das Prinzip des “Geben first — Nehmen second” befolgt. Denn ein Netzwerk ist nichts, was man sich aufbaut, um es eines Tages anzapfen zu können, sondern weil es eine wunderbare Symbiose ist, die vom gegenseitigen Support lebt.

Selbstständigkeit Tipps #2: Wenn Du besonders erfolgreich bist, ist der Veränderungsdruck am höchsten

Der Erfolg von gestern verhindert den Erfolg von morgen. Das ist eine Erkenntnis, die ich früh in meiner Karriere als selbstständiger Unternehmer gewonnen habe. Denn erfolgreich zu sein führt in der Regel dazu, dass wir bequem werden, nicht mehr so innovativ und produktiv sind und eine gewisse “Weiter so Mentalität” entwickeln. Daraus folgt eine wichtige Erkenntnis: In den Momenten des Erfolges ist die Notwendigkeit zu Innovation, mutigen Entscheidungen und Veränderungen am größten.

Selbstständigkeit Tipps #3: Vertrieb und Marketing sind Fähigkeiten, die JEDE(R)beherrschen sollte

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, aber ohne Marketing und Vertrieb ist jedes Business zum Scheitern verurteilt, denn was nützt es, wenn Du richtig gut bist, aber niemand von Dir und Deinen Angeboten weiß? Die beiden Skills sind daher schon lange nicht mehr “nice to have”, sondern eine essenzielle Fähigkeit, die Du Dir besser heute als morgen aneignen solltest. Deine Umsätze, Deine Bekanntheit und Dein langfristiger Erfolg werden es Dir danken.

Selbstständigkeit Tipps #4: Definiere Deine Unternehmensstruktur

Um Deine Selbstständigkeit wirtschaftlich erfolgreich und persönlich zufrieden führen zu können, ist einer der wichtigsten Schritt die rechtzeitige — und bewusste — Definition Deiner Unternehmensstruktur. Wie genau soll Dein Unternehmen aufgebaut sein? Wie organisierst Du Dich? Welche Aufgaben und Prozesse fallen immer wieder an und wie sollen die Standards für die Erledigung aussehen?

All das sind vorbereitende Überlegungen für die wichtigste Frage von allen: Womit möchte ich am liebsten den ganzen Tag meine Zeit verbringen (weil ich es gerne tue, besonders gut darin bin oder weil ich damit am besten Geld verdienen kann)? Wenn Du die Antwort gefunden hast, dann kannst Du alles andere entweder automatisieren oder delegieren. Das Resultat: Du tust das, was Du tun willst, erfährst eine tiefe Dankbarkeit und bist maximal profitabel.

Selbstständigkeit Tipps #5: Personal Branding ist der entscheidende Faktor für nachhaltige Selbstständigkeit

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig der Auf- und Ausbau Deiner Personenmarke für den nachhaltigen Erfolg ist. Denn als Selbstständiger bist Du der Kopf, das Herz, die Seele und auch das Gesicht Deines Unternehmens. Je großzügiger Du Deine Persönlichkeit einbringst, desto schärfer gelingt es Dir, Dich zu positionieren und damit langfristig zur Nummer 1 in den Köpfen der Kunden Deiner Zielgruppe zu werden.

Selbstständigkeit Tipps #6: Definiere (und lebe!) Deine Werte

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine gewisse positive Besessenheit für das Thema Werte entwickelt habe. Kein Wunder, sind Sie doch nicht nur der Spiegel unseres Verhaltens, sondern die Grundlage unserer Entscheidungen, unserer inneren Haltung und unserer gesamten Businessausrichtung. Die Zeit, die man in die bewusste Definition der eigenen Werte investiert, kann man kaum mit Euro oder Dollar bewerten, so groß ist der Hebel, den man erzielen wird. Denn sobald man seine Werte kennt (und täglich lebt!), hat man nie wieder Schwierigkeiten, schwere Entscheidungen zu treffen.

Selbstständigkeit Tipps #7: Sei Dir Deines Wertes bewusst und verlange einen entsprechenden Preis dafür

“Wir haben leider kein Budget, aber im Publikum sitzen viele Entscheider und Sie profitieren ja auch von unserer Social Media Reichweite”. So oder ähnlich versuchen viele Interessenten, angehende Selbstständige zu engagieren (z.Bsp. wenn Sie einen Redner buchen wollen). Sie wollen die volle Leistung, ohne den entsprechenden Preis zahlen zu wollen. Doch das Konzept des “etwas für nichts” funktioniert ganz einfach nicht. Oder kennst Du irgendeinen Bäcker, Rechtsanwalt, Koch, Autohändler oder Modehändler, der Dir seine Produkte oder Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung stellt, weil Du ihm Reichweite und mögliche Folgeaufträge versprichst? Natürlich nicht, oder?

Trotzdem ist dieses Verhalten gerade unter kreativen Selbstständigen und Solopreneuren gang und gäbe. Doch nicht nur verdient man damit kein Geld, man zerstört sich auch die eigene Marke und wird langfristig noch weniger Erfolg haben. Es gilt daher: Kenne Deinen Wert (und den Deiner Produkte und Dienstleistungen) und dann verlange den entsprechenden Preis dafür. Immer. Ohne Ausnahme.

Selbstständigkeit Tipps #8: Verinnerliche das Konzept des lebenslangen Lernens

Hast Du schon mal Gedanken gehabt wie “Das kenne ich schon”, “das weiß ich schon” oder “das kann ich schon”? Wir alle werden regelmäßig Opfer dieser inneren Illusion, die ein fatales Resultat zur Folge hat: Wir hören auf uns weiterzuentwickeln, wachsen nicht mehr und verwalten im besten Fall den Stillstand.

Noch fataler ist allerdings ein anderer Gedanke, der oftmals dann auftritt, wenn wir die ersten Erfolge als Selbstständige gefeiert haben: “Jetzt habe ich es geschafft!”. Wenn man dem nachgibt, dann ist es oft der Anfang vom Ende. Besonders für Selbstständige ist daher das Konzept des lebenslangen Lernens so entscheidend. Damit wir uns permanent weiterentwickeln, als Persönlichkeit wachsen und unsere Selbstständigkeit kontinuierlich ausbauen.

Selbstständigkeit Tipps #9: Mindset Shift vom Konsumenten zum Produzenten

Als Selbstständiger gibt es niemanden, der Dir sagt, was Du zu tun oder zu lassen hast. Dies führt dazu, dass die Unterscheidung zwischen Deinem privaten Alltag und Deiner unternehmerischen Tätigkeit nicht immer ganz trennscharf verläuft. Es ist daher entscheidend, die eigene Denkweise entsprechend anzupassen. Und dies gelingt durch einen Mindset Shift weg vom Konsumieren hin zum Produzieren von Inhalten. Content-Marketing ist einer der wichtigsten Bausteine beim Aufbau der Personal-Brand und für die eigene Akquise.

Wo man als Selbstständige früher Bücher gelesen, Vorträge besucht, Seminare besucht, Onlinekurse konsumiert, Podcasts gehört und Videos geschaut hat, gilt es nun Bücher zu schreiben, Vorträge zu halten, Seminare zu geben, Onlinekurse anzubieten, Podcasts zu produzieren und Videos aufzunehmen. Das bedeutet natürlich nicht, dass man ab sofort gar nichts mehr konsumieren sollte. Ganz im Gegenteil, schließlich haben wir uns dem lebenslangen Lernen verschrieben. Aber wenn, dann immer mit der Intention, Inspiration und Ideen zu sammeln.

Selbstständigkeit Tipps #10: Behandle Dich wie ein Unternehmen

Wo wir schon beim Thema Mindset-Shift sind, kommt direkt noch eine weitere Lektion, in der Deine Identität als Selbstständige im Mittelpunkt steht. Ich spreche von der Idee, Dich von Anfang an als Unternehmerin zu behandeln. Der Rapper Jay-Z hat diese Philosophie wunderbar auf den Punkt gebracht, als er in einem Interview einmal sagte: “I’m not a businessman, I’m a business, man!”.

Als Selbstständige bist Du das Business. Du bist der Kopf, das Herz und auch die Seele. Und dies gilt es zu beachten. Bei sämtlichen Entscheidungen, Investitionen und Tätigkeiten. Je eher Du in der Lage bist, Deinen beruflichen Alltag durch die Unternehmerbrille zu betrachten, desto schneller wird Deine Professionalität ansteigen.

Selbstständigkeit Tipps #11: Bau Dir eine E-Mail-Liste auf

Auch wenn immer wieder betont wird, dass E-Mail-Marketing eigentlich tot sei, so ist auch im Jahr 2024 die eigene E-Mail-Liste immer noch der beste Marketingkanal, den es aus meiner Sicht gibt. Was gibt es Besseres, als Tausende Menschen, die sich freiwillig eingetragen haben, weil Sie Deine Persönlichkeit schätzen, Deine Inhalte lieben und gerne Teil Deiner Community sein wollen? Kombiniert mit einer nachhaltigen Contentstrategie kann Deine E-Mail-Liste schnell zu Deinem erfolgreichsten Verkäufer werden.

Egal, wie klein oder jung Dein Unternehmen auch sein mag, mit dem Aufbau Deiner E-Mail-Liste solltest Du so schnell wie möglich beginnen. Wenn Du in fünfzehn Jahren zurückblickst, dann wirst Du mir für diese Lektion danken.

Übrigens, für meine E-Mail-Liste kannst Du Dich hier eintragen.

Selbstständigkeit Tipps #12: Such Dir Coaches und Mentoren

Ein altes Sprichwort lautet: Die besten Zinsen bringt immer noch die Investition in Dich selbst. Und das stimmt. Weil man insbesondere als Selbstständiger niemals alles wissen und können kann. Deswegen ist die permanente Fort- und Weiterbildung essenziell. Mein Erfolg ist zu einem großen Teil das Resultat meiner Zusammenarbeit mit den verschiedensten Coaches und Mentoren. So habe ich mir bspw. gezielte Unterstützung in den Bereichen Bühnenperformance, Businessaufbau, Onlinemarketing, Speechwriting und Wirkung geholt.

Und genau das empfehle ich Dir ebenso. Auch wenn ich mittlerweile selbst als Mentor und Coach tätig bin, musst Du natürlich nicht mich buchen. Aber ich kann den positiven Hebel von Coaches, die gemeinsam und vornehmlich individuell mit Dir an Deinem Business arbeiten, gar nicht genug betonen.

Selbstständigkeit Tipps #13: Bezahle Deine Partner gut

Kennst Du auch diese vermeintlichen Premiumanbieter, die selbst sehr hohe Preise für Ihre Produkte und Dienstleistungen verlangen, aber dann bei der Beauftragung ihrer eigenen Businesspartner (Webdesigner, Fotografen, Copywriter etc.) plötzlich in bester Dagobert Duck Manier so viel sparen wollen, wie möglich? Dies führt dauerhaft zu nichts, und ich kann Dir nur empfehlen, Deine Partner immer gut zu bezahlen. Natürlich hängt dies immer von Deiner aktuellen Situation ab, aber grundsätzlich gilt: Wenn Du möchtest, dass andere Dich anständig bezahlen, dann bezahle zuerst andere anständig. Klingt ein wenig esoterisch, ist aber wohl der praktischste Tipp von den fünfzehn Lektionen.

Selbstständigkeit Tipps #14: Mach mal Pause

“Selbstständigkeit bedeutet selbst und ständig.” Ich weiß gar nicht, wie häufig ich diesen Satz schon gehört habe. Und besonders zu Beginn der eigenen Unternehmerkarriere ist da auch eine Menge dran. Weil man nur dann Umsatz macht, wenn man aktiv ist. Dies führt allerdings eines Tages dazu, dass man sich nicht mehr traut, Pausen zu machen oder in den Urlaub zu fahren, weil man in der Zeit ja eigentlich am Unternehmen arbeiten könnte.

So kontraindikativ es klingt: Pausen sind nicht nur wichtig, sondern für Dein Businesswachstum essenziell. Ich hatte meine besten Ideen während eines Waldspaziergangs, habe meine besten Entscheidungen nach einer kurzen Auszeit getroffen, und meine größten Heureka-Momente passierten immer nach eine Phase, in denen ich meine kreativen und produktiven Batterien wieder aufladen konnte. Hier daher eine wichtige Empfehlung: Mach öfter mal Pause. Dein Erfolg wird es Dir danken.

Selbstständigkeit Tipps #15: Trau Dich, Du selbst zu sein

Die letzte Lektion klingt extrem banal, die Auswirkungen bei konsequenter Anwendung könnten aber nicht größer sein. Ich spreche davon, Dich zu trauen, Du selbst zu sein. Sämtliche Masken in die Ecke zu pfeffern, und Deine Persönlichkeit mit allen Facetten großzügig mit der Welt zu teilen. Dies klingt leichter gesagt, als es tatsächlich ist, denn Du wirst immer wieder Menschen begegnen, die Dir mitteilen wollen, was Du gefälligst zu tun und was zu lassen hast. Sobald Du in der Lage bist, Dich von diesen externen Erwartungen zu lösen, und Dich traust, Deine inneren Werte in sämtlichen Kontexten konsequent zu leben, wird Deine Personenmarke erfolgreicher werden, was sich langfristig auch in steigenden Anfragen, Kunden und Umsätzen widerspiegeln wird.

Selbstständigkeit Tipps #16: Sei langweilig

Nein, ich meine natürlich nicht vom Charakter her, denn wer mag schon Langweiler, oder? Ich spreche von etwas ganz anderem. Wir alle lieben die großen, emotionalen und herausstechenden Momente im Leben. Aber wahre Freiheit stellt sich ein, wenn Du erkennst, dass Erfolg (was auch immer das für Dich bedeutet) niemals das Ergebnis von einmaligen Geistesblitzen, einer Hauruck-Aktion oder einem geheimen und lange verschollenen Trick ist. Nein, Erfolg ist vom Wesen her extrem langweilig. Denn es geht immer um die konsistente Umsetzung der einfachen, vermeintlich unwichtigen und nicht besonders sexy klingenden Dinge, die am Ende des Tages einen riesigen Unterschied machen. Jeder kennt sie und alle wissen es. Doch nur die wenigsten sind fokussiert, diszipliniert und entschlossen genug, sie jeden einzelnen Tag umzusetzen. Konzentriere dich daher auf die langweiligen Aufgaben. Werde richtig gut darin. Und dein Leben wird das genaue Gegenteil davon werden: Intensiv, aufregend und erfüllend.

Genieße die Achterbahnfahrt namens Selbstständigkeit

Kommen wir zu einem kurzen Fazit. Neben den Learnings aus meiner eigenen Unternehmerkarriere habe ich in den vergangenen Jahren mit hunderten von Selbstständigen am Auf- und Ausbau Ihres Business gearbeitet. Und da die Herausforderungen bei aller Individualität fast immer gleich sind, lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  • Nicht jede(r) ist für die Selbstständigkeit geeignet. Für viele Menschen ist ein Job im Angestelltenverhältnis definitiv die bessere Wahl.
  • Besonders der Start kann hart sein, und die zunehmende Bürokratie kostet Nerven, Zeit und leider auch Geld.
  • Der Weg als Selbstständiger ist gekennzeichnet von Zweifel, Sorgen und Rückschlägen. Lass Dich hiervon nicht aus der Bahn werfen. Dies ist normal und hört auch niemals auf.
  • Dein langfristiger Erfolg hängt von Deiner Bereitschaft ab, aktiv an Deinem Business zu arbeiten, diszipliniert in die Umsetzung zu kommen, und konsequent die Extrameile zu gehen.

Der wichtigste Abschnitt kommt aber zum Schluss: Wenn Du Dich von all dem nicht abschrecken lässt, dann ist die Selbstständigkeit wahrscheinlich der erfüllendste Beruf, den man sich vorstellen kann. Nirgendwo sonst erlebt Du dieses Gefühl von Freiheit und der Möglichkeit, Dein Leben aktiv auf eine Art und Weise zu gestalten, die mit Deinen Werten und Deinem Purpose im Einklang steht.

Für die anstehende Achterbahnfahrt namens Selbstständigkeit wünsche ich Dir alles Gute.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar. Lass mich (und alle Lesenden) doch wissen, womit Du Dich selbstständig gemacht hast (oder es vorhast) und welches Deine größten Learnings sind.

Was ist Persönlichkeitsentwicklung?

Was ist Persönlichkeitsentwicklung? Möglicherweise haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt. Kein Wunder, denn das Thema wird gerne, viel und oftmals kontrovers diskutiert. Für die einen ist es der heilige Gral, um es im persönlichen Alltag und im Job so weit wie möglich zu bringen, während die anderen es eher als eine dubiose Methode sehen, mit der unseriöse Gurus ihren Kunden das hart verdiente Geld aus der Tasche ziehen.
 
Lassen Sie mich Ihnen daher direkt zu Beginn des Artikels meine Meinung mitteilen: Ich halte Persönlichkeitsentwicklung für essenziell, wenn Sie ein Leben führen wollen, dass von Selbstbestimmung, Zufriedenheit und Erfolg gekennzeichnet ist. Und wie das geht, wollen wir uns nun detailliert anschauen.
 

Was ist Persönlichkeitsentwicklung?

Die Persönlichkeit umfasst alle Merkmale eines Menschen wie Stärken, Schwächen, Talente, Fähigkeiten, Werte, Glaubenssätze, Erfahrungen, Selbstvertrauen, das angesammelte Wissen, sowie das generelle Mindset, mit dem man durchs Leben geht. Will man die (positive) Veränderung dieser Merkmale nicht dem Zufall überlassen, sondern steuert sie gezielt, dann spricht man von Persönlichkeitsentwicklung. Oder auf den Punkt gebracht: Die bewusste Steuerung der persönlichen Entwicklung mit Intention wird als Persönlichkeitsentwicklung bezeichnet.
 

Persönliche Entwicklung als Quelle von Glück und Zufriedenheit

In meinen Seminaren, Coachings und Beratungen stelle ich meinen Kunden so gut wie immer eine Frage: „Wie lautet Ihr wichtigstes Ziel für die nächsten zwölf Monate?“ Und die Antwort, die ich so häufig höre wie alle anderen zusammen, bricht mir jedes Mal aufs Neue das Herz: „Ich will glücklich und zufrieden sein.“ Sie fragen sich, was daran schlecht sein soll? Es ist natürlich nicht der Wunsch an sich, denn was gibt es Schöneres, als echtes Glück und eine tiefe Zufriedenheit zu erleben. 
 
Das Tragische an diesem vermeintlichen Ziel ist etwas ganz anders. Es ist die Annahme, dass Glück und Zufriedenheit Zustände wären, die von externen Faktoren abhängen wären. Das interne Muster entspringt dabei folgendem Schema: Wenn ich erst einmal mein Ziel erreicht habe (mit dem Studium fertig bin, die Fortbildung absolviert habe, befördert wurde, umgezogen bin, mir das neue Auto gekauft habe, mein Unternehmen gegründet habe, Mutter bin etc.), dann kann ich auch endlich glücklich und zufrieden sein. 
 
Erkennen Sie den Denkfehler? Glück und Zufriedenheit sind niemals von den äußeren Umständen abhängig. Man kann diese Zustände nicht kaufen, sie entstehen nicht mit der Zeit und sie fallen auch nicht im Laufe der Zeit vom Himmel. Wenn Sie nur eine einzige Idee aus diesem Artikel behalten würden, würde es mein Herz mit Freude erfüllen, wenn es dieser Satz wäre: Glück und Zufriedenheit sind eine Entscheidung, die wir jeden Tag aufs Neue treffen müssen.
 

Der große Irrtum, der persönliche Entwicklung verhindert

Habe ich mit diesem Satz zu sehr an Ihren Überzeugungen gerüttelt? Falls ja, dann freue ich mich. Denn wenn Sie zu den Menschen gehören sollten, deren wichtigstes Ziel darin besteht, glücklich und zufrieden zu sein, dann ist es Zeit für ein Umdenken. Lassen Sie es mich noch einmal wiederholen: Glück und Zufriedenheit sind eine Entscheidung, die Sie jeden Tag aufs Neue treffen müssen. Diese Zustände entstehen nicht irgendwann durch irgendwelche externen Ereignisse, sondern sie entstehen tief in Ihrem Inneren. 
 
Dadurch, dass Sie dankbar sind, die kleinen Dinge des Lebens genießen und jeden einzelnen Moment genießen. Sie wollen glücklich sein? Wunderbar, dann seien Sie glücklich. Und zwar nicht erst in zwölf Monaten, sondern heute. Jetzt. Sofort. Sie möchten ein zufriedenes Leben führen? Dann treffen Sie die Entscheidung, es zu tun. Dort, wo Sie jetzt gerade stehen, mit den äußeren Umständen, die zurzeit aktuell sind. Warten Sie nicht auf ein Irgendwann, denn daraus wird so gut wie immer ein Niemals.
 

Persönlichkeitsentwicklung: Das Modell der Wachstumstreppe

Das Wichtigste, um glücklich und zufrieden zu sein, ist als eine Entscheidung. Der Rest folgt von ganz alleine, sobald Sie beginnen, sich auf die Reise der persönlichen Entwicklung zu begeben. Und schon sind wir mitten drin in einem Modell, das mein Business, meinen Alltag und auch mein Leben mächtig durchgeschüttelt hat, und den gleichen Effekt hoffentlich auch bei Ihnen auslöst. Ich spreche von der Wachstumstreppe, welche ich Ihnen in der folgenden Abbildung visualisiert habe.
 
Persönlichkeitsentwicklung: Das Modell der Wachstumstreppe
 

 

Persönlichkeitsentwicklung Stufen

Die Idee dahinter ist sehr einfach. Der linke untere Kreis steht für den Status quo, die Person, die Sie heute sind, und das Leben, das Sie aktuell führen. Der rechte obere Kreis symbolisiert Ihre Zukunft, Ihre Visionen und steht für die Persönlichkeit, die Sie in Zukunft sein wollen. Und schon sind wir beim riesigen Denkfehler, dem viele Menschen verfallen: Davon auszugehen, dass der Weg zwischen dem Heute und unserem Ziel eine Gerade wäre. 
 
Doch so funktioniert das Leben einfach nicht. Es ist vielmehr eine rasante Achterbahnfahrt, mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Niederlagen, rasanten Richtungswechseln, steilen Anstiegen, Adrenalin produzierenden Loopings, vor allem aber einer riesigen Portion Spaß. Diesen Husarenritt habe ich durch die Zickzacklinie zu visualisieren versucht.
 
In der Realität würde diese sogar noch komplexer aussehen, eher wie ein mächtiges Wollknäuel, schließlich müssen wir auf unserem Weg häufig Hindernisse überwinden, neuen Anlauf nehmen, oder mit Fehlschlägen umgehen. Sind Sie einverstanden?
 
Doch das ist noch lange nicht alles. Denn innerhalb der Zickzacklinie entsteht der ganz besondere (und immer individuelle) Prozess, denn wir als Persönlichkeitsentwicklung bezeichnen. Dieser Prozess verläuft in Stufen, die ich in der Abbildung mit den Kreisen eins bis sechs betitelt habe. Die Idee dahinter ist, dass wir im Laufe der Zeit unterschiedliche Entwicklungsphasen durchlaufen, die unseren aktuellen Stand in Bezug auf Wissen, Fähigkeiten, Erfahrungen und Erkenntnissen widerspiegeln.
 
Jede einzelne Stufe hat ihre Besonderheiten und ganz speziellen Lernaufgaben. Haben wir diese gemeistert, wachsen wir als Mensch und erklimmen die nächste Persönlichkeitsstufe, auf der wir dann die nächsten Lernaufgaben zu meistern haben. Bis wir schließlich irgendwann bei unserem Ziel ankommen. Oder auf dem Weg erkennen, dass ein anderes Ziel viel attraktiver oder relevanter ist. 
 

Persönliche Entwicklung als Abfolge von Lernaufgaben

Was auch immer Sie im Leben erreichen wollen, bei jedem Ziel, jeder Vision und jedem Traum wartet die Wachstumstreppe darauf, von Ihnen erklommen zu werden. Und ich weiß, was Ihnen jetzt durch den Kopf geht, aber nein, es gibt weder Abkürzungen noch einen Fahrstuhl oder sonstige Möglichkeiten, den rechten oberen Kreis schneller zu erreichen. 
 
Und das ist auch gut so, denn jede einzelne Stufe ist gleichsam ein Meilenstein, der es wert ist, intensiv genossen und ausgekostet zu werden. Vor allem aber müssen Sie die Herausforderungen meistern, um die nächste Stufe Ihrer persönlichen Entwicklung in Angriff nehmen zu können.
 
Aus diesem Grund lohnt es sich auch nicht, dass Sie sich mit Menschen vergleichen, die schon seit zehn Jahren dort sind, wo Sie erst hinwollen. Diese Personen befinden sind Ihnen viele Stufen voraus, die von Ihnen erst noch erfolgreich absolviert werden müssen. Diese Menschen kämpfen mit ihren eigenen Lernaufgaben und Herausforderungen.
 
Und genau aus diesem Grund ist auch der berühmte Satz Fake it ´til you make it so ein Blödsinn. Denn was nützt es Ihnen, so zu tun, als ob Sie sich schon auf Stufe sechs befinden, wenn Sie aktuell damit beschäftigt sind, die Aufgaben auf Stufe eins zu meistern! Genießen Sie Ihren aktuellen Entwicklungsstand, freuen Sie sich, dass der Weg an sich das eigentliche Ziel ist. Jede Stufe hat ihre positiven und negativen Besonderheiten. Auf jeder Stufe gibt es Menschen, die in Ihr Leben treten, während andere es wieder verlassen. Und auf jeder Stufe stellt Ihnen das Schicksal Aufgaben, die es zu meistern gilt. Bis dann auf der nächsten Stufe das Spiel wieder von vorn beginnt. Ganz nach dem Motto: Sobald Sie die Antwort gefunden haben, ändert das Leben die Frage.
 

Was ist Persönlichkeitsentwicklung? Ein Fazit

Und fast schon unmerklich schließt sich der Gedankenkreis, den wir zu Beginn des Artikels geöffnet haben. Denn in Zeiten von permanenter Veränderung, zunehmender Komplexität und steter Unsicherheit wird ein radikal menschlicher Ansatz mit voller Konzentration auf den Erfolgsfaktor Persönlichkeit der Schlüssel zu einem Leben voller Selbstbestimmung, persönlicher Durchbrüche und erfüllender Freiheit sein. 
 
Es spielt keine Rolle, wo Sie heute stehen. Solange Sie bereit sind, die Wachstumstreppe Stufe für Stufe zu erklimmen und die dadurch entstehende Achterbahnfahrt zu genießen, sind Sie für die Herausforderungen der nächsten Jahre mehr als gewappnet. Ich kann Ihnen nicht genau sagen, wie unsere Zukunft aussehen wird. Aber ich habe beschlossen, Ihr den Stempel meiner Persönlichkeit aufzudrücken und sie aktiv zu gestalten. Und zwar radikal menschlich. Der Philosoph und Dichter Dante Alighieri hat es so formuliert: „Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an und handelt.“ Meine Entscheidung habe ich vor vielen Jahren getroffen. Wie lautet Ihre? 

Selbstbestimmung ist die neue Sicherheit

Selbstbestimmung ist ein Wert, der in der heutigen Zeit nicht mehr als besonders sexy und erstrebenswert gilt. Zu sehr hat sich die große Masse an eine Welt gewöhnt, in der andere Menschen, Organisationen und Behörden das gesamte Leben planen, steuern und kontrollieren. Doch die eigene Zukunft in die Hände anderer zu legen ist in der VUKA Welt der vollkommen falsche Ansatz. Stattdessen wird die Selbstbestimmung zur neuen Sicherheit. Und warum das genau so ist, wollen wir uns nun einmal genau anschauen.
 

Selbstbestimmt leben: Sei wie Wasser, mein Freund

Meiner Erfahrung nach lassen sich Menschen in zwei generelle Kategorien einteilen. Sie sind entweder Team Meer oder Team Berge. Wie ist es bei Ihnen, haben Sie sich die Frage auch schon einmal gestellt, ob Ihr Herz sich auf dem Gipfel eines majestätischen Berges oder am endlosen Strand eines rauen Ozeans am wohlsten fühlt? Ich selber muss bei der Beantwortung nicht eine Sekunde zögern. Ich bin Team Meer. 
 
Möglicherweise liegt es daran, dass ich schon als Kind wie einst Tony Buddenbrook auf den Steinen in meiner Heimatstadt Travemünde (ein Stadtteil der Hansestadt Lübeck) gesessen habe (eine sehr bekannte Szene aus dem Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann (der wie ich ebenfalls in Lübeck geboren wurde), und beeindruckt von der Weite des Horizonts von fernen Ländern und Reisen auf dem Schiff geträumt habe. Auch wenn ich die atemberaubende Landschaft der Berge liebe, fühle ich mich nirgendwo so frei wie am Meer. 
 
Stundenlang könnte ich auf die brechenden Wellen blicken, während der einzigartig salzige Geruch in meine Nase und das Kreischen der Möwen in meine Ohren dringt. Und jedes Mal, wenn ich mich irgendwo auf dieser Welt an einem Ozean befinde, muss ich unweigerlich an das wahrscheinlich bekannteste Zitat des Kampfkünstlers und Schauspieler Bruce Lee denken (Sie können sich das Interview mit Bruce Lee hier als Video anschauen):
 
Empty your mind, be formless, shapeless, like water. Now you put water in a cup, it becomes the cup. You put water into a bottle it becomes the bottle. You put it in a teapot it becomes the teapot. Now water can flow or it can crash. Be water, my friend.” 
 
Meine deutsche Übersetzung lautet wie folgt: “Leere Deinen Geist, sei formlos, gestaltlos – wie Wasser. Wenn Du Wasser in eine Tasse füllst, dann wird es die Tasse. Wenn Du Wasser in eine Flasche füllst, wird es die Flasche. Wenn Du es in eine Teekanne füllst, wird es die Teekanne. Wasser kann fließen oder zerstören. Sei wie Wasser, mein Freund.”
 

Selbstbestimmung als Antwort auf Angst und Unsicherheit

Natürlich war diese Metapher vor allem auf die Anwendung im Kampfsport gemünzt. Wenn man dem Gegner nicht mit einer starren Strategie begegnet, sondern sich flexibel anpassen kann, dann sind die Erfolgsaussichten wesentlich höher. Und Perfektion ist dann erreicht, wenn man wie Wasser ist. Denn dieses Element kann man ganz einfach nicht greifen. Gleichsam ist es aber auch in der Lage, sich seinen Weg durch undurchdringbares Terrain zu bahnen und scheinbar übermächtige Gegner zu besiegen.
 
Während der letzten Monate musste ich fast täglich an Bruce Lee und seine Metapher vom Wasser denken. Denn nicht erst seit der weltweiten Pandemie hat sich die Welt massiv verändert. Der Alltag vieler Menschen ist von einer nagenden Zukunftsangst geprägt, Prioritäten haben sich verschoben, und die große Masse der Bevölkerung teilt das immer intensiver werdende Gefühl, den Launen des Schicksals hoffnungslos ausgeliefert zu sein.
 
Und wie das bei einschneidenden Veränderungen nun mal der Fall ist, versuchen wir diese Unsicherheit damit zu überwinden, in dem wir uns an gewohnten Dingen festklammern, den Alltag an Routinen ausrichten und möglichst wenig Risiken eingehen. So absurd es klingen mag, aber je unsicherer die externen Umstände sind, desto wichtiger wird das Gefühl innerer Sicherheit für uns.
 

Sicherheit ist das Ergebnis von Selbstbestimmung

Doch wo gibt es diese Sicherheit heute überhaupt noch? Ein Job als Beamtin in der Verwaltung? Natürlich, man bekommt bis zum Lebensende jeden Monat pünktlich sein Gehalt aufs Konto überwiesen. Aber zu welchem Preis, wenn die Tage von mangelnder Kreativität, Eintönigkeit und dem oftmals sinnlosen Abarbeiten von Formularen geprägt sind? Auch die vermeintlich sichere Karriere in einem großen Unternehmen existiert nur noch in der Theorie. Durch die Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft werden Millionen von Jobs in der Zukunft wegfallen, in so gut wie allen Branchen werden immer mehr Stellen massiv abgebaut und die Coronakrise hat die Insolvenzwelle noch einmal richtig beschleunigt.
 
Und selbst wenn es gelingt, als Angestellter in einer zukunftsorientierten Branche Karriere zu machen, sind die organisatorischen Zwänge, der Stress durch zunehmenden Leistungsdruck und die kaum vorhandene Work-Life-Balance der Hauptgrund, dass sich immer mehr Menschen die Frage stellen:
 
„Soll es das jetzt gewesen sein? Soll ich für die nächsten dreißig Jahre jeden Tag in das graue Großraumbüro fahren, um einen Job zu machen, der mich nicht erfüllt, oft frustriert und schon lange keinen Spaß mehr macht?“
 
Glauben Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, ich kenne diese Gedanken nur zu gut, denn sie gingen mir früher in einer Art Dauerschleife durch den Kopf. Und ich wäre wahrscheinlich in der negativen Spirale aus Hoffnungslosigkeit und Frustration ertrunken, hätte ich damals nicht die Biografie eines meiner Jugendidole als Hörbuch im Auto gehört. Ich spreche von John Michael Osbourne, dem Sänger der legendären Hardrock-Band Black Sabbath, den Sie möglicherweise nur unter seinem Rufnamen Ozzy kennen.
 

Was Sie von Ozzy Osbourne über Selbstbestimmung lernen können

Er wuchs in den 1950er Jahren in ärmlichen Verhältnissen in Birmingham auf und beschloss als Teenager, eine Facharbeiterausbildung zu absolvieren. Und zwar zum Autohupenstimmer. Klingt nicht besonders sexy, oder? Ozzy begründete den Schritt wie folgt: „Damals dachten die, du nimmst das bisschen Bildung mit, das du ergattern kannst. Dann lernst du einen Beruf und bekommst eine Scheißarbeit, auf die du gehörig stolz bist, obwohl es eine Scheißarbeit ist. Und diese Scheißarbeit machst du dann für den Rest deines Lebens. Diese Scheißarbeit bedeutet dir einfach alles.“
 
So kam es, dass der spätere Weltstar begann, sich in die Kunst des Autohupenstimmens einweisen ließ. Wenn Sie jetzt denken: „Kunst? Das klingt eher nach einer sehr stupiden Tätigkeit“, dann haben Sie vollkommen recht. Denn der Tagesablauf des jungen Ozzy sah wie folgt aus.
 
Er saß am Fließband und griff sich eine Hupe. Stimmte diese mit dem Schraubendreher. Testete den Klang. Darauf folgte die nächste Hupe. Der gleiche Handgriff mit dem Schraubendreher. Wieder stimmen und den Klang testen. Dann die nächste Hupe. Und die nächste. Wieder und immer wieder. Greifen. Stimmen. Testen. Den kompletten Tag lang. Die Arbeit war so frustrierend, laut und eintönig, dass er fürchtete, wahnsinnig zu werden.
 
Also fragte er den Kollegen neben sich, einen älteren Herrn mit Halbglatze und riesigen Augenringen: „Sag mal Jimmy, wie lange bist Du eigentlich schon hier?“ Worauf dieser antwortete: „Neunundzwanzig Jahre und sieben Monate. Und weißt du, was das Beste daran ist? In fünf Monaten bin ich genau dreißig Jahre hier. Dann werde ich pensioniert und bekomme meine goldene Uhr vom Betrieb.“
 
Dem späteren Multimillionär ging in diesem Moment folgender Gedanke durch den Kopf: „Lieber sollen die Russen eine Bombe auf die Fabrik werfen, bevor ich dreißig Jahre in diesem Raum verbringen muss.“ Und er sagte: „Hör zu, Jimmy, wenn du unbedingt eine goldene Uhr haben willst, dann hättest du beim Juwelier in der Fußgängerzone eine klauen sollen. Selbst wenn sie dich erwischt hätten, hättest du höchstens ein Zehntel der Zeit abgesessen, die du in diesem Loch hier zugebracht hast.
 
Und das wäre zweifellos die bessere Wahl gewesen.“ Dann verließ er wortlos seinen Arbeitsplatz und traf die Entscheidung, die Frustration gegen ein selbstbestimmtes Leben einzutauschen. Das zu tun, was ihn wirklich erfüllte und wovon er seit Jahren träumte. Und dieser Traum war die Musik.
 
Gemeinsam mit seinen Jugendfreunden Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward gründete er die Band Black Sabbath und prägte die Musikgeschichte mit Hits wie Iron Man, Paranoid oder War Pigs. Wenn man den Superstar heute fragt, was ihn während seiner langen Karriere am meisten angetrieben hat, dann erzählt Ozzy Osbourne gerne, dass ihn die Erinnerung an die goldene Uhr mehr als einmal gerettet hat.
 
Immer wenn er einmal daran zweifelte, ob er noch auf dem richtigen Weg sei, immer wenn es zu Krisen und Rückschlägen kam, tauchte vor seinem geistigen Auge das riesengroße Bild einer goldenen Uhr auf und erinnerte ihn schlagartig an die Zustände in der Autohupenfabrik und wie sein Leben möglicherweise geworden wäre, wenn er nicht die Wahl getroffen hätte, den Weg der Selbstbestimmung zu beschreiten.

Selbstbestimmt leben und Freiheit genießen

Dies ist nur ein Beispiel von unzähligen anderen, wo die Entscheidung gegen traditionell vorgegebene Pfade und für ein eigenverantwortliches Leben mit folgender Erkenntnis begann:
 
„Da muss es doch noch mehr geben als Rechnungen zu zahlen, sich für eine anonyme Organisation aufzureiben und die Tage bis zur Rente zu zählen.“
 
Schon mal gehört? Vielleicht schon häufig selber gedacht? Ich hoffe doch sehr, denn in der Tat hat das Leben so viel mehr zu bieten als einen öden 9 to 5 Job, einen monotonen Büroalltag ertragen zu müssen und sinnlose Anweisungen auszuführen. Wenn man es bei den Hörnern packt und sich nicht darauf verlässt, dass andere schon die richtigen Entscheidungen für einen treffen werden. Es mag auf den ersten Blick kontraindikativ erscheinen, aber die traditionellen Beschäftigungsmodelle werden in Zukunft mit maximaler Unsicherheit verknüpft sein. 
 
Weil Sie bei jeder externen Veränderung von anderen Menschen abhängig sind. Und so hart es klingen mag, diesen sind Sie leider vollkommen egal.
 
Es spielt keine Rolle, ob es sich um Politiker, Manager großer Konzernen, Beamte in den unterschiedlichsten Verwaltungen, Vorgesetzte in der Firma oder Bürokraten des Staates handelt, sie alle sind einzig und alleine darauf bedacht, ihre eigenen Besitzstände, ihre eigene Macht und ihren eigenen Status zu erhalten. Und um das zu erreichen, verfolgen ausschließlich ihre eigenen Ziele. Und diese sind von den ihrigen weiter entfernt als der HSV von der nächsten Deutschen Meisterschaft.
 

Die alten Regeln gelten schon lange nicht mehr

Sollten Sie für das Erreichen dieser fremden Ziele als nicht mehr gut genug abgestempelt werden, wird man Sie fallenlassen wie eine heiße Kartoffel. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, wie gut, fleißig oder loyal sie in der Vergangenheit waren. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen ich kenne, die Jahrzehnte lang mit Leidenschaft und Herzblut für eine Firma tätig waren, und von heute auf morgen vor die Tür gesetzt wurden. Ohne ein einziges Dankeschön. Ohne Wertschätzung. Ohne Beachtung der früheren Verdienste. Ein kurzer Händedruck, eventuell ein Blumenstrauß zur Wahrung des Scheins und dann war es das. In vielen Organisationen sind Menschen leider nur noch eine Kostenstelle, die beim kleinsten Druck umgehend und mit mathematischer  Präzision gekürzt wird.
 
Und wenn Sie jetzt denken, dass Ihnen so etwas nie passieren könnte, dann schauen Sie sich nur an, welche Branchen gerade dabei sind, sich gesundzuschrumpfen: Die Banken, die Automobilhersteller und damit ihre Zulieferer, der Einzelhandel oder traditionelle Medienunternehmer sind nur ein paar prominente Beispiele von vielen. Und da der ausschließliche Fokus auf Kosteneinsparungen noch nie zu entsprechenden Resultaten geführt hat, ist das Ende der Entwicklung noch lange nicht erreicht.
 
So mancher namhafte Konzern konnte nur aufgrund von massiver Unterstützung durch den Steuerzahler überleben, bekannte Marken wie Galeria Karstadt Kaufhof, Vapiano, Esprit oder die Modekette Adler mussten hingegen Insolvenz anmelden. Too big to fail ist lange vorbei. Dafür gilt heute mehr denn je: Je schlanker und anpassungsfähiger, desto größer die Erfolgsaussichten in der Zukunft.
 

Flexibilität als Schlüssel für den Umgang mit einer unsicheren Zukunft

Je unsicherer die Zeiten werden, desto wichtiger wird die Selbstbestimmung. Desto wichtiger wird es, das eigene Leben selber zu gestalten, mit maximaler Flexibilität auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können und Verantwortung zu übernehmen. Für die eigen Ziele. Die eigenen Träume. Für das eigene Leben. Natürlich gibt es auch hier eine Menge Unwägbarkeiten, Dinge, die Sie nicht beeinflussen können und Hürden, die es zu überwinden gilt.
 
Aber gleichzeitig haben Sie die volle Kontrolle über Ihre Vision, Ihre Ziele, Ihre Entscheidungen und was Sie jeden einzelnen Tag tun oder auch nicht tun wollen. Und ist nicht genau das die wahre Definition von Freiheit? Es bedeute nämlich nicht, dass man (endlich) machen kann, was man will. Vielmehr ist es das befreiende Gefühl, nicht mehr das machen zu müssen, was man nicht machen will.
 

Selbstbestimmung ist die neue Sicherheit: Ein Fazit

Und mit diesem Gedanken schließt sich der Kreis dieses Artikels, denn um die alten Denkmuster des „sei fleißig in der Schule, such Dir einen guten Job und genieße das Leben dann ab der Rente“, „die Firma und der Staat werden sich schon um Dich kümmern“ und „es gibt keine Alternativen zur Karriere als Angestellter“ zu durchbrechen und durch eine zukunftsorientierte, selbstständige Lebensgestaltung zu ersetzen, müssen wir wie Wasser sein.
 
Im besten Bruce Lee´schen Sinn sollten wir nicht darauf hoffen, dass der uns im Weg liegende Stein von alleine verschwindet, von Managern aus der Teppichetage entfernt oder von einer Behörde umgesetzt wird, sondern selber aktiv zu werden. Sich einen Pfad um den Stein herum, durch ihn hindurch, oder über ihn hinweg zu bahnen. Oder sich möglicherweise einen vollkommen neue Fluss zu suchen.
 
In unserem Fall können wir die Metapher des Wassers natürlich durch das Wort Selbstbestimmung ersetzen. Wer selbstbestimmt denkt, der wird zur Lösung. Wer selbstbestimmt entscheidet, der kreiert Chancen. Wer selbstbestimmt lebt, der erschafft sich eine Zukunft nach seinen eigenen Vorstellungen.
 
Und genau aus diesem Grund wird die Selbstbestimmung in den kommenden Jahren zur neuen Sicherheit.  Zu einer neu gewonnenen Freiheit, die uns tief von innen heraus motiviert. Zu einer Unabhängigkeit, die uns mit einem Lifestyle beschenkt, der aus dem ganz speziellen Mix aus Dankbarkeit, Sinn und Erfüllung basiert. Und es gibt eine Form der Lebens- und Arbeitsgestaltung, die all das in einer einzigartigen Form vereint: Die Selbstständigkeit als Arbeitsmodell, das die Abhängigkeit von externen (und damit schwer bis wenig beeinflussbaren) Faktoren minimiert und gleichsam die Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt.
 
Sind Sie bereits selbstständig? Oder planen Sie gerade eine Gründung? Dann posten Sie doch gerne den Link zu Ihrer Homepage in den Kommentaren.

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